Die National Women’s Rights Convention (dt.: Nationale Zusammenkunft zu Frauenrechten) war eine Mitte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten jährlich stattfindende Veranstaltung, die die frühe Frauenbewegung immer sichtbarer werden ließ. Die erste Versammlung wurde 1850 in Worcester (Massachusetts) abgehalten und führte sowohl männliche wie weibliche Befürworter zusammen, die zwölfte und letzte reguläre fand 1869 in Washington, D.C. statt. Die Beteiligten bekamen auch weitgehende Unterstützung durch die Temperenzler und die Abolitionisten. Es wurden Reden gehalten über Lohngleichheit, Bildungsverbesserungen und Karrieremöglichkeiten, über die Eigentumsrechte der Frauen, Heiratsreformen und Alkoholverbote. Aber das Hauptthema, das in den Zusammenkünften diskutiert wurde, war die Verabschiedung von Gesetzen, die das Frauenwahlrecht ermöglichen würden.

Vorgeschichte mini|links|hochkant|Frederick Douglass war ein starker Befürworter des Frauenwahlrechts Seneca Falls Convention

1840 reisten Lucretia Mott und Elizabeth Cady Stanton mit ihren Ehemännern aus den USA nach London zur ersten „World Anti-Slavery Convention“. Weil sie Frauen waren, wurden sie nicht als Teilnehmerinnen zugelassen. Mott und Stanton wurden Freundinnen und beschlossen, zu Hause eine Zusammenkunft zu organisieren, in der die Angelegenheit der Förderung der Frauenrechte behandelt werden sollte. Es dauerte bis zum Sommer 1848, als Mott, Stanton und drei andere Frauen die Seneca Falls Convention organisierten, die erste „Frauenrechtsversammlung“ (en: women’s rights convention). Sie wurde in zwei Tagen von mehr als 300 Leuten besucht, darunter 40 Männern. Die Resolution war beim Problem des Wahlrechts für Frauen so lange umstritten, bis Frederick Douglass mit einer leidenschaftlichen Rede sich dafür aussprach, in der vorgeschlagenen Erklärung, der Declaration of Sentiments, diese Wahlrechtsforderung einzufügen. Einhundert Anwesende unterzeichneten danach dieses wichtige Frauenmanifest.

Andere frühe „Women’s Rights Conventions“ Die Unterzeichner dieses Manifests hofften darauf, dass eine Serie von Versammlungen, die alle Teile der Staaten umfassen sollten, auf ihr Treffen folgen würde. Wegen der Anziehungskraft von Lucretia Mott, die den Westen des Staates New York nicht mehr länger bereisen konnte, wurde eine Folgeveranstaltung, die Rochester Women’s Rights Convention of 1848, zwei Wochen später einberufen, in der viele der Redner erneut auftraten. Die erste Frauenrechtsversammlung, die für alle Staaten organisiert wurde, war 1850 die „Ohio Women’s Convention“ in Salem.

Planung mini|Paulina Kellogg Wright Davis half bei der Organisation der ersten zwei „Conventions“, sie saß ihnen vor und war Vorsitzende des Zentralkomitees während des größten Teils des Jahrzehnts. Im April 1850 hielten Frauen in Ohio eine Zusammenkunft ab, die darauf abzielte, eine eigene Verfassungsversammlung für die „Gleichheit der Frauen in Gesetzgebung und Politik“ einzufordern. Lucy Stone hatte sich schon als Studentin am Oberlin College in Ohio für Frauenrechte eingesetzt und begann nach 1847 Vorlesungen über Frauenrechte zu halten. Sie schrieb an die Organisatoren in Ohio und versicherte, dass Massachusetts ihrer Führung folgen würde.

Am Ende der „New England Anti-Slavery Convention“, am 30. Mai 1850, wurde öffentlich verkündet, dass ein Treffen zur Organisation einer „Women’s Rights Convention“ stattfinden würde.

