Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) ist ein Ausstellungsort in Berlin für die internationalen zeitgenössischen Künste und ein Forum für aktuelle Entwicklungen und Diskurse. Es präsentiert künstlerische Produktionen und Veranstaltungen aus aller Welt.
Das Haus der Kulturen der Welt hat seit seiner Gründung 1989Rüdiger Schaper: Haus der Kulturen der Welt. Ferner Westen, Naher Osten. In: Der Tagesspiegel. 18. August 2007. seinen Sitz in der ehemaligen Kongresshalle am Ufer der Spree im Großen Tiergarten und Regierungsviertel.
Im Berliner Volksmund ist das Gebäude in Anlehnung an seine Form auch unter dem Namen „Schwangere Auster“ bekannt.
Verwaltung Die Haus der Kulturen der Welt GmbH ist eine Organisation für Kulturveranstaltungen und wurde am 3. November 1988 beim Amtsgericht als Firma angemeldet.Marie-Anne Soyez, Axel Besteher-Hegenbart: 1988: Die Gründung der Haus der Kulturen der Welt GmbH und Berlin als Kulturstadt Europas. Haus der Kulturen der Welt (HKW); abgerufen am 19. April 2021. Heute ist das Haus Teil des Unternehmens Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, das u. a. die Internationalen Filmfestspiele (Berlinale) ausrichtet.
Es stand seit 1. Januar 2006Haus der Kulturen der Welt in Tiergarten wird saniert und schließt im Juli. In: Die Welt, 9. Januar 2006 (dpa). unter der Leitung des Intendanten und Kulturphilosophen Bernd M. Scherer, der zuvor das Goethe-Institut in Mexiko-Stadt und die Zentralabteilung Künste im Münchner Goethe-Institut geleitet hatte. Humboldt-Universität zu Berlin; abgerufen am 8. Juni 2016. Zum 1. Januar 2023 hat Bonaventure Soh Bejeng Ndikung das Amt des HKW-Intendanten übernommen. Dem Intendanten steht ein international besetzter Programmbeirat zur Seite. Der Geschäftsführung der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH gehören als kaufmännische Geschäftsführerin Charlotte Sieben sowie Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Matthias Pees und Mariette Rissenbeek an.
Vorsitzender des Aufsichtsrates ist der Kulturstaatsminister (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien), derzeit Wolfram Weimer (Stand: 2025).Impressum Website HKW; abgerufen am 30. September 2025. Das HKW erhält eine Regelförderung vom Auswärtigen Amt und von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien. In: Der Tagesspiegel, 7. November 2010.
Geschichte mini|Spreeseite, 2017
Auf dem Gelände befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld. In Erinnerung daran befindet sich im Haus der Kulturen die Magnus-Hirschfeld-Bar und der Lili-Elbe-Garten.Zum ersten Magnus-Hirschfeld-Gedenktag – „Eine Ikone der queeren Geschichte“. Bei: taz.de, 13. Mai 2024
Die Kongresshalle entstand als amerikanischer Beitrag zur Internationalen Bauausstellung Interbau 1957. Von Anfang an war das Gebäude ein „Propagandabau“, so sein Architekt Hugh Stubbins,Hugh Stubbins: „Das war in Wirklichkeit ein Propagandabau, der sich an die Sowjets richtete, die nur einen knappen Kilometer entfernt waren.“ Zitiert von Florian Heilmeyer: Stadtwandel Verlag, Regensburg 2007, ISBN 978-3-86711-022-8; abgerufen am 8. Juni 2016. Originalzitat in Steffen de Rudder: Der Architekt Hugh Stubbins – Amerikanische Moderne der Fünfziger Jahre in Berlin. Jovis, Berlin 2007, ISBN 978-3-939633-23-5, S. 66: “I knew at once, this was essentially a propaganda building aimed at the Soviets just half a mile away.” Anmerkung von de Rudder: „Hugh Stubbins, Handschriftliche Erinnerungen, 1993“. Übersetzt in: Steffen de Rudder: Ein Haus macht Propaganda. 2007, ISBN 978-3-89479-430-9, S. 29. und sollte für Redefreiheit und westliche Modernität werben. Unter Modernität wurde damals abstrakte, nicht-gegenständliche Kunst, atonale Musik und moderne Architektur als International Style verstanden.Frances Stonor Saunders: Wer die Zeche zahlt … Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg. Siedler, Berlin 2001, ISBN 3-88680-695-2. Frances Stonor Saunders: Modern art was CIA ‘weapon’. Revealed: how the spy agency used unwitting artists such as Pollock and de Kooning in a cultural Cold War. In: The Independent, 21. Oktober 1995.
