mini|Rotfuchs- und andere Felle in der Lohgerberei Naumann in Leipzig (1912) Köpfe, vor allem aber Oberköpfe, war die in der deutschsprachigen Pelzbranche gebräuchliche Bewertung und Bezeichnung der ausgesucht guten und auch größten Felle einer Art.Resultate der Wildwaren-Auktion der Tierhaarverwertung Mucrena, Leipzig. In: Der Rauchwarenmarkt. 25. Januar 1922, Nr. 20, S. 2. 1914 hieß es auch für die feinsten, aus der Bucharei kommenden Karakulfelle („Persianer“), dass „der Handel sie als Köpfe bezeichnet, und welche der Kürschner wegen der schönen Lockung für die teuersten Kragen und Muffen verarbeitet“.H. Werner: Die Kürschnerkunst. Verlag Bernh. Friedr. Voigt, Leipzig 1914, S. 101.

Die inzwischen kaum noch benutzte benutzten Begriffe Köpfe, Oberköpfe und auch Unterköpfe wurden vor allem bei Marderfellen, aber auch bei Iltisfellen, Fuchsfellen, Bisamfellen und Kaninfellen verwendet. In den deutschen Auktionsberichten wurden sie besonders aufgeführt und bewertet, wie: Baummarder, Oberköpfe usw. Die Kanin-Handelsgesellschaft in Leipzig bot bei Kaninfellen unter der Sorte Ia an, den sogenannten Oberköpfen: Extra große Felle, mit weißem Leder, gut behandelt. Zumindest in Russland waren im Handel russischsprachig die gleichen Begriffe gebräuchlich.Auskunft des Rauchwarenhändlers Klaus-Dieter Ribak, Frankfurt am Main, 25. Oktober 2018.

Als Oberköpfe Ostpreußen wurden laut einem Pelzlexikon die größten und qualitativ wertvollsten ostpreußischen Edelmarderfelle gehandelt. Jedoch wurden auch Rotfuchsfelle unter der Bezeichnung Oberköpfe Ostpreußen angeboten. Um die Jahre 1928/1929 notierten am Leipziger Rauchwarenmarkt: Ostpreußen prima für 27,50 bis 45 Mark; Gebirgsfüchse-Oberköpfe für 50 bis 65 Mark.

Beispielsweise war das deutsche Fuchssortiment wie folgt aufgeteilt:Franz Sachse: Die Fellproduktion auf dem Weltmarkt (allgemeine Erklärung der Sorten). Dissertation der Handels-Hochschule Leipzig, 1938, S. 8–9. Bezeichnung Beschreibung Oberköpfe = Selected (ausgesuchte Ware) Prima weißledrige = I. Sorte; einwandfrei Prima grünledrige = I. Sorte, leicht grünledrig Dreiviertel = II. Sorte; grünledrig (Übergang) Halb = III. Sorte Viertel = IV. Sorte Schwarten = Flache Sommerfelle Leicht beschädigte Beschädigte Schuss

An russischen Karakulfellen wurden vor dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) im Herkunftsland als Hauptsorten angeboten: Handelsbezeichnung Beschreibung Golowka = Köpfe Jacknetny = Oberköpfe Schapaschny = Mützenware Flora = Oberoberköpfe, als die allerbestenHermann Philippsberg: Die Rauchwaren-Messe in Nishnij-Nowgorod und ihre Beziehungen zum Leipziger Rauchwaren-Handel bis zum Ausbruch des Weltkriegs. In: Die Pelzkonfektion. Nr. 1, Berlin, Januar 1926, S. 74. Der Rauchwarenhändler Paul Thorer schrieb dazu 1912:

Um 1928/29 notierten am Leipziger Rauchwarenmarkt per Stück: Rohe Baummarderfelle: Qualität prima 75,- bis 120,- Mark, Oberköpfe 120,- bis 160,- Mark Rohe Steinmarderfelle: prima 60,- bis 75,- Mark, Oberköpfe 70,- bis 85,- Mark.

Da auf der Pelzmesse im russischen Irbit die Zobelfelle nicht nach Qualitäten aussortiert verkauft wurden, musste der Interessent allerfeinster Partien zusammen mit den Oberköpfen häufig mehrere hundert Stück mittlere und gewöhnliche Qualitäten erstehen. Von 300 Fellen waren vielleicht nur 30 bis 50 prima Ware. Trotzdem galt der Kauf eines derartigen Sortiments auf dem Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl „als große Errungenschaft“, selbst wenn beim Verkauf nur ein kleiner Nutzen erzielt werden konnte. Der Leipziger Händler war stolz, mit so feiner Ware zur Ostermesse aufwarten zu können.Paul Schöps: Der deutsch-russische Rauchwarenhandel vor dem Weltkriege. In: Der Rauchwarenmarkt. Nr. 13, 15. Februar 1933, Leipzig.

Walter Grigull erinnerte sich 1983 an seine Zeit als junger Förster in Ostpreußen:

Marginalien In Hamburg bestand im Jahr 1979 seit über 25 Jahren der Pelzbranchen-Kegelklub „Oberköppe“ mit 22 Mitgliedern, „eine gesunde Mischung von Branchenangehörigen sächsischen und hanseatischen Geblütes“.Gustav A. Demuth: Sehr geehrter Herr Winckelmann. In Winckelmann Pelzmarkt Nr. 516, 16. November 1979, S. 17.

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Einzelnachweise Kurt Nestler: Rauchwaren- und Pelzhandel. Dr. Max Jänecke Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1929, S. 105–106.

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