mini|Diese Aufnahme von Anita Augspurg, Marie Stritt, Lily von Gizycki, Minna Cauer und Sophia Goudstikker von 1896 wurde im Rahmen der Pressearbeit zur Reihe von der ARD zur Verfügung gestellt und bebilderte etliche der Presseartikel. Später wurde sie als Titelbild der Buchveröffentlichung Unerhört verwendet.|alternativtext= Unerhört – Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung von 1830 bis heute war eine 12-teilige Fernsehserie, die von April bis Juni 1987 in den Dritten Programmen der ARD ausgestrahlt wurde. Für die chronologisch gegliederte Sendereihe waren vier Redakteurinnen – Barbara Schönfeldt (NDR), Inge von Bönninghausen (WDR), Gudrun Güntheroth und Beate Veldtrup (HR) – verantwortlich. Wegen der Komplexität der senderübergreifenden Zusammenarbeit und der „Hinhaltetaktik“ der Vorgesetzten der Redakteurinnen hatte die Reihe eine ungewöhnlich lange Vorbereitungszeit von vier Jahren. Neun Regisseurinnen machten die einzelnen Filmbeiträge: Claudia von Alemann, Christina von Braun, Margit Eschenbach, Ann Schäfer, Ulle Schröder, Vikki Schaefer, Sabine Zurmühl, Ula Stöckl und Ingrid Oppermann.

Die Reihe hatte eine ungewöhnlich starke Resonanz. Während die Presse zwar die Wichtigkeit der Reihe hervorhob, das Ergebnis aber eher kritisierte, waren die Zuschauerinnen begeistert. Weil es sich um die erste Fernsehserie zur Frauengeschichte im deutschsprachigen Fernsehen handelte, galt die Reihe schon früh als „Ausnahmefall der Fernsehgeschichte“.

Produktion 1977 trafen sich zum ersten Mal autonome Frauengruppen aus den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Dabei waren alle Berufe aus Hörfunk und Fernsehen vertreten. Die Frauen diskutierten über Arbeitsbedingungen, die Unterrepräsentanz von Frauen und Diskriminierung sowie über die frauenfreien Programme in ihren Sendern. Daraus entwickelte sich das jährliche Herbsttreffen der Frauen in den Medien. Wenig später entstand der Verband der Filmarbeiterinnen. 1980 startete die WDR-Sendung „Frauen-Studien“, die von Inge von Bönninghausen verantwortet wurde. 1984 folgte die Sendung „Frauen-Fragen“.

Mit der Gleichschaltung der Frauenorganisationen in der Zeit des Nationalsozialismus war die Überlieferungstradition zur ersten deutschen Frauenbewegung abgebrochen worden. In den 1970er und 1980er Jahren war deren Geschichte kaum mehr bekannt. Sie wurde erst mit der neuen Frauenbewegung wiederentdeckt und aufgearbeitet. Der NDR-Redakteurin Barbara Schönfeldt fiel beim Lesen von Texten der Frauenbewegung aus dem 19. Jahrhundert die inhaltliche Übereinstimmung mit aktuellen Themen auf. Sie versuchte ab 1982 zunächst, NDR-intern eine Reihe zur Geschichte der Frauenbewegung zu organisieren, was sich aus finanziellen Gründen nicht realisieren ließ. Daraufhin nahm sie mit den Redakteurinnen der anderen Sender Kontakt auf, die sie von den Herbsttreffen der Medienfrauen her kannte. Wie Bönninghausen später erzählte, kannten sie sich, weil die Zahl der Medienfrauen überschaubar war und weil man sich lebhaft für die Arbeit der anderen Frauen interessierte. Zudem gab es Netzwerke zwischen den Redakteurinnen und Frauenhistorikerinnen, z. B. zwischen Schönfeldt und Karin Hausen, die sich durch die Sommeruniversitäten für Frauen in Berlin entwickelt hatten.

1984 organisierte Schönfeldt vom NDR aus ein 2½-tägiges Treffen mit den anderen drei Redakteurinnen und vielen Filmemacherinnen und Historikerinnen. Danach bemühten sich die vier Redakteurinnen um die gemeinsame Produktion einer Fernsehreihe unter Federführung des NDR. Schönfeldt erzählte später, dass es ihnen darum ging, zu zeigen, dass Frauen immer wieder bewusst unterdrückt oder verschwiegen worden seien. Frauen hätten darum gekämpft zu zeigen, dass sie Menschen sind. Die Kooperation war finanziell motiviert, diente aber auch der Stärkung, da das Thema in den Sendern nur schwer durchsetzbar war. Schönfeldt betonte in einem Interview: „Wir waren uns aber selbstverständlich schnell darüber klar, daß wir wie eine Frauenmauer stehen müssen, wenn wir das in drei Sendern entwickeln wollen.“ Wegen der Kooperation dauerte es aber bis 1987, bis die Reihe ausgestrahlt werden konnte. Die Hinhaltetechnik der vorgesetzten Stellen in den Sendern verzögerte das Unternehmen immer wieder. Prinzipiell waren die Vorgesetzten zwar mit der Reihe einverstanden, es gab aber immer wieder neue Einwände. Die Produktion der Reihe war ein für damalige Verhältnisse teures Unternehmen, der Etat lag bei etwas über einer Million Mark.

