mini|Jean-Baptiste le Rond d’Alembert, Porträt nach Maurice Quentin de La Tour rahmenlos|Unterschrift d’Alemberts

Jean-Baptiste le Rond d’Alembert, (Aussprache: []; * 16. November 1717 in Paris; † 29. Oktober 1783 ebenda) war ein französischer Mathematiker, Physiker und ein Philosoph der Aufklärung.

Gemeinsam mit Denis Diderot war er bis 1757 Herausgeber der ersten sieben Bände der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Er beendete seine Herausgeberschaft nach einem Streit mit Jean-Jacques Rousseau. Sein Hauptwerk waren die Opuscules mathématiques (8 Bände, 1761–1780).

Leben und Wirken D’Alembert war der uneheliche Sohn von Louis Camus Destouches, einem Offizier der Kavallerie, und Claudine Guérin de Tencin, einer bekannten „Salonnière“. Möglicherweise war Herzog Leopold Philipp Carl Joseph Arenberg sein eigentlicher Vater. Seine Mutter setzte ihn auf den Stufen der Pfarrkirche St-Jean-le-Rond aus. Sein Vater fand das Kind und gab es als Findelkind in die Obhut von Etiennette Gabrielle Ponthieux (ca. 1683–1775), die Ehefrau des Glasmeisters Jean Baptiste Gerard († 1724). Nach dem Tod ihres Mannes heiratete sie 1726 den Glasermeister Alexandre Nicolas Rousseau.Françoise Launay: D’Alembert et la femme du vitrier Rousseau, Etiennette Gabrielle Ponthieux (ca 1683–1775). In: Recherches sur Diderot et sur l’Encyclopédie. Nr. 45, 2010, S. 77–110 (doi:10.4000/rde.4725). Ab 1728, bis zu seinem 47. Lebensjahr, wohnte d’Alembert in der Rue Michel-le-Comte in Paris.

Nach dem Tod seines Vaters begann der 12-jährige d’Alembert eine Ausbildung am jansenitischen Collège des Quatre-Nations, die er 1735 als „Maitre-des-arts“ abschloss.Brougham’s men of letters and science. In: Fraser’s Magazine. Band 34, 1846. S. 79 (online). Anschließend studierte er an der juristischen Fakultät (École de Droit). Zu dieser Zeit änderte d’Alembert seinen Namen. Er nannte sich zunächst d’Arembert (Daremberg) und später d’Alembert.

Er studierte zuerst Rechtswissenschaft, dann Medizin, ehe er sich endgültig autodidaktisch der Mathematik und Physik zuwandte.

Auf eine von der Königlichen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte Preisfrage verfasste d’Alembert 1747 die Schrift Réflexions sur la cause générale des vents. Die Schrift widmete er dem preußischen König Friedrich II., der sich bei d’Alembert dafür bedankte.Brief vom 24. September 1746 von Friedrich II. von Preußen an D’Alembert. Der preußische König bot d’Alembert 1752 eine Position als Präsident der Königlichen Akademie der Wissenschaften an, und obgleich d’Alembert zeitweise daran dachte, seinen Lebensmittelpunkt nach Preußen zu verlegen, lehnte er das Angebot schließlich ab.Iwan-Michelangelo D'Aprile: Friedrich und die Netzwerke der Wissenschaften. (= Friedrich300 – Politik und Kulturtransfer im europäischen Kontext)

D’Alembert war ab 1751 gemeinsam mit Denis Diderot Herausgeber der Encyclopédie. Er schrieb den Discours préliminaire im ersten Band, eine Art „Manifest der Aufklärung“, das ihn bekannt machte. Außerdem verfasste er für das Werk mehr als 1700 Artikel, vorwiegend aus dem Bereich der Naturwissenschaften. Er war es auch, der durch polemische Vorworte und wichtige Artikel wie „Dictionnaire“ oder „Genève“ die ideologische Richtung des Werkes vorgab.

D’Alembert interessierte sich unter anderem auch für Musik. Er veröffentlichte 1752 die Éléments de la musique théorique et pratique („Elemente der theoretischen und praktischen Musik“) und zwei Jahre später Réflexions sur la musique en général et sur la musique française en particulier („Überlegungen zur Musik im Allgemeinen und zur französischen Musik im Besonderen“).

Für sein von Friedrich sehr hochgeschätztes Lebenswerk erhielt d‘Alembert ab 1754 eine jährliche Rente von 300 Thalern.

Im Sommer des Jahres 1763 reiste d’Alembert zu einem dreimonatigen Aufenthalt auf Schloss Sanssouci. Während seines Aufenthalts in Potsdam besuchte er Leonhard Euler in Berlin.

