mini|Charlotte von Ahlefeld (Bleistiftzeichnung von Ferdinand von Blumenbach um 1800) Charlotte Elisabeth Sophie Louise WilhelmineIhre Taufnamen waren Elisabeth Louise Charlotte Wilhemine; in der Heiratsangabe ist Charlotte Elisabeth Sophie Wilhelmine angegeben. von Ahlefeld, geb. von Seebach (* 6. Dezember 1777 in Stedten;Taufbuch der Gemeinde Ottmannshausen Band 1683‒1783, S. 284 (laut Koch 1977, S. 28f.). (Stedten und Ottmannshausen wurden vom selben Pfarrer betreut; vgl. den Hofkalender 1877, S. 32.)Fast die gesamte ältere Literatur wiederholt die falsche Geburtsangabe von Schindel 1823 und Rassmann 1823 („1781“), obwohl bekannt ist, dass Caroline Jagemann (* 25. Januar 1777) eine etwa gleichaltrige Jugendfreundin war (R. Emde: Selbstinszenierungen im klassischen Weimar: Caroline Jagemann. Göttingen 2004 (ISBN 3-89244-743-8), S. 105). † 27. Juli 1849 in Teplitz) war eine deutsche Schriftstellerin. Pseudonyme: Elisabeth Selbig, C., Natalie, Ernestine, „Verfasserin der Marie Müller, der Erna, der Felicitas“ usw.

Familie Charlotte war das jüngste Kind des hannoveranischen Regimentskommandanten Alexander Christoph August von Seebach (* 24. November 1735Hörschelmann 1774, S. 36., † 17. März 1811 in HalleTodesanzeige in Weimarisches Wochenblatt vom 2. April 1811, S. 104.) und seiner Ehefrau Albertine Auguste Wilhelmine geb. von Ingersleben (* 13. Mai 1747, † 12. März 1813Familien-Nachrichten in Weimarisches Wochenblatt vom 23. März 1813, S. 95.).Koch hat sich vergewissert, dass sie tatsächlich das letzte Kind des Ehepaars war (1977, S. 29). Sie wuchs mit vier Geschwistern auf: Carl Otto August Alexander (* 10. Juni 1767, † 13. Februar 1816Todesanzeige in Weimarisches Wochenblatt vom 16. Februar 1816, S. 68.). Charlottes ältester Bruder war ihr „der liebste von allen [ihren] Geschwistern, und unendlich gut und freundlich gegen [sie] gesinnt“. Er reiste 1792 „nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung“, galt als verschollen und kündigte sich Anfang Juni 1804 in Weimar an.Brief vom 5. Juni 1804 (Trainer 1999, S. 151). Friedrich (* 17. November 1768, † 22. Mai 1847Dankesanzeige und Kirchenliste in Beilage zur Weimarischen Zeitung vom 26. Mai und 14. Juli 1847, S. 246, und 331.). Friedrich erlangte hohe Positionen im Herzogtum. Er verehelichte sich 1800 mit Henriette Sophie Wilhelmine geb. von Stein-Nordheim (* 1773/1774, † 24. November 1817Todesanzeige und Kirchenliste in Weimarisches Wochenblatt vom 28. November und 12. Dezember 1817, S. 421 und 437.). Das Ehepaar hatte drei überlebende Kinder; das älteste: Amalie Caroline Charlotte Wilhelmine Louise Henriette (1802‒1879). Sie heiratete 1821 den späteren Kammerherrn Ludwig von Groß.Familien-Nachrichten in Weimarisches Wochenblatt vom 9. November 1821, S. 429. Etwa ab 1828 war sie schriftstellerisch tätig, überwiegend unter dem Pseudonym „Amalie Winter“. Ludwig (Louis) Ernst Rudolph Gustav (* 3. Oktober 1770, † 21. August 1841 in ZillbachBeilage zur Weimarischen Zeitung vom 28. August 1841, S. 303.). Louis war 1795 Hof- und Jagd-Junker,Hochfürstl. S.Weimar- und Eisenachischer Hof- und Addreß-Calender, auf das Jahr 1795, S. 85. später wurde er Oberforstmeister.Staats-Handbuch des Grossherzogthumes Sachsen Weimar-Eisenach für das Jahr 1840, S. 21. Louis verehelichte sich am 21. Mai 1798 mit Caroline Christiane Auguste von Beulwitz († 7. Mai 1803Brief vom 6. Mai 1804 (Trainer 1999, S. 142).).Heiratsangabe in Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 23. Mai 1798, S. 163. Amalia (Amélie) Constantine Louise Henrietta (* Januar 1773laut Kirchenliste von 1860; laut Brief vom 24. November 1803 (Trainer 1999, S. 71) 1775/1776., † 14. Mai 1860im „Alter von 87 Jahren 4 Monaten“ laut Kirchenliste in Weimarer Zeitung vom 19. Mai 1860, S. 468.). Amélie verehelichte sich am 21. Mai 1798 mit Carl von Stein (1765‒1837).

