mini|Außenansicht der Pfarrkirche St. Karl Borromäus von Nordwesten Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Karl Borromäus (kurz als St. Karl bezeichnet) in Nürnberg-Mögeldorf wurde in den Jahren 1926/27 im expressionistischen Stil nach den Plänen von Fritz Fuchsenberger errichtet. Die Monumentalkirche ist ein Beispiel für den in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufigen Typus der Vorstadtkirche in gemäßigt modernen Formen. Sie trägt das Patrozinium des heiligen Karl Borromäus (Gedenktag: 4. November) und ist als Baudenkmal mit der Nummer D-5-64-000-1203 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eingetragen.

Geschichte Mit dem Zuzug katholischer Industriearbeiter in den Nürnberger Osten wurde kurz nach dem Ersten Weltkrieg die Gründung einer eigenständigen Pfarrei im Stadtteil Mögeldorf beschlossen. Als Pfarrer wurde 1919 der spätere Erzbischöflich Geistliche Rat Johannes Roth eingesetzt, der dieses Amt bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1948 ausübte.Schock-Werner, S. 5f.Baugeschichte. Online auf st-karl-nuernberg.de; abgerufen am 28. Oktober 2018.

Nachdem bereits seit 1905 eine Notkirche am Thumenberger Weg genutzt wurde, kaufte die Gesamtkirchenverwaltung Nürnberg im Jahr 1923 ein Grundstück im Karree Lindnerstraße, Ostendstraße, Lechnerstraße und Thusneldastraße. Dort sollten die Pfarrkirche, ein Pfarrhaus und ein Schwesternhaus mit Kindergarten erbaut werden. In einem Schreiben aus dem Jahr 1926 wird eine Pfarreigröße von rund 3600 Katholiken angenommen, „der größte Teil Industriearbeiter, die, religiös erkaltet, der Kirche fern stehen“. Deshalb wurde viel Wert auf Räume für die Kinder- und Jugenderziehung gelegt.

Zunächst wurde im Jahr 1925 das Pfarrhaus an der Südwestecke des Grundstücks errichtet. Pfarrer Johannes Roth wollte anfangs den berühmten Wiener Architekten Clemens Holzmeister mit der Planung der Pfarrkirche betrauen. Allerdings fiel die Wahl letztendlich auf den bayerischen Architekten Fritz Fuchsenberger, der – entgegen der Ausschreibung, die eine Barockkirche vorsah – einen Bau in frühchristlichen Formen vorschlug. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war wohl, dass Fuchsenberger bereit war, die Pläne kostenlos zu erstellen. Dies führte zu Beschwerden wegen standeswidrigen Verhaltens beim Baukunstrat der Stadt Nürnberg und beim Bund Deutscher Architekten. Zugunsten der Planungen Fuchsenbergers wurde außerdem von der anfänglichen Idee eines Architektenwettbewerbs Abstand genommen. Am 1. Juni 1926 genehmigte der Nürnberger Stadtrat die Baupläne. Fuchsenbergers Umgang mit den finanziellen Mitteln blieb während des gesamten Bauvorgangs undurchsichtig.

Am 8. August 1926, als die Grundsteinlegung durch den Bamberger Weihbischof Adam Senger erfolgte, standen bereits einige Betonpfeiler. Der Bau schritt schnell voran, da als Baumaterial Kalksandstein, damals als Kunstbackstein, aus den nahegelegenen Zapf-Werken in Behringersdorf verwendet wurde – zur damaligen Zeit ein absolutes Novum. Die Steine wurden direkt vom Lastwagen aus vermauert, was sich als zeitsparend und kostengünstig erwies. So konnte die Kirche bereits am 15. Mai 1927 benediziert werden. Die Wahl des Baumaterial – Betonpfeiler und Kalksandsteinmauerwerk – wurde zur Erbauungszeit vielfach als „nicht sakralwürdig“ bezeichnet, erwies sich jedoch langfristig als gute Wahl, da sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse.

Neben dem Bau in den Jahren 1926/27 zeichnete Fuchsenberger auch für die Entwürfe des Hochaltares und aller damit in Verbindung stehenden Metallarbeiten, insbesondere für das Retabel, verantwortlich. Diese wurden 1927/28 von dem Münchner Silberschmied Alois Wöhrle ausgeführt. Überdies wurden auch das Gestühl, die Beichtstühle, der Windfang, die Wandleuchter und die Pflasterung des Fußbodens nach Fuchsenbergers Zeichnungen ausgeführt.

