Trautskirchen ist eine Gemeinde im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim (Mittelfranken, Bayern). Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Neuhof an der Zenn.

Geografie Lage Die Gemeinde liegt im Naturpark Frankenhöhe. Durch das Gemeindegebiet fließt die Zenn.

Gemeindegliederung Die Gemeinde hat zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Einöden Fröschendorfer und Bucher Mühle sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Buch und Trautskirchen. Die Gemarkung Gerolfingen hat eine Fläche von 9,617 km². Sie ist in 1418 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6782,42 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Dagenbach, Einersdorf, Hohenroth und Stöckach.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Markt Erlbach, Neuhof an der Zenn, Rügland, Obernzenn und Bad Windsheim.

Geschichte Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation Der Ort wurde in einer Urkunde, die zwischen 1057 und 1075 entstand, als „Truteschirchen“ erstmals erwähnt. Bestimmungswort ist der Personenname „Trut“ bzw. „Trūt“, der als Stifter einer Kirche angesehen werden kann,W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 223. die durch den Eichstätter Bischof Gundekar II. geweiht wurde und das Patrozinium des Erzengels Michael erhielt.R. Strobel: Landkreis Neustadt an der Aisch, S. 171. Im Jahre 1278 kam Trautskirchen in Besitz des Klosters Heilsbronn. 1297 wird die Michaelskirche zur Pfarrei erhoben. Seit dem 14. Jahrhundert ist ein gleichnamiges Adelsgeschlecht auf einem Rittergut bezeugt. Mit dessen Aussterben im Jahre 1402 gelangte dieses an die Herren von Seckendorff. Während der Amtszeit von Hans Schmidt als Pfarrer von Trautskirchen und Neuhof erfolgte die Reformation. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort fast völlig zerstört. In der Folgezeit wechselten die Schlossherren häufig. Im Jahre 1708 waren es wieder die Seckendorffer, die anstelle des alten Schlosses ein neues errichteten.H. Sponholz (Hrsg.): Landkreis Neustadt an der Aisch, S. 128 f.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Trautskirchen 67 Anwesen. Das Hochgericht übte das Rittergut Trautskirchen im begrenzten Umfang aus. Es hatte ggf. an das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Markt Erlbach auszuliefern. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Rittergut Trautskirchen. Grundherren waren das Rittergut Trautskirchen (63 Anwesen: Schloss, 18 Güter, 45 Tropfhäuser) und die Pfarrei Trautskirchen (Kirche, Pfarrhaus, 2 Häuser).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 134. Das Rittergut Trautskirchen gehörte zu dieser Zeit den Freiherren von Falkenhausen und war dem Ritterkanton Altmühl steuerbar. Es übte das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft auch über Dagenbach aus. Neben den 63 Anwesen in Trautskirchen war es noch Grundherr in Dagenbach (6 Anwesen), Einersdorf (1) und Stöckach (1).H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 72. Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justizamt Markt Erlbach und Kammeramt Neuhof.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahre 1810 kam Trautskirchen an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt und die Ruralgemeinde Trautskirchen gebildet.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 226. Die Gemeinde war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Markt Erlbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ipsheim. Am 4. Januar 1821 wurde Dagenbach von Buch nach Trautskirchen umgemeindet. Am 30. Januar 1851 wurden Einersdorf und Stöckach von Neuhof nach Trautskirchen umgemeindet.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 206. Ab 1862 gehörte Trautskirchen zum Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1939 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) und ab 1856 zum Rentamt Markt Erlbach (1919–1929: Finanzamt Markt Erlbach, 1929–1972: Finanzamt Neustadt an der Aisch, seit 1972: Finanzamt Uffenheim). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Markt Erlbach (1879 in Amtsgericht Markt Erlbach umbenannt), von 1959 bis 1972 war das Amtsgericht Fürth zuständig, seitdem ist es das Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 6,590 km².

Zeit des Nationalsozialismus Am 12. März 1927 entstand nach einer von Albert Forster aus Fürth gehaltenen Rede in Trautskirchen eine NSDAP-Ortsgruppe. Nach einer Propagandarede des Dettendorfers Fritz Raab Ende Februar 1931 bei einer Versammlung der NSDAP wurden 14 Neueintritte in die NSDAP und weitere in den „Stahlhelm“ verzeichnet.Wolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922–1933. Verlag Philipp Schmidt, 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4); ISBN 978-3-87707-990-4, S. 73 und 100.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1970 wurde ein Teil der aufgelösten Gemeinde Altselingsbach eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam die Gemeinde Buch aus dem Landkreis Uffenheim hinzu.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1165 auf 1320 um 155 Einwohner bzw. um 13,3 %. Gemeinde Trautskirchen Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2012 2016Einwohner 420 542 650 614 653 666 656 685 678 646 609 622 610 606 567 582 591 557 847 972 793 734 1141 1317 1335 1309HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 67 91 110 125 123 119 126 120 131 318 394Quelle

Ort Trautskirchen Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2014Einwohner 420 484 436 483 515 470 452 798 667 625 719 866Häuser 67 82 93 88 103 94 107 192 Quelle

Politik Gemeinderat Die Kommunalwahl 2026 führte zu folgender Sitzverteilung im Gemeinderat CSU/Interessengemeinschaft: vier Sitze SPD: vier Sitze Freie Wähler: vier Sitze

Erster Bürgermeister ist Werner Wirth.

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot.

Raumordnung Die Gemeinde Trautskirchen ist Mitglied der 2009 gegründeten Kommunalen Allianz Aurach-Zenn, die ein Integriertes ländliches Entwicklungskonzept ist und mit den benachbarten Allianzen NorA und Kernfranken die Lokale Aktionsgruppe Rangau bildet.

Baudenkmäler mini|Schloss Trautskirchen

Bodendenkmäler

Verkehr Die Staatsstraße 2413 führt an Fröschendorf vorbei nach Buch (2,2 km nordwestlich) bzw. nach Neuhof an der Zenn (3,6 km östlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Hohenroth (2 km nördlich), nach Merzbach (1,6 km nordwestlich) und nach Einersdorf (0,3 km südlich).

Söhne und Töchter der Gemeinde Hans Böckler (1875–1951) wurde 1949 erster Vorsitzender des DGB. In seinem Geburtshaus ist ein kleines Museum eingerichtet worden. Alexander Hetzer (* 1983), Schriftsteller (Kinderbücher "Familie Rotfisch geht auf Reisen", "Kim Rotfischs neues Abenteuer" und historischer Roman "Trautskirchen – Schatten eines Dorfes").

Literatur

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Kategorie:Ersterwähnung im 11. Jahrhundert Kategorie:Gemeindegründung 1813 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)

Kategorie:Ort an der Zenn Kategorie:Gemarkung im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim