mini|Feige in Obersöllbach in Baden-Württemberg mini|Weinbaugebiete, in denen Feigenanbau sehr gut möglich ist
Feigenanbau in Deutschland ist im Freiland in geschützten Lagen in Weinbaugebieten, im Ruhrgebiet und am Niederrhein sehr gut möglich. In wintermilden Gebieten an Nord- und Ostsee gedeihen dafür geeignete Sorten. Der Anbau erfolgt durch Liebhaber, normalerweise in Hausgärten und nirgendwo kommerziell.Die Feigenernte in Kraichgau und Pfalz läuft auf Hochtouren in der Rhein-Neckar-Zeitung. Meist wird die Echte Feige (Ficus carica) angebaut, nur sehr selten die Punjab-Feige (Ficus palmata). Entscheidend für den erfolgreichen Anbau sind Sorten- und Standortwahl.
Standort In Deutschland gedeihen Feigenbäume vor allem an Standorten mit sehr günstigem Kleinklima, das man fast ausschließlich im innerörtlichen Bereich an gut geschützten Stellen findet, wie etwa an der Süd- und Westseite geheizter Häuser oder dicker, hoher Mauern, in sonnigen Innenhöfen oder neben dichtgepflanzten Gruppen immergrüner Gehölze.
Möglich ist auch ein Standort direkt an selten zufrierenden Fließgewässern, wie Bächen oder kleinen Flüssen. Vorteilhaft sind auch Hanglagen, in denen im Winter die Kaltluft schnell abfließen kann.Christoph Seiler: Feigen aus dem eigenen Garten. Stuttgart 2016, Seite 26. Lediglich die Martinsfeige gedeiht in der Pfalz auch in völlig exponierten Lagen außerhalb von geschlossenen Ortschaften, beispielsweise in einem stillgelegten Weinberg, in einer Weise, wie man sie sonst nur aus Südeuropa kennt.Christoph Seiler, Seite 78.
Sorten
In wärmeren Gebieten Deutschlands relativ winterharte, selbstfruchtbare FeigensortenSorte Winter- härte* Ge- schmack** Wuchs Höhe Frucht- farbe Frucht- größe Blüh- feige Frucht- größe Herbst- feige Ertrag Bananenfeige++++ schwach 3 m gelbgrün 90–100 g 60–70 g hoch*** Brown Turkey+++ stark4–6 m braun 50–100 g 30–40 g hoch Brunswick++++++ mittel5 m gelbgrün 100–120 g 50–70 g gering Dalmatie+++++ schwach2 m hellgrün 120–150 g 90–120 g mittel Dauphine+++ mittel3 m grünbraun 100–120 g 50–70 g hoch Desert King+++++ stark4 m grün 40–50 g keine hoch Goldtropfen+++++ schwach2–3 m goldgelb 90–100 g 70–80 g mittel Madeleine des deux Saisons +++++ mittel 4 m goldgelb--braun100–120 g70–80 g gering Martinsfeige++++++ stark5 m schwarz keine 10–15 g mittel Negronne+++++ mittel3 m schwarz35–45 g30–40 g mittel Ronde de Bordeaux+++++ stark 3–4 m schwarz(selten) 40–55 g 35–45 g mittel Pastilière+++++ schwach 2–3 m blaugrau keine 55–65 g mittel Sultane++++ stark 3–5 m schwarz 55–65 g 35–45 g mittel * Der Unterschied in der Winterhärte dieser Sorten ist nicht sehr groß; ** Für den Geschmack ist der Reifegrad entscheidend, eine vollreife Feige von Brown Turkey schmeckt besser als eine nicht voll ausgereifte einer sehr gut schmeckenden Sorte; *** in Südeuropa.
Um in Deutschland Feigen zu ernten, muss man Sorten anbauen, die ohne Bestäubung durch die Feigengallwespe (Blastophaga psenes) Früchte tragen, da diese in Deutschland nicht vorkommt. Wenig kälteresistente Sorten aus wärmeren Regionen, die in Deutschland in Kübeln gut gedeihen, da man die Pflanzen im Winter in Räume ohne oder mit nur geringem Frost verbringen kann, tragen keine Früchte, wenn sie auf Feigengallwespen zur Befruchtung angewiesen sind, was bei vielen Sorten aus Südeuropa oder Kalifornien der Fall ist. Christoph Seiler, Seiten 19–20.Pierre Baud: Le Figuier: Pas à pas. Aix-en-Provence 2008, Seite 54.
Für Deutschland geeignet, weil sie sowohl ausreichend winterhart als auch selbstfruchtbar sind, gelten die Sorten Ronde de Bordeaux, Brown Turkey (Synonyme: Blaue Pfälzer Fruchtfeige, Bornholm), Bananenfeige (Synonym: Longue d'Août genannt), Brunswick, Desert King, Dalmatie, Dauphine, Goldtropfen (Synonyme: Dorée), Madeleine des deux Saisons, Martinsfeige, Negronne, Pastilière und Sultane. Etwas weniger winterhart, jedoch für Weinbaugebiete geeignet ist Dottato.
