Die Papstwahl von 1241 (21. September bis 25. Oktober)Gregorovius gibt irrtümlich den 1. November als das Datum der Wahl von Coelestin IV. an; er folgte den Annales Placentini (Annalen von Piacenza) und der Chronik von Mailros; vgl. die Liste der zeitgenössischen Quellen zu diesem Thema bei August Potthast, Regesta pontificum Romanorum I, S. 940 sah die Wahl von Kardinal Goffredo di Castiglione als Papst Coelestin IV. Die Wahl fand während der ersten von vielen langwierigen Sedisvakanzen des Mittelalters statt, und wie viele von ihnen war sie gekennzeichnet durch Streit zwischen der Kirche und dem Kaiser. Diese Wahl insbesondere fand im Rahmen der Auseinandersetzung zwischen Kaiser Friedrich II., dem Lombardenbund und dem (jetzt verstorbenen) Papst Gregor IX. statt, der Italien in eine kaiserliche und päpstliche Fraktion teilte, bekannt als Ghibellinen und Guelfen.

Während der Sedisvakanz umschloss Friedrich II. Rom mit seinen Armeen und verhinderte die Ankunft einiger Kardinäle, die bekanntermaßen seinen Interessen ablehnend gegenüberstanden. Unfähig, einen Konsens zu erreichen, wurden die Kardinäle in einem Kloster namens Septasolium von römischen Offiziellen eingesperrt, wo sie sich schließlich auf eines ihrer ältesten und schwächsten Mitglieder als neuen Papst verständigten. Es wurde angenommen, dass die Bedingungen innerhalb des Gebäudes zum Tod eines papabile und sogar zum Tod von Coelestin IV. kurz nach der Wahl beigetragen haben. Nach dem Tod von Coelestin IV. im November 1241, wurde der Krieg auf der Italienischen Halbinsel wieder aufgenommen und die Kardinäle waren für mehr als eineinhalb Jahre verstreut, bevor sie in Anagni zusammenkamen, um mit Innozenz IV. den nächsten Papst zu wählen (Papstwahl 1243).

Die zwangsweise Absonderung der Kardinäle während der Wahl war historisch bedeutsam und trug – zusammen mit anderen Papstwahlen des 13. Jahrhunderts – zur Ausbildung des Konklaves bei.

Hintergrund Das Pontifikat Gregors IX. (1227–1241) und die Herrschaft Friedrichs II. fielen in eine Zeit, in der sich der jahrhundertealte Disput zwischen Kaisern und Päpsten zuspitzte. Friedrich II. hatte Zusagen zum gescheiterten Kreuzzug von Damiette nicht eingehalten; nach seiner Heirat mit Isabella von Brienne, Königin von Jerusalem, führte er einen eigenen Kreuzzug durch, verließ ihn jedoch später und kehrte aus verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Gründen nach Italien zurück. Ereignisse im Zusammenhang mit den Kreuzzügen dienten Gregor IX. als Vorwand für die Exkommunikation Friedrichs, diese wiederum für Kämpfe zwischen Unterstützern des Papst bzw. des Kaisers (Guelfen und Ghibellinen) überall auf der Italienischen Halbinsel, besonders in der Lombardei. Vor seinem Tod hatte Gregor IX. eine Bischofssynode verlangt, um Friedrich II. anzuprangern, und der Kaiser hatte sich sehr bemüht, diese Versammlung zu verhindern, auch durch Gefangennahme von Prälaten und Kardinälen.

Die Papstwahl fand unter den Drohungen der im Umland stationierten Armee Friedrichs II. statt, bevor er sich nach Apulien zurückzog, um zu zeigen, dass er „mit Gregor IX. und nicht mit der Kirche Krieg geführt hatte“.Gregorovius, 1906, S. 218 Zwei Kardinäle waren zuvor nach England (Oddone di Tonengo) bzw. Frankreich (Giacomo da Pecorara, OCist.) entsandt worden, um Bischöfe und andere Prälaten zu Gregors Konzil zu versammeln. Da Friedrich und seine Armee die lombardische Ebene und die Toskana besetzt hielten, mussten die Reisenden den Seeweg nehmen. Eine Flotte wurde von den beiden Kardinälen in Nizza und Genua zusammengestellt, und trotz Warnungen der Genueser bestanden sie darauf, Segel zu setzen. Am 3. Mai 1241 wurde sie von Friedrichs Flotte vor der kleinen Insel Giglio gestellt, und eine große Anzahl der Reisenden, darunter die beiden Kardinäle, wurde gefangen genommen und nach Süditalien gebracht (zu den Details siehe: Seeschlacht von Giglio).

