mini|Taufe eines Soldaten durch US-Militärpfarrer im Jordan (2008) Die Ganzkörpertaufe ist die ursprüngliche Form der christlichen Taufe. Sie wird durch Untertauchen (Immersionstaufe) oder durch Übergießen (Infusionstaufe) vollzogen.
Orthodoxe Kirchen und viele Freikirchen praktizieren die Ganzkörpertaufe.
In der römisch-katholischen Kirche und den evangelischen Landeskirchen war sie in der Frühen Neuzeit ungebräuchlich geworden, ist aber heute wieder möglich. Der Regelfall ist in diesen Kirchen aber weiterhin eine reduzierte Form der Infusionstaufe: Wasser fließt hörbar und sichtbar, aber nur wenig Wasser gelangt auf den Kopf des Täuflings.
Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Wasserhandlung, die nur eine Sequenz des gesamten Taufrituals ist.
Ganzkörpertaufe im Neuen Testament mini|Taufe Christi (byzantinisches Mosaik, 11. Jahrhundert, Kloster Dafni) Dass die Taufe in der Urgemeinde durch Untertauchen vollzogen wurde, geht besonders deutlich aus hervor: Der Getaufte hat im Wasser untertauchend Anteil am Sterben und aus dem Wasser auftauchend Anteil an der Auferstehung Jesu Christi. Durch den Akt der Taufe entsteht eine Art Schicksalsgemeinschaft mit Jesus. Ulrich Wilckens kommentierte: Bei der Taufe durch Untertauchen mache der Mensch die elementare Erfahrung, hilflos in der Wasserflut zu versinken und angewiesen zu sein auf Hilfe und Rettung; „und die Erfahrung der Taufe als der Wirklichkeit dieser Rettung wird dann zum Grund eines das ganze Leben bestimmenden Urvertrauens in die göttliche Rettungskraft, die mitten in aller hilflosen Angst diese überwindet.“
Die Taufe durch Untertauchen blieb lange die Normalform des Taufvollzuges, allerdings zeigt die Bestimmung in der Didache, dass bereits am Ende des 1. Jahrhunderts auch der Vollzug durch Übergiessen des Kopfes mit Wasser vorkam.Bezüglich der Taufe haltet es so: Wenn ihr all das Vorhergehende gesagt habt, „taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“1 in fließendem Wasser. 2. Wenn du aber kein fließendes Wasser hast, dann taufe in einem anderen Wasser; S. 11 wenn du es nicht in kaltem tun kannst, tue es im warmen. 3. Wenn du beides nicht hast, gieße dreimal Wasser auf den Kopf „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“2. 4. Vor der Taufe soll fasten der Taufende, der Täufling und wer sonst kann; den Täufling lasse ein oder zwei Tage zuvor fasten. Didache Didache - Lehre der Apostel cap. 7
Tauforte in der Natur mini|Moderne orthodoxe Taufstätte in Philippi, an der Stelle, wo Paulus der Tradition nach die Lydia taufte Antike Das Christentum hat seinen Ursprung im östlichen Mittelmeerraum, wo ein Bad im kalten Wasser von den klimatischen Bedingungen her einen belebenden und erfrischenden Aspekt hat. In der Urgemeinde wurde in „lebendigem Wasser“ getauft. In der Didache ist folgendes zur Taufpraxis festgehalten: Bezüglich der Taufe haltet es so: Wenn ihr all das Vorhergehende gesagt habt, „taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ in fließendem Wasser. Wenn du aber kein fließendes Wasser hast, dann taufe in einem anderen Wasser; wenn du es nicht in kaltem tun kannst, tue es im warmen. Wenn du beides nicht hast, gieße dreimal Wasser auf den Kopf „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Vor der Taufe soll fasten der Taufende, der Täufling und wer sonst kann; den Täufling lasse ein oder zwei Tage zuvor fasten.Didache 7,1-4; Übersetzung: Bibliothek der Kirchenväter (online) Laut Christian Strecker wurde der Täufling entweder dreimal untergetaucht, oder er stand im niedrigen Wasser und sein Kopf wurde dreimal mit Wasser übergossen.Christian Strecker: Taufrituale im frühen Christentum und in der Alten Kirche. Historische und ritualwissenschaftliche Perspektiven. In: David Hellholm, Tor Vegge, Øyvind Norderval, Christer Hellholm: Ablution, Initiation, and Baptism: Late Antiquity, Early Judaism, and Early Christianity (= Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und für die Kunde der älteren Kirche. Band 176). De Gruyter, Berlin / Boston 2011, S. 1383–1440, hier S. 1391.
