mini|Die Kirche aus südöstlicher Richtung mit der 1974 wiederhergestellten Architekturbemalung mit Pilastern und QuaderungenPeter von Bomhard (1995), S. 11. Die katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Halfing wurde bereits 928 urkundlich erwähnt.Peter von Bomhard (1964), S. 258; zur Urkunde, auf die Peter von Bomhard Bezug nimmt: Digitalisat: f. 11v Direktzugriff Ihr Patrozinium war ursprünglich Mariä Geburt, erst in der jüngeren Neuzeit wurde dies auf Mariä Himmelfahrt geändert.Peter von Bomhard (1964), S. 259. Beginnend vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zur Säkularisation war sie die bedeutendste marianische Wallfahrtskirche zwischen Inn und Chiemsee.Peter von Bomhard (1964), S. 259; Peter von Bomhard (1995), S. 2. Die Kirche wurde in ihrer Geschichte mehrfach neu erbaut, zuletzt in der Spätgotik zu Beginn des 15. Jahrhunderts und in den Jahren 1727 bis 1730 als erster großer Kirchenbau des Spätbarocks im westlichen Chiemgau durch den Grafinger Baumeister Thomas Mayr.Peter von Bomhard (1957), S. 37 Der ungewöhnlich große und wohlproportionierte Kirchenbau mit seiner reichhaltigen Ausstattung aus dem Spätbarock und Rokoko zählt zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten der Region.Das Dehio-Handbuch ordnet die Kirche als „besondere Sehenswürdigkeit“ ein, siehe Lampl (2002), S. 400 (Markierung mit Stern) und auf dem Kartenblatt 17 im Anhang. In Peter von Bomhard (1995), S. 11, wird die Kirche als „räumlich eines der größten Gotteshäuser des Chiemgaus“ beschrieben.

Die Kirche gehört zum 1991 eingerichteten Pfarrverband Halfing des Dekanats Rosenheim in der Seelsorgsregion Süd im Erzbistum München und Freising. Ursprünglich gehörte die Kirche zum Dekanat Chiemsee. Seit der Umstrukturierung zum 1. Januar 2024 gingen die früheren Dekanate Bad Aibling und Chiemsee in dem neuen Dekanat Rosenheim auf: Zum Hinweis, dass der Pfarrverband am 1. März 1991 eingerichtet wurde:

Geschichte In einer im Codex Odalberti niedergeschriebenen Urkunde vom 3. Januar 928 wird die Kirche im Rahmen eines Tausches erwähnt, bei dem Rafolt, der bisherige Lehensherr von Halfing, sein bisheriges Lehen als Eigentum erhält und im Gegenzug zwei Orte bei LandshutWeilnbach (heute ein Ortsteil von Arnstorf) und Essenbach. an das Erzbistum Salzburg abgibt.Peter von Bomhard (1964), S. 257. Daraus ergibt sich, dass die Kirche ursprünglich zum Besitztum des Salzburger Erzbistums gehörte, wenngleich Halfing nicht in den Notitia Arnonis verzeichnet ist, der um 788 entstandenen Liste der Schenkungen der bairischen Adligen an das Erzbistum Salzburg zu Zeiten des Erzbischofs Arno. Das legt nahe, dass erst im 9. Jahrhundert die Kirche entweder gegründet oder dem Erzbistum Salzburg gestiftet wurde.Peter von Bomhard (1964), S. 258.

Die Kirche in Halfing gehörte ursprünglich unmittelbar zum Erzbistum Salzburg. Mit der Aufteilung der Erzdiözese in Archidiakonate im 12. Jahrhundert wurde es dem Archidiakonat Baumburg unterstellt. Trotz der Nähe zum Chiemsee wurde die Kirche nicht dem 1215/16 neu gegründeten Suffraganbistum Chiemsee zugeordnet. Mit dem Bayerischen Konkordat von 1817 fiel die Kirche mitsamt den Pfarreien des ehemaligen Bistums Chiemsee an das neugegründete Erzbistum München und Freising.Peter von Bomhard (1957), S. 9–10.

