mini|Die Schachtanlage Nordstern in Gelsenkirchen nach Stilllegung und Umbau als Bürokomplex, 2007

Mit Ruhrbergbau wird der Steinkohlen- und Erzbergbau im Ruhrgebiet bezeichnet, der auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken kann.

Aktuell (Stand: Juli 2026) wird nur noch Steinsalz im Salzbergwerk Borth am Rand des Ruhrgebietes gefördert.

Geologie mini|Freiliegendes Kohlenflöz im rückwärtigen Teil der Zeche Nachtigall in Witten mini|Eisenführende Quellen im südlichen Dortmund

Bereits zu Beginn der Gebirgsbildung (variszische Orogenese) vor 400 bis 300 Millionen Jahren war im Süden des heutigen Ruhrgebiets während der Devon- und Karbonzeit an tektonischen Störungen Magma aufgestiegen, wodurch Erz-Lagerstätten entstanden.

Gleichzeitig setzte nördlich des Hochgebirges eine Absenkung ein. Dort wechselte die Landschaft über Millionen von Jahren hinweg immer wieder zwischen einem flachen Meer, der Entstehung von Flussdeltas und der Verlandung durch erodierte Sedimente aus dem Hochgebirge. Dabei entstanden im feucht-warmen Klima des Karbons ausgedehnte Moore, die durch Sedimente überschichtet wurden und so die Inkohlung des pflanzlichen Materials bewirkten. Bis zur heutigen Tiefe von etwa 3000 Metern entstanden so hunderte kohleführender Schichten, von denen etwa 75 Flöze abbauwürdige Stärken von einem bis maximal drei Metern erreichen. Durch die Absenkung fallen heute die flözführenden Schichten mit etwa sechs Grad nach Norden hin ein. So reicht am Südrand des Ruhrgebietes bei Witten die Kohle bis an die Erdoberfläche, während sie beispielsweise bei Marl am Nordrand des Ruhrgebietes etwa 700 Meter tief liegt.

Erzbergbau In den Erzlagerstätten des Ruhrgebietes wurden Eisenerze wie Roteisenerz, Toneisenstein und Raseneisenstein, aber vor allem Kohleneisenstein, (sogenannter Black Band) für die Stahlherstellung abgebaut. Daneben wurden in geringen Mengen auch andere Erze wie Schwefelkies, Kobalt, Blei, Zink, Silber und Kupfer gewonnen.

Auf der Zeche Auguste Victoria in Marl wurden 1930 im „William-Köhler-Gang“ Blei-Zink-Erzvorkommen entdeckt.Friedrich Stolze: Die Mineralien im Blei-Zink-Erzgang der Zeche Auguste Victoria in Marl. Diss., Bergakademie Clausthal, Fakultät für Bergbau und Hüttenwesen, 1960, S. 84–86. Sie wurden ab 1938, zunächst in geringem Umfang, abgebaut.Hans Rechenberg: Der William-Köhler-Gang. Geologische und mineralogisch-lagerstättenkundliche Beschreibung der Blei-Zinkerzlagerstätte der Zeche Auguste Victoria in Hüls bei Recklinghausen. Diss., Technische Universität Berlin, 1950, S. 2–3. In den 1950er Jahren wurden dort etwa 20 % der in Deutschland gewonnenen Blei-Zink-Silber-Erze gefördert. 1956 förderten die 1478 Beschäftigen des Erzabbaubetriebes der Zeche Auguste Victoria 349.000 Tonnen Erz.Zeche Auguste-Victoria im Portal „Mineralienatlas – Fossilienatlas“, abgerufen am 9. Dezember 2025. 1962 wurde der Abbau eingestellt, nachdem er unwirtschaftlich geworden war.

Steinsalz Bei Probebohrungen nach Kohle wurde 1897 in Borth (heute Teil von Rheinberg) am Rande des heutigen RVR ein großes Salzvorkommen gefunden. Dieses wird seit 1924 auch unter Tage abgebaut. Das Salzbergwerk Borth ist heute das größte Salzbergwerk in Europa und das letzte Bergwerk im Ruhrgebiet.

Steinkohlenbergbau Geschichte Belegschaftszahlen im Ruhrbergbau Jahr Belegschaft Förderung in Mio. t 1820 3.556 0,41 1830 4.457 0,549 1840 8.945 0,96 1850 12.741 1,96 1860 28.657 4,3 1865 42.450 9,3 1870 50.749 11,8 1875 83.134 17,0 1880 80.309 22,5 1885 102.292 29,0 1890 127.794 35,5 1895 154.702 41,3 1900 228.593 60,1 1905 273.184 66,7 1910 353.347 89,1 1912 374.041 102.8 1913 444.406 114,2 1915 295.993 86,5 1918 350.282 95.7 1920 473.468 88.1 1923 42 1925 459.876 104.3 1927 118,0 1929 123,6 1931 85,6 1932 221.096 73.2 1934 90,4 1936 107,5 1938 355.084 127.2 1940 355.084129,2 1942 128,5 1943127,5 1944 110,8 1945 276.192 33,3 1948 401.671 81.1 1953 480.806 115.5 1956 484.986 124.6 1957 123,2 1960 408.049 115,4 1965 316.114 90 1970 198.943 91,1 1975 161.113 75,9 1980 141.808 69,1 1985 125.824 64 1990 100.949 54,6 1995 72.483 41,6 1997 37,2 2000 48.679 25,9 2002 26 2008 14,5 mini|Tagebau (Zeche Carthäuserloch) mini|Replik eines der Fahrzeuge des Rauendahler Schiebeweges mini|Kohlefelder, Flöze und Stollen in Kirchhörde um 1868 mini|Ein Erbstollen am Bergbauwanderweg Muttental in Witten mini|Beschäftigte und Kohleförderung im Ruhrbergbau 1820–2000

Die Anfänge Der Steinkohlensage nach fand ein Junge in der Gegend von Witten, Sprockhövel oder Wetter beim Schweinehüten glühende schwarze Steine in einer Feuerstelle. Im 13. Jahrhundert wurde bereits an zahlreichen Orten im südlichen Bereich des heutigen Ruhrgebietes, von Mülheim an der Ruhr bis in die Gegend von Unna, Steinkohle abgebaut,Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 2005. 3. Aufl. Bochum 2006, S. 12. üblicherweise in einfachen Grabelöchern (Pingen). Die Schwerpunkte dieses frühen Steinkohlenbergbaues lagen im Raum Witten-Sprockhövel-Haßlinghausen, wo die Kohlenflöze bis an die Tagesoberfläche reichen. Anfänglich kohlten die Bauern vornehmlich für den Eigenbedarf. Der Kohleabbau erfolgte, soweit die landwirtschaftlichen Tätigkeiten dies zuließen.

Dieses freie Kohlengraben konnte sich solange erhalten, bis die Grundherren die wirtschaftliche Nutzung des Rohstoffes erkannten. Karl der Große überzog sein Reichsgebiet mit Burgen und Festungen und setzte Dienstmänner (Ministralen) ein, die das Gebiet sichern sollten. Die Bauern mussten den Landesherren Naturalabgaben leisten und als die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Ausbeutung der Kohle erkannt wurden, wurde den Bauern das freie Kohlen untersagt. Im Rahmen des Bergregals wurde der Bodenschatz unter das Eigentum der Herrschenden gestellt. Der Kohleabbau erfolgte in Regie der Herrschenden oder den Bauern wurde ein Abbau zugestanden, wobei aber ein großer Anteil der gewonnenen Kohle dem Landesherrn abgeliefert werden musste.

Aufgrund der räumlichen Nähe zu den wichtigen Abnehmern in Schwelm, Ennepetal, Hagen und dem Wupperraum sind die Keimzellen des Ruhrbergbaues in Sprockhövel und Wetter zu suchen. Diese Pingen wurden solange betrieben, bis das aufsteigende Grundwasser eine weitere Kohlegewinnung verhinderte.

Urkundlich ist ein erster Kohlenbergbau für Dortmund im Jahre 1296 bei Haus Schüren belegt. Die hier gewonnene Kohle wurde vor allem von den Salzsiedereien in Unna (siehe Saline Königsborn) abgenommen. Im Jahre 1439 erteilte Adolf II. von Berg dem Johann Schüren das Kohleprivileg. Die Kohle wurde in Schmieden oder als Hausbrand genutzt.

Der ungeregelte Kohleabbau hatte erhebliche Flurschäden zur Folge, und es gab erste Reglementierungsversuche im 16. Jahrhundert, die aber wenig erfolgreich waren. Neben dem freien Graben wurde bereits im Spätmittelalter Stollenbergbau betrieben, bei dem auf mehreren Sohlen Kohle abgebaut wurde. Die Sohlen waren durch Schächte mit rechteckigem Querschnitt verbunden. 1547 wird der Bergbau in Schee bei Sprockhövel erstmals urkundlich erwähnt. Für etwa 1552 ist ein Stollen am Schlebusch in Wetter belegt. 1566 bildete sich die erste Bergbaugenossenschaft in Bredeney.

