Die lateinische Wendung sub rosa (wörtlich „unter der Rose“) hat die Bedeutung „unter dem Siegel der Verschwiegenheit“.sub rosa, Duden online Offenbar handelt es sich um eine Übersetzung ins Neulateinische, da entsprechende Wendungen in einigen westgermanischen Sprachen deutlich vor dem ersten bekannten Beleg der lateinischen Form von 1654 E. Gayton: Pleasant Notes Don Quixot. iii. v. 93: „What ever thou and the foule pusse did doe (sub Rosa as they say)“. Zitiert in: Oxford English Dictionary, s. v. sub rosa. bezeugt sind, also im frühen Neuniederländischen („onder de roose“), im Mittelniederdeutschen („under der rosen“), im Frühneuhochdeutschen („unter der rose“) sowie im Englischen („under the rose,“ erstmals 1546 belegtState Papers Henry VIII (1852) XI. 200: „The sayde questyons were asked with lysence, and that yt shulde remayn under the rosse, that is to say, to remayn under the bourde, and no more to be rehersyd.“ Zitiert in: Oxford English Dictionary, s. v. rose / P1. under the rose.).
Frühe Belege aus dem Deutschen finden sich zum Beispiel bei Sebastian Brant 1494Brant: Das Narrenschiff 7, 13:
und wills jn bichtswisz han geton, das nit verwissung kum darvon und das ers under der rosen hett und jn din eigen hertz geredt.
und in einem Gedicht von Hans SachsZitiert in: Grimm: DWB. Bd. 14, Sp. 1180.:
doch als [=alles] was wir heint theten kosen sol als ghredt sein undter der rosen auff das kein wörtlein weitter kumb.
In Grimms Deutschem Wörterbuch und anderen Werken wird die Frage nach der Herkunft betreffend auf die Schweigerose verwiesen, also die an der Decke von Konventsälen, an Beichtstühlen und in Rittersälen als Symbol des Schweigens angebrachte geschnitzte oder gemalte Rose. Eine weitere Herleitung geht von mit Rosen bekränzten Zechern beim Gastmahl aus, also dass etwas, das vertraulich unter Freunden beim Wein geredet wird, nicht nach außen dringen soll.Grimm: DWB. Bd. 14, Sp. 1179f. Schließlich gibt es noch eine mythologische Herleitung, dass nämlich die Rose ein Geschenk der Venus/Aphrodite an Harpokrates, den Gott des Schweigens, gewesen sein soll, um sicherzustellen, dass über die diversen Liebeshändel der Göttin der Liebe Verschwiegenheit gewahrt bleibe.Siehe z. B. Johann Baptist Friedreich: Die Symbolik und Mythologie der Natur. Stahel, Würzburg 1859, . Belegt wird das durch ein spätlateinisches EpigrammHeinrich Meyer: Anthologia veterum Latinorum epigrammatum et poematum. Bd. 2. Fleischer, Leipzig 1835. Nr. 1550, .:
Est rosa flos Veneris, cujus quo furta laterent Harpocrati matris dona dicavit amor. Inde rosam mensis hospes suspendit amici, Convivae ut sub ea dicta tacenda sciat.
Die deutsche Form der Wendung war vom 15. bis in das 17. Jahrhundert häufig und ist heute ganz ungebräuchlich, die lateinische Form war bis ins 19. Jahrhundert noch geläufig. Bekannt ist das GoethezitatAus dem Gedicht „An die Günstigen“. In: Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Erster Band. J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1827. S. 12:
Niemand beichtet gern in Prosa; Doch vertraun wir oft sub Rosa In der Musen stillem Hain.
Heute ist die Wendung sub rosa selten: Häufigkeitsklasse: 21 (Wortschatzlexikon der Universität Leipzig) und wird allenfalls bildungssprachlich verwendet.
Gebräuchlicher ist die Redewendung „etwas durch die Blume zu sagen“, die aber vermutlich auf die Blumensprache zurückgeht, in der Blumen bestimmte Aussagen zugeordnet sind.
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Kategorie:Lateinische Phrase