mini|295px|Der Innenraum

Sant’Anna dei Lombardi (italienisch: „Heilige Anna der Lombarden“) oder Santa Maria di Monteoliveto ist eine Kirche der heiligen Anna in Neapel und eines der bedeutendsten Beispiele der toskanischen Renaissance in dieser Stadt. Sie liegt an der Piazza Monteoliveto im historischen Stadtzentrum und gehört damit zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Geschichte

Die Kirche wurde ab 1411 erbaut als Stiftung von Gurello Origlia, Protonotar am Hofe des Ladislaus von Neapel.Loredana Gazzara: „Monteoliveto“, in: Napoli. Mondadori Electa, Mailand 2007, S. 88–91 Sie wurde dem Orden der Olivetaner anvertraut und hieß deshalb Santa Maria di Monteoliveto oder kurz Chiesa di Monteoliveto. In der Folge war sie eine Lieblingskirche der Herrscher aus dem Hause Aragón und wurde unter König Alfons I. bedeutend vergrößert.

mini|links|hochkant=0.7|Blick zum Eingang mit Orgelempore In der Kirche arbeiteten im 15. und 16. Jahrhundert verschiedene bedeutende Künstler der florentinischen Renaissance wie Antonio Rosselino, Benedetto da Maiano und Giorgio Vasari. Im 17. Jahrhundert fanden Renovierungen unter Gaetano Sacco statt.

1798 wurden die Olivetanermönche unter Ferdinand I. von Sizilien vertrieben. Stattdessen wurde die Kirche der „Erzbruderschaft der Lombarden“ (arciconfraternita dei Lombardi) übergeben, weil deren eigene Kirche, die der heiligen Anna geweiht war, kurz zuvor durch einen Brand verwüstet worden war (dabei wurden u. a. auch drei Bilder von Caravaggio zerstört). Aus all den genannten Gründen wurde die Kirche von Monteoliveto 1801 offiziell umbenannt in Sant’Anna dei Lombardi.Andrea Brancaleone: Umanesimo e rinascimento a Napoli, Neapel 2010, S. 54. ISBN 978-88-910-0152-8

Die Fassade erlitt durch Bombardierungen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden und musste später teilweise wiederaufgebaut werden.

Beschreibung Plan Cappella Piccolomini Cappella d’Avalos Cappella dei Santi Mauro e Placido Cappella Porcinari Cappella di San Giovanni Battista Cappella Tolosa Cappella Savarese Apsis Cappella Orefice Cappella dell’Assunta Neue Sakristei (Sacrestia Nuova) Alte Sakristei oder Sakristei des Vasari (Sacrestia Vecchia) Oratorio del Santo Sacramento a) Cappella Fiodo b) Cappella Origlia c) Cappella del Compianto Cappella di San Cristoforo Cappella Scala Cappella di Sant’Antonio da Padova Cappella di Santa Francesca Romana Cappella Mastrogiudice Cappella Correale rechts|350x350px|Pianta

Äußeres Die Kirche ist trotz späterer Eingriffe deutlich von der florentinischen Renaissance geprägt, sowohl außen als auch innen. Die Fassade aus Piperno ist sehr schlicht und wirkt wehrhaft und beinahe etwas abweisend. Durch einen Bogen betritt man zunächst das Atrium, wo sich das Grabmal des bekannten Architekten Domenico Fontana befindet, das 1627 von seinen Söhnen Sebastiano und Giulio Cesare Fontana gebaut wurde und ursprünglich in der zerstörten Kirche Sant’Anna stand, bevor es hierher gebracht wurde.AA.VV.: Napoli e dintorni, Touring Club Italiano Milano 2007, S. 148

Das Innere

Auch der Innenraum präsentiert sich in seinen Formen und Farben relativ schlicht und streng, im Sinne der frühen Renaissance; spätere Barockisierungen fielen eher zurückhaltend aus. Es handelt sich um ein einziges Kirchenschiff mit Seitenkapellen und Apsis, jedoch ohne Querschiff und Kuppel. Die Wände sind in Weiß und Hellgrau gehalten, der Raum wird durch korinthische Pilaster und dazwischenliegende Rundbögen rhythmisiert und hat eine schlichte hölzerne Kassettendecke.

mini|links|hochkant=0.7|Giovanni da Nola: Altare Ligorio, ca. 1532 mini|hochkant=0.7|Girolamo Santacroce: Altare del Pezzo, 1524 Das Eingangsportal wird flankiert von zwei Altären, links der altare Ligorio von Giovanni da Nola (1532), und rechts der altare Del Pezzo von Girolamo Santacroce (1524). Beide sind Meisterwerke der Renaissanceskulptur. Da Nolas Ligorio-Altar präsentiert als Hauptwerk eine Madonna del Soccorso, und daneben Statuen der heiligen Andreas und Girolamo, auf dem Altarvorsatz sieht man das Relief San Francesco di Paola rettet Wanderer, die von einer Lawine begraben wurden. Den Mittelpunkt von Santacroces Del-Pezzo-Altar bildet eine Madonna mit Kind, daneben Figuren der Heiligen Petrus und Johannes der Täufer, der Altarvorsatz zeigt eine Darstellung von Christus und Petrus auf dem See Tiberias.