Die Redakteurinnen wählten Regisseurinnen und Autorinnen aus, die ihnen entweder persönlich oder durch ihre Filme bekannt waren. Claudia von Alemann und Christina von Braun hatten zum Beispiel bereits Filme über historische Frauenfragen gedreht, Sabine Zurmühl war als Herausgeberin der feministischen Zeitschrift Courage und als Dokumentarfilmerin in Erscheinung getreten.

Konzept Die Redakteurinnen wollten etwas gegen die damalige „Geschichtslosigkeit“ der Frauen machen. Darauf spielte auch der doppeldeutige Titel der Reihe an: eine unerhörte (unbekannte) Geschichte und unerhört, dass sie noch nicht erzählt (gehört) worden war. Die Historikerinnen Ute Gerhard und Herrad-Ulrike Bussemer entwickelten das historisch-chronologische Konzept, das auf der gemeinsamen Vorarbeit mit den Filmemacherinnen und verantwortlichen Redakteurinnen aufbaute. Allerdings zeigte sich Ute Gerhard später von der Serie enttäuscht. Die Materialsammlung für den Film war schwierig und, wie die beiden Historikerinnen sagten, „mühsam“. Auch die Regisseurinnen mussten in den Zeitungsarchiven nach Fotos suchen, sie mussten – so Bönninghausen später – Forschung und Umsetzung machen.

Die Reihe wurde chronologisch strukturiert, wobei jede Sendung einen Schwerpunkt hatte. Wie die Redakteurinnen angaben, hätten sie sich bewusst dafür entschieden, sich nicht an den Meilensteinen der männlich dominierten Politikgeschichte zu orientieren. Zum Beispiel hätten sie 1870/71 nicht auf die Schlachten fokussiert, sondern darauf, was das aufkommende Nationalbewusstsein für das Bild der Frau bedeutete. Die Fernsehreihe ging vom Frauenalltag aus und fokussierte auf Aspekte wie z. B. Arbeit und Lohn, Politik, Sexualität, Erziehung und Bildung, Kultur, Familie. Bönninghausen beschrieb die Reihe später als ein Experiment, bei dem erstmals das Massenmedium Fernsehen genutzt wurde, um eine „unbekannte“ Geschichte „aus dem Blickwinkel derer, die Erbinnen dieser Geschichte sind“ zu erzählen. Der Mangel an verfügbaren Bildern stellte ein Problem dar. So musste man über die Inszenierung nachdenken, Reenactment war damals noch keine etablierte Methode der filmischen Aufbereitung von Geschichte.

Dadurch, dass die einzelnen Sendungen von unterschiedlichen Filmemacherinnen gemacht wurden, wollten die Redakteurinnen die subjektiven Einstellungen zur Geschichte zeigen. Sie hofften, dass es für die Zuschauer so leichter wäre, sich mit den Filmen zu identifizieren. Als „roter Faden“ durch die einzelnen Sendungen der Reihe diente eine von der Schauspielerin Lore Stefanek dargestellte Frau von heute. Diese Idee brachten die Redakteurinnen ein, um die Filme als Reihe zu etablieren und zu verhindern, dass die Sender sich einzelne Filme herauspickten und die Reihe nicht als Ganzes sendeten. Es blieb aber den einzelnen Filmemacherinnen überlassen, wie sie die Figur nutzten. In Alemanns Filmen war Lore eine stumme Beobachterin der historischen Personen. Braun dagegen ließ sie in ihren Folgen das Geschehen deuten und weiterdenken, wogegen bei Zurmühl die Figur fragte, ob es angemessen sei, wenn die Nachgeborenen die Menschen von 1914 für ihr begeistertes Engagement im Krieg kritisierten. Bei Alemann agierte Lore in einem Raum, der an eine reale Fabrikruine erinnerte, bei Braun und Zurmühl befand sie sich in einem Loft mit Schreibtisch, Schnittplatz und Sofa.

Teile der Sendereihe Die einzelnen Teile der Reihe (Dauer jeweils 45 Minuten):