Das Schloss ist eine Oper in zwei Teilen von Aribert Reimann. Das vom Komponisten selbst verfasste Libretto basiert auf Franz Kafkas Roman Das Schloss und dessen Dramatisierung von Max Brod. Die Uraufführung fand am 2. September 1992 in der Deutschen Oper Berlin statt.
Handlung
Ein nur mit dem Kürzel „K.“ benannter Landvermesser trifft in einem zu einem Schloss gehörenden Dorf ein, um dort eine Stellung anzutreten. Trotz aller Bemühungen gelingt es ihm jedoch nicht, Näheres über seine Aufgaben zu erfahren oder auch nur Zugang zum Schloss zu erlangen. Die Dorfbewohner begegnen ihm mit Feindseligkeit. Zwei angebliche Gehilfen, Artur und Jeremias, die er erst hier kennenlernt, verstehen nichts von ihrer Arbeit und scheinen ihn regelrecht auszuspionieren. Sein direkter Auftraggeber ist ein gewisser Klamm, von dem er zwei Briefe erhält, den er aber nie kennen lernt. Der Schlossbote Barnabas soll den Kontakt aufrechterhalten. K. hat große Schwierigkeiten, auch nur eine Bleibe zu finden, da er als Fremder kein Aufenthaltsrecht besitzt. Schon bald verliebt er sich in das Schankmädchen Frieda, das er Klamm ausspannt, aber gegen Ende an einen seiner Gehilfen verliert. K. und Frieda leben zeitweilig in den Unterrichtsräumen einer Schule, an der er als Hilfslehrer arbeiten kann. Seine Suche nach den Hintergründen seiner Anstellung und einer Existenzberechtigung verläuft ergebnislos im Kreis. Als Barnabas endlich die Nachricht bringt, dass K. ein offizielles Wohnrecht bekommen soll, ist es zu spät: Er ist bereits vor Erschöpfung gestorben.
Erster Akt
Bild 1 – Vor und in dem Wirtshaus „Zur Brücke“
Der Landvermesser K. trifft am späten Abend in einem tief verschneiten Dorf ein. Da im Wirtshaus kein Zimmer mehr frei ist, erhält er vom Wirt einen Strohsack und legt sich erschöpft in einer Ecke der Wirtsstube hin. Kurz darauf erscheint Schwarzer, der Sohn eines Unterkastellans des Schlosses des Grafen Westwest, dem das Dorf gehört. Er weckt K. und weist ihn darauf hin, dass eine Übernachtung ohne gräfliche Erlaubnis verboten sei und er sofort das Gebiet verlassen müsse. K. weist ihn darauf hin, dass er vom Grafen selbst bestellt worden sei und seine Gehilfen am morgigen Tag mit dem Wagen nachkommen werden. Schwarzer vergewissert sich telefonisch im Schloss, dass K.s Behauptung stimmt. Vier Bauern befürchten, dass seine Tätigkeit ihnen schaden könnte.
Zwischenspiel I
Bild 2 – Bühne ähnlich wie Bild 1
Artur und Jeremias melden sich bei K. Die beiden jungen Männer wurden angeblich als seine Gehilfen eingestellt, besitzen aber keine Messapparate und verstehen auch nichts von der Landvermessung. K. erzählt, dass er sich im Schloss vorstellen wollte, doch der Weg immer wieder unerwartete Biegungen machte, ohne zum Ziel zu führen. Weil sich die beiden Gehilfen zum Verwechseln ähnlich sehen, beschließt er, sie beide Artur zu nennen. Sie sollen beide gleichermaßen für ihre Arbeit verantwortlich sein. Als erstes sollen sie den Kastellan anrufen, um eine Erlaubnis zum Besuch des Schlosses zu erwirken. Sie erhalten jedoch die Antwort „Weder morgen… noch ein andermal!“ Daraufhin greift K. selbst zum Apparat, hört aber nur „ein Summen… Gesang fernster… allerfernster Stimmen“. Ein Bote aus dem Schloss trifft ein: Barnabas überreicht K. einen Brief von Herrn Klamm,„Klam“ ist das tschechische Wort für „Täuschung“ oder „Lüge“. dem „Vorstand der zehnten Kanzlei“, dem zufolge K. „in die herrschaftlichen Dienste aufgenommen“ wurde und dem Gemeindevorsteher des Dorfes unterstellt sei. Barnabas wird sich gelegentlich nach seinen Wünschen erkundigen. K. beschließt, ihn auf seinem Rückweg ins Schloss zu begleiten.