Neben Kulturveranstaltungen wurden auch politische und geschäftliche Tagungen abgehalten wie etwa Gewerkschaftskongresse. John F. Kennedy (1963) und Jimmy Carter (1978) hielten hier eine Rede,Axel Besteher-Hegenbarth: John F. Kennedy: Dies ist mein Land. US-Präsidenten in der Kongresshalle. In: Bernd M. Scherer (Hrsg.), Axel Besteher-Hegenbarth (Red.), Dina Koschorreck (Red.): Das Haus. Die Kulturen. Die Welt. 50 Jahre: Von der Kongresshalle zum Haus der Kulturen der Welt. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2007, ISBN 978-3-89479-430-9, S. 76–79. auch der Bundestag tagte hier mehrere Male, zuletzt am 7. April 1965.7. April 1965. Umstrittene Bundestagssitzung in West-Berlin. rbb, Die Berliner Mauer, 2014; abgerufen am 14. Juni 2016. Dies verärgerte regelmäßig die DDR und die UdSSR, da sie West-Berlin nicht als Staatsgebiet der Bundesrepublik anerkannten,Steffen de Rudder: Architektur im Kalten Krieg, Bild 4. berliner-kongresshalle.de; abgerufen am 8. Juni 2016. sodass sie an diesem Tag erstmals Haus der Kulturen der Welt (HKW), 2007; abgerufen am 14. Juni 2016. Militärmaschinen über West-Berlin und das Gebäude fliegen ließen. Danach verboten die West-Alliierten der Bundesregierung, weitere Sitzungen in West-Berlin abzuhalten.
Am 21. Mai 1980 stürzte das südliche Außendach wegen Materialermüdung aufgrund von Bau- und Planungsmängeln ein.Jörg Schlaich, Karl Kordina, Hans-Jürgen Engell: Teileinsturz der Kongresshalle Berlin – Schadensursachen. Zusammenfassendes Gutachten. In: Beton- und Stahlbetonbau, 75, Nr. 12, 1980, S. 281–294, doi:10.1002/best.198000490, Bezugsquelle und researchgate.net (registrierungspflichtig). Der Umbau und die Sanierung dauerten von 1984 bis 1987. Am 9. Mai 1987 wurde der Bau zur 750-Jahr-Feier Berlins wiedereröffnet. In: HKW. Abgerufen am 14. Juni 2016. 2019 wurde eine umfassende Teilinstandsetzung beendet, die den Charakter der Totalsanierung des Jahres 1987 zu erhalten versuchte.
Für den 7. Oktober 2025 plante Jan Böhmermann ein Konzert, bei dem auch der Rapper Chefket auftreten sollte. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kritisierte den geplanten Auftritt, da er auf Fotos ein T-Shirt mit einem Motiv von Palästina ohne Israel trug und dieses Motiv anti-israelisch sei. Bei einem Gespräch von Böhmermann mit Weimer im HKW sagte Böhmermann „Wir hätten diese Veranstaltung an dem Tag, am 7. Oktober, niemals planen sollen“ und „Es war unklug und man hätte die jüdische Perspektive von vorneherein mitdenken sollen.“
Programme mini|Bühne des Auditoriums, 2012
Das Haus der Kulturen der Welt gliedert sich in drei Programmbereiche: Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft Bildende Kunst und Film Musik und Performing Arts
Das Haus der Kulturen der Welt richtet nicht nur eigene Veranstaltungen aus, sondern kooperiert mit nationalen und internationalen Universitäten, Museen und anderen kulturellen Einrichtungen.