Die Wahl fand in der Saepta Solis („Bezirk der Sonne“) in der Nähe des Clivus Scauri statt, einem antiken Komplex, der in ein Kloster umgewandelt worden war. Die Kardinäle wurden nicht in das "Septizodium" gebracht, ein Nymphäum aus dem 3. Jahrhundert, das 1241 größtenteils in Ruinen lag und das nie über irgendwelche Räume verfügte. Das New Topographical Dictionary of Ancient Rome (hrsg. von Lawrence Richardson Jr., Baltimore 1992), S. 349–350, macht deutlich, dass das "Septizodium" nur ein ausgeklügeltes Wasserspiel ohne Räume oder Dach war: "Die oberen Stockwerke können nur mit Leitern betreten werden, und hinter dieser Fassade gibt es keinerlei Anzeichen für ein Gebäude." Ein Hinweis darauf, was gemeint ist, ist durch eine Unterschrift des neu geschaffenen Kardinals Silvius, ca. 1130: Silvius diac. S. Luciae iuxta Heligabalum (Johann Matthias Watterich, Pontificum Romanorum Vitae II, 1862, S. 185). Heliogabalus, der römische Kaiser des frühen 3. Jahrhunderts, hatte den Bezirk der Sonne ("Saepta Solis") gebaut, nicht weit vom Septizodium entfernt, am Fuß einer Straße namens Clivus Scauri. Es war in der Saepta Solis oder dem Septasolium, wo die Wahl stattfand. 1152 unterzeichnet ein Kardinal mit Radulfus, diaconus card. Sanctae Luciae in Septa solis, und in 1201 Leo sce. Lucie ad Septa solis diac. card., siehe: The Septasolium (Saepta Solis) Die Kardinäle wurden von Senator Matteo Rosso Orsini, dem Vater von Giovanni Caetano Orsini,Augustin Demski, Papst Nikolaus III. Eine Monographie, Münster 1903, S. 2–5, Richard Sternfeld, Der Kardinal Johann Gaëtan Orsini (Papst Nikolaus III.) 1244–1277, Berlin, 1905, S. 1–7 der dieses Amt Gregor IX. verdankt,Ryccardus de S. Germano: „Eodem mense Augusti iussu imperatoris vastatores de regno aput Insulam pontis solarati et aput Sanctum Iohannem de Incarico, ut intrent Campaniam congregantur. Cardinales qui in Urbe ad papae electionem convenerant, per senatorem et Romanos apud Septisolium includuntur, ut ad creandum papam inviti procedant.“ – „Im selben Monat August, während auf Befehl des Kaisers die Verwüster aus seinem Königreich, bei Insula Pontis Solarati [heute Isoletta] und bei San Giovanni Incarico [beide in der Provinz Frosinone], versammelt waren, um nach Kampanien einzudringen. Die Kardinäle, die in Rom für die Papstwahlenversammelt waren, wurden von den Senatoren und den Römer im Septasolium eingeschlossen, damit sie, selbst unwillig, einen Papst wählen könnten“; für eine Bewertung von Richard von San Germano, siehe Karla Mallette, The Kingdom of Sicily, 1100-1250: A Literary History, Philadelphia: University of Pennsylvania Press, 2011), insb. S. 45–54 dort festgesetzt. Die Bedingungen der Wahl wurden von einem zeitgenössischen Autor, der den Orsini feindlich gegenüberstand, als stressig empfunden, wobei der Urin von Orsinis Wachen auf dem Dach zusammen mit dem Regen in die Wahlkammer drang.David Abulafia, Frederick II: A Medieval Emperor, 1988, S. 350, basierend auf Hampe, 1913 Die erzwungene Klausur in der Saepta Solis fand tatsächlich nur während der letzten zwei Wochen des Konklaves statt. Es wird sogar behauptet, dass die Bürger Roms, verärgert über Gerüchte, dass ein Nicht-Kardinal gewählt werde, drohten, den Leichnam von Papst Gregor IX. auszugraben und ihn zu den Kardinälen in die Saepta Solis zu bringen. Ein anderer Bericht besagt, dass Orsini selbst damit gedroht habe, die Leiche exhumieren zu lassen und öffentlich mit vollen päpstlichen Insignien auszustellen. Rotberg, 2001, S. 58

Wahlberechtigte Nach verschiedenen Berichten bestand das Kardinalskollegium beim Tod Gregors IX. aus 12 bis 14 Kardinälen.Die Zahl 14 stammt von Miranda und Eubel, Band 1, S. 6; Eubels Liste von Kardinälen, die tatsächlich die Wahl durchführten (d. h. am Ende der Konklave anwesend waren), enthält 13 Namen, lässt aber Robert Somercotse weg, der starb, bevor die Wahl abgeschlossen wurde; sie schließt auch Peter von Capua, Diakon von S. Giorgio, ein, dessen Teilnahme unsicher ist. Die Zahl von 12 oder 13 stammt aus der Prosopographie der Kardinäle jener Zeit von Paravicini Bagliani, die Kardinal Peter von Capua ausschließt. Diese Diskrepanz scheint eine Frage des Unterschieds zwischen „Kardinälen, die bei Tod Gregors IX. lebten“ und „Kardinäle, die bei der abschließenden Prüfung eine Stimme abgegeben haben“, zu sein.