Ronde de Bordeaux ist die beste „allround“-Feige, Brown Turkey wird vor allem wegen des hohen Ertrags angebaut und ist die in Deutschland am weitesten verbreitete Sorte. Brunswick und Madeleine des deux Saisons sind vor allem für ein Klima geeignet, das nicht sehr sonnig und warm ist, wie die wintermilden Gebiete an Nord- und Ostsee. Negronne zeichnet sich durch einen sehr guten und eigentümlichen Geschmack aus, die Martinsfeige dadurch, dass sie winterhärter als alle anderen ist, Dalmatie durch ihre sehr großen Früchte und Pastilière dadurch, dass sie die frühesten Herbstfeigen trägt, die unmittelbar an die späten Blühfeigen von Brown Turkey anschließen. Die Sorte Desert King trägt ausschließlich Blühfeigen und Dauphine als einzige Sorte mehr Blühfeigen als Herbstfeigen.
Von allen oben beschriebenen Sorten gibt es recht alte Exemplare im Südwesten. Christoph Seiler, Seiten 64, 76/77, 78, 80, 86.Feigenbaum: Feigensorten. Auch die Feigensorte Florea (Michurinska-10) aus Bulgarien soll sehr winterhart sein. bei floristae.de.Michurinska-10 bei palmi.bg. Weitere, sehr winterharte Sorten sind Hardy Chicago und Osborn Prolific, die beide aus Nordamerika stammen und für deutsches Klima sehr empfehlenswert sind.Ficus Carica Hardy Chicago / Mongibello bei feigenbaum1.wordpress.com. Entgegen anderslautenden Aussagen mancher Baumschulen ist die dekorative Sorte Ice Crystal nicht sehr winterhart, sie friert auch an sehr günstigen Standorten im Weinbauklima nicht selten bis auf den Wurzelstock zurück. Bei der oft angebotenen Bayernfeige Violetta handelt es sich nicht um eine Sorte, sondern um eine Marke einer bayerischen Gärtnerei. Viele dieser so vermarkteten Feigen sind ebenfalls bei Weitem nicht so winterfest, wie zugesichert.Ficus carica - Die Feigenwebseite: Ice CrystalFeigensorten: Bayernfeige bei feigensorten.de.
Es gibt an einigen Standorten in Deutschland gesicherte Vorkommen der Feigengallwespe, siehe Wikipediaeintrag zu Feigengallwespe. Dort können auch nicht selbstfruchtende Feigenarten angebaut werden, wie z. B. Smyrna.
Ansonsten gilt: Feigenbäume unbekannter Sorten, häufig angeboten in Bau- oder Supermärkten, tragen in Deutschland möglicherweise keine Früchte. Sie sind nicht selbstfruchtbar, sind für das hiesige vergleichsweise feuchte, sommerkühle und sonnenarme Klima nicht geeignet oder werden mangels Qualität in Südeuropa lediglich als Viehfutter angebaut. Bei angeblichen Neuzüchtungen handelt es sich unter Umständen um bekannte Sorten, die für einen teureren Verkauf umbenannt wurden. Sortenzüchtung bei Feigen ist ein aufwendiges Unterfangen, das von Baumschulen oder Gärtnereien nicht ohne Weiteres nebenher betrieben werden kann. Bisher wurde systematische Feigenzucht ausschließlich in den USA betrieben.Jules Janick & james Moore (Hrsg.): (1975) Advances in Fruit Breeding, Seiten 568–588: W.B. Story: Figs, West Lafayette, IN, USA 1975.Allen Van Deynze (Hrsg.): 100 years of breeding: UC Davis Plant Breeding Program. Davis, CA, USA 2008.
Winterhärte
Keine Feigensorte ist in Deutschland völlig winterhart, das heißt, dass so gut wie überall früher oder später einmal mit Frostschäden zu rechnen ist, vielleicht mit Ausnahme von Standorten mit sehr günstigem Kleinklima in der Mitte einer Großstadt in der Winterhärtezone 8a wie zum Beispiel Köln. Es gibt jedoch Sorten, die bei geeignetem Standort und entsprechender Pflege in den wärmeren Gebieten Deutschlands für die Freilandkultur ausreichend winterhart sind. Die Winterhärte Echter Feigen ist stark von der jeweiligen Sorte abhängig.
