Kastl ist eine Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth.

Geografie Die Landschaft am Fuße des Rauhen Kulm, von der Haidenaab durchflossen, bietet mit ihren ausgedehnten Wäldern vielfältige Wandermöglichkeiten.

Gemeindegliederung Es gibt 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Kastl, Reuth b.Kastl, Unterbruck und Wolframshof. mini|Innenansicht der Dorfkirche St. Margaretha mini|Im Ortszentrum

Amerikanische Siedlung Seit Anfang 2005 hat die Gemeinde Kastl auch 40 US-amerikanische Mitbürger. Die im Zuge der Erweiterung des Grafenwöhrer Truppenübungsplatzes gebauten Häuser stehen unweit der Dorfmitte und bilden ein „amerikanisches Viertel“.

Geschichte Seit 1119 ist das Gebiet um Kastl im Besitz der Landgrafen von Leuchtenberg und deren Herrschaft Waldeck. Gebhard von Leuchtenberg soll um 1145 die Pfarrkirche St. Margaretha in Kastl gestiftet haben. Ein Pfarrer (plebanus de Chasten) in Kastl ist erstmals 1244 nachweisbar. Das Patronatsrecht der Pfarrei übte seit dem Ende des 13. Jahrhunderts das Kloster Speinshart aus. Landgraf Friedrich II. von Leuchtenberg verkaufte die Burg Waldeck mit Teilen der umliegenden Herrschaft Waldeck an Herzog Ludwig von Bayern. Nach dem Hausvertrag von Pavia von 1329 kam die Burg zum Kurpräzipium der pfälzischen Wittelsbacher.

Nach dem Sieg von General Tilly in der Schlacht am Weißen Berg über Kurfürst Friedrich von der Pfalz erhielt Herzog Maximilian von Kaiser Ferdinand die Oberpfalz als Pfand für die von ihm verausgabten Kriegskosten, 1623 erhielt er die Kurwürde und 1628 bekam er die Oberpfalz als Eigentum übertragen. Kastl gehörte so nun zum Rentamt Amberg und zum Landgericht Waldeck des Kurfürstentums Bayern.

Ein geschichtlicher Höhepunkt der Ortschaft war eine gewonnene Schlacht gegen eine Franzosentruppe am 26. August 1796. Die Kastler Bauern traten den mit Schusswaffen ausgerüsteten Franzosen nur mit Mistgabeln entgegen und konnten sie so von einem Überfall auf die Nachbarstadt Kemnath abhalten. Dies war nur möglich, weil die Soldaten die Nacht zuvor einiges über den Durst getrunken hatten.Michael Pöllath: Der 26. August 1796 : ein merkwürdiger Tag für die Stadt Kemnath. Gangwolf, Kemnath, 1845.

Mit den Bayerischen Gemeindeedikten Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Kastl 1808 ein eigener Steuerdistrikt und bildete ab 1818 eine Landgemeinde mit Selbstverwaltung.

Name Der Ortsname „Kastl“ kommt mehrfach in Bayern vor. Der Historische Atlas von Bayern, Band Kemnath, bezeichnet in der Zeit von 1244 bis 1747 folgende Schreibvarianten: „Chasten“, „Kastel“, „Castel“ und „Castl“. Es gibt verschiedene Ursprungsformen für den Ortsnamen Kastl, wie z. B. Kasten (Speicher, vgl. Briefkasten, Kleiderkasten, Getreidespeicher oder -Kasten), Castell (Festung, Bollwerk, Burg, Zufluchtsort) Castulus (römischer Märtyrer, dessen Gebeine zunächst in Moosburg waren und später nach Landshut überführt wurden).

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet dieses Ortsnamens war früher noch weitaus größer. Für den Ort Kastl (bei Kemnath) kommt aus den oben aufgeführten Ursprungswörtern nur die Ableitung von Kasten in Frage. Die geht auf eine Regelung zurück, wonach man früher Beamten und Dienern Grundstücke von der Gemeinde oder von der Grundherrschaft zuwies und dafür einen Getreidezins forderte, also eine Art Naturalsteuer. Dazu war ein Aufbewahrungsort notwendig, ein Speicher oder „Kasten“, der vom Kastenamt (heute: Finanzamt) verwaltet wurde. Aufgrund der schon im Mittelalter bemerkenswerten Größe der Pfarrei Kastl und der Zugehörigkeit zu den Burgherren von Waldeck und Leuchtenberg sowie zum nahen Kloster Speinshart befand sich im Ort ein solcher Getreidekasten. Im Salbuch von 1283 wird das „Schlössl“ (Hausnr. 17) bezeichnet, auf dessen Grundmauern sich das heutige „Löindlhaus“ befindet. Kellergewölbe und Brunnen sind noch vorhanden.

Neben den verschiedenen Ortsnamen, welche sich aus dem o. a. Wortstamm bildeten (wie z. B. St. Kastl), leiten sich auch zahlreiche Familiennamen davon ab, z. B. Kastner, ein Name, der in der Region um Kastl weit verbreitet ist.

