mini|Baudenkmal Direktorenwohnhaus Das Andreas-Gymnasium ist ein Gymnasium in Berlin-Friedrichshain, an dem es sowohl einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig als auch einen breiten allgemeinbildenden Zweig gibt, in dem auf umfassende sprachliche, gesellschaftswissenschaftliche und künstlerische Ausbildung Wert gelegt wird.

Frühere Namen der Schule waren Stralauer Stadtschule, Andreas-Schule (ab 1869), Andreas-Realgymnasium (ab 1882), EOS „Friedrich Engels“ (ab 1972) und Andreas-Oberschule (1992–2017).

Geschichte Ab 1833: Am Stralauer Platz 24 Im Sommer 1830 wurde ein Grundstück am Stralauer Platz erworben und die Stralauer Stadtschule am 7. Oktober 1833 als städtische Bürgerschule eröffnet. Zum Schulbeginn wurden 54 Jungen und Mädchen in vier Klassen (zwei Ober- und Unterstufen) unterrichtet und etwas später eine bestehende Privatschule für Mädchen und Jungen eingegliedert. Nach 1836 wurde das Schulgeld herabgesetzt und der Lehrplan durch die Fächer Latein und Französisch erweitert. Trotz der Armut der Bevölkerung entstanden zwei neue Oberklassen. Nach der Errichtung der Schillingbrücke (1841) nahmen auch 70 Kinder aus wohlhabenden Familien aus der Luisenstadt am Unterricht teil. Es gab erste gemischte Klassen innerhalb der Schule, die nach 1854 um eine 5. Knabenklasse erweitert wurde. 1859 wurde die Schule nur als Realschule zweiter Ordnung geführt, da keine Abschlussklassen vorhanden waren. Ab 1860 wurden an der Schule nur noch Knaben unterrichtet.

Obwohl die Stralauer Stadtschule langsam bekannt wurde, nahmen viele Eltern ihre Kinder wegen einer Erhöhung des Schulgeldes aus den oberen Klassen der Schule. 1856 wurde auf dem Stralauer Platz die Andreaskirche eingeweiht, 1862 erhielt die Andreasstraße ihren Namen. Am 15. März 1865 wurde die Stralauer Stadtschule zur höheren Bürgerschule erhoben, 1869 in Andreas-Schule umbenannt und erhielt die Berechtigung, Abschlusszeugnisse auszustellen.

Da das Gebäude am Stralauer Platz zu klein geworden war, erfolgte 1873 der Umzug in die Lange Straße 31. Das alte Schulhaus wurde eine Zeitlang anderweitig genutzt, musste dann dem Bau der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Berlin-Ost weichen (1905–1906).

Ab 1873: Blankenstein-Bau (Lange Straße 31) Der vom Stadtbaurat Hermann Blankenstein konzipierte und von 1871 bis 1873 errichtete rote Backstein-Bau für die Andreas-Schule verfügte über Direktorhaus an der Straße und eine Dreiflügelanlage im Blockinneren. Ein physikalisches Auditorium und Kabinett, ein chemisches Auditorium und Laboratorium, ein Zeichensaal, eine Schulbibliothek und eine Aula waren nun vorhanden. Die Andreas-Schule wurde 1876 als Realschule erster Ordnung anerkannt, im Ehrenbuch der Abiturienten wurde im Jahre 1877 der erste Abiturient verzeichnet. Seit 1882 durfte sich die Schule Andreas-Realgymnasium nennen. Schulleiter Frank Scheuer bemerkte 2006 dazu: „Die Lehranstalt hatte innerhalb von 50 Jahren ihre Absonderlichkeiten geglättet und verloren. sie war im Grunde genommen vielen anderen Lehrinstituten gleich oder ähnlich geworden.“Frank Scheuer (Hrsg.): Der Schulpalast in der Koppenstraße. Ein Schulgebäude wird 100 Jahre alt. Andreas-Oberschule, Berlin 2006, S. 15.

In den 1880er und 1890er Jahren stieg die Bevölkerungszahl im Stralauer Viertel stark an, sodass die Schule im Jahr 1897 eine Schülerzahl von 563 Schülern verzeichnen konnte. Am 30. April 1906 fand wegen des Platzmangels und Eisenbahnlärms durch die Nähe des Schlesischen Bahnhofs der Umzug in die Koppenstraße statt.

In den Blankenstein-Bau zog erst die Staatliche Pflichtfortbildungsschule des 5. Bezirks (Friedrichshain), dann eine Gewerbliche Berufsschule für Maler und Maurer, schließlich die Betriebsberufsschule des VEB Technische Gebäudeausrüstung, zuletzt die Berufsschule für Blechbearbeitung und Installation „Michael Niederkirchner“. 1910 erhielt das Gebäude einen vierten Flügel. Das denkmalgerecht sanierte Schulgebäude wurde in das 1993 bis 1995 gebaute City-Carré (heute Easten House) integriert.Fritz Wollenberg: Büros engros – wo Julius Pintsch Großunternehmer wurde und Gustav Stresemann sein Abitur machte. In: Friedrichshain – vertraut und doch geheimnisvoll, Fritz Wollenberg, Berlin 2024, S. 61–66.

