350px|Antonius Scandellus Am 18. Januar 1580 stirbt in Dresden der italienische Komponist und Hofkapellmeister Antonio Scandello (hier zu sehen auf einer Medaille von Tobias Wolff aus dem Jahr 1577). Der in Bergamo geborene Scandello wurde 1549 durch Kurfürst Moritz von Sachsen bei einer Italienreise zusammen mit fünf weiteren „welschen Musikern“ für die neu gegründete Dresdner Hofkapelle eingestellt, war seit 1566 Vizekapellmeister und von 1568 bis zu seinem Tod Hofkapellmeister der Dresdner Hofkapelle. Das Werk Antonio Scandellos umfasst mindestens acht Messen, zahlreiche lateinische Motetten, zwei gedruckte Bände italienischer Canzonen sowie drei Sammlungen geistlicher und weltlicher Lieder. Scandello wurde nach seinem plötzlichen Tod auf dem Dresdner Frauenkirchhof begraben. Sein Nachfolger im Amt des Kapellmeisters wird Giovanni Battista Pinello di Ghirardi. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1580.

Ereignisse Heiliges Römisches Reich Hofkapelle von Rudolf II. Carl Luython, der seit 1566 Chorknabe in der Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. war und nach Eintreten des Stimmbruchs offenbar bis 1575 zu einem Studienaufenthalt in Italien weilte, wirkt nach seiner Rückkehr nach Wien wieder in der Hofkapelle und wird ab dem 18. Mai 1576 als „Cammer musicus“ mit einem Monatsgehalt von zehn Gulden in den dortigen Akten geführt. Jakob Regnart, der seit 1568 für eine etwa zweijährige Studienreise in Italien weilte, ist seit 1. November 1570 Präzeptor (Musiklehrer) der Kapellknaben der Hofkapelle. Sein Landsmann Orlando di Lasso schlägt ihn 1580 mit beredten Worten als Nachfolger von Antonio Scandello für das Amt des Hofkapellmeisters am kursächsischen Hof in Dresden vor; diese Möglichkeit lässt Regnart aber unberücksichtigt. 1580 veröffentlicht er in Nürnberg Neue Kurtzweilige Teutsche Lieder. Philippe de Monte ist seit 1568 als Nachfolger von Jacobus Vaet Kapellmeister der Hofkapelle Maximilians II. in Wien. Nach dem Tod von Maximilian II. am 12. Oktober 1576 hatte ihm sein Nachfolger Rudolf II. die Position eines Kanonikus an der Kathedrale von Cambrai zuerkannt. Danach ersuchte Philippe de Monte seinen Dienstherrn darum, sich in den Ruhestand nach Cambrai zurückziehen zu dürfen, was Rudolf II. jedoch ablehnte. Anders als sein Vater ist Rudolf II. kaum musikbegeistert, er behält aber die Hofkapelle und andere musikalische Einrichtungen bei, weil sie ein Teil der kaiserlichen Repräsentation sind. Auch will er den Komponisten wegen seines hohen Ansehens nicht ohne einen Nachfolger ziehen lassen. Dieser hat andererseits auch einigen Nutzen von der Lage des kaiserlichen Hofs in der Mitte des Reichs. Dies verstärkte sich noch, als im Jahr 1580 die kaiserliche Residenz und Hofhaltung nach Prag verlegt wird. 1580 veröffentlicht de Monte sein Il quarto libro de madrigali zu sechs Stimmen, L’ottavo libro delli madrigali zu fünf Stimmen und Il nono libro de madrigali zu fünf Stimmen. mini|links|Der Bayerische Reichskreis (oliv) auf einer Kreiskarte des Heiligen Römischen Reiches, Stand etwa 1630

