28 Days Later, auch 28 Tage später, ist ein 2002 gedrehter britischer Endzeit-Horror-Thriller von Danny Boyle nach einem Drehbuch von Alex Garland.
Der Film thematisiert den Zusammenbruch der Gesellschaft durch die Verbreitung eines hochansteckenden und tödlichen Virus im England der Jahrtausendwende und zeigt die Flucht von vier Überlebenden aus dem von Infizierten bevölkerten London.
In den deutschen Kinos lief der Film am 5. Juni 2003 an, in den österreichischen einen Tag später. Die Fortsetzung 28 Weeks Later kam in Deutschland am 30. August 2007 und in Österreich am Folgetag in die Kinos.
Handlung Prolog Der Film spielt im England der frühen 2000er-Jahre. Im Prolog sind einige Fernsehbildschirme mit verschiedenen gewalttätigen Inhalten wie Straßenschlachten und Polizeieinsätzen zu sehen. Über eine Überwachungskamera wird gezeigt, wie eine Gruppe von Tierschutzaktivisten nachts in die medizinische Abteilung der Universität in Cambridge eindringt, um Schimpansen, denen die erwähnten Fernsehszenen offenbar zu Versuchszwecken gezeigt werden, zu befreien. Einer der Forscher überrascht sie bei der Befreiungsaktion und löst Alarm aus, wird jedoch festgehalten. Er versucht, die Eindringlinge davon abzuhalten, die Käfige zu öffnen, da die Tiere mit „Wut“ infiziert seien, einem hochansteckenden und potentiell tödlichen Virus. Der Erreger verwandele den Betroffenen innerhalb von nur zehn bis zwanzig Sekunden in einen instinktgesteuerten Berserker ohne menschliche Vernunft, der jeden Nichtinfizierten sofort angreife und somit ebenfalls infiziere. Eine Aktivistin befreit kurz darauf dennoch einen Schimpansen, der sie sofort anfällt, mit dem Virus infiziert und in eine rasende Bestie verwandelt. Sie spuckt einem anderen Aktivisten wenige Sekunden später Blut ins Gesicht und überträgt damit das Virus auch auf ihn, woraufhin eine fatale Kettenreaktion in Gang gesetzt wird.
Haupthandlung 28 Tage später wacht der Fahrradkurier Jim nach einem Unfall mit einem LKW in der Intensivstation des Londoner St Thomas’ Hospital aus dem Koma auf. Auf der Suche nach dem Personal wandert er durch die verlassenen Gänge und Zimmer, kann aber niemanden finden. Wie nach einem Überfall liegen überall umgestürzte Möbel, Klinikutensilien und Abfälle auf dem Boden. Völlig verstört läuft er danach auch durch menschenleere Straßen, in ganz London scheinen nur noch Tauben zu leben.
Als die Dämmerung hereinbricht, sucht Jim, der noch immer an den Folgen seines Fahrradunfalls leidet, Unterschlupf in einer Kirche. Auf dem Boden türmen sich zu seinem Entsetzen Berge von Leichen. Ein plötzliches Geräusch macht ihn auf einen Priester aufmerksam. Dessen schnelle Bewegungen, blutunterlaufene Augen, krankhafte Zuckungen und gellende Schreie lassen Jim wieder zurück auf die Straße fliehen. Mehr und mehr Infizierte werden vom Lärm angelockt und Jim läuft in Panik und Verwirrung durch die Straßen, verfolgt von einer immer größer werdenden blutgierigen Meute.
Die plötzliche Explosion eines Molotowcocktails kündigt den Auftritt von Selena und Mark, zweier weiterer Überlebender, an. Nach einer gewagten Rettungsaktion, bei der viele der Verfolger und eine Tankstelle in Flammen aufgehen, bringen sie Jim in ein mit einem Rollgitter versehenes Kleingeschäft in einer Londoner U-Bahn-Station, wo sie ihm die allgemeine Lage und die Auswirkungen der Infektion erklären: Sie wird durch das Blut übertragen und befällt innerhalb von Sekunden den gesamten Organismus. Die Seuche hat sich inzwischen schon über ganz Großbritannien ausgebreitet, Selena berichtet von ähnlichen Vorfällen in Paris und New York City.
Selena und Mark stimmen widerwillig zu, den noch immer unter Schock stehenden Jim in den Stadtteil Deptford zu begleiten, um dort dessen Eltern zu suchen. Jim entdeckt seinen Vater und seine Mutter tot auf einem Bett liegend im Obergeschoss, wo sie mittels Schlaftabletten Suizid begangen haben. In ihrem Abschiedsbrief wünschen sie Jim, dass er nie mehr aus dem Koma aufwachen möge. Als sie dort übernachten, werden sie von infizierten Nachbarn angegriffen. Mark erleidet bei der Abwehr eine offene Wunde. Obwohl er noch keine Anzeichen einer Infizierung zeigt, tötet Selena ihn sofort mit ihrer Machete. Jim ist darüber entsetzt, doch Selena erklärt, dass es in solchen Fällen keinen anderen Ausweg mehr gebe.