Halfing war ursprünglich ein Dorfgericht und wurde als solches um 1400 von Stephan III. an Ortolf den Laiminger auf Forchtenegg verliehen. Hieraus ging die Hofmark Forchtenegg und Halfing hervor, und die Kirche wurde bis zur Säkularisation im Jahr 1803 zu einer typischen Hofmarkskirche, bei der die Hofmarksinhaber die Administration des zur Kirche gehörenden weltlichen Stiftungsbesitzes übernahmen. Der umfangreiche Besitz der Kirche, der durch Stiftungen der Laiminger und durch die nicht geringen Opfergaben begründet wurde, belief sich 1647 auf ein Vermögen von über 4208 Gulden, das ein Jahreseinkommen von über 74 Gulden bescherte.Peter von Bomhard (1964), S. 257, 259–260. 1731 fiel die Hofmark und damit die Verwaltung des Vermögens an das Kloster Seeon bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1803.Peter von Bomhard (1957), S. 7.

Bis 1889 war die Kirche in Halfing eine Filiale der Pfarrei Höslwang. Da sowohl die Halfinger Kirche als auch die ebenfalls zu Höslwang gehörende Rupertuskirche in Amerang deutlich älter als die Pfarrkirche St. Nikolaus in Höslwang sind, vermutet Peter von Bomhard, dass der Zusammenschluss erst im Hochmittelalter erfolgte. Durch Stiftungen der Familie von Laiming in den Jahren 1368, 1406, 1429 und 1452 wurde sichergestellt, dass für Halfing ein Kaplan zur Verfügung stand und regelmäßig Messen gelesen worden sind. Dieser hatte zunächst seinen Wohnsitz im Pfarrhof Höslwang, erhielt aber zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Halfing ein eigenes Priesterhaus.Peter von Bomhard (1964), S. 258–259.

Als marianische Wallfahrtskirche lässt sich die Kirche durch ein Testament bereits 1488 nachweisen. Zeitnah zu dem um 1430 entstandenen Gnadenbild begannen die Wallfahrten wohl im 15. Jahrhundert und hatten zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen ersten Höhepunkt, als in den Jahren 1509 und 1512 Mirakelbücher angelegt wurden. Nach einer Zeit des Niedergangs gelang es dem Höslwanger Pfarrer Matthias Kramer, die Wallfahrten wiederzubeleben, als er 1660 beim Karmeliterorden und dem Salzburger Erzbistum die Genehmigung für die Einrichtung einer Skapulierbruderschaft erhielt. Durch die Aufklärung und Säkularisierung kam dies weitgehend zum Erliegen, wenngleich bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch Gläubige aus elf umliegenden Pfarreien zur Betnacht am Samstag in der Kreuzwoche kamen. Peter von Bomhard (1964), S. 259; Peter von Bomhard (1995), S. 2. Die Kreuzwoche ist die Woche vor dem Fest der Kreuzerhöhung am 14. September. Zahlreiche in der Kirche und in Gebäuden des Pfarrhofs hängende Votivbilder mit Darstellungen der „Maria am Moos“ aus dem 17. bis 19. Jahrhundert und mehrere erhaltene Prozessionslaternen sind bleibendes Zeugnis dieser jahrhundertelangen Tradition.Peter von Bomhard (1964), S. 277.

Baugeschichte Ein an der Westwand freigelegtes romanisches Steinportal ist Zeugnis der frühesten erhaltenen Bauperiode. In der Spätgotik wurde die Kirche vollkommen neu erbaut und dabei frühere Bauelemente wie die Westwand einbezogen. Möglich wurde der Neubau durch die Förderung der Familie von Laiming, die seit 1400 Hofmarksherren von Forchtenegg und Halfing waren. Um 1415 war der Bau bereits im Gange, am 4. August 1432 wurde die neuerrichtete Kirche durch Johann Ebser, Bischof von Chiemsee, in seiner Eigenschaft als Weihbischof von Salzburg konsekriert zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Seitenaltäre geweiht, die dem heiligen Georg und dem heiligen Kreuz gewidmet waren.Sixtus Lampl (2002), S. 400; Peter von Bomhard (1964), S. 260.