Seine Bekanntheit verschaffte ihm Zugang zu den literarischen Salons. Er war Stammgast bei der Marquise du Deffand und bei Julie de Lespinasse, mit der er von 1764 an zusammenlebte. Dort lernte er Nicolas de Condorcet und David Hume kennen.

D’Alembert starb 1783 an den Folgen einer Harnblasenerkrankung.

Leistungen Nach ihm ist das d’Alembertsche Prinzip der klassischen Mechanik benannt. Es erlaubt die Aufstellung der Bewegungsgleichungen eines mechanischen Systems mit Zwangsbedingungen.J. W. Warren: Verständnisprobleme beim Kraftbegriff. Nach der englischen Originalausgabe Understanding force. John Murray, London 1979 (PDF)

D’Alembert arbeitete auf dem Gebiet der Funktionentheorie, löste 1747 die heute nach ihm benannte (eindimensionale) Wellengleichung der schwingenden Saite und wurde so der Begründer der mathematischen Kontinuumsphysik. Ebenso geht der d’Alembertsche Operator auf ihn zurück, mit dem sich die Wellengleichung besonders kompakt schreiben lässt. D’Alembert arbeitete auch auf dem Gebiet der Konvergenz von Reihen und fand das Quotientenkriterium, das nach ihm auch „d’alembertsches Konvergenzkriterium“ genannt wird. Wichtig ist hierbei das Reduktionsverfahren von d’Alembert. Weitere Arbeiten galten der Wahrscheinlichkeitstheorie. Ein populäres, freilich unbrauchbares Spielsystem für das Roulettespiel, die Progression d’Alembert, wird ihm zugeschrieben.Istvan Szabo: Geschichte der mechanischen Prinzipien und ihrer wichtigsten Anwendungen. Birkhäuser, Basel 1987, ISBN 3-7643-1735-3, S. 31–32.

Ehrungen mini|Französische Medaille für d’Alembert aus dem Jahr 1824, vermutlich von Alexis Joseph Depaulis (1792–1867)

D’Alembert war sowohl Mitglied bzw. Ehrenmitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften und Künste (St. Petersburg, 1764), der Königlichen Akademie der Wissenschaften (Berlin, 2. Juni 1746, Auswärtiges Mitglied), der American Academy of Arts and Sciences (Cambridge, 1781), der Académie des sciences als auch der Académie française (beide Paris), deren Generalsekretär auf Lebenszeit er 1772 wurde.

D’Alembert war Mitglied der Pariser Freimaurerloge Les Neuf Sœurs.Alexander Giese: Die Freimaurer. Böhlau, Wien 1997, ISBN 3-205-98598-2, S. ?.

1824 erschien in einer Reihe von Medaillen zum Gedenken französischer Staatsmänner eine für d’Alembert.

1970 wurden ein Mondkrater sowie 1988 der Asteroid (5956) D’Alembert nach ihm benannt.

