Der Fiat Abarth OTR 1000, alternativ auch als Fiat Abarth 1000 OTR sowie intern als Abarth (Modello, Sigla oder Tipo) 100 bezeichnet,Abarth nutzte bei dieser und anderen Baureihen regelmäßig den Markennamen Fiat Abarth (ohne Bindestrich) und in Werksveröffentlichungen die Modellbezeichnung OTR 1000; auf dem Fahrzeugheck befindet sich dagegen die Modellbezeichnung 1000 OTR, siehe die Werksunterlagen zum Fiat Abarth OTR 1000 Coupé sowie Fotos eines Originalfahrzeugs auf dem Webportal bernimotori.com, abgerufen am 2. November 2018 (englisch/italienisch); die letztgenannte Bezeichnung übernahmen auch verschiedene Fachpublikationen. Zur internen Bezeichnung siehe die Übersicht über die Abarth-Automobile, hier Tipo 100/B und 100/C, sowie die Übersicht über die Fahrzeuge mit den Abarth-Motoren Sigla 200 und 200A, jeweils auf dem Webportal bernimotori.com, abgerufen am 2. November 2018 (englisch/italienisch). ist ein sportliches Kleinwagen-Modell des italienischen Automobilherstellers Abarth; mit seinem speziellen „Radiale“-Motor wurde es zwischen 1964 und 1969 in verschiedenen Versionen in nur sehr geringen Stückzahlen auf Basis des Fiat 850 gebaut.
Modellbeschreibung mini|hochkant=1.2|Ein umfassend aufgerüsteter Fiat Abarth OT Berlina Corsa (vermutlich eine OT 1600-Replika) mit nach vorne verlegtem Wasserkühler und verchromtem Kühlergrill, wie sie auch für den OTR 1000 typisch waren
Der OTR 1000 gehört zur weitverzweigten, unübersichtlichen Pkw-Baureihe Fiat Abarth OT, die das Turiner Unternehmen zwischen 1964 und 1970 produzierte. Unter denjenigen OT-Modellen mit 1,0 Liter Hubraum und einer Serien-Karosserie von Fiat war er das sportliche Spitzenmodell. Seine nächsten Verwandten waren der alltagstauglichere Fiat Abarth OT 1000 (1964 bis 1970) und insbesondere die Coupés OTS 1000 und OT 1000 SS Corsa (1966 bis 1969), die intern alle als Abarth Tipo 102 geführt wurden, sowie der Fiat Abarth OTR 850 (nur 1966, Tipo 103). Die technische Basis vom Fahrwerk über die Karosserie bis zum Motor stammt vom Fiat 850 mit Heckmotor und Hinterradantrieb.Neben der Personenwagen-Baureihe Fiat Abarth OT gab es noch die reinen Rennsportwagen der Baureihe Fiat Abarth OT, die von 1965 bis 1968 ebenfalls auf der Bodengruppe des Fiat 850, jedoch mit DOHC-Motoren von 1,3 bis 2,0 Liter Hubraum und mit Kunststoffkarosserien als OT 1300/1600/2000 Spider Sport und (Periscopio) Coupé Sport (Abarth Tipo 135 bis 137) hergestellt wurden.
Der OTR 1000 entstand in mehreren Versionen, teils für firmeneigene Zwecke, in einer Version auch für Kunden; die zahlenmäßig bedeutendste und bekannteste Ausführung ist das OTR 1000 Coupé mit Straßenzulassung aus den Jahren 1965 bis 1969. Besonderheit ist der Abarth-Motor Sigla 200 mit einem speziellen Querstromzylinderkopf, weiterhin OHV-Ventilsteuerung und dem neuen, markeneigenen Radiale-Prinzip, das Abarth in diesem Modell erstmals nutzte. Während das „OT“ in der Modellbezeichnung für Omologata TurismoEtienne Cornil: Driving the Fiat Abarth 1000 OT. Sporting Motorist (Januar 1965) aus Abarth 1950-1971, Brooklands Books, Cobham, ISBN 9781855209299, S. 123 (englisch). (dt. homologierter Tourenwagen) stand, wies das „R“ explizit auf diesen speziellen Zylinderkopf hin,Der Bertone Abarth OTR 1000 Berlinetta (mit Erläuterung der Modellbezeichnung „OTR“) auf dem Webportal fiat850spider.de, abgerufen am 2. November 2018. steht also nicht für „Race“ / „Rennsport“. Ein auffälliges äußerliches Merkmal ist der nach vorne verlegte Wasserkühler mit verchromtem Kühlergrill. Ursprüngliche Idee war der Einsatz in einer seriennahen Tourenwagen-Kategorie der für 1965 umstrukturierten Sportwagen-Weltmeisterschaft. Jedoch verzögerte sich die Motorsport-Homologation wegen weiterer Entwicklungsarbeit zunächst um ein Jahr; danach stufte die Commission Sportive Internationale (CSI), die Zulassungsbehörde der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA), das Modell wegen des aufwendigen Radiale-Zylinderkopfes bis 1969 in eine serienfernere und damit unattraktive Kategorie ein. Abarth favorisierte daraufhin das OTS 1000 Coupé mit einem aufwendig modifizierten Serien-Zylinderkopf des Fiat 850 sowie später für die Gruppe 5 den Fiat Abarth 1000 TCR mit dem Radiale-Zylinderkopf und der leichteren, kompakteren Basis des Fiat 600 D.
