Karl Konrad Achenbach, auch Carl Conrad Achenbach (* 26. August 1655Nicht 1656 (so ein Teil der Literatur nach einer Angabe in der Leichenpredigt); vgl. Johann Heinrich Andreae: Crvcenacvm Palatinvm Cvm Ipsivs Archisatrapia, Ex Historia, Potissimvm Politica & Litteraria. Johann Baptist Wiesen, Heidelberg 1784, S. 409–413, bes. S. 409 Anm. w) (Digitalisat der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar). in Kreuznach; † 21. März 1720 in Berlin) war ein deutscher evangelisch-reformierter Geistlicher, Theologe und Hochschullehrer.

Leben Karl Konrad Achenbach entstammte einer Wittgensteiner Familie und wurde als Sohn des Kreuznacher reformierten Pfarrers und Inspektors (Superintendenten) Johann Achenbach (1624–1674) und seiner Frau Anna Margaretha Culmann (1628–1675) geboren. Nach dem Besuch der Reformierten Gymnasien in Kreuznach und HeidelbergVgl. Johann Heinrich Andreae: Spicilegium Quintum post conatum historico-litterarium de Gymnasio Heidelbergensi. o. O. 1767, S. 19 (Google-Books). studierte er 1674 Theologie in Groningen,Historisch genootschap te Groningen (Hrsg.): Album studiosorum Academiae Groninganae. Wolters, Groningen 1915, Sp. 111 (rug.nl der Rijksuniversiteit Groningen). 1675 in Utrecht und Marburg, 1677 in Heidelberg und wurde zunächst Hofprediger der Pfalzgräfinwitwe von Simmern, Marie von Oranien-Nassau. 1681 erhielt er eine Anstellung als Diakon in seiner Heimatstadt Kreuznach, 1684 in Heidelberg, wo er zugleich als Schlosskaplan (Zweiter Hofprediger) amtierte. 1685 wurde er Pfarrer an der Heidelberger Klosterkirche und Hofprediger von Charlotte von Hessen-Kassel, der Mutter des Kurfürsten Karl II. von der Pfalz, im Englischen Haus, 1689 Pfarrer an der Heiliggeistkirche. Bei der Plünderung und Zerstörung Heidelbergs im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Achenbach zusammen mit Johann Friedrich Mieg, Bürgermeister Peter Noot und acht weiteren Honoratioren der Stadt von den Franzosen im März 1693 nach Straßburg verschleppt, nach Zahlung eines von den Schweizer Kantonen gesammelten Lösegelds jedoch wieder freigelassen. Am 22. April 1693 wurde er zum Kirchenrat ernannt und in die Freie Reichsstadt Frankfurt am Main geschickt,Vgl. Henning Murmann: Die Herrschaft über das Ganze. Die kurpfälzische Konfessionspolitik zwischen 1685 und 1728 als Schauplatz rechtlicher und institutioneller Konflikte. (diss. phil.). Heidelberg 2014, S. 118 u. ö. (PDF der Universität Heidelberg). wo Johann Ludwig Fabricius (1632–1696) eine Rumpfverwaltung von kurpfälzischem Kirchenrat und Heidelberger Universität im Exil organisiert hatte. Achenbach war 1694 das einzige verbliebene Mitglied der reformierten Kirchenbehörde unter dem katholischen Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, der in Düsseldorf residierte. 1696 wurde er in Frankfurt am Main als Nachfolger von Fabricius nominell Professor für Altes und Neues Testament, 1699 in Weinheim Rektor der Universität Heidelberg.Vgl. Eduard Winkelmann (Bearb): Urkundenbuch der Universität Heidelberg, Bd. II Regesten. Heidelberg, 1886, bes. S. 229–235 (Digitalisat der Universität Heidelberg).

1700 folgte er einem Ruf des Königs Friedrich I. in Preußen als Hof- und Domprediger an die reformierte Kirche nach Halle (Saale).Vgl. Brief von Daniel Ernst Jablonski an Jeremias Sterkyus (1660–1741) vom 9. Juli 1700 aus Berlin; Franckesche Stiftungen Halle (Nachlass August Hermann Francke, 11,2/13 : 19). Er war dort auch Professor der Theologie an der Universität Halle und Konsistorialrat. In Halle freundete er sich mit dem Juristen Christian Thomasius an,August Tholuck: Geschichte des Rationalismus, Bd. I Geschichte des Pietismus und des ersten Stadiums der Aufklärung. Wiegandt und Grieben, Berlin 1865, S. 111f (Google-Books). einem der bedeutendsten Vertreter der deutschen Frühaufklärung.