Bayerischer Reichskreis Herzogtum Bayern Gregor Aichinger, der 1577 im Knabenalter nach München gegangen war und Schüler von Orlando di Lasso wurde, studiert seit 1578 an der Universität Ingolstadt. Dort tritt er in Kontakt mit seinem Studienkollegen Jakob Fugger, dem späteren Fürstbischof von Konstanz. Aichinger erhält durch diese Begegnung, Kontakte zu weiteren Mitgliedern der Familie Fugger, denen er später zahlreiche seiner Werke widmen wird. Franciscus Florius hat seit Herbst 1556 in München an der Hofkapelle von Herzog Albrecht V. eine Anstellung als Hofbassist. Neben seiner Tätigkeit als Sänger ist Florius, zusammen mit dem Hofkopisten Johannes Pollet, auch als Notenkopist eingesetzt. Nach dem Ausscheiden Pollets 1571 ist er zum Hauptkopisten aufgestiegen; diese Stellung hat er bis zu seinem Tod 1588 inne. Johannes de Fossa ist seit dem letzten Vierteljahr 1559 Vizekapellmeister der Münchner Hofkapelle. In den vorhandenen Dokumenten wird Fossa allerdings weiterhin nur als Tenorist bezeichnet. Seit 1571 hat er die Aufsicht über die Chorknaben der Kapelle und hat ihnen in seinem Haus Kost und Unterkunft zu geben. Antonius Gosswin ist seit 1570 ein Angestellter der Hofkapelle von Wilhelm von Bayern und seit seiner Rückkehr 1576 vom Reichstag in Regensburg Organist an der Kirche St. Peter. Als Herzog Albrecht am 24. Oktober 1579 verstirbt, kommt es danach zu einer personellen Verkleinerung der Hofhaltung und Antonius Gosswin wird entlassen. Kurz darauf wird er Mitglied der Kapelle von Prinz Ernst, Bischof von Freising, einem Sohn von Herzog Albrecht. Orlando di Lasso bestätigt in einem Brief vom 13. Februar 1580 an Prinz Wilhelm, dass diese Anstellung für Gosswins Lebenszeit gültig sein solle. Anfang 1580 zieht der Komponist mit seiner Frau nach Freising. Wenig später, gegen Jahresende 1580, wird sein Dienstherr zum Bischof von Lüttich ernannt. Orlando di Lasso ist seit 1563 Kapellmeister der Münchner Hofkapelle. Zu Orlandos Aufgaben gehören u. a. Reisen durch Europa zur Anwerbung neuer Musiker, die Unterrichtung der Chorknaben, die teilweise sogar in seiner Familie leben, Proben mit den Musikern und die Komposition zahlreicher neuer Werke. Nach dem Tod Albrechts V. 1579 erhält der Komponist von Kurfürst August von Sachsen 1580 das Angebot, als Kapellmeister an dessen Hof in Dresden zu kommen. Abgesehen von konfessionellen Erwägungen stützt sich Orlandos Ablehnung auf seine komfortable finanzielle Situation in München und womöglich auch auf sein vorgerücktes Alter. In den vorausgegangenen zehn Jahren hat er bereits ein hervorragendes Verhältnis zu Albrechts Nachfolger Wilhelm V. entwickelt; dieser sorgte auch ab 1573 für die Herausgabe einer eindrucksvollen Reihe großformatiger Chorbücher mit Orlandos Messen, Offizien, Lesungen und Magnificats in den erwähnten Patrocinium musices. mini|links|Der Burgundische Reichskreis (grün) auf einer Karte des Heiligen Römischen Reiches, Stand etwa 1512

Burgundischer Reichskreis Markgrafschaft Antwerpen Séverin Cornet, der seit 1564 in Mechelen an der St.-Rombouts-Kathedrale tätig war, ist seit 1572 der Nachfolger von Gérard de Turnhout als Kapellmeister der Kathedrale von Antwerpen.

Herrlichkeit Mechelen Jan van Turnhout, der vielleicht der jüngere Bruder von Gérard de Turnhout ist, ist seit dem 9. August 1577 Kapellmeister der Stiftskirche Saint-Rombaut in Mecheln. Er wird jedoch wegen Beschwerden über seine Amtsführung bereits 1580 wieder entlassen, verlässt diese Position auch wegen religiöser Unruhen in Brüssel in diesem Jahr.

Herzogtum Limburg Ludovicus Episcopius, der am 18. Oktober 1577 in seine frühere Stellung als Kapellmeister und Kantor an der Kollegiatkirche St. Servatius in Maastricht zurückgekehrt ist, wirkt hier für knapp fünf Jahre.

Grafschaft Flandern Géry de Ghersem erhält in seiner Jugendzeit seine erste musikalische Ausbildung durch den Komponisten George de La Hèle an der Kathedrale von Tournai. George de La Hèle, der seit 1572 als Chorleiter an der Kirche St. Rombaut in Mecheln gewirkt hatte, ist in dieser Funktion seit 1574 an die Kathedrale von Tournai tätig. Philipp II. von Spanien ernennt La Hèle am 15. September 1580 zum Kapellmeister der Capilla real als Nachfolger des 1580 verstorbenen Gérard de Turnhout. Aber trotz aller Bemühung des Königs zum baldmöglichsten Amtsantritt des Komponisten bleibt die Position eineinhalb Jahre lang vakant, weil La Hèle zuvor zeitweilig an der Capilla flamenca in Madrid wirkt. Andreas Pevernage, der vom 17. Oktober 1563 bis 1577 Kapellmeister an der Kirche Notre-Dame in Courtrai war und 1564 zusätzlich eine Pfründe an Sankt Willibrordus in Hulst erhalten hatte, wechselt 1578 an die Kirche St. Jakob in Brügge, weil Courtrai kurzzeitig unter die Herrschaft der Calvinisten gerät. Zwischen 1578 und 1585 wird die Arbeit Pevernages aber auch in Brügge immer wieder durch die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen beeinträchtigt. Cornelis Verdonck, der seine erste musikalische Ausbildung als Kapellknabe vermutlich an der Kathedrale Notre-Dame in Antwerpen unter Gérard de Turnhout bekam, gelangt im Zuge der Anwerbung von Sängerknaben für die Capilla flamenca zusammen mit Philippe Rogier im Jahr 1572 nach Madrid an die Hofkapelle des spanischen Königs Philipp II., wo er für etwa acht Jahre bleibt. Auf Grund seiner Begabung bekommt er nach dem Stimmbruch die Möglichkeit zu studieren. Der spanische König schreibt hierzu am 16. Februar 1580 an seinen Neffen Alessandro Farnese wegen des Studiums von Verdonck und zwei weiteren bisherigen Kapellknaben an der Universität Douai. Wohl ab dieser Zeit ist Verdonck auch Schüler von Séverin Cornet, der seit 1572 Singmeister an der Kathedrale von Antwerpen ist.