In der Serienversion mit Straßenzulassung leistet der OTR 1000 74 PS (54 kW), in der Rennsportausführung ohne Straßenzulassung bis zu 106 PS (78 kW). Genaue Produktionszahlen sind nicht überliefert; einzelne Quellen gehen davon aus, dass von der einzigen Serienversion in fünf Jahren möglicherweise nur 35 Exemplare im Werk komplettiert wurden, davon nur acht für den US-amerikanischen Markt.
Übersicht über die verschiedenen Versionen mini|hochkant=1.2|Die Front des technisch eng verwandten, alltagstauglicheren Fiat Abarth OT 1000 Coupé … mini|hochkant=1.2|… und dessen Heck (mit normalem Wasserkühler hinten)
Vom Fiat Abarth OTR 1000 entstanden ab Werk folgende Varianten: Fiat Abarth OTR 1000 Berlina Corsa (intern Abarth Tipo 100): Ab 1964 entstand in Einzelstücken zur werksinternen Erprobung ohne Straßenzulassung die seriennahe Rennsportversion mit einem Abarth-Motor Sigla 200A und der zweitürigen Limousinen-Karosserie des Fiat 850 Berlina. Sie war für eine seriennahe Tourenwagenkategorie ab der Sportwagen-Weltmeisterschaft 1965 geplant, jedoch wechselte Abarth im weiteren Verlauf ab Herbst 1965 auf die attraktivere, aerodynamisch günstigere Coupéversion; Fiat Abarth OTR 1000 Berlina (intern Abarth Tipo 100/B): Im Jahr 1964 bot Abarth in Kleinstserie beziehungsweise in Einzelstücken auf Sonderwunsch, möglicherweise bis 1966, diese Variante mit zweitüriger Limousinen-Karosserie des Fiat 850 Berlina, dem Abarth-Motor Sigla 200 und Straßenzulassung an; sie sollte Abarths Bemühungen unterstützen, die FIA-Homologation für eine seriennahe Kategorie zu erlangen; Fiat Abarth OTR 1000 Coupé (intern Abarth Tipo 100/C): Diese ab 1964 entwickelte Variante bot Abarth von Herbst 1965 bis 1969 mit dem Motor Sigla 200 und einer 2+2-sitzigen Coupé-Karosserie in begrenzter Serie an. Fahrzeuge bis 1968 nutzten die Karosserie des Fiat 850 Coupé; unklar ist, ob es 1968/’69 auch Fahrzeuge mit der modellgepflegten Karosserie des Fiat 850 Sport Coupé gab; Bertone Abarth OTR 1000 Berlinetta: Im Jahr 1965 bauten Abarth und Bertone, der die Karosserie des Fiat 850 Spider gestaltet hatte und für Fiat herstellte, zu Ausstellungszwecken eine Berlinetta-Variante; sie hatte ein neu gestaltetes, fest montiertes Coupédach auf einer Spider-Rohkarosserie mit einem OTR 1000-Motor Sigla 200 und der aufgewerteten Innenausstattung des Bertone 850 CL Spider. Diese Karosserievariante ging schließlich 1968 als Bertone 850 Racer Berlinetta in Produktion, jedoch mit dem Serienmotor des Fiat 850 Sport Coupé.Der Bertone 850 Racer Berlinetta auf dem Webportal fiat850spider.de, abgerufen am 2. November 2018.
Ferner wurden einzelne Fiat Abarth OTR 1000 Coupés mit Zubehörsätzen zu Corsa-Rennsportversionen umgebaut.