Ab 1906: Hoffmann-Bau (Koppenstraße 76) Nach dem Ersten Weltkrieg kam es im Zuge der Novemberrevolution zu neuen Erziehungsgrundsätzen. Der Geist der Freiheit und Völkerversöhnung wurde zum Motto, ein Schülerrat vertrat die Belange der Schüler, Schülern und Lehrern wurde ein gleiches Stimmrecht zugestanden. Gustav Stresemann spendete 1922 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums seines Abiturs am Andreas-Gymnasium 10.000 Reichsmark. Durch Bücherankauf entstand die Stresemann-Schulbibliothek. Bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten leitete mit Erich Schönebeck ein konsequenter Reformpädagoge und sozialdemokratischer Pazifist die Schule. mini|Skulptur Kind mit Panther Den Betrieb im Gymnasium erlebte Gerhard Holtz-Baumert 1938 so: „Der Nazismus befand sich 1938 auf seinem Höhepunkt, das Heil-Gebrüll durchzitterte selbst unseren Schlaf. Diese Schule hier hatte sich zwar nicht freimachen können und wollen, aber sie befand sich merkwürdig am Rand faschistischen Denkens und Glaubens. Es galten noch immer Lernen und Wissen als Werte, wenn auch in mechanischer Weise. Befreiungen vom Unterricht zum Jungvolkdienst wurden nicht erteilt. Ausreden, man hätte die Schularbeiten versäumen müssen, weil man zum Appell befohlen worden sei, galten nicht. Uniformen wurden in der Schule geduldet, aber nicht gern gesehen. Das Militärische stand zwar hoch, keine Feier ohne Aufmarsch, Kommandos, Fahnenhissen und -senken, Drill in der Turnstunde, aber dies alles mehr traditionell, deutschnational, mehr Turnvater Jahn, Theodor Körner, Hindenburg und Kampfflieger Richthofen.“Gerhard Holtz-Baumert: Die pucklige Verwandtschaft. Aus Kindheit und Jugend in Berlin O 17 und Umgebung. Verlag Neues Leben, Berlin 1985, S. 187.

1945 übernahm Schönebeck wieder die Leitung der Schule. Holtz-Baumert charakterisiert ihn als „von großem pädagogischem Eifer, von Verständnis und Anfeuerungswünschen erfüllt“, der „um Gleichberechtigung der Mitteilungen und Anschauungen bemüht“ war und sofort wieder einen Schülerrat wählen ließ.Gerhard Holtz-Baumert: Die pucklige Verwandtschaft. Aus Kindheit und Jugend in Berlin O 17 und Umgebung. Berlin 1985, S. 210–211. mini|hochkant=0.7|Historisches Namensschild über dem Portal des Direktorwohnhauses Im Jahre 1968 wurden die beiden erweiterten Oberschulen des Stadtbezirkes Friedrichshain – die Georg-Friedrich-Händel-Oberschule und die Andreas-Oberschule – vereinigt, um die Abiturstufe einzurichten. 1972 wurde die Schule in EOS Friedrich-Engels umbenannt. Nach der Wende erhielt sie nach einer Abstimmung im Jahr 1992 den Namen Andreas-Oberschule. In der Zeit der Wende (1989/1990) begegneten sich Abiturienten des Friedrich-Engels-Gymnasiums in West-Berlin und der EOS Friedrich Engels. Es entstand ein Buch, in dem ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe festgehalten wurden.Helga Moericke: Wir sind verschieden. Lebensentwürfe von Schülern aus Ost und West. Luchterhand Literaturverlag, Frankfurt am Main 1991.

Im Juli 1998 begann die Rekonstruktion der naturwissenschaftlichen Fachräume, die 2000 fertiggestellt wurden. 2014 wurde in der ersten großen Hofaktion das Amphitheater gebaut, im selben Jahr begann die Sanierung von neun Unterrichtsräumen im Südflügel. Gemäß Beschluss des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg wurde die Schule zum zweiten Schulhalbjahr 2016/17 in Andreas-Gymnasium umbenannt. Der Namenstag des Apostels Andreas wird alljährlich am 30. November als Andreas-Tag unter einem besonderen Motto mit jahrgangsübergreifenden Seminaren begangen.

Schulprofil Im Jahr 2000 war die Schule Gründungsmitglied des nationalen Exzellenz-Netzwerks mathematisch-naturwissenschaftlicher Schulen, MINT-EC. Das Unterrichtsangebot wurde in Folge durch weitere Fächer erweitert: u. a. Business@School, ein französisches und englisches Sprachdiplom, Sozialwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften sowie Psychologie und Darstellendes Spiel. 2011 wurden ein Blockstundenmodell und ein Lernmittelfonds eingeführt. Seit 2012 fand erstmals die Einschulung einer 5. Klasse mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Profil statt.

