Mersuanch (auch Mersu-ˁanch) war ein altägyptischer Beamter, der am Ende der 5. Dynastie (um 2380 v. Chr.), vermutlich unter Pharao Unas lebte. Er ist vor allem von seiner Mastaba (G 8990) auf dem Central Field in Gizeh bekannt, in der sich eine Reihe von gut erhaltenen Statuen fand, die ihn und Familienmitglieder darstellen.

Seine Mutter war die Vorsteherin des Hauses der Weberinnen der ResidenzJmj(t)-r3-pr-jnˁt/ḥtswt-nt-ẖnw (Imit-ra-per-inat/hetesut-net-chenu) nach Dilwyn Jones: An Index of Ancient Egyptian Titles, Epithets and Phrases of the Old Kingdom. (= BAR International Series. Band 866.) Band 1. Oxford 2000, ISBN 1-84171-070-9, S. 115 [Nr. 466]. Rudschsaues. Iimeret und Hathorwer waren seine Töchter. Chenu, Chnumhesef und Neferseschemptah werden in seiner Mastaba als Söhne genannt. Der Name seiner Frau ist nicht überliefert.

Seine Mastaba liegt westlich der Gräber G 8989 des Neferwenet und G 8988 des Rawer sowie östlich des Grabes G 8887.Dia’ Abou-Ghazi: Selim Hassan – His Writings and Excavations. (= Extract from the Annales du Service des Antiquités de l’Egypte. (ASAE) Band 58). General Organisation for Government Printing Offices, Kairo 1964, S. 68, (9) (Volltext als PDF; 6,7 MB); abgerufen über Digital Giza – The Giza Project at Harvard University. Es ist ein eher bescheidener Bau. Nur einzelne Bauteile der Kultkapelle sind mit Inschriften dekoriert. Auf der ScheintürHieroglyphischer Text der Scheintür in: Kurt Sethe: Urkunden des Alten Reichs. (= Urkunden des ägyptischen Altertums. Erste Abteilung, Erster Band). Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1933, S. I, 234 [Nr. 9 (149)] (Online-Abruf über das Internet Archive). Englische Übersetzung: Text of Mersuankh from His Tomb at Giza. In: Nigel C. Strudwick: Texts from the Pyramid Age. (= Writings from the Ancient World. Nr. 16). Society of Biblical Literature, Atlanta 2005, ISBN 1-58983-138-1, S. 296–297 [Nr. 221]. ist eine Opferformel angebracht, in der es heißt: „möge er in der Nekropole begraben werden, nachdem er ein hohes Alter erreicht haben wird, Mersuanch, der das Leben liebt.“ Die ungewöhnliche Wendung „der das Leben liebt“ ist eine Anspielung auf seinen Namen, den man mit „das Leben möge ihn lieben“ übersetzt. Mersuanch war Freund des Rawer, seines Vorgesetzten: „Ich war sein Geehrter (jm3ḫ) mehr als jeder andere Mensch.“ Mersuanch versichert, der Maat gemäß gehandelt zu haben: „Niemals tat ich eine (schlechte) Sache gegen irgendeinen Menschen.“ Ferner werden auf der Scheintür Titel genannt, die sonst kaum belegt sind und deren Übersetzung deshalb nicht immer unproblematisch ist: Vorsteher der jungen Männer der ResidenzJmj-r3-jdw-n-ẖnw (Imi-ra-idu-en-chenu) nach Dilwyn Jones: An Index of Ancient Egyptian Titles, Epithets and Phrases of the Old Kingdom. (= BAR International Series. Band 866.) Band 1. Oxford 2000, ISBN 1-84171-070-9, S. 72–73 [Nr. 325]. und Vorsteher all seiner Besitzungen des Inneren und Äußeren (gemeint sind die Besitzungen Rawers).Jmj-r3-jšt=f-nbt-n-ẖnw-nt-rwt (Imi-ra-ischetef-nebet-en-chenu-net-rut) nach Dilwyn Jones: An Index of Ancient Egyptian Titles, Epithets and Phrases of the Old Kingdom. (= BAR International Series. Band 866.) Band 1. Oxford 2000, ISBN 1-84171-070-9, S. 195 [Nr. 730]. An anderer Stelle im Grab wird auch sein religiöser Titel erwähnt: Aufseher der Totenpriester.Sḥḏ-ḥmw-k3 (Sehedsch-hemu-ka) nach Dilwyn Jones: An Index of Ancient Egyptian Titles, Epithets and Phrases of the Old Kingdom. (= BAR International Series. Band 866.) Band 2. Oxford 2000, ISBN 1-84171-071-7, S. 943 [Nr. 3475].