Auf der Empore darüber steht die prächtige Orgel mit ihrem reichgeschnitzten und vergoldeten manieristischen Gehäuse; sie wurde 1904 von der Firma F.lli Lingiardi aus Pavia renoviert. Zu beiden Seiten malte Battistello Caracciolo zu Beginn des 17. Jahrhunderts Fresken mit Engeln.

In der Zone über den Arkaden der Seitenkapellen zwischen den Fenstern befinden sich insgesamt zehn Ölgemälde (fünf auf jeder Seite) mit Szenen aus dem Leben des heiligen Bernardo Tolomei und Ursprünge des Olivetanerordens von Gabriele De Sabato (1720).

mini|Apsis mit Hauptaltar

Im viereckigen Presbyterium steht der große Hauptaltar mit spektakulären Marmorintarsien aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er wurde von Giovan Domenico Vinaccia entworfen und von Bartolomeo und Pietro Ghetti geschaffen.AA.VV.: Napoli e dintorni, Touring Club Italiano Milano 2007, S. 150 Dahinter, im Zentrum der Apsiswand, hängt das Altargemälde Die Erziehung der Jungfrau Maria von Angelo Mozzillo vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Im unteren Bereich auf beiden Seiten des Altarbildes sind Nischen mit zwei Gedenktafeln für die Gründer der Kirche, Gurello Origlia und Alfons I., daneben an der rechten und linken Seitenwand, ebenfalls in kleinen Nischen, verschiedene Grabmonumente; die rechten von Giovan Paolo Vassalli und Nicola Asciomo wurden um 1500 von Tommaso Malvito und seiner Werkstatt geschaffen. In der Zone darüber, unter dem Gesims, befindet sich ein breiter Fries mit Fresken des 16. und 17. Jahrhunderts mit Szenen aus dem Leben des heiligen Benedikt. Die Tribüne ist ein Werk von Giovan Battista Cavagna von 1591. Das geschnitzte Chorgestühl stammt von Giovanni Francesco d’Arezzo.

Eine Tür an der rechten Seite führt zur Sakristei des Vasari und anderen Nebenräumen.

Kapellen

Nach links und rechts öffnen sich Rundbögen zu jeweils fünf Seitenkapellen; hinzu kommen weitere drei Kapellen neben dem Presbyterium, zwei links und eine auf der rechten Seite. Ein Korridor rechts vor dem Chorraum führt zu weiteren wichtigen Räumen des Klosters: dem Oratorio del Santo Sepolcro, der Cappella dell’Assunta, der Neuen Sakristei (Sacrestia Nuova) und der Alten Sakristei, die nach ihrem Schöpfer auch als Sakristei des Vasari bekannt ist (Sacrestia del Vasari).

Die bedeutendsten Seitenkapellen sind die Cappella Piccolomini und die Cappella Correale – die beiden ersten Kapellen rechts und links vom Eingang. In den übrigen Kapellen befinden sich Grabmäler neapolitanischer Adelsfamilien aus dem 15. Jahrhundert und barocke Gewölbefresken von Giuseppe Simonelli, Baldassarre Aloisi, Nicola Malinconico, Francesco Solimena u. a.

Linke Seite mini|Cappella Piccolomini Durch die erste Arkade links betritt man zunächst einen Vorraum mit einem Relief der Kreuzigung mit Maria, Johannes und Magdalena von Giulio Mazzoni und rechts einem Gemälde der Himmelfahrt Christi mit den Heiligen Sebastian und Nikolaus von Bari eines anonymen Künstlers um 1500.

