350px|BLW Spinet Virginal (spinetta) von Annibale dei Rossi, Mailand 1577. Das Instrument ist besetzt mit Ebenholz, Elfenbein und 1928 Halbedelsteinen und Edelsteinen. Dieser Artikel behandelt das Musikjahr 1577.

Ereignisse Heiliges Römisches Reich mini|links|Wiener Hofburg im 16. Jahrhundert Hofkapelle von Rudolf II. Carl Luython, der seit 1566 Chorknabe in der Hofkapelle von Kaiser Maximilian II. war und nach Eintreten des Stimmbruchs offenbar bis 1575 zu einem Studienaufenthalt in Italien weilte, wirkt nach seiner Rückkehr nach Wien wieder in der Hofkapelle und wird ab dem 18. Mai 1576 als „Cammer musicus“ mit einem Monatsgehalt von zehn Gulden in den dortigen Akten geführt. Jakob Regnart, der seit 1568 für eine etwa zweijährige Studienreise in Italien weilte, ist seit 1. November 1570 Präzeptor (Musiklehrer) der Kapellknaben der Hofkapelle. 1577 veröffentlicht er in Nürnberg seine Motette Aliquot cantiones zu vier Stimmen und Der ander Theyl Kurtzweiliger teutscher Lieder zu drei Stimmen. Philippe de Monte ist seit 1568 als Nachfolger von Jacobus Vaet Kapellmeister der Hofkapelle Maximilians II. in Wien. Nach dem Tod von Maximilian II. am 12. Oktober 1576 hat ihm sein Nachfolger Rudolf II. die Position eines Kanonikus an der Kathedrale von Cambrai zuerkannt. Der größte Teil seiner über 250 Motetten erscheint zwischen 1572 und 1600 im Druck.

Bayerischer Reichskreis Herzogtum Bayern Gregor Aichinger geht 1577 im Knabenalter nach München und wird Schüler von Orlando di Lasso. Franciscus Florius hat seit Herbst 1556 in München an der Hofkapelle von Herzog Albrecht V. eine Anstellung als Hofbassist. Neben seiner Tätigkeit als Sänger ist Florius, zusammen mit dem Hofkopisten Johannes Pollet, auch als Notenkopist eingesetzt. Nach dem Ausscheiden Pollets 1571 ist er zum Hauptkopisten aufgestiegen; diese Stellung hat er bis zu seinem Tod 1588 inne. Johannes de Fossa ist seit dem letzten Vierteljahr 1559 Vizekapellmeister der Münchner Hofkapelle. In den vorhandenen Dokumenten wird Fossa allerdings weiterhin nur als Tenorist bezeichnet. Seit 1571 hat er die Aufsicht über die Chorknaben der Kapelle und hat ihnen in seinem Haus Kost und Unterkunft zu geben. Giovanni Gabrieli ist in den Jahren 1575 bis 1579 Schüler von Orlando di Lasso. Antonius Gosswin ist seit 1570 ein Angestellter der Hofkapelle von Wilhelm von Bayern und seit seiner Rückkehr 1576 vom Reichstag in Regensburg Organist an der Kirche St. Peter. Es gibt einen Beleg von 1577 über die Rückzahlung der Unterhaltskosten für die ihm unterstellten Chorknaben. Gioseffo Guami, der sich zwischen 1550 und 1560 in Venedig aufgehalten haben und dort Schüler von Adrian Willaert und Annibale Padovano gewesen sein soll, wirkt seit 1568 in München, wo er zum Hoforganisten berufen wird. Guami wirkt hier bis etwa 1579. Orlando di Lasso ist seit 1563 Kapellmeister der Münchner Hofkapelle. Zu Orlandos Aufgaben gehören u. a. Reisen durch Europa zur Anwerbung neuer Musiker, die Unterrichtung der Chorknaben, die teilweise sogar in seiner Familie leben, Proben mit den Musikern und die Komposition zahlreicher neuer Werke. 1577 erscheint mit 18 Werken seine umfangreichste Ausgabe von Messen bei Adrian Le Roy und Robert Ballard.

