mini|Reste des U-Boot-Bunkers Bordeaux (im Jahre 2009) Der U-Boot-Bunker BordeauxDeutscher U-Boot-Bunker als Attraktion. n-tv.de () war eine geschützte U-Boot-Basis der deutschen Kriegsmarine und der italienischen Regia Marina im Zweiten Weltkrieg im südfranzösischen Bordeaux. Die italienischen U-Boote operierten dabei in Zusammenarbeit mit dem deutschen U-Boot-Kommando unter Karl Dönitz.
Der Aufbau der Basis mini|Das in Bordeaux stationierte italienische U-Boot Barbarigo Nach dem italienischen Eintritt in den Krieg und dem Fall Frankreichs errichtete die italienische Marine einen U-Boot-Stützpunkt in Bordeaux, der innerhalb der deutschen Besatzungszone lag. Im August 1940 begann der Aufbau der italienischen Atlantikbasis; ab September 1940 wurde der Stützpunkt von italienischen U-Booten genutzt. Den Italienern wurde ein Operationsbereich innerhalb des Atlantiks zugeteilt. Das erbeutete französische Passagierschiff De Grasse wurde als Unterkunfts- und Stützpunktschiff für BETASOM verwendet.
Admiral Angelo Parona kommandierte die italienischen U-Boote der BETASOM-Mission; ihre Einsätze wurden mit dem deutschen U-Boot-Kommando abgestimmt. BETASOM war die gebräuchliche Kurzbezeichnung für das italienische U-Boot-Kommando in Bordeaux. Der Name leitete sich aus Beta für Bordeaux beziehungsweise Base und Som für („U-Boote“) ab.
Insgesamt operierten 32 italienische U-Boote von Bordeaux aus. Für die italienischen Boote standen Hafen- und Versorgungseinrichtungen zur Verfügung.
Der Bunkerbau Aufgrund der zunehmenden Bedrohung der Basis durch alliierte Luftangriffe wurde 1941 die Errichtung eines geschützten U-Boot-Bunkers für die Basis in Bordeaux begonnen. Der Bau begann im September 1941. An den Bauarbeiten waren rund 6500 Arbeiter beteiligt, darunter zahlreiche ausländische Zwangsarbeiter und spanische Republikaner.
Der Bunker wurde aus Stahlbeton errichtet. Er ist etwa 245 m lang, 162 m breit und 20 m hoch. Die Wände sind bis zu 6 m stark; nach mehreren Verstärkungen war das Dach mehr als 7 m stark. Einschließlich der zusätzlichen Schutzkonstruktion erreichte der Dachaufbau stellenweise etwa 9 m. Der Bunker besitzt elf U-Boot-Boxen, davon vier Wasserbecken und sieben trockenlegbare Boxen, und konnte bis zu 15 große U-Boote aufnehmen.
Am 15. Oktober 1942 wurde die deutsche 12. U-Boot-Flottille in Bordeaux von der Kriegsmarine unter dem Kommando von Korvettenkapitän Klaus Scholtz aufgestellt. Die ersten deutschen U-Boote trafen im Januar 1943 an der noch im Bau befindlichen Anlage ein. Der Bunker wurde am 13. Mai 1943 eingeweiht.
Das Ende der Nutzung des Bunkers im Zweiten Weltkrieg Die Hafenanlagen von Bordeaux waren mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe. Bei einem amerikanischen Luftangriff am 17. Mai 1943 wurden die Hafenanlagen schwer beschädigt; dabei kamen nach Angaben der Stadt Bordeaux 195 französische Zivilisten ums Leben und 272 wurden verletzt.
Die Basis wurde zudem indirekt von der britisch-frei-französischen Operation Josephine B im Juni 1941 getroffen. Dabei handelte es sich nicht um einen Luftangriff, sondern um eine Sabotageaktion gegen ein Umspannwerk bei Pessac, das unter anderem die Hafenanlagen mit Strom versorgte.Foot, M.R.D. (1966). SOE in France. HMSO. S. 157–159.
Die restlichen italienischen BETASOM-Boote beendeten ihre regulären Atlantikeinsätze im Jahr 1943. Sieben U-Boote wurden für Transportaufgaben zwischen Europa und Fernost umgebaut oder für einen solchen Umbau vorgesehen: Alpino Attilio Bagnolini, Agostino Barbarigo, Comandante Alfredo Cappellini, Giuseppe Finzi, Reginaldo Giuliani, Enrico Tazzoli und Luigi Torelli. Tazzoli und Barbarigo gingen auf ihren Transportfahrten verloren. Cappellini, Giuliani und Torelli erreichten Fernost und wurden nach dem italienischen Waffenstillstand im September 1943 zunächst beschlagnahmt und später von der deutschen Kriegsmarine übernommen. Bagnolini und Finzi befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch in Bordeaux und wurden ebenfalls von den Deutschen übernommen.
Nach dem italienischen Waffenstillstand im September 1943 wurde der italienische Teil der Basis von den Deutschen übernommen. Ein Teil des italienischen Personals setzte den Krieg auf deutscher Seite fort.
mini|Der Bunker heute (Vorderansicht der Einfahrtsboxen) Zu den letzten deutschen U-Booten, die Bordeaux verließen, gehörten U 534 und U 857. Beide liefen am 25. August 1944 gemeinsam aus Bordeaux aus. Die deutsche Besatzung gab die U-Boot-Basis am 26. August 1944 auf.
Nachkriegsnutzung des U-Bootbunkers Der Bunker blieb nach dem Krieg weitgehend erhalten. Er wurde zunächst von der französischen Marine übernommen und am 6. Juni 1945 an den Hafen von Bordeaux übergeben. Von den 1960er Jahren bis zum Ende der 1990er Jahre nutzten verschiedene Unternehmen Teile des Gebäudes.
Seit 1999 wird die ehemalige U-Boot-Basis auch für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt. Im Jahr 2020 wurden die U-Boot-Boxen 1 bis 4 unter dem Namen Bassins des Lumières als Zentrum für digitale und immersive Kunstausstellungen eröffnet.
Literatur
Lars Hellwinkel: Hitlers Tor zum Atlantik – Die deutschen Marinestützpunkte in Frankreich 1940–1945. Ch. Links Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-672-7. Janusz Piekałkiewicz: Sea War: 1939–1945. Blandford Press, London – New York 1987, ISBN 0-7137-1665-7. Cristiano D’Adamo: The Bombardments of Bordeaux and the Italian submarine base "BETASOM". REGIAMARINA, 1996–2007. Foot, M.R.D. (1966): SOE in France. HMSO. S. 157–159. Alberto Rosselli: Italian Submarines and Surface Vessels in the Far East: 1940–1945. Comando Supremo. Clay Blair: Hitler's U-boat War: The Hunters, 1939–1942.
Weblinks
Einzelnachweise
Bordeaux Kategorie:Bunker in Frankreich Kategorie:Ehemaliger Marinestützpunkt Kategorie:U-Boot-Krieg im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Verkehrsbauwerk in Bordeaux Kategorie:Landeinrichtung der Kriegsmarine Kategorie:Bunker im Nationalsozialismus Kategorie:Erbaut 1943 Kategorie:Marinestützpunkt (Frankreich)