Entwicklungsgeschichte mini|hochkant=1.2|Ein Bertone 850 Racer Berlinetta mit fest montiertem Coupédach auf Spider-Basis (Kleinserie ab 1968, hier eine US-Version von 1971). Ihre Premiere hatte diese Karosserieversion bereits 1965 als Einzelstück mit einem Abarth OTR 1000-Motor
Traditionell hatte Abarth enge Kontakte zu Fiat; so standen frühzeitig Vorserienfahrzeuge des im März 1964 vorgestellten Fiat 850 Berlina und den im Frühjahr des Folgejahrs auf dem Genfer Auto-Salon präsentierten Coupé- und Spider-Modellen zur Verfügung, um die vielfältige Baureihe Fiat Abarth OT zu entwickeln. Den OTR 1000 sah Abarth als sportliches Spitzenmodell der 1-Liter-Klasse mit dem Ziel, die Corsa-Rennsportversion im seriennahen Tourenwagensport einzusetzen. Die Varianten mit Straßenzulassung sollten hingegen die Homologation ermöglichen und das Abarth-Image weiter fördern. Im Laufe des Jahres 1964 entwickelte Abarth unter Leitung des Chefingenieurs Mario Colucci und des Leiters der Motorenentwicklung, Luciano Fochi, den Motor Abarth Sigla 200 als Straßenversion sowie Sigla 200A als Rennsportausführung. Beide Triebwerksvarianten passten hinsichtlich der Vergaserbestückung, des Abgaskrümmers und der gesamten Auspuffanlage sowohl in den Motorraum der Limousine wie auch der Coupé- und Spider-Versionen.
Sein öffentliches Debüt hatte der OTR 1000 in der Serienversion als Coupé mit Straßenzulassung am 9. September 1965 gemeinsam mit dem OT 1000 Coupé und dem OT 1000 Spider auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main. Am 3. November 1965 stellte Abarth das OTR 1000 Coupé auf dem Turiner Autosalon aus, während auf dem Stand von Bertone der Abarth OTR 1000 Berlinetta mit Spider-Basis debütierte; letzterer blieb jedoch ein Prototyp.Der Fiat Abarth OT 2000 Coupé America und die weiteren Modelle der Pkw-Baureihe OT auf dem Webportal bernimotori.com, abgerufen am 2. November 2018 (englisch/italienisch).
Parallel zum OTR 1000 verfolgte Abarth weitere sportliche Konzepte auf Basis des Fiat 850, so ab 1964 den Motor Sigla 202/A für das geplante OT 1000 SS Coupé und erste Ausführungen des Sigla 202/D für das spätere OTS 1000 Coupé, beide mit stark bearbeiteten Zylinderköpfen von Fiat. Den Radiale-Zylinderkopf entwickelte Abarth kontinuierlich bis 1971 weiter, zuletzt für Rennsportversionen des Autobianchi A112 und Fiat 127. Eine erste Abwandlung des OTR 1000 war der hubraumschwächere OTR 850, den Abarth nur 1966 und nur mit Limousinenkarosserie anbot; eine weitere, im Motorsport äußerst erfolgreiche Weiterentwicklung des OTR 1000-Zylinderkopfes nutzte ab 1967 der Fiat Abarth 1000 TCR Berlina Gruppo 5 (Motor Sigla 210G) auf Basis des leichteren Fiat 600 D.
Produktionsgeschichte Die Produktion der einzigen Serienausführung, des OTR 1000 Coupé, begann gemeinsam mit dem OT 1000 Coupé und dem OT 1000 Spider im Herbst 1965. Abarth erhielt die Ausgangsfahrzeuge für die OTR 1000 Coupés einzeln aus der laufenden Fiat-Produktion; er übernahm deren Chassisnummern und ergänzte sie durch das vorangestellte Kürzel „100GC“; eine nachträgliche exakte Zählung ist dadurch nicht möglich.
Umstritten ist, ob das OTR 1000 Coupé – wie auch die Parallelmodelle mit Coupékarosserie – Anfang 1968 eine Modellpflege erhielt, die den Übergang vom Fiat 850 Coupé zum 850 Sport Coupé nachvollzog. Erkennbar wären diese Fahrzeuge aus den Jahren 1968 und ’69 an den runden, in die Front integrierten Zusatzscheinwerfern, einem veränderten Kühlergrill, einem markanteren Heckabschluss mit dünnem Chromrahmen und je zwei Rückleuchten rechts und links sowie Stoßstangenhörnern vorne und hinten. Dafür spricht, dass das Modell offiziell bis 1969 angeboten wurde. Die einzelnen heute bekannten Fahrzeuge sowie Fotos von damaligen Testwagen zeigen jedoch ausnahmslos Fahrzeuge aus der ersten Fiat 850 Coupé-Serie.
hochkant=1.2|mini|Fiat Abarth OT 1300 Coupé Die Fertigung des OTR 1000 endete spätestens 1969 zusammen mit dem OTS 1000 Coupé, das die Modellpalette seit 1966 erweitert hatte. Aus der Fiat Abarth OT-Baureihe verblieben danach für ein weiteres Jahr nur noch das OT 1000 Coupé (nun mit dem stärkeren Motor des bisherigen OTS 1000 Coupé) und das Fiat Abarth OT 1300 Coupé; letzterer hatte die Modellpalette ebenfalls ab 1966 erweitert.