Schon 1702 wechselte AchenbachVgl. Brief von Johann Anastasius Freylinghausen an August Hermann Francke vom 11. September 1702 aus Glaucha; Franckesche Stiftungen Halle (AFSt/H C 241 : 6). als Hofprediger nach Berlin, wo er 1704 zunächst in der Breiten Straße in „Meyers Hause“ wohnte. Achenbach hatte großen Einfluss auf die brandenburgisch-preußische Kirchen- und Außenpolitik. Er stand dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm I. naheVgl. Brief von Daniel Ernst Jablonski an Aemilia Louise von Dohna-Schlobitten (1661–1724), Tochter von Christoph Delphicus von Dohna-Carwinden und Ehefrau des Oberhofmeisters Alexander zu Dohna-Schlobitten, vom 1. Oktober 1707 aus Berlin; Franckesche Stiftungen Halle (Nachlass August Hermann Francke, 11,2/16 : 62). und war ein enger Mitarbeiter des Geheimrats Heinrich Rüdiger von Ilgen in Religionsfragen.

Nach dem Frieden von Rijswijk versuchte Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz, die Stellung der katholischen Kirche in seinem Herrschaftsbereich gegenüber dem Stand von 1648 bzw. des Normaljahres 1624 auszuweiten. König Friedrich Wilhelm I. in Preußen wies daraufhin seine Regierungen in Halberstadt, Magdeburg und Minden an, die dortigen katholischen Güter, Gefälle und Renten genauso wie die der Reformierten in der Kurpfalz zu behandeln. Bewusst wurde der ehemalige pfälzische Kirchenrat Karl Konrad Achenbach im Juli 1705 in eine preußische Administrationscommission zur Umsetzung dieser Maßnahmen berufen. Dieser Druck bewirkte ein Einlenken der Kurpfalz; mit der Kurpfälzischen Religionsdeklaration kam ein Vergleich über das Religionswesen mit Garantie der Gewissensfreiheit und Aufhebung der neu errichteten Simultaneen zu Stande.Vgl. Ludwig Häusser: Geschichte der Rheinischen Pfalz nach ihren politischen, kirchlichen und literarischen Verhältnissen, Bd. II. 2. Aufl. Mohr, Heidelberg 1856, S. 824f; Alfred Josef Hans: Die Kurpfälzische Religionsdeklaration von 1705. Ihre Entstehung und Bedeutung für das Zusammenleben der drei im Reich tolerierten Konfessionen. (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 18). Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte, Mainz 1973, u. a. Als sich 1708 die lutherischen Heidelberger Kirchenräte Johann Philipp Schlosser (1654–1732)Aus Sötern, Studium in Gießen, 1679 Pfarrer von St. Johann in Saarbrücken, 1686 vertrieben, seit 1693 Lutherischer Kirchenrat. und Georg Debus (1649–1722)Aus Speyer, Studium in Straßburg, 1677 bis 1682 Diakonus in Lauterecken, 1682 in Veldenz, 1682 bis 1686 Oberpfarrer in Lauterecken, von französischen Truppen vertrieben, 1686/87 in Worms, 1687 bis 1699 Pfarrer in Kreuznach, ab 1699 Konsistorialrat in Heidelberg, gestorben in Bacharach. sowie zahlreiche lutherische Pfarrer in der Kurpfalz beim Direktorium des Corpus Evangelicorum über vermeintliche Eingriffe der Reformierten in ihre Rechte beschwerten,Warheits-Spiegel denen … Bottschaften zu Regenspurg wider die in ChurPfalz befindliche Reformirte … aufgestellet. o. O. 1708 (Google-Books). reagierte Karl Konrad Achenbach mit einer scharfen Gegenschrift.Carl Conrad Achenbach: Einigen Evangelisch-Lutherischen in der Churfürstlichen Pfaltz, Unbefugtes, sehr anzügliches Memoriale, Vom 23. April 1708. an E. Hochlöbl. Evangelisches Corpus, Gegen Die Evangelisch-Reformirte; Samt beygefügten Höchstgemüßigten Anmerckungen, Dabey auch die Wiederlegung Jhres, mit vielen Unwahrheiten befleckten Warheits-Spiegels. Ulrich Liebpert, Cölln 1708 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt).

1710 wurde Achenbach in die Kurfürstlich Brandenburgische Societät der Wissenschaften berufen. Auf die Empfehlung Achenbachs hin veranlasste Friedrich I. den Druck des umstrittenen antijudaistischen Werkes Entdecktes Judenthum von Johann Andreas Eisenmenger,Johann Andreas Eisenmenger: Entdecktes Judenthum, oder gründlicher und wahrhaffter Bericht, Welchergestalt die verstockte Juden die Hochheilige Drey-Einigkeit … erschrecklicher Weise lästern und verunehren, 2 Bände. Königsberg (= Berlin) 1711 (Digitalisat und Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). der ein naher Verwandter Achenbachs gewesen sein soll.Vgl. Anton Balthasar König: Annalen der Juden in den preußischen Staaten besonders in der Mark Brandenburg. Unger, Berlin 1790, S. 224–226 (Google-Books); entgegen dessen Darstellung war Eisenmenger allerdings bereits 1704 verstorben.

