mini|Antonio Pérez (c.1570), von Alonso Sánchez Coello. Hospital de Tavera, Toledo. Antonio Pérez (* um 1540,So Perez, Antonio, in: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, 1911, Bd. 21, S. 139. Im Artikel zu Antonio Pérez in der Encyclopædia Britannica online und in manchen anderen Nachschlagewerken wird 1534 als Geburtsjahr angegeben. vielleicht in Madrid; † 3. November 1611 in ParisAntonio Pérez in der Encyclopædia Britannica online.) war ein spanischer Staatsmann.
Er übte seit 1567 das Amt eines Staatssekretärs König Philipps II. aus und hatte in dieser Stellung großen Einfluss. Im Gegensatz zum Herzog von Alba und zu Juan de Austria vertrat er eine Friedenspolitik. Wegen seiner Verwicklung in die Ermordung Juans de Escobedo, des Sekretärs Juans de Austria (1578), fiel er in Ungnade und musste sich einem jahrelangen Prozess stellen. 1590 entkam er nach Aragonien, woraufhin Philipp II. ihn durch die spanische Inquisition anklagen ließ. Nach seiner Befreiung durch einen Volkstumult Ende 1591 floh er nach Frankreich, wo er ebenso wie zeitweise in England im Exil lebte und gegen Philipp II. intrigierte. Nach dem Friedensschluss Philipps II. mit Frankreich 1598 wurde Pérez von den ausländischen Mächten fallengelassen und starb 1611, in Vergessenheit geraten, in Paris.
Leben Herkunft und frühes Leben Antonio Pérez war wohl ein unehelicher Sohn des Klerikers Gonzalo Pérez und der Juana Escobar y Tobar.Antonio Pérez auf www.mcnbiografias.com. Gonzalo Pérez bekleidete den Posten eines Sekretärs Kaiser Karls V. und König Philipps II. und verfasste eine spanische Übersetzung von Homers Odyssee (La Ulyxea de Homero, Antwerpen 1556).Perez, Antonio, in: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, 1911, Bd. 21, S. 139. Am 4. April 1542 wurde Antonio Pérez durch ein in Valladolid ausgestelltes kaiserliches Diplom als Sohn von Gonzalo Pérez legitimiert. Es lief aber auch das Gerücht um, dass er in Wirklichkeit ein Sohn von Philipps Minister Ruy Gómez de Silva, Fürst von Eboli, sei.
Seine Jugend verbrachte Antonio Pérez im Dorf Val de Concha nahe Pastrana in der Provinz Guadalajara, das zu den Ländereien des Fürsten von Eboli gehörte. Gonzalo Pérez ließ ihn an der Universität Alcalá, dann an renommierten ausländischen Hochschulen in Löwen, Venedig sowie Padua und schließlich wieder in Spanien an der Universität Salamanca studieren.
Staatssekretär Philipps II.; Verwicklung in die Ermordung Escobedos mini|Antonio Pérez im Stich von 1791, Spanische Nationalbibliothek, Madrid Anschließend wurde Antonio Pérez von seinem Vater in die Handhabung von Regierungsgeschäften eingeführt und gehörte der Partei des Fürsten von Eboli an, die dem Herzog von Alba feindlich gesinnt war und eine Friedenspolitik gegenüber Nachbarländern und Versöhnung mit aufständischen Untertanen verfolgte. Nach dem Tod von Gonzalo Pérez im April 1566 wurde Antonio Pérez interimistischer Staatssekretär, erhielt seine offizielle Ernennung zum Staatssekretär aber erst am 17. Juli 1567. Da König Philipp II. dieses vormals von Gonzalo Pérez bekleidete Staatsamt nun auf Antonio Pérez und Gabriel de Zayas aufteilte, war Ersterer als Staatssekretär nur für Italien zuständig, wobei er u. a. für die Abwicklung der Korrespondenz mit dem Kirchenstaat zuständig war. Gabriel de Zayas, der zur Partei des Herzogs von Alba zählte, wurde Staatssekretär für den Norden und erledigte u. a. die Korrespondenz mit den nördlich der Pyrenäen und Alpen gelegenen Staaten. Am 3. Januar 1568 heiratete Pérez nicht ohne äußeren Druck Juana Coello, mit der er mehrere Kinder hatte.Peter Pierson, Philipp II., S. 99.
Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten erlangte Pérez durch seine außerordentliche Geschäftsgewandtheit und gewinnende Art bei Philipp II. bedeutenden Einfluss. Nach dem Tod des Fürsten von Eboli (1573) übernahm er die Führung von dessen Partei. Unter den spanischen Granden hatte er zahlreiche Feinde. Er war aber enger mit einem anderen königlichen Sekretär, Juan de Escobedo, verbunden, den er protegierte. Als sich der ehrgeizige Halbbruder Philipps II., Don Juan de Austria, nach seiner Eroberung von Tunis (1573) bemühte, König dieser Stadt zu werden, riet Pérez dem spanischen König, Escobedo zum Sekretär Don Juans zu bestimmen. Escobedo sollte als Spion fungieren und Pérez Informationen über Don Juans Aktivitäten zuspielen. Philipp II. stimmte Perez’ Plan zu. Allerdings ließ sich Escobedo von Don Juan gewinnen und stand fortan loyal an dessen Seite. Indessen konnte sich Pérez Einblicke in Don Juans Absichten durch die Kontrolle von dessen Briefwechsel verschaffen. Auch nach dem Abgang des Prinzen in die Niederlande, wo er ab 1576 die Funktion des Generalstatthalters versah, lief seine Korrespondenz weiterhin über Pérez.Peter Pierson, Philipp II., S. 130.
Don Juan plante, in das von Königin Elisabeth I. regierte England einzufallen, die dort gefangen gehaltene schottische Königin Maria Stuart zu befreien und zu heiraten und mit ihr den englischen Thron zu besteigen. Pérez beanstandete unterdessen weiterhin Don Juans Verhalten und untergrub dadurch das Vertrauen des spanischen Königs in seinen Halbbruder. Escobedo, der 1577 im Auftrag Don Juans zwecks Darlegung von dessen Kriegspolitik nach Madrid gereist war, ergriff die Gegeninitiative und machte Philipp II. darauf aufmerksam, dass Pérez bei Geschäften des Königs mit Genueser Bankiers in die eigenen Taschen gewirtschaftet, auch mit der verwitweten Fürstin von Eboli heimlich öffentliche Ämter und Staatsgeheimnisse verkauft habe. Pérez stellte daraufhin Don Juan als illoyal dar; dieser gefährde wegen seines großen Ehrgeizes selbst Philipps königliche Machtstellung. Escobedo aber stifte Don Juan zu seinen Plänen an und sei daher zu beseitigen. Philipp II. dürfte sich von Pérez überzeugen haben lassen, dass Escobedo eine Bedrohung darstelle, und wahrscheinlich stimmte er dessen Ermordung zu, da Escobedo bei einem Gerichtsverfahren eventuell unangenehme Dinge hätte preisgeben können. Nach mehreren erfolglosen Vergiftungsversuchen wurde Escobedo am 31. März 1578 von mehreren Attentätern in Madrid erdolcht, und sofort herrschte allgemein die Ansicht vor, dass Pérez hinter dieser Tat stand. Bloßes Hofgerücht ist aber wohl Pérez angebliches Liebesverhältnis zur Fürstin von Eboli, das Escobedo zu enthüllen drohte, so dass Pérez mit dessen Ermordung zugleich einen Akt persönlicher Rache geübt habe. Am 1. Oktober 1578 starb Don Juan nur 31-jährig nahe Namur vermutlich an Typhus.Peter Pierson, Philipp II., S. 130 f.
Haft und Prozesse mini|Porträt Antonio Pérez’ von Antonio Ponz, Kloster El Escorial Nach dem Ableben Escobedos genoss Pérez bei Philipp II. noch größeren Einfluss. Anscheinend missbrauchte er aber diese große Vertrauensstellung zu seinem persönlichen Vorteil. Hatte er dies schon zuvor bei Geldtransaktionen und Verkauf von Staatsgeheimnissen getan, nutzte er nun die ungeklärte portugiesische Thronfolge aus, die nach dem missglückten Feldzug König Sebastians gegen Marokko und dessen Tod in der Schlacht von Alcácer-Quibir (4. August 1578) eingetreten war. Die Fürstin von Eboli betrieb nämlich die Vermählung ihrer jüngsten Tochter mit dem zehnjährigen Theodosius, Herzog von Barçelos, der ebenso wie Philipp II. Ansprüche auf den portugiesischen Thron erheben konnte, aber König Sebastian auf dessen gescheiterten letzten Feldzug begleitet hatte und in die Gefangenschaft des marokkanischen Sultans geraten war. Letzterer bediente sich des jungen Gefangenen als Faustpfand bei den Unterhandlungen mit dem spanischen König, und Pérez teilte der Fürstin von Eboli Philipps dabei gewählte Strategien mit.Peter Pierson, Philipp II., S. 131 f.