Charlotte verlobte sich am 23. Februar 1798laut Brief vom 23. Februar 1804 (Trainer 1999, S. 121). mit dem Gutsbesitzer Johann Rudolf von AhlefeldLaut Genealogisches Handbuch 1966, S. 5, müsste der Ehemann seinen Namen als Ahlefeldt schreiben. Charlotte hat ihren Ehenamen immer als Ahlefeld geschrieben. (* 1. Januar 1775, † 25. November 1848) auf Saxtorf, SehestedtAb 1813 im Besitz von Johann Rudolf von Ahlefeld. (W. Lesser: Topographie des Herzogthums Schleswig. Erster Theil. Kiel 1853, S. 160). und Ludwigsburg. Bei der Eheschließung am 21. Mai des Jahres im Haus der Frau von Stein wurden zugleich drei weitere Paare getraut, darunter ihre Schwester Amélie und ihr Bruder Louis. Das Paar hatte drei Söhne: Friedrich (1799–1862), Erich (1800–1853) und Hermann (1806–1855).Genealogisches Handbuch 1966, S. 6–13.

Sehr bald nach der Eheschließung wurde Charlotte klar, dass sie keinerlei Gemeinsamkeiten mit ihrem Ehemann hatte. Ab etwa Herbst 1802 hielt sie sich ohne ihre Familie in Weimar auf. Dort traf sie auf ihren Jugendfreund Friedrich von Linker1775‒1819, zweiter Sohn von Joseph Johann Jacob von Lincker und Lützenwick., der ihre „erste Jugend durch seine innige Anhänglichkeit verschönerte“Brief vom 13. Dezember 1803 (Trainer 1999, S. 84).. Linker drängte sie, sich scheiden zu lassen und ihn zu heiraten; Charlotte lehnt den Gedanken nach inneren Kämpfen ab.Brief vom 11. Oktober 1803 (Trainer 1999, S. 43f.). Linker ging dann Ende 1803 eine möglicherweise problematische Ehe ein (Trainer 1999, S. 84f. und 109).

Wenig später ‒ von Februar bis August 1803 ‒ erlebte Charlotte in Weimar eine stürmische Beziehung zu dem Bildhauer Friedrich Tieck. Am 1. Januar des Jahres sah sie ihn zum ersten Mal;Brief vom 17. Dezember 1803 (Trainer 1999, S. 86). beim Geburtstagsball des Prinzen (Carl Friedrich) am 2. Februar sprachen sie zum ersten Mal miteinander;Brief vom 2. Februar 1804 (Trainer 1999, S. 110). zum Ende Februar sahen sie sich „immer öfterer und endlich täglich“.Brief vom 23. Februar 1804 (Trainer 1999, S. 122). Am 20. August musste Charlotte Weimar verlassen und zu ihrer Familie nach Saxtorf zurückkehren;Brief vom 20. Januar 1804 (Trainer 1999 S. 105). die Beziehung zu Tieck setzte sich in einem intensiven Briefwechsel fort, der ab Frühjahr 1805 allmählich ausklang.

