Oxyplumboroméit ist ein seltenes Mineral aus der Mineralklasse der Oxide und Hydroxide. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Pb2Sb2O6O, ist also ein Blei-Antimonat, dessen Y-Position hauptsächlich durch Sauerstoffionen besetzt ist.

Oxyplumboroméit kommt an seiner Typlokalität in Form von subidiomorphen, oktaedrischen Kristallen von < 0,4 mm Größe vor, die zu maximal 2 mm großen Aggregaten zusammentreten und eng mit weißem Calcit und rosafarbenem Leukophönicit vergesellschaftet sind.

Die Typlokalität des Oxyplumboroméits ist ein Tephroit-Skarn im Eisen-Mangan-Bergwerk „Harstigen“ („Harstigsgruvan“) () bei Pajsberg in der Gemeinde Filipstad, Provinz Värmlands län bzw. der historischen Provinz Värmland im zentralen Schweden.

Etymologie und Geschichte mini|links|Grauweiße bis bräunliche, faserige Oxyplumboroméit-Kristallbüschel auf einer Schlackenmatrix von der Schlackenhalde Letmathe, Iserlohn, Nordrhein-Westfalen, Sauerland Im Jahre 1865 wurde vom schwedischen Mineralogen Lars Johan Igelström (1822–1897) auf den Eisen-/Mangangruben von Harstigen bei Pajsberg, Schweden, ein Mineral entdeckt, welches er aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber chemischen Einflüssen nach dem en Wort μόυĭμος [monimos] für „beständig“ Monimolit nannte. Brian Mason und Charles J. Vitaliano zufolge handelte es sich bei diesem Monimolit um ein Blei-Antimonat mit geringfügiger Substitution von Blei durch andere Elemente. Sein Pulverdiagramm ist praktisch identisch mit dem des Bindheimits, wobei die einzelnen Linien aufgrund der perfekten Kristallinität besser definiert sind. Das Typmaterial für Monimolit wird in der Sammlung des Schwedischen Naturhistorischen Reichsmuseums aufbewahrt. Gustaf Flink und Adolf Erik Nordenskiöld haben weitere Monimolit-Stufen von der Typlokalität sowie anderen Fundorten (Långban, Schweden) untersucht.

Im Jahre 2010 wurde seitens der IMA eine neue Nomenklatur für die Minerale der neu definierten Pyrochlor-Obergruppe (Pyrochlor-Supergruppe) vorgelegt. Darin wurde festgelegt, dass das Pb-Sb-O-dominante Glied dieser Obergruppe als Oxyplumboroméit zu bezeichnen ist. Ferner wurde konstatiert, dass die „problematische“ Spezies Monimolit nahezu sicher identisch mit Oxyplumboroméit ist, was aber noch zu überprüfen war. Daniel Atencio und Kollegen sowie Christy und Atencio führten ferner aus, dass eine einfache Gleichsetzung von Monimolit (sowie Bindheimit) mit Oxyplumboroméit nicht möglich ist, da zu diesem Zeitpunkt eine Entscheidung darüber, ob es sich bei der Monimolit-Typstufe tatsächlich um Oxyplumboroméit handelt und ob das auf alle Monimolit-Stufen zutrifft, nicht möglich war.

Wenig später wurden die physikalischen, chemischen und strukturellen Eigenschaften von drei aus der Sammlung von Igelström stammenden, sich heute in der Sammlung des Naturhistorischen Reichsmuseums in Stockholm befindenden Monimolit-Stufen aus Harstigen mittels einer Kombination aus Mikrosondenanalysen, Röntgendiffraktometrie (Einkristall- und Pulverdiffraktion), FTIR-Spektroskopie und Mößbauerspektroskopie untersucht. Eine dieser Stufen, die mit dem von Igelström beschriebenen Monimolit am besten übereinstimmte, erwies sich als identisch mit Oxyplumboroméit im Sinne der neuen Nomenklatur der Pyrochlor-Obergruppe. Das neue Mineral wurde der International Mineralogical Association (IMA) vorgelegt, die es im Jahre 2013 unter der vorläufigen Bezeichnung IMA 2013-042 anerkannte. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung dieses Minerals erfolgte im Jahre 2013 durch ein schwedisch-italienisches Forscherteam mit Ulf Hålenius und Ferdinando Bosi im englischen Wissenschaftsmagazin Mineralogical Magazine. Die Autoren benannten das Mineral in Übereinstimmung mit der Nomenklatur der Pyrochlor-Obergruppe aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung mit einer durch Blei dominierten A-Position, durch Sb dominierten B-Position sowie durch O dominierten Y-Position als Oxyplumboroméit (). Konsequenterweise sollte der Name Monimolit durch die IMA diskreditiert werden.