Schriften (Auswahl) Bücher Traité de dynamique […]. David l’aîné, Paris 1743 (Digitalisat). Neue, überarbeitete und stark erweiterte Auflage, David l'aîné, Paris 1758 (Digitalisat). Traité de l’équilibre et du mouvement des fluides. Pour servir de suite au Traité de dynamique. David l’aîné, Paris 1744 (Digitalisat). Neue, überarbeitete und erweiterte Auflage, Briasson, Paris 1770 (Digitalisat). Réflexions sur la cause générale des vents. David l’aîné, Paris 1747 (Digitalisat). Recherches sur la précession des équinoxes et sur la nutation de l’axe de la terre dans le système newtonien. David l’aîné, Paris 1749 (Digitalisat). Discours préliminaire de l’Encyclopédie. Paris 1751. Armand Colin, Paris 1894 (Digitalisat). Abhandlung von dem Ursprung, Fortgang und Verbindung der Künste und Wissenschaften. Orell, Gessner und Compagnie, Zürich 1761 (Digitalisat) – übersetzt von Jakob Wegelin. Essai d’une nouvelle théorie de la résistance des fluides. David l’aîné, Paris 1752 (Digitalisat). Elémens de musique, theorique et pratique, suivant les principes de M. Rameau. David l’aîné, Paris 1752 (Digitalisat). Paris / Lyon 1759 (Digitalisat). Neue Auflage, Jean-Marie Bruyset, Lyon 1762 (Digitalisat). Neue Auflage, Jean-Marie Bruyset, Lyon 1766 (Digitalisat). Neue Auflage, Jean-Marie Bruyset, Lyon 1772 (Digitalisat). Neue, überarbeitete, korrigierte und erheblich erweitert Auflage, Jean-Marie Bruyset, Lyon 1779 (Digitalisat). Mélanges de littérature, d’histoire, et de philosophie. 2 Bände, Berlin 1753 (Band 1, Band 2). darin: Essai sur la société des gens de lettres et des grands […]. In: Mélanges de littérature, d’histoire, et de philosophie. Band 2, Berlin 1753, S. 81–163 (Digitalisat). Neue Auflage, 4 Bände, Zacharie Chatelain & fils, Amsterdam 1759 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4). Neue Auflage, 4 Bände, Amsterdam 1760 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4). Neue Auflage, 4 Bände, Zacharie Châtelain & fils, Amsterdam 1763 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4). Neue Auflage, 4 Bände, Zacharie Chatelain & fils, Amsterdam 1764 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4). Band 5, Zacharie Chatelain & fils, Amsterdam 1767 (Digitalisat). 4. Auflage, 5 Bände, Zacharie Chatelain & fils, Amsterdam 1767 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5). Neue Auflage, 5 Bände, Zacharie Chatelain & fils, Amsterdam 1770 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5). Neue Auflage, 5 Bände, Zacharie Chatelain & fils, Amsterdam 1773 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5). Neue Auflage, 5 Bände, Frères Murray, Leiden 1783 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5). Discours prononcés dans l’Académie françoise, le jeudi 19 décembre M.DCC.LIV. à la réception de M. D’Alembert. Paris 1754 (Digitalisat). La Philosophie applicable à tous les objets de l’esprit et de la raison. Ouvrage en réflexions détachées. Par feu M. l’Abbé Terrasson de l’Académie Françoise, & associé à celles des Sciences de Paris & de Berlin. Précédé des Reflexions de M. D’Alembert de l’Académie des Sciences ; d’une Lettre de M. de Moncrif de l’Académie Françoise ; & d’une autre Lettre de M***, sur la Personne & les Ouvrages de l’Auteur. Paris 1754 (Digitalisat, Digitalisat). Réflexions sur la musique en général et sur la musique françoise en particulier. Paris 1754 (Digitalisat). Recherches sur differens points importans du systême du monde. 3 Bände, David l’aîné, Paris 1754–1756 (Band 1, Band 2, Band 3). Nova tabularum lunarium emendatio. Paris 1756. Essai sur les éléments de philosophie: ou sur les principes des connaissances humaines. 1759. Opuscules mathématiques, ou Mémoires sur différens sujets de geómétrie, de méchanique, d’optique, d’astronomie &c. 8 Bände, 1761–1780 (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5, Band 6, Band 7, Band 8). Georg Olms, Hildesheim 1965 (Digitalisat). Morceaux choisis de Tacite, traduits en françois avec le latin à côté. Jean-Marie Bruyset, Lyon 1763 (Digitalisat). Jean-Marie Bruyset, Lyon 1767 (Digitalisat). 2 Bände, Moutard, Paris 1784 (Band 1, Band 2). Sur la destruction des Jésuites en France. Cramer, Genf 1765 (Digitalisat) – anonym. Neue, überprüfte und korrigierte Auflage, 1767 (Digitalisat). Essai sur le goût, par Alexandre Gérard, Docteur & Professeur en Théologie au Collége Maréchal d’Aberdeen ; augmenté de trois Dissertations par Mrs de Voltaire, D’Alembert & de Montesquieu: Traduit sur la seconde Edition angloise par M. E***. Delalain, Paris / Dijon 1766 (Digitalisat). Histoire de l’établissement des moines mendiants […]. Avignon 1767 (Digitalisat) – anonym. Geschichte von Errichtung der Bettelorden. Straßburg 1769 (Digitalisat). Leipzig 1769 (Digitalisat). Lettre à Mr. *** conseiller au Parlement de ***. Pour servir de Supplément à l’ouvrage qui est dedié à ce meme Magistrat, et qui a pour titre : Sur la destruction des Jésuites en France. Par un Auteur désintéressé. 1767 (Digitalisat). Pensées de Monsieur D’Alembert. Dufour / J. P. Costard, Paris 1774 (Digitalisat). Nouvelles expériences sur la résistance des fluides. Claude-Antoine Jombert, Paris 1777 (Digitalisat) – mit Marquis de Condorcet und Charles Bossut. Lettre de M. d’Al*** à M. le marquis de C*** sur madame Geoffrin. 1777. Discours prononcés dans l’Académie françoise, le lundi XIX janvier M. DCC. LXXVIII, à la réception de M. L'abbé Millot. Demonville, Paris 1778 (Digitalisat). Éloges lus dans les séances publiques de l’Académie française. Paris 1779 (Digitalisat). Eloge de Milord Maréchal. Paris 1779 (Digitalisat) – über George Keith, 9. Earl Marischal. Haude et Spene, Berlin 1779. Berlin / Lausanne 1779.