Justin formulierte im 2. Jahrhundert, die Täuflinge würden „an einen Ort geführt, wo Wasser ist, und werden neu geboren in einer Art von Wiedergeburt …; denn im Namen Gottes, des Vaters und Herrn aller Dinge, und im Namen unseres Heilandes Jesus Christus und des Heiligen Geistes nehmen sie alsdann im Wasser ein Bad.“ (Erste Apologie, 61: Die Taufe)
Der Barnabasbrief (11,11) erwähnt, dass sie ins Taufwasser hinab- und wieder hinaufstiegen.
Tertullian zufolge machte es keinen Unterschied, wo jemand getauft wurde: Es sei unwichtig, „ob jemand im Meere oder in einem Sumpfe, in einem Flusse oder in einer Quelle, in einem See oder in einem Wasserbecken (in alveo) abgewaschen wird, und es ist kein Unterschied zwischen denen, welche Johannes im Jordan, und denen, welche Petrus im Tiber getauft hat.“ (De baptismo, IV,3)
Frühmittelalter mini|Taufe der Bevölkerung von Kiew im Dnepr (Gemälde von Klawdij Wassiljewitsch Lebedew, um 1900) Im 8. Jahrhundert griff Bonifatius bei seiner Mission auf die Anfangszeit des Christentums zurück. Er taufte Erwachsene durch Untertauchen in Flüssen. Im Jahr 988 fand eine Massentaufe der Kiewer Rus im Dnepr statt.
Otto von Bamberg ließ bei der Missionierung von Pommern im 12. Jahrhundert drei große Fässer eingraben und darüber je ein Zelt errichten, da die Menschen unbekleidet getauft wurden.
Neuzeit
Täuferbewegung Die Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts wollte die urchristliche Gläubigentaufe zurückgewinnen, die äußere Form der Taufhandlung war weniger wichtig. Der Kopf der knienden Person wurde mit Wasser besprengt oder übergossen. Menno Simons beispielsweise erwähnte, dass die Taufe mit „einer Handvoll Wasser“ ausgeführt wurde.
Konrad Grebel und sein Kreis Die Immersionstaufe war eine Besonderheit der frühen Schweizer Täuferbewegung. Konrad Grebel taufte Wolfgang Ulimann, indem er ihn auf dessen Wunsch hin 1525 nahe Schaffhausen im Rhein untertauchte. Der Chronist Johannes Kessler schrieb, Ulimann habe „nit wolt mit ainer schussel mit wasser allain begossen“ werden; daraufhin seien die beiden zum Ufer des Rheins gegangen, und Ulimann sei „in dem Rhin von dem Grebel under getruckt und bedeckt werden.“ Am Palmsonntag, dem 9. April 1525, taufte Grebel eine große Zahl von Personen aus Sankt Gallen, die von Ulimann Taufunterricht erhalten hatten, in der Sitter.
Dass die Todesstrafe an den Schweizer Täufern durch Ertränken in Flüssen vollzogen wurde, kommentierte Huldrych Zwingli 1526 zustimmend so: wer sich taufen lasse, „der werde ganz untergetaucht; das Urteil ist schon gefällt.“
Polnische Brüder Erst die unitarisch ausgerichteten Polnischen Brüder forderten und praktizierten regelmäßig die Immersionstaufe (also die Taufe mittels Untertauchen), wodurch sie sich von den übrigen Täufern im Westen unterschieden. Dazu beigetragen hatte vermutlich der frühe Kontakt mit den Schriften Servets, der die Immersionstaufe als einziges Zeichen der Konversion zum christlichen Glauben ansah. Die Vertreibung der Polnischen Brüder 1658 führte später zu einer Verbreitung der Taufpraxis in anderen täuferischen und taufgesinnten Gemeinschaften.
Rijnsburger Kollegianten Mennoniten in Waterland (Nord-Holland), auch bekannt unter dem Namen Kollegianten, praktizierten im frühen 17. Jahrhundert die Gläubigentaufe durch Untertauchen. Nach traditioneller Ansicht empfing Richard Blunt bei ihnen die Taufe, die er dann an die englischen Baptisten weitergab. Die Kollegianten, deren Zentrum die Stadt Rijnsburg war, hatten zuerst im Bottich eines Gerbers die Immersionstaufe vollzogen, später aber tauften sie öffentlich sichtbar in der Vliet.
