Union de Transports Aériens (im Außenauftritt als UTA firmierend) war eine französische Fluggesellschaft mit Sitz in Paris und Basis auf dem Flughafen Paris-Charles de Gaulle. Das Unternehmen wurde im Jahr 1990 von der Fluggesellschaft Air France übernommen und ging im Dezember 1992 in dieser auf.
Ursprung der UTA mini|Eine De Havilland Comet 1A der Union Aéromaritime de Transport (UAT) Die Union de Transports Aériens (UTA) ging im Jahr 1963 aus dem Zusammenschluss der zwei privaten französischen Fluggesellschaften Transports Aériens Intercontinentaux (TAI) und Union Aéromaritime de Transport (UAT) hervor. Die Ursprünge dieser Unternehmen reichen zum Teil bis in das Jahr 1933 zurück.
Union Aéromaritime de Transport (UAT) Im Jahr 1933 gründete die französische Reederei Chargeurs Réunis die Fluggesellschaft Aéromaritime, um Luftpost von der westafrikanischen Küste ins Innere des Kontinents zu transportieren. Erste Postflüge erfolgten ab dem 7. Juli 1935 zwischen Cotonou und Niamey. Im Anschluss setzte die Gesellschaft auch werksneue Flugboote des Typs Sikorsky S-43 entlang der Küste zwischen Dakar und Pointe-Noire ein. Da diese Regionen kaum erschlossen waren, musste Aéromaritime zahlreiche Stützpunkte und Versorgungseinrichtungen selbst errichten. Die Postfluggesellschaft schloss sich am 13. Oktober 1949 mit der 1948 gegründeten Société aérienne de transports internationaux (SATI) zur neu gegründeten Union Aéromaritime de Transport (UAT) zusammen, an der auch Air France beteiligt war. Die Union Aéromaritime de Transport (ICAO-Code: UT), die ihre Basis auf dem Flughafen Le Bourget hatte, bot außer vielen Frachtflügen unter anderem Langstreckenverbindungen von Paris zu Zielorten in Zentral- und Westafrika sowie nach Saigon (Indochina) an. Ab Ende der 1940er Jahre setzte das Unternehmen primär Flugzeuge des Typs Douglas DC-4 ein.
Im Februar 1953 erhielt UAT die erste ihrer drei De Havilland DH.106 Comet der Serie 1A und gehörte damit zu den ersten Fluggesellschaften, die Strahlflugzeuge in Dienst stellten. Sie kamen auf der Route von Paris über Casablanca und Dakar nach Abidjan zum Einsatz.UTA-Flugplan, Comet-Service, 26. Oktober 1953, abgerufen am 23. August 2017 Aufgrund der konstruktionsbedingten Mängel wurden die beiden nach einem Landeunfall noch verbliebenen Comet nur bis April 1954 betrieben und von Maschinen des Typs Douglas DC-6 abgelöst. In den Jahren 1953 und 1954 übernahm UAT neun De Havilland DH.114 Heron, die meist in Afrika und Asien für Anschluss- und Zubringerflüge benutzt wurden.Tony Eastwood und John Roach: Piston Engine Airliner Production List. The Aviation Hobby Shop, West Drayton, 1996, ISBN 0 907178 61 8. Ab 1954 wurden sieben fabrikneue Nord Noratlas der Baureihe 2502 erworben (Kennzeichen F-BGZA bis -BGZG), die zusätzlich mit zwei kleinen Strahltriebwerken ausgerüstet waren.
Im Mai 1955 übernahm UAT die 1946 gegründete Fluggesellschaft Aigle Azur, die zahlreiche Strecken nach Nordafrika, dem Nahen Osten und Indochina bediente. Eingeschlossen war eine große Flotte von Douglas DC-3.Jennifer M. Gradidge: The Douglas DC-1/DC-2/DC-3: The First Seventy Years, Volumes One and Two. Tonbridge, Kent, UK: Air-Britain (Historians) Ltd., 2006, ISBN 0-85130-332-3, S. 183. Drei Strahlflugzeuge des Typs Douglas DC-8 erweiterten ab 1960 die Flotte. Im Jahr 1961 beteiligten sich UAT und Air France an der Gründung der multinationalen Air Afrique, an welcher die zwei französischen Unternehmen anfangs auch Gesellschaftsanteile in Höhe von je 17 Prozent besaßen.Flight International, 25. Mai 1961 (in Englisch), abgerufen am 21. Mai 2017
Der ursprüngliche Unternehmensname wurde wiederbelebt, als UTA im Jahr 1966 die Tochtergesellschaft Aéromaritime gründete. Diese Chartergesellschaft wurde vor allem durch die für Airbus betriebenen, unförmigen Frachtflugzeuge des Typs Super Guppy bekannt.
