Rowohlts deutsche Enzyklopädie (eigene Schreibweise: rowohlts deutsche enzyklopädie – abgekürzt: rde) war eine lexikalisch angelegte monographische Schriftenreihe des Rowohlt Verlages. Der gesamte Titel lautete ‹ rowohlts deutsche enzyklopädie. Das Wissen des 20. Jahrhunderts im Taschenbuch mit enzyklopädischem Stichwort ›. Die Schriftenreihe erschien als Nebenreihe zu den rororo Taschenbüchern im Rowohlt Verlag von 1955 bis 1960 in Hamburg (Band 1 bis Band 103/104), nach dem Umzug des Verlages von 1960 bis 1980 in Reinbek bei Hamburg. Nach dem Band 395 wurden der Name in Rowohlts Enzyklopädie geändert. Auch das Erscheinungsbild des jeweiligen Buches unterschied sich komplett von der ursprünglichen Schriftenreihe.
Konzept mini|Vorderseite rowohlts deutsche enzyklopädie, Band 21 Die von herausgegebene prätentiöse Sachbuchreihe richtete sich an bildungsaffine Leserkreise. An prominenter Stelle, der Rückseite der Einzelbände, wurde die rde folgendermaßen angekündigt.
Der Herausgeber ließ sich von einem prominent besetzten unterstützen, mit namentlicher Aufzählung aller Mitglieder gegenüber der Seite mit dem Inhaltsverzeichnis. Zu Beginn der Reihe hatte der Beirat diese ZusammensetzungHans Sedlmayr: Die Revolution der modernen Kunst. Rowohlt, Hamburg 1955, (S. 4).: Franz Altheim, Henri Bédarida, Ernst Benz, Carl J. Burckhardt, Enrico Castelli, Francisco Javier Conde Garcia, Alois Dempf, Mircea Eliade, Vicente Ferreira da Silva, Hugo Friedrich, Eugenio Garin, Adolfo Gomez Lassa, Juan Gomez Millas, Henri Gouhier, Rudolf Grossmann, Romano Guardini, Hermann Heimpel, M. P. Hornik, Ernst Howald, Guido Freiherr Kaschnitz von Weinberg, Karl Kerényi, Lawrence S. Kubie, Pedro Laín Entralgo, Karl Löwith, Arthur March, Alexander Mitscherlich, J. Robert Oppenheimer, Walter F. Otto, Enzo Paci, Massimo Pallottino, Adolf Portmann, Emil Preetorius, Hans Rheinfelder, Salvatore Riccobono, David Riesman, Jan Romein, Fritz Schalk, Helmut Schelsky, Percy Ernst Schramm, Hans Sedlmayr, Bruno Snell, Wilhelm Szilasi, Giuseppe Tucci, Thure von Uexküll und Giorgio Del Veccio. Dem Beirat – bestehend aus 45 männlichen Personen – gehörten auch vier Institutionen an: Centre Internationale des Etudes Humanistiques (Rom) und Centro Italiano di Studie Umanistici e Filosofici (München), Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel und Lincombe Lodge Researche Library, Boars Hill (Oxford).Die beiden letztgenannten Institutionen seit 1956, siehe Fritz Baade: Welternährungswirtschaft. Rowohlt, Hamburg 1956, (S. 4).
Jeder Band hatte eine feste Gliederung mit folgenden PositionenWerner Heisenberg: Das Naturbild der heutigen Physik. Band 8. Rowohlt, Hamburg 1955, Inhaltsverzeichnis.: Enzyklopädisches Stichwort, das der Einführung in den Problemkreis dient Monographischer Text zum jeweiligen Thema Biografische Details zum Verfasser oder zur Verfasserin Umfassende Literaturhinweise Ausführliches Namen- und Sachregister
Obwohl das Enzyklopädische Stichwort an der ersten Stelle im Inhaltsverzeichnis stand, befand es sich im Buch immer nach der eigentlichen Monographie und vor den Biographischen Angaben.
Im Copyright machte der Verlag eine entsprechende Mitteilung, ob der vorgelegte Text eigens für die Enzyklopädie verfasst wurdeWerner Heisenberg: Das Naturbild der heutigen Physik. Band 8. Rowohlt, Hamburg 1955, Copyright. oder ob es sich um eine Übernahme aus einer anderen Quelle handelte.Lawrence S. Kubie: Psychoanalyse ohne Geheimnis. Band 11. Rowohlt, Hamburg 1956, Copyright.
Jedes Thema der einzelnen Titel war einem bestimmten Sachgebiet zugeordnet (Stand 1958)Ernesto Grassi (Hrsg.): Die zweite Aufklärung. Enzyklopädie heute. Mit lexikalischem Register zu Band 1–75. Registerband I, Band 76/77. Rowohlt Verlag, Hamburg 1958, S. 294.: Philosophie (Ph) – Religion (R) – Physik, Naturwissenschaften und Technik (Phy) – Biologie (B) – Psychologie (Ps) – Soziologie (S) – Staatswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften (W) – Ethnologie (E) – Geschichte, Kulturgeschichte und Zeitgeschichte (G) – Kunstwissenschaft und Kunstgeschichte (K) – Literaturwissenschaft (L) – Musikwissenschaft und Musikgeschichte (M) – Theaterwissenschaft und Film (T).