Als Philipp II. Anfang 1579 erstmals Don Juans Privatkorrespondenz vollständig lesen konnte, stellte er fest, dass sein Halbbruder ihm stets loyal geblieben war und sich Pérez’ Beschuldigungen als haltlos erwiesen. Offenbar hatte der Staatssekretär ihm nur aus eigennützigen Motiven Misstrauen gegen Don Juan einflössen wollen. So entschloss sich der König, Pérez in Bälde arretieren zu lassen und einstweilen Mateo Vázquez de Leca mit der Untersuchung über Pérez’ Amtsführung zu beauftragen. Kardinal Granvelle wurde aus Rom herbeigerufen und sollte anstelle von Pérez die Außenpolitik leiten. Vázquez sammelte Beweise für Perez’ Unterschlagungen sowie Verkauf von Staatsgeheimnissen und setzte sich mit Escobedos Familie in Verbindung, die Pérez längst als Mörder bezeichnet und bereits einen Prozess gegen ihn angestrengt hatte. Erst nach Granvelles Ankunft in Madrid befahl Philipp II. am 28. Juli 1579 die Festnahme von Pérez und der Fürstin von Eboli.Peter Pierson, Philipp II., S. 132 f.
Pérez verlor nun seine Ämter und wurde verhört. Da Philipp II. aber wohl ebenfalls in Escobedos Ermordung verwickelt war, suchte er zu großes Aufsehen in diesem Fall zu vermeiden. Pérez durfte wieder in seinem Heim leben, wenn auch unter Hausarrest, hatte relativ viel Freiraum und erledigte sogar wieder einige sein Staatssekretariat betreffende Korrespondenzen. Erst 1584 wurde gegen Pérez ein Prozess eingeleitet, in dem seine frühere Amtsführung als Staatssekretär gründlich durchleuchtet wurde und in dem Rodrigo Vázquez de Arce, ein Mitglied des kastilischen Rats und Gegner von Pérez, als Richter wirkte. Unter anderem wurde Pérez dabei wegen der willkürlichen Änderung des Inhalts von chiffrierten, für den spanischen König bestimmten Briefen sowie der Annahme von Bestechungsgeldern angeklagt; so habe er vom toskanischen Herzog wegen des Lehens Siena 10.000 Dukaten erhalten. Um sich der Verhaftung zu entziehen, sprang er am 31. Januar 1585 aus dem Fenster und gelangte in die Pfarrkirche San Justo, in der er Schutz vor der Strafverfolgung suchte. Doch ohne sich um das Kirchenasyl zu kümmern, wurde Pérez ergriffen, in die Feste Turégano nahe Segovia gebracht und dort eingesperrt. Am folgenden 2. März erfuhr er das gegen ihn ausgesprochene Urteil, laut dem er eine Geldstrafe zu zahlen hatte und zehn Jahre keine öffentlichen Ämter bekleiden durfte. Von dieser Zeitspanne sollte er zwei Jahre als Staatsgefangener auf einer Festung und die anderen acht in Verbannung vom Hof zubringen.von Stramberg: Perez, Antonio, in: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, 3. Sektion, 16. Teil, 1842, S. 332–339, hier: S. 335. mini|Antonio Pérez empfängt seine Familie nach der Folter (Prado-Museum), Madrid. Nach einem gescheiterten Befreiungsversuch durch seine Anhänger wurde Pérez drei Monate lang auf Befehl des Burghauptmanns von Turégano, Torres de Avila, in Ketten gelegt und streng gefangen gehalten. Sein Besitz wurde beschlagnahmt und seine Gattin und Kinder mussten in Madrid in Haft leben. Die Wachen durften sein Haus nach Staatspapieren durchsuchen. Allerdings erhielt Philipp II. nicht alle von ihm gewünschten, darunter möglicherweise ihn belastenden Papiere. So schrieb Pérez zwar seiner Gemahlin, sie solle die dem König am Herzen liegenden Schriften an den Grafen von Barajas aushändigen, und es war deren auch zwei Kisten voll, wohl aus der Kabinettsregistratur, doch waren vorher aus dieser, nach Meinung des Schreibers, die den König am meisten beunruhigenden Papiere entfernt worden. Philipp II. suchte daraufhin durch abwechselnd mildere und strengere Behandlung von Pérez zu erreichen, dass dieser ihm weitere Urkunden übergab. Er ließ beispielsweise 1586 nach seiner Rückkehr nach Madrid seinen früheren Sekretär ebendahin bringen, wo Pérez mildere Haftbedingungen erhielt. 1587 betrieb Escobedos Sohn die Aufnahme einer Anklage von Pérez wegen Mordes an seinem Vater. Pérez und Philipps Beichtvater konnten ihn schließlich dazu bewegen, gegen Zahlung einer beträchtlichen Geldsumme von der Klage Abstand zu nehmen. So hatte der König keine eventuellen Peinlichkeiten vor Gericht zu befürchten.Peter Pierson, Philipp II., S. 133 f.