Die Schule wurde 2014 als „Schule mit exzellenter Berufsorientierung“ zertifiziert. Im Schuljahr 2020/2021 bemühte sich die Schule um ein erweitertes Digitalkonzept. So wurde die HPI-Schulcloud vom Hasso-Plattner-Institut eingeführt. Kostenloses WLAN entsteht in Zusammenarbeit mit Freifunk und ist ein Projekt der schulinternen Schülervertretung.

Im Schuljahr 2025/26 hat die Schule 811 Schüler. Von ihnen haben 18,2 Prozent eine nichtdeutsche Herkunftssprache.

Fremdsprachen

Neben Englisch werden Französisch und Latein angeboten. In der 8. Klasse gibt es als Wahlpflichtfach auch Englisches Theater.Fächer andreas-schule.org, abgerufen am 14. Mai 2024

Arbeitsgemeinschaften

An der Schule wurden verschiedene Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, wie unter anderem eine AG zur Unterstützung der Kindernothilfe, Technik- und Fach-AGs, sowie Arbeitsgemeinschaften mit den Themen Religion, Courage, Musik, Umwelt und Sport. Außerdem gibt es seit einigen Jahren einen schuleigenen Chor.

Partnerschulen 2010: Partnerschule der Humboldt-Universität Berlin 2012: Partnerschule der Technischen Universität Berlin

Kooperationspartner 2007: Forum Berufsbildung und Deutsche Bahn AG 2010: Arbeitsagentur Berlin-Mitte 2011: Bethel Seniorenzentrum und Berlin BioScience Academy Berlin-Buch 2013: andel’s Hotel Berlin, Polizei (Dir. 5) und Kindernothilfe 2014: Mehr als Lernen, gemeinnützige Bildungsinitiative 2015: Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage 2016: Intellego, Freifunk.net und Affiliate Performance GmbH

Schulleiter 1833–1836: Naumann (Rektor) 1836–1838: August Merget 1838–1854: Karl Judae 1854–1856: Bartsch (Rektor) 1856–1876: Karl Hartung 1876–1895: Bolze 1895–1898: Adolf Hamann 1898–1925: Gustav Kiesel 1925–1933: Erich Schönebeck (Suspendierung durch die Nationalsozialisten) 1933–1945: wechselnde Rektoren (Groth, Friedrich) 1945–1951: Erich Schönebeck 1951–1968: Rudolf Dähne 1968–1970: Horst Hohlweg 1970–1981: Lore Sebbin 1981–1991: Joachim Herfert 1992–1993: Frau Schmidt (kommissarische Schulleiterin) 1993–1994: Burchardt 1994–2008: Frank Scheuer 2008–2009: Regina Ellinger 2009–2015: Andreas Steiner seit 2015: Birgit Strohmeyer

Bekannte Lehrer (Auswahl)

Harry Bresslau (1873–1877) Hermann Weingarten (1873) Alfred Wolff (1909–1910) Eduard Zache (ab 1892)

Bekannte Schüler (Auswahl)

Hugo Kaun (1863–1932), Komponist Gustav Stresemann (1878–1929), Reichsaußenminister, Träger des Friedensnobelpreises Curt Weikinn (1888–1966), Meteorologe Erich Stern (1889–1959), Psychologe und Hochschullehrer Wolfgang Saalfeldt (1890–1954), Politiker (NSDAP) Heinz Birnbaum (1920–1943), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Gerhard Holtz-Baumert (1927–1996), Schriftsteller Günter Schabowski (1929–2015), Politiker (SED) Werner Siems (* 1952), Mediziner und Hochschullehrer Maybrit Illner (* 1965), Moderatorin Marianne Burkert-Eulitz (* 1972), Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) Niklas Graßelt (* 1993), Politiker (CDU)

Literatur Ludwig Hoffmann: Neubauten der Stadt Berlin. Band V. Ernst Wasmuth, Berlin 1907. Willi Gensch, Hans Liesigk, Hans Michaelis (Bearbeiter): Das Andreas-Realgymnasium. In: Der Berliner Osten. Berliner Handelsdruckerei, Berlin 1930, S. 364–268. Gerhard Holtz-Baumert: Die pucklige Verwandtschaft. Aus Kindheit und Jugend in Berlin O 17 und Umgebung. Verlag Neues Leben, Berlin 1985, ISBN 3-355-00225-9. Jan Feustel: Andreas-Realgymnasium. In: Wilhelminisches Lächeln. Bauten von Hoffmann und Messel im Bezirk Friedrichshain. Heimatmuseum Friedrichshain, Berlin 1994, S. 48–50.