Die Ausstattung des Altarraums finanzierte der Nürnberger Industrielle Robert Pfaller durch eine großzügige Spende; ebenso die Farbfenster in Chorraum und Unterkirche, die nach den Entwürfen des Malers Paul Thalheimer angefertigt wurden. Dieser schuf auch die zahlreichen Wandmalereien. Aus finanziellen Gründen blieben die Seitenaltäre zunächst ohne Schmuck, bevor 1939/40 aus der Abtei St. Walburg in Eichstätt hierfür Bildteppiche erworben wurden. Diese waren zum Teil neu, zum Teil kamen sie als Zweitverwendung nach St. Karl Borromäus. Damit war die Ausstattung der Pfarrkirche im Wesentlichen komplett.

Im Zweiten Weltkrieg nahm das Gotteshaus keine größeren Schäden. Lediglich die Glasfenster im Chor wurden zerstört und der Wandbehang hinter dem Altar verbrannte. Die Glasfenster wurden 1968/69 durch zeittypische Arbeiten des Kunstmalers Alfons Abel ersetzt, auf denen abstrakte Engelsgestalten abgebildet sind. Außerdem wurde 1978/79 in einer Nische an der Westwand ein Mosaik des Kirchenpatrons Karl Borromäus ergänzt. Der Entwurf stammt von dem Kunstmaler Anton Greiner aus Stegaurach. Die im Jahr 1964 von G. F. Steinmeyer & Co. erbaute Orgel wurde 1983 von dem Nürnberger Orgelbaumeister Volkmar Krätzer auf insgesamt 42 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal, erweitert. In der Unterkirche wurde in den Jahren 1988/89 durch den Nürnberger Architekten Paul Eck ein Raum für Werktagsgottesdienste und Andachten eingerichtet.

Architektur mini|Mosaik des Kirchenpatrons Karl Borromäus in einer Nische an der Westfassade

Würdigung Die Pfarrkirche St. Karl Borromäus repräsentiert den in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufigen Typus der Vorstadtkirche in gemäßigt modernen Formen. Dennoch zählt St. Karl Borromäus unter diesen zu den wenigen Bauten, die sowohl den Krieg weitgehend überstanden haben als auch von Modernisierungsbestrebungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschont geblieben sind. Daher präsentiert sich das Gotteshaus heute in Architektur und Ausstattung als einheitliches Beispiel des spätexpressionistischen Kirchenbaus. Im Bau wie in den Wandmalereien Paul Thalheimers findet man an zahlreichen Stelle das zentrale Motiv der spitzen und scharfkantigen Formen wieder. St. Karl Borromäus weist in Bau und Ausstattung eine starke Ähnlichkeit zu der wenig später errichteten Pfarrkirche St. Bonifaz in Erlangen auf.Schock-Werner, S. 2f.Bedeutung der Kirche. Online auf st-karl-nuernberg.de; abgerufen am 28. Oktober 2018.

Außenbau Das basilikale Langhaus wird zur Lindnerstraße hin von einer westwerkartigen Fassade abgeschlossen. Der Portalbereich ist durch drei Rundbogenarkade ausgezeichnet, die auf kreuzförmigen Pfeilern ruhen. Diese führen in die Vorhalle und von dort über drei schwere Bronzetüren mit Löwenkopf-Türgriffen und Ziernägeln weiter in den Innenraum.Schock-Werner, S. 6–9.Kirche St. Karl Borromäus – Beschreibung. Online auf st-karl-nuernberg.de; abgerufen am 28. Oktober 2018.

Oberhalb des Portalbereichs ziehen sich vier ausschließlich horizontal verlaufende Gesimse in gleichmäßigem Abstand entlang der Fassade, die durch Eckquader aus Haustein gebildete Lisenen besitzt. In der mittig angeordneten, rundbogigen Mauernische wurde 1978/79 ein Mosaik des Kirchenpatrons Karl Borromäus eingefügt. Diese wird von Hausteinen eingerahmt, die sich nach oben hin verdichten und eine Spitze bilden. Im obersten Geschoss des Westwerks finden sich erneut Arkaden; diesmal sind es fünf deutlich schmälere. Außerdem zieht sich hier eine Art Dreiecksfries quer über die gesamte Fassade, die von zwei Turmstümpfen mit charakteristischen Eckspornen flankiert wird. Auf der Nordseite des Westwerks ist die oktogonale Taufkapelle angebaut, die von Eckquadern aus Haustein und einer gedrückten Kuppel akzentuiert wird. Auf der Südseite befindet sich ein Übergang zum Pfarrhaus.