William Lloyd Garrison sagte an diesem Abend: „I conceive that the first thing to be done by the women of this country is to demand their political enfranchisement. Among the 'self-evident truths' announced in the Declaration of Independence is this – 'All government derives its just power from the consent of the governed'.“

(dt.: Ich stelle mir vor, dass der erste Schritt, der von den Frauen dieses Landes gemacht werden muss, der ist, ihre politische Befreiung zu verlangen. Zu den ‚selbstverständlichen Wahrheiten‘ der ‚Declaration of Independence‘ gehört folgende Aussage: ‚Jede Regierung leitet ihre gerechte Macht von der Zustimmung der Regierten her.‘)

Die Versammlung beschloss, eine solche Zusammenkunft einzuberufen und setzte Worcester als Tagungsort und den 16./17. Oktober 1850 als Termin fest. Sie schlug Davies, Stone, Abby Kelley Foster, Harriot Kezia Hunt, Eliza J. Kenney, Dora Taft, and Eliza H. Taft als Veranstaltungskomitee und Davis und Stone als Korrespondenzkomitee vor. Davis und Stone baten William Elder, einen im Ruhestand lebenden Arzt aus Philadelphia, einen Einladungstext zu verfassen, während sie sich um die Unterschriften dafür und die Rednerliste kümmern würden. Elizabeth Cady Stanton, die auch auf dieser Liste war, schickte nur ihre Rede zum Vorlesen und sagte ihre Teilnahme ab, da sie dann im letzten Stadium ihrer Schwangerschaft wäre.

1850 in Worcester Die erste „National Women’s Rights Convention“ trat am 23./24. Oktober 1850 in der Brinley Hall in Worcester, Massachusetts zusammen.Proceedings of the Woman’s Rights Convention, Held at Worcester, October 23rd and 24th, 1850. Boston: Prentiss and Sawyer, 1851. Ungefähr 900 Menschen versammelten sich in der ersten Sitzung, wobei Männer in der Mehrheit waren. Mehrere Zeitungen berichteten über den Nachmittag, an dem über 1.000 anwesend waren und viele abgewiesen werden mussten. Delegierte kamen aus elf Staaten, sogar ein Delegierter aus Kalifornien war dabei, das als Staat erst ein paar Wochen alt war.American National Biography. Stone, Lucy. Abgerufen am 10. März 2009

mini|links|Lucy Stone half beim Organisieren der ersten acht 'National Conventions', war Präsidentin der siebten Zusammenkunft und arbeitete als Sekretärin des Zentralkomitees in diesem Jahrzehnt. Die erste Resolution des geschäftsführenden Komitees umriss die Ziele der Bewegung für Frauen: „Sicherung der politischen, gesetzlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung mit dem Mann insoweit, wie ihre eigene Lebenssphäre allein bestimmt sein sollte: durch ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten, gestärkt und verfeinert durch eine Ausbildung, die im Einklang mit ihrer Natur steht.“ Andere Beschlüsse betonten die Forderung der Frauen nach gleichen bürgerlichen und politischen Rechten und verlangten, dass das Wort „Mann“ oder „männlich“ aus jeder Staatsverfassung gestrichen werden sollte. Andere konzentrierten sich auf spezielle Probleme des Eigentumsrechts, des Zugangs zur Bildung und der Anstellungsmöglichkeiten, während wieder andere die Frauenbewegung als eine Anstrengung betrachteten, die Sicherung der natürlichen und bürgerlichen Rechte für alle Frauen – einschließlich der versklavten – zu bewerkstelligen.

Hinsichtlich der Organisation und der Durchsetzung der Ziele wandte man sich gegen organisierte Gesellschaften oder Vereine. Man hielt eine jährliche Zusammenkunft und ein Organisationskomitee für genug an Vereinsstruktur. Die Beschlüsse der Zusammenkünfte sollten als Erklärungen ihrer Grundsätze und Forderungen ausreichen. Man richtete ein Zentralkomitee aus neun Frauen und neun Männern ein und schuf einige spezielle Ausschüsse, die Informationen sammeln und die nützlichen Fakten veröffentlichen sollten, die die öffentliche Meinung positiv in Richtung der „Etablierung einer Gleichberechtigung von Frau und Mann“ beeinflussen würden.

Stone war im Organisationskomitee und sprach erst am letzten Abend. Als ein Mitglied des neuen „Committee on Civil and Political Functions“ drängte sie die Versammlung darauf, Petitionen an ihre jeweiligen staatlichen Gesetzgebungsorgane zu richten, um das Wahlrecht, das Eigentumsrecht für verheiratete Frauen und so viele andere spezielle Rechte zu fordern, wie es ihnen in ihren jeweiligen Staaten praktikabel und angemessen erschien. Dann hielt sie eine kurze Ansprache, in der sie sagte:

We want to be something more than the appendages of Society; we want that Woman should be the coequal and help-meet of Man in all the interest and perils and enjoyments of human life. We want that she should attain to the development of her nature and womanhood; we want that when she dies, it may not be written on her gravestone that she was the „relict“ of somebody.