In den Jahren nach dem Erscheinen des Registerbandes gab es eine Änderung und zwei Ergänzungen der Sachgebiete (Stand 1970)Peter Hofstätter: Gruppendynamik. Kritik der Massenpsychologie. Band 38. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, Auflage 1970, Verlagsanzeige (S. 198ff.).: Religionswissenschaft und Religionsgeschichte – Pädagogik – Anthropologie.
Erscheinungsbild mini|Frontispiz in rowohlts deutsche enzyklopädie, um 1955 , die seit 1950 im kleinen Oktavformat erschien, hatte rde eine Höhe von 19 und eine Breite von 11,5 cm (lag damit eigentlich zwischen Kleinoktav und Oktav), und war wie die Mutterreihe mit einem schmalen grauen Leinenrücken verstärkt.
Der Umschlag war einheitlich gestaltet, und zwar von Karl Gröning jr. und Gisela Pferdmenges.Johan Huizinga: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel Band 21. Rowohlt, Hamburg 1956 Werner Rebhuhn entwarf die Schrift.Gustav René Hocke: Die Welt als Labyrinth. Manier und Manie in der europäischen Kunst Band 50/51. Rowohlt, Hamburg 1957 Das Layout jedes Bandes bestand aus zwei übereinander gestapelten, sich schneidenden, Kreisen. Im oberen, größeren Kreis befand sich die individuelle Titelillustration, wobei in der Regel fremde Werke lizenziert wurden. In der Schnittfläche befand sich schwarz auf weiß oder weiß auf schwarz der Schriftzug rowohlts deutsche enzyklopädie. Der untere, kleinere Kreis umschloss auf einfärbigem Grund Autornamen, Buchtitel und Untertitel. (Die Farben variierten.) Das rororo-Emblem war in der rechten oberen Ecke platziert.
Die Bände hatten – allerdings bei dünnem Papier, kleinem Druck und geringen Zeilenabständen – nur 130 bis 220 Seiten. Der erste erschienene Doppelband 50/51 umfasste 250 Seiten und einen umfangreichen Bildteil (schwarz/weiß). Gesetzt wurde aus der Linotype-Aldus-Buchschrift und der Palatino (D. Stempel AG). Der Preis betrug im Erscheinungsjahr 1956 1,90 DM.
Obwohl die Buchreihe unterrichten wollte, wurde ein aus der Zeit gefallenes, an das 16. Jahrhundert erinnernde Frontispiz verwendet, dass neben dem Sachgebiet (z. B. Kulturgeschichte) folgende Namen anführt: Ptolemeus, Aratus, Hipparchos von Nicäa, Marinos von Tyros, Strabon, Polybios, Geometria, Arithmetica, Musica, Astronomia, MERCVRIVS (sic!), Prof. Ernesto Grassi.
Neuer Name, neues Design: rowohlts enzyklopädie mini|Vorderseite rowohlts enzyklopädie, Band 404 Mit dem Band 396 wurde 1980 die Taschenbuchreihe grundlegend umgestaltet, sodass man mit Fug und Recht von einer neuen Reihe sprechen kann. Nur die Nummerierung wurde fortsetzt.
Die neue Reihe rowohlts enzyklopädie wurde von Burghard König herausgegeben. Werner Rebhuhn entwarf den neuen Umschlag:Martin Esslin: Das Theater des Absurden. Von Beckett bis Pinter Band 414. Rowohlt, Reinbek 1985, Nachdruck 1991 Auf weißem Grund, ohne Illustration, Autor, Titel und Untertitel, sowie rowohlts enzyklopädie und rororo in einem mittleren Grau. Abwechslung in die Monotonie des minimalistischen Designs boten nur schmale Farbstreifen am oberen und am linken Rand und in der rechten unteren Ecke. Die Farben variierten von Band zu Band. In derselben Farbe war die äußerst unauffällige, weil winzige, Preisangabe auf dem Bandrücken gehalten.
Beirat, Sachgebiete, Frontispiz und Leinenrücken waren verschwunden. Die Bände waren noch immer 19 cm hoch, aber mit 12,5 cm etwas breiter als jene der rde, und umfangreicher (bis zu 800 Seiten). z. B. war Band 404 mit 760 Seiten für 24,90 DM zu erwerben (13. Auflage 2000)Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie. Quellen und Deutung Band 404, Rowohlt, Reinbek 1984, 13. Auflage 2000 bzw. Band 414 mit 390 Seiten für 16,80 DM (Neuauflage 1991).