Transports Aériens Intercontinentaux (TAI) mini|250px|Eine SE.2010 Armagnac der TAI im Jahr 1953 Die Fluggesellschaft Transports Aériens Intercontinentaux (TAI) wurde am 1. Juni 1946 gegründet und nahm den Betrieb von ihrer Basis auf dem Flughafen Paris-Orly zunächst nach Casablanca (Marokko) auf.Aviation Magazine N°15 du 1er septembre 1950 Communiqué par Christian Ravel, Musée d’Angers, Espace Air Passion Paraitra dans l'Echo 114 d'octobre (in Französisch), abgerufen am 20. August 2017 Anfänglich setzte Transports Aériens Intercontinentaux (ICAO-Code: TI) mindestens acht Amiot AAC.1 ein, eine in Frankreich bis 1948 hergestellte Version der Junkers Ju 52/3m. Im Mai 1947 erhielt TAI zwei fabrikneue Bristol 170 Freighter Srs. 1A (Luftfahrzeugkennzeichen F-BCJM, -JN).Eastwood/Roach 1996. Nach Übernahme der ersten von KLM gebraucht gekauften Douglas DC-4 (C-54A) eröffnete sie am 23. Oktober 1947 eine Linienverbindung von Paris-Orly nach Saigon in Französisch-Indochina. Die Strecke wurde zunächst mit Zwischenlandungen in Damaskus, Bahrain, Karatschi, Delhi und Kalkutta beflogen. Im Jahr 1948 nahm TAI Linienflüge von Paris über Duala nach Libreville sowie über Bamako nach Abidjan auf. Die Anzahl der von KLM gekauften DC-4 erhöhte sich bis Herbst 1948 auf neun Maschinen, mit denen etwa zeitgleich auch eine über Brazzaville und Livingstone geführte Verbindung nach Tananarive (Madagaskar) eingerichtet wurde. Im Jahr 1950 flog TAI kurzzeitig auch die karibischen Übersee-Départements Martinique und Guadeloupe an, mit Zwischenlandung auf den Bermudas. Die Indochina-Strecke wurde im Jahr 1952 von Saigon nach Hanoi verlängert und zudem auch Bangkok bedient.TAI-Flugplan, 20. Juli 1952, abgerufen am 21. August 2017
Zwischen 1948 und 1950 erwarb TAI vier Handley Page Halifax als Frachtflugzeuge.Air-Britain Aviation World (englisch), Dezember 2016, S. 159–160. Diese Maschinen der Baureihe HP.70 Halifax C.VIII waren zu Militärtransporten umgebaute ehemalige Bomber. Alle vier Flugzeuge wurden dann auf die Gesellschaften Société Auxiliaire de Navigation Aérienne (SANA, Kennzeichen F-BCJR und -JT) oder Société Aero Cargo (F-BCJS und -JX) registriert und auch von diesen eingesetzt.Air-Britain Aviation World (englisch), September 2017, S. 108–109. TAI besaß eine weitere Halifax C.VIII (F-BCJZ), die aber nur durch die Société Co-operative de Transports Aérien (SOCATRA) genutzt wurde und am 17. Dezember 1947 bei Lyon-Bron verunglückte.Air-Britain Aviation World (englisch), Dezember 2016, S. 159. Alle Maschinen waren über die Firma Anglo-French Distributors erworbene ehemalige Transporter der Royal Air Force.
Bis zur Auslieferung ihrer ersten Maschinen des Typs Douglas DC-6 erhielt TAI von staatlicher Seite zwischen Mai und November 1952 vier Exemplare des damals ungewöhnlich großen viermotorigen Langstrecken-Verkehrsflugzeugs Sud-Est SE.2010 Armagnac zur kostenlosen Nutzung.Gerard, Gourlan, Le musee UTA, Armagnac (in Französisch), abgerufen am 20. August 2017 Mit diesem Typ, der bis zu 160 Passagiere befördern konnte, wurden hauptsächlich Strecken nach Tananarive, Dakar, Abidjan und Casablanca beflogen. Nach Erhalt der ersten Douglas DC-6 musterte TAI die vier Armagnac ab Frühjahr 1953 aus. Mit den neuen Flugzeugen eröffnete das Unternehmen am 18. April 1953 eine zweite Route nach Madagaskar, die über Kairo, Dschibuti und Nairobi führte.TAI-Flugplan zur Eröffnung der Madagaskar Route, 18. April 1953 (in Französisch), abgerufen am 21. August 2017
TAI richtete im Januar 1956 eine Linienverbindung von Saigon über Darwin (Australien) nach Nouméa ein, der Hauptstadt des Überseegebietes Neukaledonien. Die Gesellschaft stationierte anschließend Maschinen des Typs Douglas DC-3 in Nouméa, mit denen Anschlussflüge nach Port Vila und Espiritu Santo (Neue Hebriden) sowie nach Nadi (Fidschi) und den Wallis-Inseln erfolgten. Ab Frühjahr 1957 flog TAI im pazifischen Raum auch Brisbane (Australien) und Auckland (Neuseeland) an.TAI-Flugplan, 1. Oktober 1957, abgerufen am 21. August 2017TAI-Streckennetzkarte, 1. Oktober 1957, abgerufen am 21. August 2017 In Hinblick auf eine geplante Verlängerung der pazifischen Linienstrecke bis nach Französisch-Polynesien führte die Gesellschaft im Mai 1957 erstmals einen außerplanmäßigen Flug zwischen Nouméa und Bora Bora durch. Ab dem 2. Oktober 1958 setzte TAI ihre Douglas DC-6 planmäßig auf dieser Route ein. Gleichzeitig erwarb sie die in Papeete ansässige staatliche Régie Aérienne Interinsulaire (RAI), die als Tochtergesellschaft bestehen blieb und mit den Anschlussflügen von Bora Bora nach Tahiti beauftragt wurde.