Das´siebenjochige Langhaus ist dreischiffig ausgeführt. Entlang der Seiten ziehen sich zwei niedrige, schmale Seitenschiffe, die mit einem Pultdach gedeckt sind und kleine Fensteröffnungen in großer Höhe besitzen. Deutlich breiter und höher ist das Mittelschiff. Es besitzt ein Satteldach, welches auch den Chor einbezieht und wird durch hohe, schmale Fensteröffnungen in Form eines Obergadens beleuchtet. Die schlichte Fassadengestaltung der Längsseiten wird lediglich durch die Fensterrahmungen aus kräftigen Keilsteinen sowie durch die übereck gestellten Konsolen des Traufgesimses aufgelockert.

Den östlichen Abschluss bildet die halbrund geschlossene Apsis. Auch um die Apsis ziehen sich das Traufgesims mit den dreieckigen Konsolen und die durch Keilsteine betonte Fensterreihe. Auf dem Dach befindet sich außerdem ein kleiner kupferner Glockenträger. Unter dem durch mehrere Stufen erhöhten Altarraum befand sich früher die halbrunde Krypta, die 1988 zur sogenannten Unterkirche erweitert wurde. Diese ist nahezu kreisrund und besitzt daher etwa die doppelte Größe im Vergleich zur früheren Krypta. Die Apsis wird auf der Nord- und Südseite von zwei zweistöckigen Anbauten flankiert, der Sakristei und der ehemaligen Mesnerwohnung, die heute als Ort für Versammlungen genutzt wird. Beide besitzen Satteldächer und schlichte Stufengiebel, die mit Vasen besetzt sind.

Innenraum Die drei Kirchenschiffe besitzen alle flache Holzdecken, die maßgeblich zur Raumwirkung beitragen. Die mächtigen, durch Oberzüge zusätzlich gehaltenen Balken des Mittelschiffs ruhen auf gemauerten Konsolen. Darüber ist in Längsrichtung eine Verbretterung spitzbogig zwischen die Balken eingespannt. Die Decken in den Seitenschiffen bestehen aus roh belassenen Brettern, die auf den jeweils zu Dreiergruppen zusammengefassten Balken aufliegen. Lediglich das Joch vor dem nördlichen Seitenaltar wird von einem spitzbogigen Tonnengewölbe überspannt. Auch die Apsis ist gewölbt.

Die Arkadenbögen, die als Scheidbögen zwischen Mittelschiff und Seitenschiffen fungieren, sind durch doppelte Steinlagen betont und mit dem Beton der Pfeiler verzahnt. Die in der Achse der Bögen stehenden Fenster des Obergadens sind schwach spitzbogig ausgebildet, ihre spezielle Form erhalten sie jedoch durch die getreppte Leibung und die deutlich überhöhten, gezackten Spitzbögen. Die Fensteröffnungen in den Seitenschiffen dagegen sind klein und haben die Form eines gestreckten Sechsecks. An den runden Chorbogen ist nördlich die Kanzel und südlich ein Podest gemauert, das eine moderne, holzgeschnitzte Marienfigur trägt. Der Schalldeckel der Kanzel ist – ebenso wie der obere Abschluss der Brüstung – aus Naturstein und trägt die Inschrift SELIG SIND DIE GOTTES WORT HÖREN UND BEFOLGEN.

In das Westjoch des Hauptschiffs ist eine geräumige Orgelempore eingezogen, die von fünf Pfeilern aus gestocktem Beton getragen wird. Diese bilden wiederum Arkadenbögen. Die Pfeilerkanten setzen sich nach oben hin als Grate fort, die die Öffnungen mit spitzen Bögen überwölben, so dass die Front in einem ausdrucksstarken Motiv mit stumpfen Winkeln gleichsam gefaltet wird.