mini|St. Ludwig (Saarlouis), Fassadenriss der neogotischen Turmfassade von Vincenz Statz, Turmhöhe: 51 m mini|St. Ludwig (Saarlouis), Außenansicht der Barockkirche, (Archiv des Institutes für aktuelle Kunst im Saarland) mini|St. Ludwig (Saarlouis), Innenraum der Barockkirche, (Archiv des Institutes für aktuelle Kunst im Saarland) Die neogotische Kirche St. Ludwig und St. Peter und Paul war der Nachfolgebau der barocken Stadtkirche von Saarlouis sowie der Vorgängerbau der gleichnamigen heutigen katholischen Kirche am Großen Markt in Saarlouis. Die Pfarrgemeinde wurde im Jahr 1685 im Zusammenhang mit der Anlage der Festung Saarlouis gegründet. Der Bau der katholischen Kirche geschah im Zusammenhang mit der Anlage der Festung Saarlouis durch den französischen König Ludwig XIV. und ist auch im Zusammenhang mit den Rekatholisierungsmaßnahmen Ludwigs XIV. im Gefolge der Reunionspolitik an der mittleren Saar in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu sehen.Josef Niessen: Zur Kirchengeschichte an der mittleren Saar, in: Saar-Atlas, im Auftrage der Saar-Forschungsgemeinschaft bearbeitet und herausgegeben von Hermann Overbeck und Georg Wilhelm Sante, in Verbindung mit Hermann Aubin, Otto Maull und Franz Steinbach, Gotha 1934, S. 49–54, hier S. 52. Der ehemals barocke Bau erfuhr im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Umgestaltungen. So wurde im 19. Jahrhundert in zwei Etappen der Barockbau durch einen neogotischen Neubau ersetzt. Dessen Kirchenschiff wurde im 20. Jahrhundert durch einen Betonbau im Stil des Brutalismus ersetzt. Vom neogotischen Bau hat sich bis heute die Turmfront erhalten.

Bau eines neogotischen Kirchenschiffes mini|150px|Carl Friedrich Müller (1833–1889), Kreisbaumeister des Landkreises Saarlouis, Architekt des neogotischen Kirchenschiffes von St. Ludwig, Aufnahme aus dem Jahr 1870 Da die ursprüngliche Barockkirche wie die gesamte Festung auf wenig festem Grund errichtet wurde, traten im 19. Jahrhundert statische Mängel auf. Das schwere Eichengebälk der Decke drückte die Außenmauern des Kirchenschiffes auseinander, sodass zur Notsicherung zahlreiche Stützen eingesetzt werden mussten. Dechant Franz Hecking setzte sich mit einer Unterschriftenaktion Saarlouiser Bürger für einen totalen Neubau des Gebäudes inklusive Abriss der angebauten Wohnhäuser ein und argumentierte mit bautechnischen, architektonischen, künstlerischen und patriotischen Gründen, indem er den bisherigen Barockbau als „trauriges Wahrzeichen der Geschmacklosigkeit“ und „schmähliches Denkmal“ bezeichnete, konnte sich allerdings bei der königlich-preußischen Bezirksregierung nicht durchsetzten.Saarlouiser Journal, Nr. 187 (1864); Michael Thome (Red.): Kunst im Kirchenraum Saarlouis 1100–1980, Entwicklung kirchlicher Kunst, Katalog zur Ausstellung im Städtischen Museum Saarlouis vom 18. Oktober – 9. November 1980, hrsg. von der Kreisstadt Saarlouis, o. O. 1980, S. 2–3; Severin Delges: Geschichte der katholischen Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis. Saarlouis-Lisdorf 1931, Erweiterung um einen zweiten Teil durch Heinrich Unkel im Jahr 1952, Erweiterung um einen dritten Teil durch Marga Blasius im Jahr 1985, Teil 1, S. 95–96. Die nicht gefährdete Turmfassade aus dem 17. Jahrhundert mit den angebauten Wohnhäusern musste aus Kostengründen erhalten bleiben. Die Stadt befürwortete ebenfalls den Beibehalt des Turmes, da sich die Stadtkasse durch die Errichtung einer Bürgerschule und die Installation von Gaslaternen in angespannter Lage befinde. So wurden ab dem 26. Mai 1864 nur das Langhaus und der Chor in Übereinkunft mit dem Saarlouiser Stadtrat abgebrochen. Beim Abbruch des Muttergottesaltares fand man eine Messingkapsel, die die Konsekrationsurkunde des Jahres 1687 enthielt. Zwei gleichlautende Urkundenausfertigungen fand man dann anschließend im Altarstein des marmornen Hochaltares und im Altarstein des Muttergottesaltares. Unter dem Hochaltar wurde die Bleiplatte gefunden, die die Grundsteinlegung beurkundete.Severin Delges: Geschichte der katholischen Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis. Saarlouis-Lisdorf 1931, Erweiterung um einen zweiten Teil durch Heinrich Unkel im Jahr 1952, Erweiterung um einen dritten Teil durch Marga Blasius im Jahr 1985, Teil I, S. 96–97. In den Jahren 1865 bis 1866 errichtete der Architekt Carl Friedrich Müller (1833–1889) nach Zustimmung der bischöflichen und königlich-preußischen Behörden auf den alten, barocken Fundamenten eine neogotische dreischiffige Stufenhalle mit schmäleren Seitenschiffen. Der Bau erweiterte sich um ein ausladendes, etwas niedrigeres Querschiff und endete außen in einem im Mittelschiff gerade abschließenden Langchor mit zweibahnigem Maßwerkfenster. Die Seitenschiffe schlossen in einem 45°-Winkel. Die Säulen und Strebepfeiler der Konstruktion sollten den Druck des Gewölbes besser verteilen und ein Auseinanderdriften der Außenwände verhindern.