Sie fliehen aus Jims Haus, da laut Selena bald noch mehr Infizierte auftauchen werden, entdecken wenig später mehrfarbig blinkende Lichter an einem Hochhausfenster und begeben sich dorthin. Nachdem sie am Eingang einen aus Einkaufswagen errichteten Schutzwall überwunden haben, finden sie den Taxifahrer Frank und dessen Tochter Hannah, die sich in ihrer Wohnung verbarrikadiert haben. Da deren Wasservorräte fast aufgebraucht sind, suchen auch sie dringend nach einem neuen Unterschlupf.
Am nächsten Morgen zeigt Frank ihnen mittels eines Kurbelempfängers ein sich immer wiederholendes, da aufgezeichnetes Radiosignal. In der Nähe von Manchester soll ein Trupp Soldaten unter Führung eines gewissen Major Henry West eine Antwort auf die Seuche gefunden haben und lädt alle Überlebenden ein, sich ihnen anzuschließen. Frank wollte zuerst nicht dorthin aufbrechen, um zu vermeiden, dass Hannah alleine zurück bliebe, falls ihm etwas zustößt. Da ihnen sonst keine weiteren Optionen bleiben, macht sich die neue Gemeinschaft in Franks Black Cab auf die gefährliche Reise nach Norden. Die Flüchtlinge versorgen sich vorher noch in einem Supermarkt mit allen nötigen Vorräten und fahren dann durch einen Tunnel, obwohl sich Jim dagegen ausspricht. Als Frank zwischen den verlassenen Autos durchfährt, die die Fahrbahn blockieren, hat sein Wagen plötzlich eine Reifenpanne. Während des Radwechsels strömen plötzlich hunderte Ratten vorbei, die vor einer Horde Infizierter fliehen. Bevor diese aber die Gruppe erreichen, können sie das Reserverad noch festschrauben, ins Auto springen und weiterfahren.
Man macht später Rast an einem sicheren Ort in einem Seepark. Hier kommt es zu einer ersten amourösen Annäherung zwischen Jim und Selena, die ihn auf die Wange küsst. Nach einer Nacht im Freien schreckt Jim morgens hoch – allein. Die anderen scheinen ihn zurückgelassen zu haben. Diese Sequenz entpuppt sich kurz darauf aber nur als Albtraum, als Frank ihn aufweckt. Jim bedankt sich spontan: „Danke, Dad.“ Das Motiv der Furcht vor dem Verlassensein wird daraufhin wiederholt: Als Jim am Morgen tatsächlich in der Realität erwacht, sieht er sich wiederum allein. Aber das Auto steht schon mit laufendem Motor in der Nähe. Die anderen haben schon gepackt und warten nur noch auf ihn.
Als sie schließlich den Stadtrand von Manchester erreichen, werden ihre Hoffnungen jedoch bitter enttäuscht: Fast die gesamte Stadt steht in Flammen. Bei einer Straßensperre, wo auch einige Leichen liegen, wird Frank infiziert, als von einem Toten ein Blutstropfen direkt in sein Auge fällt. Verzweifelt versucht er noch, seine Tochter Hannah zu warnen, schon nach wenigen Sekunden greift er die anderen – auch seine Tochter – an. Selena fordert Jim auf, Frank zu töten; nach kurzem Zögern will Jim dem auch nachkommen, doch im letzten Augenblick wird Frank von plötzlich auftauchenden Soldaten erschossen. Hannah ist durch den Tod ihres Vaters am Boden zerstört und wird von Selena getröstet.
Jim, Selena und Hannah werden von den Soldaten in einem Militärfahrzeug in eine Villa auf dem Land gebracht, in welcher sich die Soldaten verschanzt haben. Dank eines Minenfeldes und einer stabilen Umzäunung kann ein Angriff einer großen Horde Infizierter zurückgeschlagen werden. Die Soldaten haben genügend Vorräte angelegt und scheinen somit genau den Zufluchtsort zu bieten, den die Gruppe gesucht hat. Auf dem Gelände wird ein angeketteter Infizierter beobachtet; es soll herausgefunden werden, wie lange es dauert, bis Infizierte verhungern. Als ein Soldat Selena sexuell belästigt, erklärt Major Henry West Jim, dass er seinen Männern Frauen versprochen hat, um ihnen Hoffnung zu geben.
