Juliane von Herz (geb. Endler; * 1968 in Menden) ist eine deutsche Kunsthistorikerin mit Schwerpunkten in der Moderne, der Gegenwartskunst sowie in der italienischen Kunst des Mittelalters und der Renaissance. Sie arbeitet international als freischaffende Kuratorin, Beraterin, Autorin und Kritikerin auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst.
Leben und Wirken Nach einer Kindheit in Montreal und einer Schulzeit in mehreren Städten in Deutschland legte sie 1987 das Abitur ab und trat eine kaufmännische Ausbildung in der amerikanischen Werbeagentur Ogilvy & Mather an, wo sie anschließend als Texterin übernommen wurde. Ab 1989 studierte sie Kunstgeschichte, Politikwissenschaften und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, u. a. bei Hans Belting, und spezialisierte sich auf Skulptur, insbesondere im öffentlichen Raum. Forschungen über Renaissanceskulptur führten sie 1992 zu einem Auslandsjahr an die Universität Bologna mit einem Studium am Roberto-Longhi-Lehrstuhl. Sie schloss 1995 in Frankfurt am Main ihren Magister Artium mit einer Arbeit über „Herkulesskulpturen in der Skulptur der Renaissance“ bei Klaus Herding ab.
Im selben Jahr begann sie als Kunstbeauftragte in der Landesbank Hessen-Thüringen, entwickelte für die Bank ein konzernweites Konzept für eine internationale Sammlung junger Gegenwartskunst und baute sie bis 2003 weltweit an allen Standorten auf. Sie realisierte in-situ-Werke und Kunst-am-Bau-Projekten mit Künstlern wie Bill Viola und Franz Ackermann.
Seit 2003 ist Juliane von Herz freiberuflich tätig, entwickelt Kulturprojekte, kuratiert Ausstellungen, berät Institutionen, private und öffentliche Sammlungen, Kunst-am-Bau-Vorhaben sowie Künstlerinnen und Künstler. Im Jahr 2020 gründete sie die Gesellschaft Euphoria für Kunst im urbanen Raum. Dort arbeitet sie im interdisziplinären Team an der Schnittstelle von Stadtentwicklung, Architektur und Kunst im öffentlichen Raum. Seit 2003 realisiert sie mit EUPHORIA Ausstellungen und umfassende Auftragsprojekte im öffentlichen und sakralen Raum und arbeitete dabei mit Künstlern wie Jenny Holzer, Emeka Ogboh, Tim Etchells, Jeppe Hein und Jorinde Voigt zusammen.
Über drei Jahre hat Juliane von Herz auf dem Roßmarkt in der Innenstadt von Frankfurt am Main das temporäre Skulpturenprojekt „Rossmarkt hoch 3“ initiiert und realisiert, um den historischen und zentralen Stadtplatz wieder stärker im Bewusstsein der Zivilgesellschaft zu verankern. Wechselnde Künstler (2010: Tomás Saraceno; 2011: Tamara Grcic; 2012: gelitin) wurden von einer stadtübergreifenden Abiturientenjury des jeweiligen Jahrgangs gewählt, die für diese Aufgabe in ihrer Freizeit ausgebildet worden war. Das partizipatorische Projekt wurde von der Stadt und Stiftungen gefördert.
Neben ihrer Kuratorentätigkeit lehrt Juliane von Herz seit 2017 an den Kunsthistorischen Fakultäten der Universitäten in Mainz und Heidelberg, insbesondere zu Kunst im urbanen Raum, aber auch zur Erinnerungskultur. Seit 2014 berät sie regelmäßig Kunst-am-Bau-Wettbewerbe des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung.
Privates Juliane von Herz ist seit 2006 Mitglied der Polytechnischen Gesellschaft. Sie ist Mutter von drei Töchtern.
Publikationen Helaba Kunstgriffe. Sammlungskatalog. DuMont monte, Köln 2003, ISBN 3-8320-8851-2. Rossmarkt3 2010. Cloud Cities/Air-Port-City von Tomás Saraceno. Kerber, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-86678-487-1. Tamara Grcic „outside-here“. Kerber, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-86678-657-8. Emeka Ogboh, This Too Shall Passs, Kerber, 2021, ISBN 978-3-7356-0826-0
Kuratierte Ausstellungen und Projekte 1999: Sieben Tage sind eine Woche, Frankfurt am Main 2006: Heimweh, Gruppenausstellung, London, Großbritannien 2006, 2007: TRANSIT, Performance-Festivals im Stadtraum 2006–2007: Fine Art Fair, Frankfurt am Main 2007: Finding Neverland, Gruppenausstellung, Gstaad, Schweiz 2007: Off the Wall, Gruppenausstellung, New York City, Vereinigte Staaten 2007: Boxer, Gruppenausstellung mit 28 Städelkünstlern, Literaturhaus, Frankfurt am MainAusstellung Boxer. In: literaturhaus-frankfurt.de. Literaturhaus Frankfurt, 11. Juli 2008, abgerufen am 26. Oktober 2018. 2008–2010: La Maison Jaune, Organisatorin des Residence-Programms, Gstaad, Schweiz 2009–2013: Rossmarkt3, internationales Skulpturenprojekt, Frankfurt am Main 2010: Day of Light, Auftragsarbeit von Hannah Starkey für die EKHN-Stiftung, Katharinenkirche, Frankfurt am Main 2017: New Citizens, 2017, Frankfurt am MainMarie-Sophie Adeoso: Flüchtlingsbilder zieren Fassaden. In: Frankfurter Rundschau. 26. April 2017, abgerufen am 26. Oktober 2018. 2021: THIS TOO SHALL PASS, Emeka Ogboh, Soundprojekt für den öffentlichen Raum Frankfurt am Main 2022: Tim Etchells, From The Other Side, dauerhafte Lichtinstallation, Deutzer Hafen, Köln 2024: Jeppe Hein, Entangled Emotions, Installation, Skyper-Vorplatz, Frankfurt am Main 2025: Jorinde Voigt: Folded Time, Auftragswerk Lobby Tower 1, FOUR, Frankfurt am Main
Literatur Frankfurter Gesichter: Juliane von Herz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 246, 22. Oktober 2011, S. 46.
Weblinks Juliane von Herz bei euphoria-art.de
Matthias Arning: Tomás Saraceno entwirft Skulptur für den Platz. In: Frankfurter Rundschau. 29. April 2010 Niklas Maak: Glitzerding am Straßenrand. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Januar 2011 Elena Müller: Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum. In: Frankfurter Rundschau. 14. November 2012 Kevin Hanschke: Bald sind wir aber Gesang. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. Juli 2021 www.thistooshallpass.site
Einzelnachweise
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