Im Winter 1957/58 erhielt TAI drei werksneue Douglas DC-7C, die neben der Lockheed Starliner den technischen und leistungsmäßigen Höhepunkt der Ära der Langstreckenflugzeuge mit Kolbenmotoren vor dem Übergang zum Strahlflugzeugzeitalter darstellte.rzjets, TAI Transports Aeriens Intercontinentaux (englisch), abgerufen am 18. August 2017. Auch bei TAI wurde die Flotte in den Jahren 1960 und 1961 dann um Strahlflugzeuge des Typs Douglas DC-8-33 erweitert. Nach Eröffnung des Flughafens Papeete nahm die Gesellschaft im Jahr 1960 auch Linienflüge von Tahiti über Honolulu (Hawaii) nach Los Angeles auf.TAI-Flugplan, 12. Dezember 1960, abgerufen am 22. August 2017
Union de Transports Aériens (UTA) Die zwei Gesellschaften UAT und TAI, die viele Strecken parallel zueinander beflogen, fusionierten am 1. Oktober 1963 unter dem Namen Union de Transports Aériens (UTA). Aero, Ausgabe 103, Jahrgang 1985 Der Hauptanteilseigner des neuen Unternehmens war weiterhin die Chargeurs Réunis, die bereits im Jahr 1933 die Aéromaritime gegründet hatte.
Zeitraum 1963 bis 1975 mini|250px|Eine DC-8-53 auf dem Flughafen Le Bourget im Jahr 1973 Die anfängliche Flotte der UTA bestand aus fünf Strahlflugzeugen des Typs Douglas DC-8 sowie 13 kolbenmotorgetriebenen Maschinen des Typs Douglas DC-6, wovon einige im pazifischen Raum stationiert waren. Aero, Ausgabe 236, Jahrgang 1988 Aufgrund einer vom französischen Verkehrsministerium erlassenen Regelung führte UTA im Gegensatz zur staatlichen Air France fast ausnahmslos von Paris ausgehende Langstreckenflüge nach Afrika, Asien, Australien und zu den französischen Überseegebieten im Pazifik durch. Daneben bot die Gesellschaft einen Linienverkehr von Tahiti nach Hawaii und Los Angeles an. Innerhalb Europas wurden neben fünf nationalen Zielorten nur die Städte Athen und Rom regulär angeflogen.UTA, Flugplan Januar 1964 In den 1960er-Jahren lösten weitere Douglas DC-8 die vorhandenen Propellerflugzeuge schrittweise ab. Zudem stationierte das Unternehmen ab 1966 zwei Maschinen des Typs Sud Aviation Caravelle in Neukaledonien. Die Caravelle kamen auf Linienflügen von Nouméa nach Auckland und Sydney zum Einsatz. Ab den frühen 1970er-Jahren flog UTA von ihrem Drehkreuz in Nouméa auch Tokio einmal wöchentlich an.Flight International, 2. Dezember 1971
Anfänglich war die Union de Transports Aériens auf dem Pariser Flughafen Le Bourget beheimatet, wo sie umfangreiche Werftanlagen (ab 1971 UTA Industries) errichtete, in denen Anfang der 1980er-Jahre unter anderem zwei Spezialtransporter des Typs Super Guppy gefertigt wurden.Aero, Ausgabe 46, Jahrgang 1988 Im Jahr 1966 gründete die Gesellschaft das Tochterunternehmen Aéromaritime, das zunächst die Charterflüge der UTA übernahm und ab Dezember 1971 auch Bauteile für den Flugzeughersteller Airbus transportierte. Zwei weitere Tochtergesellschaften der UTA waren die in Port Vila beheimatete Air Hébride sowie die auf Tahiti ansässige Réseau Aérien Interinsulaire (RAI). Beide Unternehmen führten Zubringerflüge für die Muttergesellschaft durch.Flight International, 6. Mai 1971 Zudem besaß UTA eine Minderheitsbeteiligung an der französischen Fluggesellschaft Air Inter sowie in den 1960er-Jahren auch Anteile an den afrikanischen Gesellschaften Air Ivoire, Air Volta und Transgabon.