Grafschaft Holland Jan Pieterszoon Sweelinck, der älteste Sohn des Organisten Pieter Swibbertszoon und seiner Frau Elske Jansdochter Sweeling, lebt in Amsterdam und wirkt nach Aussage von Sweelincks Schüler und Freund Cornelis Plemp seit dem Jahr 1577 als Organist an der Oude Kerk. Nach Johann Mattheson ist er „schon in der Jugend, wegen seiner netten Fingerführung auf der Orgel, und überaus artigen Manier zu spielen, sonderlich berühmt“.Johann Mattheson: Grundlage einer Ehren-Pforte. Hamburg 1740, S. 331 (online, abgerufen am 15. September 2019) mini|links|Der Fränkische Reichskreis (rot) auf einer Karte des Heiligen Römischen Reiches, Stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts

Fränkischer Reichskreis Reichsstadt Nürnberg Leonhard Lechner, der bis zirka 1570 als Sängerknabe am bayerischen Hof zu Landshut angestellt war, hält sich spätestens seit 1575 in Nürnberg auf. Hier hat er bis 1584 das untergeordnete Amt eines „Schulgehilfen“ an der St.-Lorenz-Schule inne. Sein Nürnberger Wirken ist durchaus von Anerkennung und Erfolgen begleitet; auch bieten ihm die 1568, 1571 und 1577 gegründeten privaten Zirkel musikliebender Nürnberger Patrizier (Sodalicium musicum) ein finanziell wie künstlerisch lohnendes Betätigungsfeld.

Kurrheinischer Reichskreis Kurpfalz Mathias Gastritz, der am 22. Dezember 1561 zum Organisten der Stadt Amberg bestellt wurde, wirkt fast 30 Jahre lang in den Diensten der Stadt. Johann Knöfel ist seit 1579 Kapellmeister des pfalzgräflichen Kurfürsten zu Heidelberg Ludwig VI. mini|links|Der Niederrheinisch-Westfälische Reichskreis (hellbraun) auf einer Karte des Heiligen Römischen Reiches, Stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts

Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis Hochstift Cambrai Laurent de Vos, der 1570 Countertenor an der St.-Donatus-Kirche in Brügge war und von August 1577 bis September 1578 Chorleiter an St. Martin in Ypern, kehrt 1580 nach Cambrai in die Dienste des Erzbischofs Louis de Berlaymont zurück, der kurze Zeit danach in den Wirren der Zeit nach Tournai flüchten muss. Hier begeht de Vos den Irrtum, den Text einer Motette so zu gestalten, dass Kritik an der augenblicklichen politischen Situation darin vorkommt. Er wird unmittelbar nach der Aufführung, auf Befehl des die Stadt zu dieser Zeit despotisch regierenden Baudouin de Gavre, Baron d'Inchy inhaftiert und ohne Verhandlung vor den Augen seiner weinenden Chorknaben im Januar oder März 1580 auf dem Marktplatz gehängt.

Vereinigte Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg Martin Peudargent ist Hofkomponist in den Diensten von Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg.

Niedersächsischer Reichskreis Erzstift Magdeburg Leonhart Schröter, der von 1561 bis 1576 als Stadtkantor in Saalfeld gewirkt hatte, ist seit 1576 Kantor an der Altstädter Lateinschule in Magdeburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1595 verbleibt. 1580 veröffentlicht er in Erfurt den zweiten Teil seiner Cantiones suavissimae quator vocis.

Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel Johann Zanger der Ältere, der seit 1553 Pfarrer an der Petrikirche in Braunschweig war, ist seit 1571 Pfarrer an der Martinikirche, seit 1577 Stellvertreter des Stadtsuperintendenten.

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