Achenbach begleitete König Friedrich I. am Sterbebett und hielt bei Regierungsantritt von Friedrich Wilhelm I. 1713 die Huldigungs-PredigtCarl Conrad Achenbach: Huldigungs-Predigt, Welche für geschehener Erbhuldigung, Dem … Friedrich Wilhelm, König in Preussen … zu Cölln an der Spree … den 23. April 1713 … gehalten worden. Rüdiger, Berlin 1713. vor den Ständen der Mark Brandenburg in Cölln. Der König selbst hatte dazu den Psalmvers als Motto gewählt. Bei dieser Erbhuldigungs-Feier wurde der eigentlich zuständige reformierte Bischof am Dom Benjamin Ursinus von Baer übergangen. Bei dem von Marquard Ludwig von Printzen angefertigten Entwurf der Kirchen- und Kirchendirektoriumsordnung setzte sich Achenbach, der dem neu errichteten Reformierten Oberkirchendirektorium angehören sollte, 1713 mit seinen Änderungsvorschlägen weitgehend durch.Vgl. Gabriel Almer: Calvinista Aulico-Politicus. Konfession und Herrschaft in Brandenburg-Preußen (ca. 1660-1740). (diss. phil.). Berlin 2014, S. 66 (PDF der Freien Universität Berlin). 1713 unterstützten die Konsistorialräte Achenbach und Georg Friedrich Schnaderbach Christian Thomasius mit einem Gutachten, als dieser wegen seiner Disputationsthesen De concubinatuChristian Thomasius, Erhard Julius Kiechel: Dissertatio Inauguralis Iuridica De Concubinatu, i. e. Von dem unehlichen Beyschlaff. o. O. 1713 (Digitalisat der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden); vgl. Manuel Braun: Tiefe oder Oberfläche? Zur Lektüre der Schriften des Christian Thomasius über Polygamie und Konkubinat. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 30 (2005), S. 28–54. über die sogenannte Kebsehe und das Konkubinat von der Theologischen Fakultät Halle angegriffen wurde. Je mehr der neue König Friedrich Wilhelm I. unter den Einfluss des Halleschen Pietismus geriet (ab 1711), sank allerdings der Einfluss Achenbachs. Bei der Einweihung der Charlottenburger Stadtkirche (Luisenkirche) 1716, die als Simultankirche konzipiert war, wies der König seinen Hofprediger Achenbach ab und ließ die Einweihungspredigt von dem lutherischen Propst Michael Roloff (1684–1748) halten.Vgl. Gabriel Almer: Calvinista Aulico-Politicus. Konfession und Herrschaft in Brandenburg-Preußen (ca. 1660-1740). (diss. phil.). Berlin 2014, S. 116 und 213.

1718 führten der General-Fiscal-Advokat Wilhelm Durham of Grange,1713 Rat des evangelisch-reformierten Kirchendirektoriums; Sohn des Elbinger (im 17. Jahrhundert schwedisch) Kaufmanns William Durham de Grange aus der Grafschaft Forfarshire (Angus), Schottland. Kirchenrat Achenbach sowie die Pröpste Johann Gustav Reinbeck und Lambert Gedicke auf Anordnung des Königs Friedrich Wilhelm I. eine Untersuchung gegen eine Gruppe exstatischer Pietisten (sogenannte „Inspirierte“) durch, die schließlich aus Berlin ausgewiesen wurde.Vgl. Carl Eduard Geppert: Chronik von Berlin, Bd. II. Rubach, Berlin 1840, S. 529.

Die Leichenpredigt für Achenbach über hielt der Königlich Preußische Hofprediger Heinrich August Steinberg (1668–1749)Aus Herborn; vgl. im Ersten Berliner Dom. Dietrich Siegfried Clässen, der Rektor des Friedrich-Werderischen Gymnasiums, veröffentlichte eine Trauer- und Leichen-Rede über . Achenbachs umfangreiche Bibliothek wurde 1728 in seinem ehemaligen Wohnhaus versteigert, das in der Heiliggeiststraße in der Nähe des Joachimsthalschen Gymnasiums lag.Vgl. den Auktionskatalog Bibliotheca Miscellaneo-Theologica … Dns. Carol. Conr. Achenbach. Schlecht, Berlin 1728 (Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin).

Leichenpredigten Neben anderen Veröffentlichungen sind zahlreiche Leichenpredigten bezeugt und größtenteils erhalten, die von Karl Konrad Achenbach in Heidelberg, Halle und Berlin gehalten wurden und anschließend gedruckt worden sind, und zwar für: