Der Begriff Fenestrierung (von lat. fenestra, dt. ‚Fenster‘; eingedeutscht Fensterung, engl. Fenestration) wird in der Medizin vielseitig verwendet.
In der Chirurgie für eine fensterartige Gewebeausschneidung, wie beispielsweise bei einer Augenmuskeloperation. Handelt es sich dabei um eine Zugangsbildung zu einem Organ, so spricht man von einer äußeren Fenestrierung. Ein Beispiel hierfür ist die Caldwell-Luc-Operation als Kieferhöhleneröffnung.Hoffmann-La-Roche-Aktiengesellschaft (Grenzach-Wyhlen): Roche Lexikon Medizin. Elsevier Health Sciences, 2003, ISBN 978-3-437-15156-9, S. 603 (). Werden zwei Hohlsysteme miteinander verbunden, so spricht man von einer inneren Fenestrierung. Dies ist beispielsweise bei der Läwen-Balkenfensterung der Fall.N. Guleke: Die Eingriffe am Gehirnschädel, Gehirn, Gesicht, Gesichtsschädel, an der Wirbelsäule und am Rückenmark. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-90910-8, S. 127 ().
Weitere Beispiele Ein weiteres Beispiel für eine Fensterung ist die Bogengangsfensterung.Springer-Verlag: Pädiatrische Grenzgebiete Augen · Ohren · Zähne · Haut. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-95040-7, S. 175 ().Hermann Frenzel: Spontan- und Provokations-Nystagmus. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-68193-6, S. 108 ().
In der Anatomie werden die Öffnungen in Blutkapillaren (= fenestrierte Kapillaren)Adolf Faller: Der Körper des Menschen. Georg Thieme Verlag, 2016, ISBN 978-3-131-67787-7 (). und LymphgefäßenW. Remmele: Pathologie 3. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-59230-0, S. 21 (). als Fenestrierungen bezeichnet.
In der Herzchirurgie wird die Herzbeutelfensterung (Perikardfensterung/-fenestrierung) angewendet, um durch Einschneiden einer Öffnung in den Herzbeutel (Größe situationsabhängig, z. B. in Briefmarkengröße) oder durch dessen vollständige Entfernung (Perikardektomie, wie sie von 1920 bis 1939 von Ludwig Rehn, Victor Schmieden und Ferdinand Sauerbrauch sowie Claude S. Beck zum Routineverfahren wurdeFriedrich Wilhelm Hehrlein: Herz und große Gefäße. In: Franz X. Sailer, F. W. Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen: Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 164–185, hier: S. 171.) einen Perikarderguss dauerhaft über den Bauchraum abzuleiten. Ausführung erfolgt als Operation in Narkose.
Einzelnachweise
Kategorie:Chirurgie Kategorie:Blutgefäß Kategorie:Lymphatisches System