Aus der Grabanlage stammt eine Reihe gut erhaltener Statuen. Eine Statuengruppe zeigt dreimal Mersuanch, einmal stehend, zweimal sitzend (JE 66618). Eine weitere Statue zeigt eine Bierbrauerin (JE 66624). Eine Doppelstatue stellt Mersuanch zweimal stehend dar (JE 66620). Eine weitere Doppelstatue zeigt einen Mann und eine Frau. Die Skulptur ist unbeschriftet und stellt möglicherweise Mersuanch und seine Frau dar (JE 66619). Eine Dreiergruppe zeigt in der Mitte Mersuanch und links und rechts jeweils eine Tochter (JE 66617). Eine Doppelstatue zeigt Mersuanch und seine Gemahlin. Die Statue ist nicht gut erhalten. Vor allem die Torsi fehlen heute. Eine weitere Statue zeigt einen stehenden Mann. Die Statue ist unbeschriftet (JE 66621).

Literatur Selim Hassan, Foad Boghdady: Excavations at Gîza. 1929–1930. Egyptian University / University Press, Kairo / Oxford 1932, S. 104–117, Abbildungen 177–187, Tafeln LXVII–LXXVII, Lageplan Titelbild (Volltext als PDF; 70,8 MB); abgerufen über Digital Giza – The Giza Project at Harvard University. Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss, Ethel W. Burney: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. Band III: Memphis. Teil I: Abû Rawâsh to Abûṣîr. 2., von Jaromír Málek überarbeitete und erweiterte Auflage. Clarendon Press / Griffith Institute / Ashmolean Museum, Oxford 1974, , S. 269–270, Grabgrundriss XXXIII, Karte XXIII (Volltext als PDF; 20,3 MB); abgerufen über The Digital Topographical Bibliography. Marianne Eaton-Krauss: Pseudo-Groups. In: Kunst des Alten Reiches – Symposium im Deutschen Archäologischen Institut Kairo am 29. und 30. Oktober 1991. (Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo; Sonderschrift 28). von Zabern, Mainz 1995, ISBN 3-8053-1710-7, S. 57–74 (Volltext als PDF; 16,4 MB); abgerufen über Digital Giza – The Giza Project at Harvard University. Katja Lehmann: Der Serdab in den Privatgräbern des Alten Reiches – III. Katalog. Dissertation, Heidelberg 2000, Katalognummer G356 (Volltext als PDF; 13,8 MB); abgerufen über Digital Giza – The Giza Project at Harvard University.

Weblinks

Digital Giza: Auf: giza.fas.harvard.edu Mersuankh (G 8990). Standing triad of Mersuankh JE 66617. Dyad of Mersuankh and his wife JE 66619. The Global Egyptian Museum: Auf: globalegyptianmuseum.org Eintrag und Beschreibung zu Double Statue of a Man and Wife (JE 66619). Eintrag und Beschreibung zu Statuette of a Female Brewer (JE 66624).

Einzelnachweise und Anmerkungen Selim Hassan, Foad Boghdady: Excavations at Gîza. 1929–1930. Egyptian University / University Press, Kairo / Oxford 1932 Mohamed Saleh, Hourig Sourouzian, Jürgen Liepe: Die Hauptwerke im Ägyptischen Museum Kairo: Offizieller Katalog. von Zabern, Mainz 1986, ISBN 3-8053-0640-7

Kategorie:Altägyptischer Beamter (Altes Reich) Kategorie:5. Dynastie (Ägypten) Kategorie:Geboren im 25. oder 24. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 24. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Mann