Während der Bauzeit bis Mai 1866 fand der Gottesdienst zunächst in den Lazarettkellern der Kaserne IV statt, dann, nach Ausbruch des Deutsch-Deutschen Krieges in der Hospitalkapelle, da man den Lazarettkeller für Verwundete benötigte. Die Pläne des Müllerschen Neubaues existieren nicht mehr.Michael Thome (Red.): Kunst im Kirchenraum Saarlouis 1100–1980, Entwicklung kirchlicher Kunst, Katalog zur Ausstellung im Städtischen Museum Saarlouis vom 18. Oktober – 9. November 1980, hrsg. von der Kreisstadt Saarlouis, o. O. 1980; 3.

Carl Friedrich Müller erbaute oder erweiterte in den Jahren 1861–1889 im Gebiet des heutigen Saarlandes 20 Kirchen und war entschiedener Verfechter der Neogotik, die ihm von seinem Lehrer Georg Gottlob Ungewitter in den Jahren 1850 bis 1853 an der Höheren Gewerbeschule Kassel vermittelt worden war. Ungewitter hatte zu den prägenden Vertretern der Wiederbelebung gotischer Formen in Deutschland (Neugotik oder Neogotik) gehört und spielte damit eine wichtige Rolle in der historistischen Architektur, speziell im Kirchenbau. Müllers Sakralarchitektur Ungewitterscher Prägung ist durch klare, erhabene Formen geprägt. Aufgrund der finanziellen Verhältnisse seiner Gemeinden musste Müller hinsichtlich der Schiff- und Turmhöhe Abstriche seitens gotischer Idealdimensionen machen. Um eine bessere Einbeziehung der Gemeinde in das liturgische Geschehen zu gewährleisten, präferierte Müller bei seinen Kirchenbauten dreischiffige Stufenhallen mit Rundpfeilern, die innerhalb des Kirchenraumes die starre Schiffeinteilung mildern und ihn optisch weiten. Seine meist eingezogenen Apsiden weisen häufig Fünfachtelschlüsse auf. Die Außenwände gliedert er mithilfe von Strebepfeilern in Jochabschnitte. Die Joche schließen nach oben mit Kreuzrippengewölbe ab. Ab dem ersten Freigeschoss sind seine Kirchtürme im Grundriss oft eingezogen. Diesen Übergang kaschiert Müller meist mit Eckfialen. Die hölzernen, ins Oktogon übergehenden schlanken Turmhelme sind verschiefert. Sein Spitzbogenfenster sind meist zweibahnig. Die Fassaden sind streng symmetrisch gestaltet. Hinsichtlich der Formensprache der architektonischen Details orientiert sich Müller eher an der Frühgotik. Der Kirchenbau St. Ludwig in Saarlouis weist hinsichtlich der Chorgestaltung eine Sonderstellung im Müllerschen Œuvre auf. Die Apsis ist mit einem inneren Umgang ausgebildet, die Spitzbögen sind lanzettenförmig gedehnt, die Gewölbefelder sehr steil konzipiert. Diese Gestaltung der Spitzbögen weist im Bezug auf die Höhendehnung Ähnlichkeiten mit den Arkaden der spätgotischen Apsisgestaltung der Metzer Kathedrale auf, die an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert vollendet wurde. Unterschiedlich sind jedoch die umgesetzten Gesamtkonzeptionen der Stufenhalle mit Umgang in Saarlouis und der basilikalen Struktur mit Arkadenzone, Triforium und Obergaden in Metz. Die eingestellten Säulen bilden im Altarbereich einen Fünfachtelschluss, der nach außen so nicht sichtbar wird.

Während man die erste Hl. Messe bereits am Ludwigsfest des Jahres 1866 gefeiert hatte, beging man die Konsekration des neuen Müllerschen Kirchenschiffes am 22. September 1867 mit einer feierlichen Außenillumination der Kirche auf Kosten der Stadt. Der die Konsekration vollziehende Trierer Bischof Matthias Eberhard unterschrieb folgende Weiheurkunde:Severin Delges: Geschichte der katholischen Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis. Saarlouis-Lisdorf 1931, Erweiterung um einen zweiten Teil durch Heinrich Unkel im Jahr 1952, Erweiterung um einen dritten Teil durch Marga Blasius im Jahr 1985, S. 98–99.

Der Grundstein der Barockkirche und die Herzkapsel des Marquis de Choisy wurde am 11. Oktober 1866 in einer feierlichen Zeremonie im Beisein von Vertretern staatlicher und kirchlicher Behörden, des Kirchenrates und der Baukommission unter den Stufen des Hochaltares eingelassen. Darüber hinaus brachte man eine Metalltafel zur Erinnerung an das Ereignis an.

Das neue Kirchenschiff hatte an die 24.000 Taler gekostet. Der preußische König Wilhelm I. hatte unter der Bedingung, dass die katholischen Militärangehörigen der Festungsstadt das Gebäude als Garnisonskirche dauernd unentgeltlich benutzen dürften, ein sogenanntes Gnadengeschenk in Höhe von 4000 Talern in Aussicht gestellt. Da der Stadtrat aber nur ein bedingungsloses Gnadengeschenk des Königs annehmen wollte, verfiel die königliche Zusage. So wurde die Kirche als katholische Garnisonskirche vermietet. Im Jahr 1885 betrug die Jahresmiete zum Beispiel 500 Mark.Severin Delges: Geschichte der katholischen Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis. Saarlouis-Lisdorf 1931, Erweiterung um einen zweiten Teil durch Heinrich Unkel im Jahr 1952, Erweiterung um einen dritten Teil durch Marga Blasius im Jahr 1985, Teil I, S. 97–98.

Im Vergleich mit dem barocken Kirchenbau hatte man durch den Einbau von Säulen im neogotischen Kirchenraum Sitzplätze verloren. Alle barocken Ausstattungsgegenstände des Vorgängerbaues empfand man nun als nicht mehr stilecht und entfernte sie. Erhalten blieben nur die beiden Ölgemälde Ludwigs XIV. und die vergoldete Altarpredella, die man auf dem Dachboden des Pfarrhauses (heute Dechant-Unkel-Platz hinter der Kirche) provisorisch gelagert hatte. Die beiden steinernen Fassadenfiguren der Apostel Petrus und Paulus stellte man in den Vorgärten der Sakristeien auf.

Die neogotische Innenausstattung wurde von privaten und kommunalen Spendern ermöglicht. Besonders Prälat Subtil trieb diese Aufgabe mit großer Zielstrebigkeit voran. Im Jahr 1900 wurden die Rosenkranzgeheimnisse auf die Chorwände gemalt. Das linke Querhaus schmückte man mit Darstellungen des Todes des heiligen Josef. Die Darstellung der Vermählung Marias und Josefs wurde im rechten Querhaus angebracht.Katholisches Pfarramt St. Ludwig in Saarlouis (Hrsg.): St. Ludwig – Saarlouis, Erolzheim 1960, S. 5–6; Severin Delges: Geschichte der katholischen Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis. Saarlouis-Lisdorf 1931, Erweiterung um einen zweiten Teil durch Heinrich Unkel im Jahr 1952, Erweiterung um einen dritten Teil durch Marga Blasius im Jahr 1985, S. 96; Michael Thome (Red.): Kunst im Kirchenraum Saarlouis 1100–1980, Entwicklung kirchlicher Kunst, Katalog zur Ausstellung im Städtischen Museum Saarlouis vom 18. Oktober – 9. November 1980, hrsg. von der Kreisstadt Saarlouis, o. O. 1980, S. 3.

Bau einer neogotischen Turmfront mini|hochkant|links|St. Ludwig (Saarlouis), Brand des barocken Kirchturmes 1880, (Stadtarchiv Saarlouis) mini|St. Ludwig (Saarlouis), Barocker Kirchturm nach dem Brand von 1880, (Stadtarchiv Saarlouis) mini|links|St. Ludwig (Saarlouis), Marianische Inschrift in der Turmvorhalle mini|hochkant|St. Ludwig (Saarlouis), Bau des neogotischen Turmes, (Stadtarchiv Saarlouis) mini|hochkant|St. Ludwig (Saarlouis), Portalzone mini|150px|links|Vincenz Statz (* 9. April 1819 in Köln; † 21. August 1898 ebenda), Architekt der neogotischen Turmfront von St. Ludwig