Jim versucht daraufhin, mit Selena und Hannah zu fliehen, wird aber von den Soldaten überwältigt und später in einen Wald gebracht, um dort hingerichtet zu werden. Ihm gelingt jedoch die Flucht – allerdings in das von den Infizierten beherrschte Gebiet jenseits der Schutzmauer – für ihn faktisch ein Todesurteil. Verzweifelt und zu Tode erschöpft sackt er zu Boden und bleibt auf dem Rücken liegen. Beim Blick in den Himmel sieht er ein Strahlflugzeug in großer Höhe – anscheinend ein Linienjet. Jim schöpft durch diesen Anblick neue Kraft und glaubt, nun wieder auf eine Zukunft hoffen zu dürfen. Er kehrt zurück in die Villa, und es gelingt ihm schließlich mit Hilfe des Infizierten, den er aus sicherer Entfernung befreit, die Soldaten zu überrumpeln. Der Infizierte tötet in atemberaubender Geschwindigkeit einen Großteil von ihnen oder infiziert sie. Die Übrigen erledigt Jim.
Nachdem Jim Selena in die Arme geschlossen und geküsst hat, gelingt es den dreien, mit Franks Taxi zu fliehen. Dabei werden sie jedoch von Major West überrascht, der ihnen im Taxi auflauert und Jim anschießt. Dieser sackt in Selenas Arme. Hannah, die sich bereits ans Steuer gesetzt hat, fährt mit Vollgas nach hinten, wo der Infizierte lauert. Dieser durchbricht die Heckscheibe des Wagens und zerrt West aus dem Wagen. Selena und Jim retten sich ins Auto. Die drei durchbrechen das Stahltor der Einfahrt und flüchten vom Gelände. In der nächsten Sequenz ist zu sehen, wie die ausgebildete Apothekerin Selena in einem leerstehenden Raum versucht, Jim mit einer Spritze und Wiederbelebungsversuchen das Leben zu retten.
Epilog Der Film endet mit einem Epilog weitere 28 Tage später.
Wieder erwacht Jim scheinbar allein. Die Flüchtlinge leben in einem abgelegenen Cottage in Cumbria. Sie haben ein riesiges, aus Stoff genähtes Transparent – auf dem „Hello“ steht – ausgebreitet. Es wird von einem anscheinend regelmäßig vorbeifliegenden Aufklärungsflugzeug gesichtet, welches unterwegs ist, um nach Überlebenden zu suchen. Der Pilot fordert zur Rettung der Flüchtlinge einen Helikopter an. In dieser Endsequenz erscheinen auch Szenen, in denen man verhungernde Infizierte sieht.
Ein Unterschied besteht zwischen der englischen Original- und der deutschen Synchronfassung: Als Jim und die beiden Frauen den Schriftzug „Hello“ auf der Wiese ausbreiten und das finnische Aufklärungsflugzeug (Typ Hawker Hunter, allerdings mit Zeichen der Royal Air Force) über sie hinwegfliegt, spricht der Pilot aus dem Off in sein Funkgerät in deutscher Sprache: „Die Suche hat sich gelohnt.“ In der englischen Fassung funkt er auf Finnisch: „Lähetätkö helikopterin?“ („Können Sie einen Helikopter schicken?“)
Alternatives Ende Neben der Kinoversion existiert ein alternatives Ende, in dem Jim seine Schussverletzung nicht überlebt. Selena und Hannah bringen den Verwundeten in ein verlassenes Krankenhaus, können sein Leben aber trotz größter Bemühungen nicht retten. Nach kurzer Trauer nehmen die Frauen ihre Waffen auf und gehen durch einen langen Korridor, dessen Türen sich im Bildvordergrund langsam schließen, bis die Szene in Schwarz überblendet.
Wie Boyle und Garland in den DVD-Kommentaren berichten, war dieses Ende dem Testpublikum zu düster, woraufhin das erfreulichere verwendet wurde.
Das alternative Ende wurde ab dem 25. Juli 2003 hinter dem Abspann und der Einblendung „… what if“ in US-Kinos gezeigt und bereits zuvor auf der britischen DVD-Version veröffentlicht.
Hintergrund Der Film zeigt in drastischen Bildern die Gefahren, die von einer Virusepidemie ausgehen könnten. Besondere Brisanz und Aktualität erhielt der Film, da zur Zeit seiner Premiere die ersten Fälle der Lungenkrankheit SARS auftraten und für Schlagzeilen und Unsicherheit in der Bevölkerung sorgten. SARS wird durch Tröpfchen- oder Kontaktinfektion übertragen.