Es gibt eingeführte Feigensorten – dazu gehören die meisten oben beschriebenen Sorten – die normalerweise bis −15 °C und je nach Wetterlage auch kurzzeitig bis etwa −20 °C ertragen können. Nach Pierre Baud liegt die kritische Temperatur für an sich sehr winterharte Feigenbäume bei etwa −16 °C bis −18 °C, jedoch können je nach den Umständen Feigenbäume schon bei −12 °C erfrieren oder aber −22 °C aushalten.Pierre Baud: Le Figuier: Pas à pas, Aix-en-Provence 2008, Seite 53.
Bei Frostschäden sind oft nur die dünneren Zweige betroffen, bei stärkeren Schäden zuerst dickere Zweige und Äste, dann der obere Stamm und nur bei extremem Frost der gesamte Stamm. Der Wurzelstock überlebt fast immer und treibt dann normalerweise wieder aus. Meist regenerieren sich Feigenbäume nach Frostschäden wieder relativ schnell und tragen oft schon im Sommer direkt nach den Frostschäden, selbst wenn diese sehr stark waren.
Ein Frostschutz durch Mulch, Tannen-Reisig oder ähnliches am Boden und durch Einpacken der ganzen Pflanze oder zumindest des Stamms mit Schilfrohrmatten, Gartenvlies oder Stroh ist in Mitteleuropa sehr hilfreich, um Frostschäden zu verhüten oder zu minimieren, jedoch je nach Standort nicht unbedingt nötig. Christoph Seiler, Seiten 31.
Anbauregionen mini|Feigenbaum in Speyer.
Für den Anbau von Echten Feigen eignen sich vor allem Gebiete der Winterhärtezonen 8a und 7b.Wann sind Feigenbäume winterhart? bei mein-mediterraner-garten.de Gemäß langjähriger Erfahrungen gedeihen und fruchten Feigenbäume bei entsprechendem Kleinklima sehr gut im Weinanbaugebiet Pfalz an der Deutschen Weinstraße, an der Bergstraße und im Breisgau, aber auch insgesamt in der Oberrheinebene, am Unterlauf des Mains, sowie am Niederrhein und im Ruhrgebiet.P. Keil, R. Fuchs, C. Buch, R. Schmitt: Echte Feigen (Ficus carica) in Mülheim an der Ruhr nach dem Kältewinter 2008/2009. In: Decheniana. Band 163, 2010, S. 61–70. Städte wie Mannheim, Mainz, Koblenz und Köln haben sich ebenfalls als sehr geeignet erwiesen. Auch im Dresdner Elbtal und auf Helgoland gedeihen Feigenbäume. Entlang der Nordseeküste sind zwar die Wintertemperaturen weniger ein Problem, es fehlt jedoch im Sommer oft an ausreichender Sonne und Wärme. Zu den Sorten, die noch am ehesten an solche norddeutschen Klimaverhältnisse angepasst sind, gehören die Sorten Brunswick und Madeleine de deux Saisons.Christoph Seiler, Seiten 65–66.
Weitere deutschsprachige Gebiete, in denen Feigen gut gedeihen, sind der Raum um Wien, Teile Südtirols und ein Gebietsstreifen in der Schweiz, der den Bodensee mit dem Genfersee verbindet sowie die südlichsten Teile im Tessins um den Lago Maggiore und den Luganersee. In der näheren Umgebung dieser schweizerischen Seen sind die Bedingungen sogar ausgezeichnet.
Vor allem die Pfalz hat sich zur Heimat vieler Feigenbäume entwickelt, Schätzungen gehen von etwa 50.000 Feigenbäumen in der Pfalz aus.Ulrich Traub: Reise zu den Pfälzer Feigen auf schwarzaufweiss.de. Der bekannte pfälzische Weinort Deidesheim präsentiert sich heute als ein Ort exotischer Gewächse, darunter auch sehr viele Feigenbäume, die überall im Ort wachsen. Bereits im Jahre 1908 ließ der damalige Bürgermeister Ludwig Bassermann-Jordan eine Feigengasse anlegen, in der bis heute viele Feigenbäume wachsen.Ein Paradies für seltene Gewächse auf deidesheim.de. Mehrere pfälzische Gasthäuser bieten Gerichte aus einheimischen frischen Feigen an.Ulrich Traub: Reise zu den Pfälzer Feigen auf schwarzaufweiss.de. Nicht zuletzt um die Versorgung der Gastwirte mit frischen Feigen zu gewährleisten, wurde in der Pfalz eine eigene Feigenbörse eingerichtet.In der Pfalz beginnt die Feigenernte - Pfälzer Feigenbörse eröffnet auf proplanta.de Um den steigenden Bedarf an geeigneten winterharten Feigenbäumen zu decken, gibt es in der nahen Kurpfalz sogar eine Spezialgärtnerei für Feigen.Echt Feige! Jetzt ist Erntezeit für die süßen Energiespender auf nachrichten.at.
Reife und Ernte