Links öffnet sich ein großer Bogen zur eigentlichen Cappella Piccolomini, die als perfekteste Verkörperung der florentinischen Frührenaissance in Neapel gilt. Sie wurde zwischen 1475 und 1490 im Auftrag des Antonio Piccolomini († 1493) als Grabkapelle für seine Frau Maria, Tochter Ferdinands I. von Neapel, geschaffen. Als Vorbild diente grundsätzlich die Kapelle des Kardinals von Portugal in der Kirche San Miniato al Monte in Florenz, doch mit einer Betonung des skulpturalen Dekors. Die beteiligten Künstler waren Giuliano da Maiano und sein Bruder Benedetto, sowie Antonio Rossellino. Bau und Dekoration der Kapelle wurden außerdem von der toskanischen Bankiersfamilie Strozzi unterstützt, die in Neapel eine Filiale unterhielten, über die man die Bezahlung der Künstler abwickelte.Nunzio Federico Faraglia: Memorie artistiche della chiesa benedettina dei Santi Severino e Sossio, in: Archivio Storico per le Province Napoletane, Band III, 1887, S. 251 An der Hauptwand unter einem Bogen steht ein Altar mit dem Relief Anbetung der Hirten von Antonio Rossellino und Skulpturen der Heiligen Jakobus und Johannes, darüber Tondi mit Propheten. Das Grabmal der Maria von Aragon befindet sich an der linken Wand; darüber halten elegante Engelsfiguren eine Madonna mit Kind, auch auf dem Sarkophag selber sitzen kleine Putti. Das Ganze wurde ebenfalls von Rossellino um 1475 geschaffen und nach dessen Tod von Benedetto da Maiano beendet. Gegenüber an der rechten Wand steht eine marmorne Bank und dahinter im Bogen Fresken einer Verkündigung aus dem 15. Jahrhundert. Der Fußboden wurde mit polychromem Marmor im Cosmatenstil geschmückt.

mini|hochkant|Cappella d’Avalos

Die zweite Kapelle links ist die Cappella d’Avalos mit einem Altarbild von Fabrizio Santafede Madonna mit Kind und den Heiligen Benedikt und Thomas von Aquin (1606), die Gewölbe- und Kuppelfresken mit Historien aus dem Alten und Neuen Testament von Giovan Antonio Arditi und Antonio Sarnelli sind bereits in einem fortgeschrittenen Verfallsstadium.

In der dritten Kapelle links gibt es eine Madonna mit den Heiligen Maurus und Placidus von Paolo De Matteis (1708). Die Fresken in Gewölbe und Lünetten sind von Nicola Malinconico. Hinzu kommen Grabmonumente von Giovanni und Carlo Rapario (1576, anonym) und von Grazia Cavaniglia, einem Werk des Jacopo della Pila (ca. 1470).

mini|links|hochkant|Giovanni da Nola: Pietà am Altar Johannes des Täufers, ca. 1500–1550

Die malerische Ausgestaltung der vierten Cappella Porcinari dreht sich um das Leben des Heiligen Bernardo Tolomei mit Fresken von Francesco Di Maria, einem Altarbild von Carlo De Rosa, und Gewölbefresken von Paolo De Matteis.

Die fünfte und letzte Kapelle links ist Johannes dem Täufer gewidmet, dessen Skulptur auf dem Altar 1516 von Giovanni da Nola geschaffen wurde. Die Verkündigung und das Relief mit der Pietà auf dem Altarvorsatz sind von Jacopo della Pila, aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Paolo De Matteis malte die Fresken mit Glorie und Heiligenviten im Gewölbe.

Rechte Seite

Durch den ersten Bogen rechts betritt man zunächst die Cappella Mastrogiudice, mit einer Madonna mit Kind und Johannes dem Täufer und Heiligen von Giovanni da Nola, die Grabmäler der Familie Mastrogiudice wurden Anfang des 17. Jahrhunderts von Girolamo D’Auria realisiert, die Fresken malte Battistello Caracciolo.

mini|links|Cappella Correale: Altar von Benedetto da Maiano (1489) Rechts davon liegt die Cappella Correale (oder dell’Annunciazione), mit einem Verkündigungsaltar aus weißem Marmor von Benedetto da Maiano (1489), mit Statuen der Heiligen Johannes der Evangelist und Johannes der Täufer, und zwei Tondi mit Märtyrerheiligen; die Predella zeigt Szenen aus dem Leben Jesu. An der linken Wand befindet sich das Grabmal von Marino Correale von 1490, gegenüber davon eine Marmorbank.

Die Dekoration der zweiten Kapelle rechts ist der heiligen Francesca Romana gewidmet, mit einem Altargemälde von Vincenzo Fato, und Gewölbefresken von Giuseppe Simonelli.

mini|hochkant|Kapelle des Heiligen Antonius von Padua In der folgenden Kapelle des Heiligen Antonius von Padua sieht man Fresken von Nicola Malinconico über das Leben des Heiligen; die Statue auf dem Altar und das Relief mit der Predigt des heiligen Antonius schuf Annibale Caccavello.

Die vierte Kapelle ist benannt nach der Familie Scala, die wahrscheinlich aus Spanien stammte und von der mehrere Mitglieder hier begraben wurden. Der Altar mit einem hölzernen Kruzifix eines Unbekannten Meisters ist aus dem 18. Jahrhundert, die Fresken von Nicola Malinconico zeigen Geschichten aus dem Leben Christi.