Das Programm des Hauses der Kulturen der Welt ist auf die einmalige architektonische Struktur des Gebäudes ausgerichtet: Ausstellungshalle, Konzertsaal, Theater, Konferenzraum, Produktionsstätte für Wissen und Erlebnisse, Ausflugsziel, Architekturdenkmal, Akademie und eine feste Radiostation.
Von 1989 an sollte es dann zusätzlich zum deutsch-amerikanischen Schwerpunkt auch als Forum für nicht-westliche Kultur dienen, „eine Art Goethe-Institut mit umgekehrtem Vorzeichen.“ Und in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 59, 11. März 2016, S. 13. Viele der Verantwortlichen hatten davor an Goethe-Instituten gearbeitet und brachten nun das, was sie im Ausland gesehen hatten, nach Berlin, etwa im Programm China Avantgarde. Doch der deutsche Standpunkt wurde nicht hinterfragt.
Ab Mitte der 1990er Jahre organisierten nicht-europäische Kuratoren einen großen Teil des Programms. Nun begriff sich das Haus der Kulturen der Welt als Ort für „alle von der westlichen Kulturhegemonie an den Rand Gedrängten.“ Doch auch dieses Vorgehen, „eine Art umgekehrter Eurozentrismus“, erwies sich als problematisch.
mini|Verleihung des Europäischen Filmpreis 2026 Unter Scherers Intendanz wurde das Haus seit 2006 „von einem Forum für die postkoloniale Welt zu einem Thinktank der Zeitgenossenschaft umgebaut – und zu einer der ambitioniertesten Kulturinstitutionen Deutschlands.“ Sie „bewegt sich auf höchstem akademischem Niveau, ohne sich den akademischen Konventionen verpflichtet zu fühlen, sie zeigt Kunst, aber hat mit einem Museum nichts zu tun. Und sie kombiniert das eine mit dem anderen.“
Seit 2013 führt das Haus der Kulturen der Welt über mehrere Jahre angelegte Großprojekte jenseits der Grenzen von Fachdisziplinen mit einer Vielzahl von Formen und Medien durch: Ausstellungen, Konferenzen, Akademien, Workshops, Fotoprojekte, Installationen, Publikationen. Entstanden ist eine „Trilogie von Langzeitprojekten, die sich mit gravierenden gesellschaftlichen Transformationen beschäftigen.“ Das Anthropozän-Projekt setzte sich mit dem Erdzeitalter des Menschen und dessen Einwirkungen auf die Erde auseinander. Das auf vier Jahre angelegte Projekt 100 Jahre Gegenwart befasste sich von 2016 bis 2019 mit Veränderungen des Zeitbegriffs in einer beschleunigten Gesellschaft und historischen Utopien. Das Neue Alphabet widmet sich seit 2019 der Alphabetisierung und Digitalisierung der Welt.
Veranstaltungen Internationaler Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt – Literaturpreis für Autoren und Übersetzer, der seit 2009 vom Haus der Kulturen der Welt vergeben wird.
Literatur Hans-Georg Knopp, Johannes Odenthal (Hrsg.): The Third Body: Das Haus der Kulturen der Welt und die Performing Arts. Theater der Zeit, Berlin 2004, ISBN 3-934344-37-2. Bernd M. Scherer (Hrsg.): Das Haus. Die Kulturen. Die Welt. Berlin 2007, ISBN 3-89479-430-5. Nikolaus Bernau: Instandsetzung Haus der Kulturen der Welt in Berlin: Diskrete Arbeit am Mythos, In: Architektur in Hamburg: Jahrbuch 2019/20, Hrsg.: Hamburgische Architektenkammer. Hamburg 2019, ISBN 978-3-96060-512-6, S. 60–65. Werner Lorenz, Roland May, Hubert Staroste, unter Mitwirkung von Ines Prokop: Ingenieurbauführer Berlin. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2020, ISBN 978-3-7319-1029-9, S. 194–197.
Weblinks
Hauses der Kulturen der Welt Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH
Einzelnachweise
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