Eingemeindungen Im Jahr 1946 wurde die Gemeinde Wolframshof eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kam am 1. Januar 1972 Unterbruck hinzu. Am 1. Januar 1978 wurde ein Teil der aufgelösten Gemeinde Löschwitz eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Kastl konnte als eine von vier Gemeinden im Landkreis Tirschenreuth 2004 einen Einwohnerzuwachs vermelden und zählte 1398 Bewohner. Kastl hat auch den größten Anteil Minderjähriger im gesamten Landkreis.

Zwischen 1988 und 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1244 auf 1399 um 155 bzw. um 12,5 %, das war der höchste prozentuale Zuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum.

Besonderheiten Das Dorf Kastl wurde Kreissieger 2005 beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft.

Politik Gemeinderat Stand: 1. Mai 2020 CSU: 7 Sitze FW: 5 Sitze

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Hans Walter, Zweite Bürgermeisterin Michaela Veigl. Beide gehören der CSU an.

Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Kemnath.

Wappen

Kultur Vereine Der größte Sportverein im Gemeindegebiet ist der TSV 1960 Kastl mit den Sparten Fußball, Volleyball, Tennis, Tischtennis, Schifahren, Wandern und mit mehreren Turngruppen. Außerdem gibt es den Schützenverein Einigkeit Hubertus Kastl. Er besitzt eine der modernsten Schießsportanlagen Europas. Sehr erfolgreich ist die Jugendarbeit mit vier Weltmeisterschaftstiteln, einer Europameisterin und mehreren Titelträgern auf nationaler Ebene (Deutscher und Bayerischer Meister).

Die meisten Mitglieder aller Vereine kann der Kulturtreff Kastl mit 940 aufweisen. Die Kastler Kleinkunsttage sind der kulturelle Höhepunkt jeden Jahres. An der Veranstaltung nehmen immer mehrere, meist aus dem Fernsehen bekannte Kabarettisten und Sänger teil. Die Rockband Troglauer Buam wohnt zum Teil in Kastl, auch ihr namensgebender Proberaum Muhbarack in Troglau liegt auf dem südlichen Gemeindegebiet.

Erntedankzug Seit 1950 gibt es in Kastl einen historischen Erntedankzug. Bei dem nur alle zehn Jahre stattfindenden Festzug wird das bäuerliche Leben so dargestellt, wie es einmal war. Die Liste der Festwagen ist lang: Von der Bauernhochzeit, dem Pferdegespann mit beladenem Heuwagen, einer Schulklasse mit Lehrer bis hin zur Hutza-Stub’n ist alles dabei. Über 30 Festwagen und zahlreiche Fußgruppen stellen das Leben auf dem Lande möglichst identisch dar. An dem Festzug beteiligen sich alle Vereine der Kirchengemeinde Kastl mit nahezu 500 Mitwirkenden. Der Festzug im Jahr 2000 lockte über 8000 Besucher an.

Bauwerke In den Gemeindeteilen Wolframshof und Unterbruck gibt es zwei Schlösser mit großen zugehörigen Ländereien (Agrarflächen und Waldstücke). Ein weiteres Bauwerk ist die Kirche St. Margaretha in der Dorfmitte. Im Friedhof sowie im Schloss Wolframshof steht je ein sogenannter Bonifatiusstein. Solche Steine ließ Bonifatius überall dort, wo er missionierte, als Zeichen seines Wirkens aufstellen.

Natur Das Naturschutzgebiet Langweiher Moor

Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Die größten Arbeitgeber des Ortes sind die Firma IEM Fördertechnik GmbH (Förderbänder, Förderanlagen), die bis nach Brasilien und Indien liefert, das Bauunternehmen Johann Heining und die Firma Heinrich Hoven.

Dienstleistungen und Betriebe Im Gemeindegebiet Kastl gibt es eine Grundschule, einen Kindergarten, eine katholische Kirche, mehrere Banken und Versicherungen, mehrere Wirtshäuser, ein Café, Frisörläden, einen Allgemeinarzt, einen Zahnarzt, eine Physiotherapie, eine Massagepraxis, eine Bäckerei, eine Metzgerei, eine Werbeagentur, einen Malerbetrieb, einen Dachdeckerbetrieb, ein Bauunternehmen, eine Freiwillige Feuerwehr, ein Elektrogeschäft und ein Sägewerk.

Verkehr Kastl liegt günstig im Städtedreieck Bayreuth, Weiden, Marktredwitz und hat mit der Staatsstraße 2665 eine direkte Verbindung zur B 22 und B 299 und damit auch an die Autobahnen A 9 und A 93.

Persönlichkeiten Alois Weber (* 1903 in Kastl; † 1976 in Freising), Offizier, Generalmajor

Weblinks

Gemeinde Kastl

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Tirschenreuth Kategorie:Ersterwähnung im 13. Jahrhundert Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)