Zwischenspiel II
Bild 3 – Straße und Waldrand, Landschaft vor dem Gasthaus „Herrenhof“
Barnabas hat K. nicht zum Schloss geführt, da er in seinem eigenen Haus übernachten will. Seine Schwester Olga arbeitet im Herrenhof, wo die Schlossbeamten logieren, wenn sie im Dorf zu tun haben. K. hofft, dort mit ihrer Hilfe ebenfalls Platz zu finden. Der Herrenhofwirt weist ihn darauf hin, dass er nur bis zum Ausschank gehen und auf keinen Fall hier übernachten dürfe. Vom Schloss sei heute nur ein einziger Herr anwesend: Herr Klamm.
Verwandlung. Die Wirtsstube im Herrenhof
Im Gasthaus befinden sich bereits einige Diener Klamms. Dessen Geliebte Frieda bedient am Ausschank. Während K. mit ihr flirtet, wird Olga von den Dienern überfallen und misshandelt. Frieda greift ein und sperrt sie in den Stall. Als der Herrenhofwirt hereinkommt, um nach dem Rechten zu sehen, versteckt sich K. unter dem Ausschankpult. Frieda kann seine Anwesenheit vor dem drohend auftretenden Wirt verbergen. Nachdem dieser gegangen ist, schlüpft sie zu K. unter das Pult. Die beiden umarmen sich unter zärtlichen Worten, bis sie von den beiden Gehilfen unterbrochen werden. Frieda verlässt den Herrenhof, um mit K. und den Gehilfen in den Brückenhof zu ziehen.
Zwischenspiel III
Bild 4 – Dachkammer im Wirtshaus „Zur Brücke“
K. und Frieda leben nun bereits vier Tage zusammen und haben sich in der armseligen Kammer eingerichtet. K. bemerkt überrascht, dass die beiden Gehilfen auf alten Frauenröcken in einer Ecke am Boden liegen. Er fühlt sich von ihnen gestört und schickt sie fort, obwohl Frieda sie verteidigt. Die Wirtin tritt ein, um mit K. über sein Verhältnis zu Frieda zu sprechen. Sie meint, dass Frieda seinetwegen ihre Anstellung verloren habe und nun Sicherungen benötige, bevor sie K. heiraten könne. K. will mit Klamm darüber sprechen. Die Wirtin glaubt jedoch, dass Klamm ihn nicht empfangen werde, da er als Fremder „überzählig und überall im Weg“ sei, Frieda verführt habe und sich mit der lumpigen Familie des Barnabas herumtreibe. Sie selbst war vor zwanzig Jahren Klamms Geliebte und habe die Erinnerung an ihn bewahrt: „Was Sie auch tun, Widersetzlichkeit ist es auf jeden Fall.“ K. lässt sich nicht verunsichern. Er eilt zum Gemeindevorsteher, um endlich seinen Dienst anzutreten. Die Gehilfen folgen ihm.
Zwischenspiel IV
Bild 5 – Bäuerliches Zimmer des Gemeindevorstehers
Der gichtkranke Gemeindevorsteher empfängt K. zunächst freundlich. Als K. ihm den von Klamm erhaltenen Brief zeigt, teilt ihm der Vorsteher jedoch mit, dass man keinen Landvermesser benötige. Die Anordnung sei nur fälschlicherweise aufgrund eines mehrere Jahre alten Erlasses erfolgt. Er bittet seine Frau Mizzi und die beiden Gehilfen, diesen zu suchen. Unterdessen erklärt er K., dass man den Erlass ablehnend beantwortet habe. Die Antwort sei aber an eine falsche Abteilung geraten, worauf sich eine „große Korrespondenz“ entwickelt habe, um den Fehler zu erforschen. Die chaotische Suche nach dem Erlass bleibt erfolglos. Der Gemeindevorsteher weist K. darauf hin, dass Klamms Brief gar keine „amtliche Zuschrift“, sondern ein „Privatbrief“ sei, wie man an der Überschrift „Sehr geehrter Herr“ deutlich sehen könne. Auch werde der Begriff Landvermesser nirgendwo erwähnt. Die Argumente K.s lässt er nicht gelten: „Dass Sie als Landvermesser aufgenommen werden, das lasse ich nicht zu!“ K. reißt empört die Tür auf, um das Zimmer zu verlassen. Die verstreuten Akten wirbeln umher und „füllen die Bühne wie ein Schneesturm“.