Burgundischer Reichskreis mini|links|Die Kathedrale zu Antwerpen. Gemälde von Domenico Quaglio, 1820. Markgrafschaft Antwerpen Jean de Castro, der bis 1576 in Antwerpen lebte und offenbar zeitweise als musikalischer Berater des Verlegers Pierre Phalèse gewirkt hatte, flüchtet auf dem Weg über Deutschland nach Frankreich, nachdem im November 1576 aufständische spanische Soldaten die Stadt Antwerpen teilweise zerstören. 1577 erscheinen von ihm in Genf 4 Motetten zu drei Stimmen und 8 Motetten zu drei Stimmen. Séverin Cornet, der seit 1564 in Mechelen an der St.-Rombouts-Kathedrale tätig war, ist seit 1572 der Nachfolger von Gérard de Turnhout als Kapellmeister der Kathedrale von Antwerpen. Anlässlich des Besuchs von Wilhelm von Oranien in Antwerpen 1577 schreibt Cornet die Musik. In Genf erscheinen von ihm 3 geistliche Kompositionen zu drei Stimmen im Sammelband Second Livre … des pseaumes et cantiques. Noé Faignient, der 1561 das Bürgerrecht in Antwerpen erhalten hat, wirkt seitdem hier als Musiklehrer. Das vierte Kind des Komponisten wird am 18. Dezember 1577 zu Lebzeiten des Vaters in der Antwerpener Kathedrale getauft. In einer Unterlage vom 20. Dezember 1578 wird seine zweite Ehefrau Anna Oldenhoff als Witwe bezeichnet; somit ist Faignient zwischen Dezember 1577 und Dezember 1578 verstorben.

Herrlichkeit Mechelen Jan van Turnhout, der vielleicht der jüngere Bruder von Gérard de Turnhout ist, wird am 9. August 1577 zum Kapellmeister der Stiftskirche Saint-Rombaut in Mecheln ernannt.

Herzogtum Brabant Jan van Wintelroy, der seit dem 19. Juli 1551 Chorleiter der Marienbruderschaft (niederländisch: Illustre onze liewe vrouwe broederschap) in ’s-Hertogenbosch war und diese Aufgabe über 20 Jahre lang bis zum 30. Juni 1574 ausgeübt hat, ist danach noch weiterhin zuständig für die musikalische Intonation der Kapelle der Bruderschaft. Jan van Wintelroy verstirbt nach 1576.

Herzogtum Limburg Ludovicus Episcopius kehrt am 18. Oktober 1577 in seine frühere Stellung als Kapellmeister und Kantor an der Kollegiatkirche St. Servatius in Maastricht für knapp fünf Jahre zurück.

Grafschaft Flandern George de La Hèle, der seit 1572 als Chorleiter an der Kirche St. Rombaut in Mecheln gewirkt hatte, ist in dieser Funktion seit 1574 an die Kathedrale von Tournai tätig. Andreas Pevernage, der seit 17. Oktober 1563 Kapellmeister an der Kirche Notre-Dame in Courtrai ist und 1564 zusätzlich eine Pfründe an Sankt Willibrordus in Hulst erhalten hat, übt die Kapellmeisterstelle bis 1577 aus. Laurent de Vos, der seit 1566 Musikdirektor und verantwortlicher Leiter der Chorknaben an der KathedraleCambrai war, ist seit 1570 wahrscheinlich Countertenor an der St.-Donatus-Kirche in Brügge und von August 1577 bis September 1578 Chorleiter an St. Martin in Ypern.

Grafschaft Holland Jan Pieterszoon Sweelinck, der älteste Sohn des Organisten Pieter Swibbertszoon und seiner Frau Elske Jansdochter Sweeling, lebt in Amsterdam und übernimmt nach Aussage von Sweelincks Schüler und Freund Cornelis Plemp im Jahr 1577 im Alter von 14 oder 15 Jahren das Organistenamt an der Oude Kerk. Nach Johann Mattheson ist er „schon in der Jugend, wegen seiner netten Fingerführung auf der Orgel, und überaus artigen Manier zu spielen, sonderlich berühmt“.Johann Mattheson: Grundlage einer Ehren-Pforte. Hamburg 1740, S. 331 (online, abgerufen am 15. September 2019)

Fränkischer Reichskreis mini|links|St.-Lorenz-Kirche in Nürnberg, Westfassade Markgraftum Brandenburg-Ansbach Teodoro Riccio, der nach seiner Ausbildung als Kirchenmusiker als Kapellmeister der Kirche Santa Nazaro in seiner Heimatstadt Brescia tätig war, erhält 1575 den Ruf zur Übernahme der Stelle des Hofkapellmeisters in Ansbach. 1577 veröffentlicht er in Nürnberg seine Canzone alia Neapolitana.

Reichsstadt Nürnberg Leonhard Lechner, der bis zirka 1570 als Sängerknabe am bayerischen Hof zu Landshut angestellt war, hält sich spätestens seit 1575 in Nürnberg auf. Hier hat er bis 1584 das untergeordnete Amt eines „Schulgehilfen“ an der St.-Lorenz-Schule inne. Sein Nürnberger Wirken ist durchaus von Anerkennung und Erfolgen begleitet; auch bieten ihm die 1568, 1571 und 1577 gegründeten privaten Zirkel musikliebender Nürnberger Patrizier (Sodalicium musicum) ein finanziell wie künstlerisch lohnendes Betätigungsfeld. 1577 erhält er eine Aufbesserung seines Gehalts (nach dem Ratsprotokoll vom 26. Juli 1577: „Weil Er ein solch gewaltiger Componist und Musicus“). In diesem Jahr veröffentlicht er in Nürnberg Der ander Theyl Neuer Teutscher Lieder […] Nach Art der Welschen Villanellen zu drei Stimmen und Newe Teutsche Lieder zu vier bis fünf Stimmen. Ferner bearbeitet er die 1576 bis 1579 in Nürnberg gedruckte Liedersammlung seines Zeitgenossen Jakob Regnart.