Ausgaben Verlagsort Hamburg 1 Hans Sedlmayr: Die Revolution der modernen Kunst. Sachgebiet Kunstgeschichte, 1955 2 Helmut Schelsky: Soziologie der Sexualität. Über die Beziehungen zwischen Geschlecht, Moral und Gesellschaft. Sachgebiet Soziologie, 1955 3 Günter Schmölders: Konjunkturen und Krisen. Sachgebiet Staats- und Sozialwissenschaften, 1955 4 Werner Kemper: Der Traum und seine Be-Deutung. Sachgebiet Psychologie, 1955 5 Franz Altheim: Reich gegen Mitternacht. Asiens Weg nach Europa. Sachgebiet Geschichte, 1955 6 Julius Robert Oppenheimer: Wissenschaft und allgemeines Denken. Sachgebiet Physik, 1955 7 Ruth Benedict: Urformen der Kultur. Sachgebiet Ethnologie, 1955 8 Werner Heisenberg: Das Naturbild der heutigen Physik. Sachgebiet Physik, 1955 9 Geoffrey Gorer: Die Amerikaner. Eine völkerpsychologische Studie. Sachgebiet Ethnologie, 1956 10 José Ortega y Gasset: Der Aufstand der Massen. Sachgebiete Soziologie und Geschichte, 1956 11 Lawrence S. Kubie: Psychoanalyse ohne Geheimnis. Übersetzt von Hildegard von Barloewen unter Mitarbeit von Wolf von Barloewen. Sachgebiet Psychologie, 1956 12 Albert Einstein, Leopold Infeld: Die Evolution der Physik. Von Newton bis zur Quantentheorie. Sachgebiet Physik, 1956 13 Jakob Johann von Uexküll, Georg Kriszat: Streifzüge durch die Umwelten von Tieren und Menschen. Bedeutungslehre. Mit einem Vorwort von Adolf Portmann. Sachgebiet Biologie, 1956 14 Ludwig Marcuse: Sigmund Freud. Sein Bild vom Menschen. Sachgebiet Psychologie, 1956 15 Walter F. Otto: Theophania. Der Geist der altgriechischen Religion. Sachgebiet Religion, 1956 16 Louis Baudin: Der sozialistische Staat der Inka. Sachgebiet Ethnologie, 1956 17 Hans Jürgen Eysenck: Wege und Abwege der Psychologie. Sachgebiet Psychologie, 1956 18 S. Giedion: Architektur und Gemeinschaft. Tagebuch einer Entwicklung. Sachgebiet Kunstgeschichte, 1956 19 Walter Hess: Dokumente zum Verständnis der modernen Malerei. Sachgebiet Kunstgeschichte, 1956 20 Adolf Portmann: Zoologie und das neue Bild des Menschen. Biologische Fragmente zu einer Lehre vom Menschen. Sachgebiet Biologie, 1956 21 Johan Huizinga: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Sachgebiet Geschichte, 1956 22 August Thienemann: Leben und Umwelt. Vom Gesamthaushalt der Natur. Sachgebiet Biologie, 1956 23 Margret Boveri: Der Verrat im 20. Jahrhundert I. Für und gegen die Nation. Das sichtbare Geschehen. Sachgebiet Zeitgeschichte, 1956 24 Margret Boveri: Der Verrat im 20. Jahrhundert II. Für und gegen die Nation. Das unsichtbare Geschehen. Sachgebiet Zeitgeschichte, 1956 25 Hugo Friedrich: Die Struktur der modernen Lyrik. Von Baudelaire bis zur Gegenwart. Sachgebiet Literaturwissenschaft, 1956 26 Joseph Bidez: Kaiser Julian. Der Untergang der heidnischen Welt. Sachgebiet Geschichte, 1956 27 Romano Guardini: Der Tod des Sokrates. Eine Interpretation der platonischen Schriften Euthyphron, Apologie, Kriton und Phaidon. Sachgebiet Philosophie, 1956 28 Erwin Schrödinger: Die Natur und die Griechen. Kosmos und Physik. Sachgebiet Physik, 1956 29 Fritz Baade: Welternährungswirtschaft. Sachgebiet Wirtschaftswissenschaft, 1956 30 James Alexander Campbell Brown: Psychologie der industriellen Leistung. Sachgebiet Psychologie, 1956 31 Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane. Vom Wesen des Religiösen. Sachgebiet Religion, 1957 32 Hugh Nicol: Der Mensch und die Mikroben. Sachgebiet Biologie, 1956 33 Nikolaus Pevsner: Wegbereiter moderner Formgebung. Von Morris bis Gropius. Sachgebiet Kunstgeschichte, 1957 34 Franz Josef Furtwängler: Die Gewerkschaften. Ihre Geschichte und internationale Auswirkung. Sachgebiet Sozialwissenschaft, 1956 35 Franz Altheim: Der unbesiegte Gott. Heidentum und Christentum. Sachgebiet Religion, 1957 36 Ernesto Grassi: Kunst und Mythos. Sachgebiet Philosophie, 1957 37 Arthur March: Das neue Denken der modernen Physik. Sachgebiet Physik, 1957 38 Peter Hofstätter: Gruppendynamik. Kritik der Massenpsychologie. Sachgebiet Psychologie, 1957 39 André Malraux: Psychologie der Kunst I. Das imaginäre Museum. Aus dem Französischen übersetzt von Jan Lauts. Sachgebiet Kunstgeschichte, 1957