Zweiter Teil
Bild 6 – Dachkammer wie im 4. Bild
Die Gehilfen besichtigen das von Frieda aufgeräumte Zimmer und die neue Tischdecke. K. schickt sie hinunter, um seine Stiefel zu putzen. Er erhält Besuch vom Lehrer, der ihm mitteilt, dass er im Auftrag des Gemeindevorstehers ein Protokoll über seine Unhöflichkeit diesem gegenüber angefertigt habe. Dennoch biete dieser ihm einen Posten als Schuldiener an. Dies sei ein Beweis für dessen Güte, denn ein Schuldiener werde eigentlich nicht gebraucht, und K. verstehe diese Arbeit nicht einmal. Gerade als K. das Angebot ablehnen will, erfährt er von Frieda, dass die Wirtin ihnen das Zimmer gekündigt hat. Daher bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Stelle anzunehmen. Der Lehrer informiert ihn über seine neuen Pflichten. Als Gegenleistung erhält K. das Recht, in einem der beiden Schulzimmer zu wohnen, wenn nicht gerade darin unterrichtet wird. Über ein Gehalt soll nach der einmonatigen Probezeit entschieden werden. K. ist entschlossen, mit Klamm zu sprechen.
Zwischenspiel V
Bild 7 – Einsame Dorfstraße im Schnee; völliges Dunkel
K. wandert gedankenverloren in Richtung Schloss. Die Gehilfen folgen ihm und holen ihn nach einer Weile ein. Barnabas tritt „aus dem Dunkel zwischen ihnen“ hervor und überreicht K. einen Brief von Klamm, in dem dieser seine bisherigen Landvermesserarbeiten überschwänglich lobt und ihm eine Entlohnung in Aussicht stellt. K. hält das für ein Missverständnis. Er jagt die Gehilfen mit groben Worten fort. Barnabas gesteht ihm, dass er seit seiner Ankunft noch nicht wieder im Schloss war und deshalb K.s bisherige Botschaften noch nicht ausrichten konnte. K. fleht ihn an, sofort am nächsten Tag im Schloss ein Gespräch mit Klamm zu vereinbaren. Barnabas zieht sich mit einer Verbeugung zurück. Die Gehilfen erscheinen erneut, gefolgt von Frieda, die Barnabas weiterhin misstraut. Inzwischen erträgt sie auch die Anwesenheit der mysteriösen Gehilfen nicht mehr. Sie fleht K. an, mit ihr gemeinsam auswandern. K. will jedoch bleiben. Er stellt sich „ein Grab vor, tief und eng. Dort halten wir uns umarmt wie mit Zangen.“
Zwischenspiel VI
Bild 8 – Am nächsten Tag; in der Hütte des Barnabas
Barnabas zweite Schwester Amalia sitzt singend am Ofen, als K. hereintritt, der ungeduldig auf die Rückkehr seines Boten Barnabas wartet. Auch Olga kommt hinzu. Sie erzählt K. von ihren Familienverhältnissen: Amalia sei zwar die jüngste von ihnen, doch trage sie die größte Verantwortung und entscheide alles. Vor einigen Jahren habe Amalia die Anträge eines Schlossbeamten „schroff zurückgewiesen“, woraufhin die gesamte Familie vom Dorf geächtet wurde. Ihr Vater sei sofort zusammengebrochen. Sie selbst bemühe sich seitdem, die Beziehungen zum Schloss aufrechtzuerhalten, indem sie sich zweimal die Woche gegen Geld den Bediensteten hingebe. Sie habe ihrem Bruder auch die Stellung als Bote verschafft. Gelegentlich bekomme er in den Kanzleien höhere Beamte zu sehen, darunter auch Klamm – doch sei dessen Aussehen so veränderlich, dass man sich nie sicher sein könne, ob er es wirklich ist. Die Botenarbeit für K. sei Barnabas’ erster Auftrag und ein „Gnadenzeichen“ für die Familie. Jeremias teilt K. mit, dass Artur wegen dessen Grobheiten den Dienst für sie beide quittiert habe. Auch Frieda habe ihn wegen seiner Beziehungen zu den beiden Barnabas-Schwestern verlassen. Sie sei nun mit ihm, Jeremias, zusammen und arbeite wie früher im Herrenhof, wo er eine Stellung als Zimmerkellner erhalten habe. Endlich kehrt Barnabas vom Schloss zurück. Er hat für K. eine Audienz bei Erlanger, einem Sekretär Klamms, vereinbart. Jeremias eilt davon, um K. bei Erlanger zuvorzukommen. K. läuft ihm nach.
Zwischenspiel VII
Bild 9 – Ein Korridor im Herrenhof-Wirtshaus; Nacht