Mennonitische Reformbewegungen Die sogenannten Dompelaars hatten unter anderem in Hamburg-Altona seit 1708 eine eigene Kirche und nutzten für die Ganzkörpertaufe einen Teich bei Barmbek. Ein Teil der Krefelder Dompelaars wanderte 1719 nach Pennsylvania aus (Schwarzenauer Brüder, Dunkers).
Baptisten Einem Teil der britischen Baptisten (Particular Baptists) war es im 17. Jahrhundert wichtig, auch die Taufhandlung gemäß dem biblischen Vorbild durchzuführen. Richard Blunt taufte im Januar 1642 eine Gruppe von 53 Gläubigen durch Untertauchen. Es gab unter den frühen britischen Baptisten eine Vielfalt an Taufformen. Einige Gruppen praktizierten weiter die Taufe durch Übergießen.
Außenstehende reagierten oft ablehnend auf die Immersionstaufe. Besonders für eine Frau war es im England des 17. Jahrhunderts völlig ungewöhnlich, egal wie bekleidet im Wasser unterzutauchen. Die frühen Baptisten unternahmen daher Anstrengungen, um der Schicklichkeit Genüge zu tun.
Die folgende Beschreibung einer Taufe in Whittlesford 1767 zeigt den typischen Ablauf einer baptistischen Taufe des 18. Jahrhunderts. Die Baptistengemeinden von Cambridge und Saffron Walden konnten hier einen Nebenarm des River Cam für die Ganzkörpertaufe nutzen:
Nach einem Gottesdienst am Ufer des Flusses zogen sich Männer und Frauen in verschiedene Umkleideräume zurück. Die männlichen Täuflinge trugen über ihrer normalen Kleidung anstelle des Mantels ein langes weißes, gegürtetes Gewand, das am Saum mit Blei beschwert war, und eine weiße Kappe. Die weiblichen Täuflinge trugen ihre übliche Kleidung, allerdings in weißer Farbe, die Oberkleider waren an die Strümpfe angeheftet worden und die Säume mit Blei beschwert. Nach einem Lied und einer Ansprache führte der Prediger (der einen schwarzen Gelehrtenrock trug) den ältesten Täufling an der Hand ins Wasser hinab, bis zu einer geeigneten, tiefen Stelle. Dort sprach er die trinitarische Taufformel und tauchte den Gläubigen einmal im Fluss unter. Assistenten halfen den Getauften zurück ans Ufer.
Gegenwart mini|Russisch-orthodoxe Taufe im Fluss Fiagdon, Nord-Ossetien (2008) mini|Baptistische Taufe im Meer bei Wladiwostok (2008) mini|Pfingstliche Taufe in einem Pfälzer Baggersee 2024 Orthodoxe Kirchen Es ist grundsätzlich möglich, an Orten in der Natur (Fluss, See, Meer) zu taufen. Davon zu unterscheiden ist das Untertauchen in Gewässern zur Erinnerung an die Taufe Jesu im Jordan (siehe: Große Wasserweihe, Qasr al-Yahud).
In Russland finden seit dem Ende der Sowjetunion häufig Taufen in Flüssen statt, bei denen Hunderte von Personen jedes Alters von Priestern oder Bischöfen dreimal ganz untergetaucht werden. Dies geschieht vor allem am 28. Juli, dem Gedenktag der Taufe der Kiewer Rus. Das Moskauer Patriarchat unterstützt diese sich neu herausbildende Tradition. In der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche findet die Erwachsenentaufe wenn möglich morgens statt. Der Priester begleitet den Täufling zu einem Fluss oder Teich und taucht ihn dreimal ganz unter, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Falls eine solche Taufstelle nicht erreichbar ist, übergießt der Priester den Täufling dreimal mit Wasser. Wenn der Körper dabei komplett übergossen worden ist, ersetzt dieses Ritual das Untertauchen.
Freikirchen Wichtig für die praktische Durchführung der Immersionstaufe, vor allem in evangelischen Freikirchen, wurde eine bestimmte Interpretation dieser Bibelstelle, die auf Bischof Gilbert Burnet (1694) zurückgeht: „Wir wissen, dass das ursprüngliche Ritual der Taufe darin bestand, ins Wasser hineinzugehen und darin wie ein Toter rückwärts hineingelegt zu werden (being laid as dead backwards all-along in them); und dann wurden die Täuflinge aufgerichtet, und so kamen sie wieder aus dem Wasser heraus.“
In vielen Freikirchen wird der Täufling nur einmal untergetaucht. Die Taufe kann in einem Gewässer geschehen, ebenso gut aber auch im Schwimmbad oder einem Taufbecken.