Um 1700 gab es schon das Schießen, das Sprengen mit Schwarzpulver. Eine Liste aus dem Jahre 1737 verzeichnete 105 Zechen mit zusammen 688 Bergleuten in der Grafschaft Mark.

Direktionsprinzip Im Auftrag des „General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domainen-Directoriums“ wurden 1734/35 Berichte über den Kohlenbergbau in der Grafschaft Mark erstellt. Zur Sicherung der Steuereinnahmen durch den Kohlenabbau zielte die Politik des preußischen Staates darauf ab, weitgehenden Einfluss auf die Kohlengewinnung zu nehmen. So wurde die Eröffnung und Schließung von Bergwerken durch staatliche Behörden bestimmt. Die Betriebsführung und die Entlohnung wurden von dem Staat vorgegeben. Diese Form der staatlichen Reglementierung wird als Direktionsprinzip bezeichnet. Für die Verwaltung wurden Bergämter an den Förderstandorten aufgebaut und Bergverordnungen regelten den Betrieb der Zechen. Im Jahre 1738 wurde das Märkische Bergamt in Bochum eröffnet. Die ersten Markscheider nahmen ihre Tätigkeit in der Grafschaft Mark auf. Großmaßstäbliche Kartenwerke fertigten der Markscheider und Bergamtsleiter Johann Friedrich Niemeyer (1759–1814) und Johann Ehrenfried Honigmann (1775–1855) an.

Kurze Zeit vor dem Siebenjährigen Krieg beauftragte König Friedrich II. im Jahre 1755 Ludwig Philipp Freiherr vom Hagen und Johann Friedrich Heintzmann mit der Inspektion des Ruhrbergbaus und erließ am 29. April 1766 die Revidirte Bergordnung für das Herzogtum Cleve, das Fürstentum Meurs und die Grafschaft Mark, weil er dessen Bedeutung für die Kriegsindustrie und den Merkantilismus erkannt hatte.

In den Anfängen wurden die an der Tagesoberfläche liegenden Flöze durch Grabungen soweit abgebaut, bis das Grundwasser in die Vertiefungen eindrang. Im 17. Jahrhundert ging man zur gezielten Kohlengewinnung in Form des Stollenbergbaus über. Die Stollen wurden in Taleinschnitten, meistens Flusstälern, in den Berg getrieben, um so die Kohle oberhalb des Stollenmundloches abbauen zu können. An der tiefsten Stelle wurde ein Stollen mit stetigem Gefälle zum Mundloch in den Berg getrieben, der die Funktion hatte, das Grubenwasser an der tiefstmöglichen Stelle abzuführen. Diese Stollen wurden Erbstollen genannt; dem Besitzer dieses Erbstollens musste ein gewisser Anteil der Kohle abgeführt werden, die in dem Entwässerungsbereich gewonnen wurde. An der Ruhr sind im Bereich von Witten und Bochum noch Erbstollen erhalten. Die Mundlöcher dieser Erbstollen liegen nur wenig über dem Niveau des Flusses. Im Muttental (Witten) sind die übertägigen Bauwerke einiger Stollenzechen restauriert worden (Bergbauwanderweg Muttental). Im Jahr 1754 gab es in Bochum 20 Zechen mit einer Gesamtbelegschaft von 114 Personen, so dass dem Bergbau zu der Zeit noch keine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung zukam.

Besonderen Einfluss nahm Freiherr vom Stein, der 1784 zum Direktor des Märkischen Bergamtes bestellt wurde, auf die politischen Randbedingungen für den Bergbau. Er unternahm ausgiebige Reisen in die heimischen und ausländischen Bergbaureviere. So ging die Verschärfung des Direktionsprinzips durch die revidierte Clever-Märkische Bergordnung auf seine Vorschläge zurück. Sie führte zu einer Straffung des Rechnungswesens und einer gemeinschaftlichen Verwaltung der Betriebe mit Obersteigern und Oberschichtmeistern. Einfluss hatte Freiherr vom Stein auf den Einsatz der Dampfmaschine, die Verbesserung des Markscheidewesens und auf die Anwendung neuer Abbauverfahren.