(dt.: Wir wollen etwas mehr sein als die Anhängsel der Gesellschaft; wir wünschen uns, dass die Frau die gleichberechtigte Gefährtin des Mannes in all den Angelegenheiten, den Gefahren und Freuden des menschlichen Lebens sei. Wir wollen, dass sie sich um die Entwicklung ihrer Natur und Weiblichkeit bemüht, es soll nicht auf ihrem Grabstein geschrieben stehen, dass sie der Überrest, das Relikt, von irgendwem sei.)

Susan B. Anthony, die nicht auf der Zusammenkunft war, sagte später, dass das Lesen dieser Ansprache sie dazu motivierte, sich um die Angelegenheit der Frauenrechte zu kümmern.

Stone finanzierte den Druck einer Broschüre über den Ablauf der Zusammenkunft. Das tat sie auch nach jeder der nächsten sechs Conventions. Die Büchlein wurde bei ihren Vorträgen und den nachfolgenden Zusammenkünften verkauft.

Der Bericht über diese Convention in der New York Tribune for Europe brachte Frauen im englischen Sheffield dazu, eine Petition an das Oberhaus zu schreiben, um das Frauenwahlrecht zu verlangen. Harriet Taylor schrieb daraufhin The Enfranchisement of Women. abgerufen am 18. März 2009, Harriet Taylor Mill. Abgerufen am 18. März 2009.

Weitere Conventions bis zum Sezessionskrieg Nun folgten fast jährlich weitere Conventions bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen den Südstaaten und den Nordstaaten.

1851 in Worcester Eine zweite nationale Zusammenkunft wurde am 15./16. Oktober 1851 wieder in der Brinley Hall abgehalten, mit der Vorsitzenden Paulina Kellogg Wright Davis. Harriet Kezia Hunt und Antoinette Brown hielten Reden; ein Brief von Elizabeth Cady Stanton wurde verlesen und Lucretia Mott war dabei als eine Organisatorin der Zusammenkunft.More Women’s Rights Conventions. Abgerufen am 1. April 2009.

1852 in Syracuse mini|links|hochkant|Lucretia Mott war ein leuchtendes Vorbild für die Conventions, sie präsidierte bei zweien. mini|hochkant|Lucy Stone im Bloomers-Kostüm Für die dritte Convention wurde die City Hall (Rathaus) von Syracuse (New York) zum Tagungsort bestimmt. Denn Syracuse lag näher bei Seneca Falls (eine Zweitagesreise per Pferd, eine mehrstündige Zugfahrt) und so konnten mehr der ursprünglichen Unterzeichner der Declaration of Sentiments teilnehmen als in den vorausgegangenen Zusammenkünften in Massachusetts. Lucretia Mott wurde die Präsidentin. Zu einem bestimmten Zeitpunkt hielt sie es für nötig, einen Geistlichen zum Schweigen zu bringen, der die Versammlung dadurch angriff, dass er biblische Stellen anführte, die die Unterordnung der Frau unter den Mann belegen sollten.

Elizabeth Oakes Smith forderte, dass Frauen ihre eigene Zeitschrift und eigene Verlage haben sollten, unabhängig von der in Männerhand befindlichen Presse. Sie beklagte aber, dass sie zu Bettlerinnen spräche, denn Frauen hätten eben keine Finanzquellen.

Lucy Stone trug ein Bloomers Kostüm, eine neue Art der Frauenmode, die sie als praktische Kleidung während des Sommers nach einem Treffen mit Amelia Bloomer ausprobierte. Sie betonte in ihrer Rede: „Die Frau, die zuerst von der Routine abweicht, die die Gesellschaft ihr für ihren Wirkungskreis einräumt, muss leiden. Lasst uns tapfer die Lächerlichkeit und die Verfolgung ertragen im Hinblick auf das Gute, dass sich daraus ergibt. Und wenn die Welt sieht, dass wir unsere Vorhaben durchsetzen, wird sie unser Recht dazu anerkennen.“Stanton et al., 1881, S. 531.

1853 in Cleveland In der Melodean Hall in Cleveland (Ohio) sprach während dieser Convention vom 6. bis 8. Oktober 1853 William Lloyd Garrison in einer Rede wie folgt: „...die 'Declaration of Independence' (dt.: Unabhängigkeitserklärung) wie in Seneca Falls betont wurde ... maß das Volk unseres Landes mit ihren eigenen Maßstäben. Sie benutzte deren eigene Worte und wandte deren eigene Prinzipien auf Frauen an, wie es zuvor bei Männern gemacht worden war.“