Obwohl Charlotte schon 1803 völlig entschlossen war, „in gänzlicher Absonderung“ von ihrem Ehemann zu leben,Brief vom 23. September 1803 (Trainer 1999, S. 35). führte sie erst nach der Geburt ihres dritten Kindes 1807 eine formale Trennungsvereinbarung herbei.aber bewusst nicht eine Scheidung (NND 1849, S. 573f.). In der Folge lebte sie einige Jahre in Schleswig als freie Schriftstellerin.

Nach dem Tod einer Freundin in Dresden etwa Ende 1819 nahm sie deren drei kleine Söhne in Pflege. Sie versorgte sie, bis sie sie bei Fröbel in Keilhau unterbringen konnte, und unterstützte sie bis in die 1840er Jahre.NND 1849, S. 577f., und French 2009, S. 37f. In Fröbels Online-Briefedition gibt es fünf an Charlotte von Ahlefeld adressierte Briefe (1827‒1839); vgl. die Registerseite.

Wirken Einige Aufsätze, die Charlotte als Zehnjährige verfasste, sollen Goethe beeindruckt haben. Ende 1797 brachte sie ihren heimlich geschriebenen ersten Roman Liebe und Trennung oder merkwürdige Geschichte der unglücklichen Liebe zweyer Fürstlicher Personen jetziger Zeit mit der Hilfe einer FreundinWilhelmine Herz (1779‒1822), verehelichte Gensicken, als Wilhelmine Willmar erfolgreiche Schriftstellerin, mit der Charlotte 1817–1821 zwei Reihen von Sammelbänden herausbrachte. Vgl. NND 1849, S. 571; auch Schindel 1823, S. 148‒151, und Damen Conversations-Lexicon 2. Aufl. 4. Band, 1846, S. 387f. heraus.

1799 veröffentlichte sie ihren zweiten Roman, Maria Müller, der lange Zeit ein enormer Publikumserfolg war. Sie veröffentlichte mehr als 30 Romane und Erzählbände und einen Band Gedichte, meist unter Pseudonymen, wie es damals für weibliche Autoren üblich war. „Ihre damals viel gelesenen Unterhaltungsromane und Erzählungen folgen dem Muster des klassizistischen Romans bzw. rationalistischen Familienromans und behandeln häufig (in die Ritterzeit versetzt) Liebeskonflikte, die mit Entsagung enden.“Brinker-Gabler, Ludwig, Wöffen 1986.

Im Herbst 1821 lebte Charlotte von Ahlefeld wieder in Weimar, um Goethe und Frau von Stein nahe zu sein. Befreundet war sie außerdem mit Sophie Mereau. Sie korrespondierte mit Clemens Brentano.Johannes Baptista Diel: Clemens Brentano. Ein Lebensbild nach gedruckten und ungedruckten Quellen. Ergänzt und herausgegeben von Wilhelm Kreiten. Zweiter Band: 1814–1842. Herder, Freiburg i. Br. 1878. (Vgl. das Personen-Verzeichnis S. 563.)

Ihr literarisches Schaffen endete 1832 mit der Erzählung Der Stab der Pflicht. Bis an ihr Lebensende lebte sie zurückgezogen, hatte aber brieflichen Kontakt mit ihren Verlegern und Freunden. 1846 zog sie nach Bad Teplitz aus gesundheitlichen Gründen. Am 25. November 1848 starb ihr Ehemann auf seinem Gut in Sehestedt und hinterließ ein beträchtliches Vermögen.NND 1849, S. 580. Charlotte starb wenig später in Bad Teplitz; dort erhielt sie neben Seume ein Denkmal.NND 1849, S. 582. Sie wurde in Prag begraben.laut French 2009, S. 38.