Das Typmaterial für Oxyplumboroméit wird unter der Katalognummer g22779 in der Sammlung des Naturhistorischen Reichsmuseums in Stockholm, Schweden, aufbewahrt.

Roméit war ein 1841 durch Augustin Alexis Damour zu Ehren von Jean-Baptiste Romé de L’Isle, französischer Mineraloge und einer der Begründer der Kristallographie, benanntes Mineral, welches bei der Neudefinition der Nomenklatur der Pyrochlor-Obergruppe im Jahre 2010 diskreditiert wurde, da sich hinter seiner Zusammensetzung die neuen Minerale Fluornatroroméit, Fluorcalcioroméit und Oxycalcioroméit verbergen. Er ist gleichzeitig der Namensgeber für die Roméit-Untergruppe innerhalb der Pyrochlor-Obergruppe.

Klassifikation Die aktuelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Oxyplumboroméit zur Pyrochlor-Obergruppe mit der allgemeinen Formel A2–mB2X6–wY1–n, in der A, B, X und Y unterschiedliche Positionen in der Struktur der Minerale der Pyrochlor-Obergruppe mit A = Na, Ca, Sr, Pb2+, Sn2+, Sb3+, Y, U, □, oder H2O; B = Ta5+, Nb5+, Ti4+, Sb5+, W6+, Al3+ oder Mg2+; X = O, OH oder F und Y = OH−, F, O, □, H2O oder sehr große (>> 1,0 Å) einwertige Kationen wie K, Cs oder Rb repräsentieren. Zur Pyrochlor-Obergruppe gehören neben Oxyplumboroméit noch Fluorcalciomikrolith, Fluornatromikrolith, Hydrokenomikrolith, Hydroxycalciomikrolith, Hydroxykenomikrolith, Kenoplumbomikrolith, Oxynatromikrolith, Oxystannomikrolith, Oxystibiomikrolith, Cesiokenopyrochlor, Fluorcalciopyrochlor, Fluornatropyrochlor, Hydrokenopyrochlor, Hydropyrochlor, Hydroxycalciopyrochlor, Hydroxykenopyrochlor, Hydroxymanganopyrochlor, Hydroxynatropyrochlor, Oxycalciopyrochlor, Fluorcalcioroméit, Hydroxycalcioroméit, Hydroxyferroroméit, Oxycalcioroméit, Hydrokenoelsmoreit, Hydroxykenoelsmoreit, Fluornatrocoulsellit und Hydrokenoralstonit. Oxyplumboroméit bildet zusammen mit Fluorcalcioroméit, Hydroxycalcioroméit, Hydroxyferroroméit und Oxycalcioroméit innerhalb der Pyrochlor-Obergruppe die Roméitgruppe.

Da der Oxyplumboroméit erst 2013 als eigenständige Mineralart anerkannt wurde, ist er weder in der zuletzt 2009 aktualisierten 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik noch in der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/C.16-074. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3 (M2O3 und verwandte Verbindungen)“, wo Oxyplumboroméit zusammen mit Fluorcalcioroméit, Fluornatroroméit, Hydroxycalcioroméit und Oxycalcioroméit sowie den inzwischen diskreditierten (D) beziehungsweise als fraglich (Q) eingestuften Mineralen Argentoroméit (D), Bismutoroméit (Q), Bismutostibiconit (Q), Cuproroméit (D), Monimolit (D), Partzit (D), Stetefeldtit (D), Stibiconit (Q) und Stibioroméit (Q) eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/C.16 bildet.

Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation ordnet den Oxyplumboroméit in die Abteilung der „Metall : Sauerstoff = 1 : 2 und vergleichbare“ () und dort in die Unterabteilung „Mit großen (± mittelgroßen) Kationen; Lagen kantenverknüpfter Oktaeder“ () ein. Eine weitergehende Einordnung in eine Mineralgruppe wurde bisher nicht vorgenommen.

Chemismus Acht Mikrosondenanalysen an Oxyplumboroméit-Körnern von der Typlokalität lieferten Mittelwerte von 48,69 % Sb2O3; 0,00 % SiO2; 0,01 % Al2O3; 3,85 % Fe2O3; 8,46 % CaO; 1,06 % MnO; 0,23 % SrO; 0,01 % BaO; 35,82 % PbO; 0,24 % Na2O; 0,07 % SO3 und 0,05 % H2O (berechnet); Summe = 98,49 %. Auf der Basis von zwei Kationen auf der B-Position pro Formeleinheit wurde daraus die empirische Formel A(Pb0,92Ca0,87Mn0,09Sr0,01Na0,05)Σ=1,93B(Sb1,73Fe3+0,27)Σ=2,00X+Y[O6,64(OH)0,03]Σ=6,67 berechnet, die zur Formel für das Endglied Pb2Sb2O7 (bzw. Pb2Sb2O6O) vereinfacht wurde.