Von diesen Kardinälen nahmen zehn tatsächlich am abschließenden Wahlgang teil. Bei Gregors Tod waren die meisten Kardinäle, die an der Wahl teilnahmen, bereits in Rom, die beiden Kardinäle, die Friedrich II. gefangen hielt, in Neapel. Kardinal Colonna war auf einem seiner Landgüter in der Nähe von Palestrina, als der Papst starb; er hatte sich mit Gregor IX. heftig gestritten und sich aus der Kurie zurückgezogen. Auf seinem Landgut hatte er sich mit dem Kaiser beraten. Als Gregor starb, gab der Kaiser, der mit seiner Armee in Grottaferrata war, allen Kardinälen außerhalb Roms die Erlaubnis (licentia), zurückzukehren.Ryccardus de S. Germano, S. 381, Zeilen 29–30: Imperator ipse apud Criptam ferratam ponit castra sua, et in exterioribus Urbem divastat, et tunc de Gregorio papa quod obierit Romae 21 Augusti, pro certo accepit, de cuius licentia cardinales omnes qui extra Urbem fuerant, pro electione papae facienda ad Urbem redeunt. Gasquet, 1905, S. 199.

Kardinal Herkunft Rang Titel(kirche) Ernannt am durch Anmerkungen Raynaldus de’ Conti Jenne Kardinalbischof Bischof von Ostia und Velletri 18. September 1227 Gregor IX. später Papst Alexander IV. Romano Bonaventura Rom Kardinalbischof Bischof von Porto-Santa Rufina 1216 Innozenz III. Nicht zu verwechseln mit dem gleichzeitig lebenden Bonaventura Goffredo da Castiglione Mailand Kardinalbischof Bischof von Sabina 18. September 1227 Gregor IX. Papst Coelestin IV. Stefano de Normandis dei Conti Rom Kardinalpriester Santa Maria in Trastevere 1216 Innozenz III. Neffe von Innozenz III. Giovanni Colonna Rom Kardinalpriester Santa Prassede 18. Februar 1212 Innozenz III. Der erste Colonna-Kardinal Sinibaldo Fieschi Lavagna Kardinalpriester San Lorenzo in Lucina 18. September 1227 Gregor IX. später Papst Innozenz IV. Raniero Capocci, O.Cist. Todi Kardinaldiakon Santa Maria in Cosmedin 1216 Innozenz III. Kardinalprotodiakon Gil Torres Spanien Kardinaldiakon Santi Cosma e Damiano Dezember 1216 Honorius III. Riccardo Annibaldi Rom Kardinaldiakon Sant’Angelo in Pescheria 1237 Gregor IX. Rektor von Marittima e Campagna; Neffe von Kardinal Rinaldo Conti de Segni Robert Somercotes England Kardinaldiakon Sant’Eustachio 1238 Gregor IX. Starb während der Sedisvakanz am 26. September 1241

Nicht an der Wahl nahmen teil:

Kardinal Herkunft Rang Titel Ernannt am durch Anmerkungen Giacomo da Pecorara, O.Cist. Piacenza Kardinalbischof Bischof von Palestrina 5. September 1231 Gregor IX. Gefangener Friedrichs II. Oddone di Tonengo Montferrat Kardinaldiakon San Nicola in Carcere 18. September 1227 Gregor IX. Gefangener Friedrichs II.; ihm wurde erlaubt, an der Wahl teilzunehmen, er kehrte aber vor der Wahl ins Gefängnis zurück. Peter von Capua Amalfi Kardinaldiakon San Giorgio in Velabro 1219 Honorius III. Er könnte ca. 1236/41 gestorben seinParavicini Bagliani, S. 16; er; schreibt, dass er, obwohl das Jahr seines Todes gewöhnlich mit 1242 angegeben wird, seine letzte Unterschrift unter eine Päpstliche Bulle im Februar 1236 leistete, und schlussfolgert, dass es unwahrscheinlich ist, dass er später als 1241 starb. Paravicini Bagliani stützt sich auf ein Argument e silentio und formuliert seine Aussage sorgfältig, um Kardinal Peter von Capua als Wahlberechtigten sowohl ein- als auch auszuschließen.

Verfahren