Ihr Teilnachlass wird im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt aufbewahrt.Familienarchiv Großkochberg. F369, F845 In der Datenbank Kalliope werden 59 Handschriftensätze von ihr nachgewiesen.

Schriften (Auswahl) Es gab ein eigenhändig verfasstes Werkverzeichnis (1 Seite oktav) von Charlotte von Ahlefeld, das in dem Katalog „Der Autographensammler. Eine Katalogfolge des Antiquariats J. A. Stargardt. Neue Folge. 4. Jg. Nr. 1 vom Januar 1954“ unter Position 8 angeboten wurde. Über dessen Verbleib ist nichts bekannt. Bücher [anonym:] Liebe und Trennung oder merkwürdige Geschichte der unglücklichen Liebe zweyer Fürstlichen Personen jetziger Zeit. Harris, London 1798.angekündigt zur Herbstmesse 1797 bei Friedrich Severin in Weißenfels (Intelligenzblatt der Allgemeinen Literatur-Zeitung vom 6. Dezember 1797, Spalte 1290). Digitalisat. [anonym:] Marie Müller. J. F. Unger, Berlin 1799. Digitalisat; Maria Müller. Wallishäußer, Wien und Hohenzollern 1799. Digitalisat. Marie Müller von der Frau Charlotte von Ahlefeld geb. von Seebach. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. R. Koch, Schleswig 1814. Digitalisat. Neuausgabe: Marie Müller. Hofenberg, Berlin 2015, ISBN 978-3-8430-7922-8. Einfache Darstellungen aus dem menschlichen Leben. Von der Verfasserin der Marie Müller. Erster Band. Unger, Berlin 1799. Digitalisat. [anonym:] Louise und Mailand. Ein Roman. (= Journal der Romane. Eilftes Stück.) Berlin 1802. Digitalisat.(Widmung: „Meiner Jugendfreundin, Amalie Voigt, geb. Ludecus, gewidmet.“) [anonym:] Therese. Ein Roman in zwei Theilen. B. G. Hofmann, Hamburg 1805. Erster Theil; Zweiter Theil.(Widmung im 1. Teil: „Meiner Wilhelmine Gensicken, geb. Hertz, in Dresden, freundschaftlich gewidmet.“) Liebe und Entsagung. Zwei Theile. Von der Verfasserin Maria Müller. Johann Friedrich Unger, Berlin 1805. Digitalisat.(Widmung: „Carolinen von Linker, geborenen von Schönberg, zum freundlichen Andenken.“Eine sehr nahestehende Freundin, die mit Carl von Linker verheiratet war, einem Bruder von Charlottes Jugendfreund Friedrich von Linker.) Gedichte von Natalie. Johann Friedrich Unger, Berlin 1808. Digitalisat. Neuausgabe: Gedichte von Natalie. Hofenberg, Berlin 2015, ISBN 978-3-8430-7928-0. Charlotte von Ahlefeld gebohrne von Seebach: Briefe auf einer Reise durch Deutschland und die Schweiz im Sommer 1808. Johann Friedrich Hammerich, Altona 1810. Digitalisat.(Widmung: „Caroline von L . . . . . gebohrene von S . . . . . . . . . gewidmet.“) Die Stiefsöhne von der Verfasserin der Maria Müller. Johann Friedrich Hammerich, Altona 1810. Klosterberuf. Ein Roman von der Verfasserin der Marie Müller etc. Hesse, Kiel 1812. Rose oder der Findling. Ein kleiner Roman von der Verfasserin der Marie Müller. Wilmans, Frankfurt am Main 1812. Digitalisat. Franziska und Aenneli, ein Roman von der Verfasserin der Marie Müller. Johann Friedrich Hammerich, Altona 1813. Digitalisat.