Das neben Oxyplumboroméit und den fraglichen Phasen Bindheimit, Pb2Sb2O6O und Taznit, Pb2Sb2O6O, einzige Mineral mit der Elementkombination Pb – Sb – O ist Rosiait, PbSb5+2O6.

Innerhalb der Pyrochlor-Obergruppe sind theoretisch durch die vier verschiedenen zu besetzenden Positionen eine Vielzahl von Substitutionsmöglichkeiten vorhanden. Oxyplumboroméit ist das Pb-dominante Analogon zum Ca-dominierten Oxycalcioroméit und zum Cu-dominierten, allerdings fraglichen Cuproroméit, Cu2Sb2(O,OH)7.

Bindheimit ist nicht identisch mit Monimolit, sondern aufgrund der wesentlich höheren Gehalte an H2O eher identisch mit dem als Mineral noch nicht beschriebenen Hydroxyplumboroméit. Konsequenterweise ist die generelle Annahme einer Identität von Bindheimit mit Oxyplumboroméit nicht gerechtfertigt.

Kristallstruktur mini|Kristallstruktur von Oxyplumboroméit als Kationen-zentrierte polyedrische Darstellung Oxyplumboroméit kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der mit dem Gitterparameter a = 10,3783 Å sowie acht Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Die Kristallstruktur des Oxyplumboroméits (vergleiche dazu die nebenstehende Strukturzeichnung) kann als dreidimensionales, für Vertreter der Pyrochlor-Obergruppe typisches Gerüst aus eckenverknüpften BO6-Oktaedern beschrieben werden, wobei in den Zwischenräumen dieses Gerüsts die A-Kationen sowie die Sauerstoffionen sitzen. Die achtfach koordinierte A-Position wird hauptsächlich durch Pb und untergeordnet auch durch Ca besetzt. Auf der oktaedrisch koordinierten B-Position sitzt neben Sb5+ untergeordnet auch Fe3+.

Oxyplumboroméit ist isotyp (isostrukturell) zu allen anderen in der kristallisierenden Vertretern der Pyrochlor-Obergruppe.

Eigenschaften

Morphologie Oxyplumboroméit bildet an seiner Typlokalität verrundete Aggregate aus subidiomorphen oktaedrischen Kristallen {111}, an denen die Oktaederflächen nur zum Teil entwickelt sind. Die < 0,4 mm großen Kristalle treten zu maximal 2 mm großen Aggregaten zusammen.

Gustaf Flink beschrieb hingegen den Monimolit in Form von zwei verschiedenen Typen (vergleiche dazu die nebenstehenden Kristallzeichnungen). Typus I bildet kleine, nur Millimeter große Kristalle mit dem Oktaeder als dominanter Form, an denen durch das Ikositetraeder {311} die Ecken modifiziert sind als Zuspitzung der Ecken. Die Kristalle sind idiomorph ausgebildet und scharfkantig und zeigen insbesondere auf den Oktaederflächen einen starken Glanz. Die Flächen von {311} glänzen gewöhnlich weniger stark und sind mit zahlreichen unregelmäßigen Vertiefungen auf der Oberfläche versehen. Trachtbestimmende Form der Kristalle des Typus II ist das Hexaeder {100}, wozu Oktaeder {111} und Rhombendodekaeder {110} treten können. Das Oktaeder befindet sich zuweilen mit dem Würfel im Gleichgewicht, während das Rhombendodekaeder meist nur sehr untergeordnet erscheint. Die Flächen des Würfels sind oft ziemlich stark gewölbt. Ein Teil der Kristalle ist nach einer der drei kristallographischen Achsen verlängert – und in der dadurch bestimmten Zone sind die Flächen von {100} und {110} gleich stark entwickelt, so dass scheinbar achtseitige Prismen auftreten. Die Kristalle des Typus II sind ähnlich groß wie die des Typus I und besitzen ebene und glänzende Oberflächen. Auch in derben Massen und als Überzug. Schließlich auch in Pseudomorphosen nach primären Pb-Sb-haltigen Mineralen wie z. B. Bournonit, PbCu[SbS3].

Physikalische und chemische Eigenschaften Die Kristalle des Oxyplumboroméits sind gelb bis bräunlichgelb, während Monimolit gelblich, bräunlichgrün oder dunkelbraun bis fast schwarz gefärbt ist und die Kristallflächen oft schöne bunte Anlauffarben aufweisen. Die Strichfarbe wird mit strohgelb bzw. zitronengelb oder zimtbraun angegeben.