mini|hochkant|Westseite der Kirche mit dem spätgotischen Südwestturm aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und einem neuzeitlichen, leicht gedrehten Spitzhelm. Die schlichte Westwand mit dem freigelegten Portal wird der romanischen Bauperiode zugeordnet.Sixtus Lampl (2002), S. 400. Kurz bevor die Kirche in den Jahren 1727 bis 1730 erneut gebaut wurde, fertigte der Baumeister Thomas Mayr 1725 Pläne der bestehenden spätgotischen Kirche an. Die Pläne zeigen ein fünfjochiges Langhaus mit Seitenschiffen und dem Turm an der Südwestecke, wodurch das südliche Seitenschiff verkürzt wird. Der Chor schloss sich dreischiffig an das Langhaus mit zwei weiteren Jochen an und wurde mit einer dreiseitigen Apsis abgeschlossen. Der Plan zeigt drei Seitenaltäre, den 1432 eingeweihten Georgsaltar im nördlichen Seitenschiff auf der Höhe des Chorbogens, den Kreuzaltar im Langhaus an der Epistelseite des Chorbogens und den den vierzehn Nothelfern geweihten Altar im südlichen Seitenschiff ein Joch weiter östlich und damit bereits auf der Höhe des Chors.Peter von Bomhard (1964), S. 260–261, 263. Da es zwischen dem 1432 eingeweihten spätgotischen Neubau und dem Stand von 1725 Umbauten gab, lässt sich daraus nicht der ursprüngliche Bauplan rekonstruieren. Insbesondere bleibt unklar, ob die Kirche sogleich als Basilika ausgelegt worden ist oder die Seitenschiffe erst später hinzukamen.Peter von Bomhard (1964), S. 262. Der Südwestturm entstand erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts,Peter von Bomhard (1964), S. 262; Sixtus Lampl (2002), S. 400. und wurde später Anfang des 16. Jahrhunderts erhöht nach dem Vorbild des 1501/02 entstandenen Turms der Frauenkirche in Wasserburg.Peter von Bomhard (1964), S. 262. Weitere Umbauten erfolgten zwischen 1665 und 1684, die jedoch sehr unzureichend dokumentiert sind. Die wenigen Hinweise deuten nur auf eine Barockisierung der Innenausstattung und den Einbau hölzerner Emporen hin.Peter von Bomhard (1964), S. 263.

Der Anlass für den Neubau war ein Sturm im Sommer 1725, bei dem nicht nur der größte Teil des Dachs des Langhauses zerstört wurde, sondern auch die darunter liegenden gotischen Deckengewölbe:

Der Höslwanger Pfarrer Johann Bartholome Haagn plante umgehend einen Neubau, benötigte hierzu aber die Kooperation des Hofmarksherren, Franz Amand Cajetan von Fossa auf Forchtenegg, da dieser das Vermögen und die laufenden Einnahmen verwaltete. Dies gelang jedoch nicht, da von Fossa wie schon zuvor als Pfleger von Auerburg sich als völlig unverständig und unredlich erwies.Peter von Bomhard (1964), S. 264; Haagn wandte sich in seiner Not an einen kurfürstlichen geistlichen Rat, der eine Kommission beauftragte, den Schaden zu begutachten und Kostenvoranschläge zu unterbreiten. Der Leiter der Kommission, Freiherr von Pienzenau, kam zusammen mit dem Baumeister Thomas Mayr von Grafing und dem Zimmermeister Matthias Kronast im November 1725 nach Halfing. Hier entstand der Plan, das dreischiffige Langhaus durch einen einschiffigen Saalbau zu ersetzen, wobei die Außenmauern wiederverwendet werden können. Die Umsetzung verzögerte sich, da sich von Fossa weiterhin weigerte, die notwendigen Mittel bereitzustellen. Es kam daher ein Jahr später zu einem weiteren Besuch vor Ort, der einige kostensenkende Planänderungen ermöglichte, zu denen insbesondere der Verzicht auf ein Ziegelgewölbe gehörte. Hier fiel auch der Entschluss, den Chor neu zu errichten, damit dieser besser zum Langhaus passt. Diese Pläne wurden genehmigt, und von Fossa wurde unter Strafandrohung gezwungen, 2000 Gulden aus dem zur Kirche gehörenden Vermögen beizusteuern. Die Bauarbeiten begannen im Mai 1727, und bereits im gleichen Jahr wurde der neue Dachstuhl aufgesetzt. 1730 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Eine erneute Konsekration entfiel, da die alten Altäre nur verschoben wurden.Peter von Bomhard (1964), S. 264–266.

Nachdem die Hofmarkschaft 1731 an das Kloster Seeon gefallen war, wurde Abt Rufin Mayr aktiv und kaufte den durch den Traunsteiner Tischler Johann Wolfgang Dersch 1715 für die Traunsteiner Pfarrkirche St. Oswald geschaffenen Hochaltar für Halfing, der dort 1732 oder 1733 installiert wurde. Dies wurde möglich, da die Traunsteiner den hölzernen Altaraufbau durch Marmor ersetzen wollten. Zwar bestand auch sogleich der Wunsch, die Seitenaltäre zu erneuern, dies verschob sich jedoch zusammen mit der Anschaffung der Kanzel aus finanziellen Gründen in die 1770er-Jahre.Peter von Bomhard (1964), S. 267.