Kurrheinischer Reichskreis Kurpfalz Bartholomäus Agricola erhält seine musikalische Ausbildung in seiner Heimatstadt Amberg, wo der Komponist Mathias Gastritz als Organist an St. Martin wirkt. Agricolas früheste bekannte Kompositionen stehen in einem Karlsruher Chorbuch von 1575 bis 1585. In den Kirchenratsprotokollen ist am 31. Dezember 1577 vermerkt, dass „Barth. Agricola“ neben elf weiteren Schülern zum Examen für den Übertritt von der städtischen lutherischen Lateinschule in das kurfürstliche calvinistisch geprägte Pädagogium nicht erschienen sei. Möglicherweise sind konfessionellen Streitigkeiten der Grund dafür, dass Agricola auf die Vorteile verzichtet, die die Ausbildung im angesehenen Pädagogium mit sich gebracht hätte. Mathias Gastritz, der am 22. Dezember 1561 zum Organisten der Stadt Amberg bestellt wurde, wirkt fast 30 Jahre lang in den Diensten der Stadt.

Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis Reichsstadt Aachen Johannes Mangon, der von 1562 bis 1570 an der Kirche in Lüttich als Succentor gewirkt hatte und während dieser Zeit möglicherweise schon zeitweise den Domchor in Aachen geleitet hat, ist nachweislich von 1572 bis 1577 Leiter des Aachener Domchores.

Vereinigte Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg Martin Peudargent ist Hofkomponist in den Diensten von Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg.

Niedersächsischer Reichskreis mini|links|Dom zu Magdeburg St. Mauritius und St. Katharina Erzstift Magdeburg Sethus Calvisius, der seit 1569 die Schule in Frankenhausen besucht hatte, geht seit 1572 in Magdeburg zur Schule. Hier erbettelt und erwirbt er sich im Kirchendienst die finanziellen Mittel, um ab 1579 ein Studium aufnehmen zu können. Leonhart Schröter, der von 1561 bis 1576 als Stadtkantor in Saalfeld gewirkt hatte, ist seit 1576 Kantor an der Altstädter Lateinschule in Magdeburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1595 verbleibt.

Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel Johann Zanger der Ältere, der seit 1553 Pfarrer an der Petrikirche in Braunschweig war, ist seit 1571 Pfarrer an der Martinikirche. 1577 wird er Stellvertreter des Stadtsuperintendenten.

Herzogtum Mecklenburg-Schwerin Thomas Mancinus, der seit 1573 Nachfolger von Johannes Flamingus als Kapellmeister der heutigen Staatskapelle Schwerin war, ist – berufen durch Herzog Ulrich – seit Februar 1576 Komponist und Kapellmeister in Güstrow.

Hamburg Jacob Praetorius der Ältere, der wahrscheinlich in seiner Heimatstadt Magdeburg Unterricht von Martin Agricola erhielt, ist von 1555 bis zu seinem Tod 1586 als Organist und Kirchenkomponist an zwei Kirchen in Hamburg< nachweisbar.

Obersächsischer Reichskreis Fürstentum Anhalt Gallus Dreßler wirkt ab 1575 – nachdem 1574 die Philippisten unter Kurfürst August von Sachsen aus Sachsen vertrieben wurden – als Diakon an der St.-Nikolai-Kirche in Zerbst, in welchem Amt er 1581 verstorben zu sein scheint. 1577 erfolgt in Magdeburg eine Wiederveröffentlichung seiner Cantiones sacrae 4, 5 et plurium vocum. mini|links|Thomaskirche in Leipzig (1547)

Kurfürstentum Sachsen Elias Nikolaus Ammerbach, der von 1548 bis 1549 an der Universität Leipzig studiert hatte, wirkt danach, vermutlich bis an sein Lebensende 1597, als Thomasorganist an der Thomaskirche. Joachim a Burck, der ab 1563 Kantor an der Lateinschule in Mühlhausen war, ist seit 1566 Organist an der Kirche Divi Blasii in Mühlhausen. Daneben ist er als Geschichtsschreiber und öffentlicher Notar tätig. Wolfgang Figulus ist von 1551 bis zu seiner Pensionierung 1588 Kantor und Lehrer an der Fürstenschule in Meißen. Er unterrichtet die Fächer Musik, Latein und Religion und sorgt für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Afrakirche. Seine Frau und drei Söhne sowie drei Töchter sterben im Winter 1576/77 an der Pest.