Xibalbaonyx ist eine ausgestorbene Gattung der Faultiere aus der Familie der Megalonychidae. Sie ist über mehrere Schädel und einzelne Reste des Körperskelettes belegt. Die Funde stammen aus zwei unterschiedlichen Fundregionen im heutigen Mexiko: einerseits aus verschiedenen Cenoten von der Halbinsel Yucatán, andererseits aus der Chapalasee-Region weiter westlich gelegen. Das Fossilmaterial datiert in das ausgehende Pleistozän. Es zeugt von einem großen Vertreter der Familie, der in etwa die Ausmaße von Megalonyx erreichte. Als besondere Merkmale sind die sehr kleinen vorderen eckzahnähnlichen Zähne zu nennen, ebenso das Fehlen eines Scheitelkamms, der ansonsten typisch ist für zahlreiche ausgestorbene Angehörige der Megalonychidae. Die Tiere ernährten sich von weicher Blattnahrung, einzelne anatomische Unterschiede lassen jedoch auf regionale Abweichungen schließen. Die Gattung wurde im Jahr 2017 eingeführt. Ein weiterer, im gleichen Jahr benannter großer Vertreter der Megalonychidae aus Mexiko könnte identisch mit Xibalbaonyx sein.
Merkmale Xibalbaonyx war ein großer Vertreter der Megalonychidae. Er erreichte im Maximum die Ausmaße von Megalonyx, der wiederum etwa Rindergröße besaß. Belegt ist Xibalbaonyx über mehrere Schädelfunde und einzelne Teile des Bewegungsapparates. Ein Teilskelett gehört einem nicht vollständig ausgewachsenen Individuum von schätzungsweise 2 m Länge und 200 kg Körpergewicht an. Der Schädel variierte in seiner Länge von 29 bis 39 cm bei einer Breite von 12 bis 14,6 cm (ohne Jochbogen) und einer Höhe von 15,7 bis 21,4 cm. In Seitenansicht war der Schädel an der Stirnlinie regelmäßig aufgewölbt. Lediglich auf Höhe des Nasenbeins zog der Schädel markant ein und setzte so das stumpfe Rostrum deutlich ab. Dies ist ein auffallender Unterschied zu den heutigen Zweifinger-Faultieren (Choloepus), bei denen der Schädel fließend in die Schnauze übergeht. Außerdem ist bei diesen der Schädel hinten stärker aufgewölbt. Das Nasenbein verlief bei Xibalbaonyx nahezu horizontal. Insgesamt nahm es rund ein Drittel der gesamten Schädellänge ein. Die Nasenöffnung maß bei großen Individuen 7,2 cm in der Breite und 8,5 cm in der Höhe und stand nahezu senkrecht. Sie hatte nicht die vergleichsweise großen Ausmaße wie bei Ahytherium. Die gegenüber der Breite recht große Höhe der Nasenöffnung bewirkte auch, dass der Oberkiefer sehr hoch war. Er überragte das Nasenbein etwas, in Seitenansicht hatte er eine Trapezform mit der größeren Längskante an der Basis. Das Stirnbein beanspruchte ebenfalls rund ein Drittel der Schädellänge. An seinem vorderen Ende schob sich das Nasenbein weit nach hinten. Auf dem stark gewölbten Scheitelbein waren zwei markante Temporallinien ausgebildet, die nahezu parallel liefen. Ein Scheitelkamm, wie er bei Megalonyx, Ahytherium oder bei einigen karibischen Vertretern der Megalonychidae vorkam, bestand dem gegenüber nicht. Wie bei vielen Faultieren bildete der Jochbogen keinen vollständig geschlossenen Bogen. Der vordere Bogenabschnitt bestand typischerweise aus drei Fortsätzen: einem jeweils langen aufsteigenden und absteigenden sowie einem kurzen horizontal verlaufenden. Der auf- und der absteigende Fortsatz standen im rechten Winkel zueinander, die Öffnung zwischen beiden war damit weiter als bei Megalonyx. Der hintere Bogenansatz war ebenfalls lang ausgezogen, er begann am hinteren Abschnitt der Temporallinien, die hier das Schläfenbein querten. Das Jochbein bildete zusätzlich einen Teil des Orbitarandes. In der hinteren Ansicht hatte das Hinterhauptsbein eine runde Form. Die Gelenkfortsätze zur Verbindung mit der Halswirbelsäule waren konvex geformt und nach unten orientiert. Außerdem war am Hinterhauptsbein ein markanter horizontaler Wulst ausgebildet. An der Schädelbasis wirkte die Glenoidgrube zur Gelenkung mit dem Unterkiefer flach sowie breit in Quer- und schmal in Längsrichtung des Schädels. Die Flügelbein-Region war aufgebläht und hohl und damit in Längsrichtung gestreckt sowie von rhombischer Gestalt. Am Gaumen kamen wenigstens 40 kleine Knochenöffnungen (Foramina) von 0,2 bis 1,5 mm Durchmesser vor.
Der Unterkiefer war massiv und kompakt gestaltet. Er maß zwischen 21 und 30,3 cm in der Länge. In Seitenansicht hatte er die Form einer Sanduhr. Die für Faultiere charakteristische löffelartige Verlängerung der Symphyse am vorderen Ende des Unterkiefers war bei Xibalbaonyx mit 1 bis 3 cm vergleichsweise kurz. Sie verjüngte sich zur Spitze hin. In ihren Ausmaßen entsprach die Verlängerung etwa der von Nohochichak, war aber länger als bei Megalonyx und kürzer als bei Pliometanastes. Die Unterkante des horizontalen Knochenkörpers verlief sinusartig mit der größten Ausstülpung unterhalb der Zahnreihe. Im Bereich des Diastemas kamen zahlreiche Foramina vor, deren Öffnungen je 0,5 mm betrugen; sie werden teils als Foramen mentale gedeutet. Der aufsteigende Ast war breit und bis zu 13 cm hoch. Seine Vorderkante verdeckte in Außenansicht den hintersten Zahn vollständig. Der Kronenfortsatz erhob sich rund 5 cm über der Oberkante des horizontalen Knochenkörpers. Der Gelenkfortsatz saß niedriger, was wiederum einen Unterschied zu Meizonyx darstellt. Das Gelenk selbst war in Aufsicht lang sanduhrförmig, in Seitenansicht aufgewölbt. Der markante Winkelfortsatz am hinteren Ende des Unterkiefers bildete einen stumpfen Abschluss. Am Ansatz des Kronenfortsatzes öffnete sich der Mandibularkanal auf der Außenseite des Unterkiefers auf 10 mm Weite. Er trat am Foramen mandibulae unterhalb des Kronen- und Gelenkfortsatzes an der Innenseite des Unterkiefers wieder hervor. Das Foramen selbst war teilweise gedoppelt im Unterschied zu Meizonyx und Nohochichak mit ihrem einfachen Foramen mandibulae.
Das Gebiss besaß den für Faultiere typischen Aufbau bestehend aus je einem eckzahnartigen (caniniformen) Zahn im vorderen Abschnitt und mehreren molarenartigen (molariformen) Zähnen im hinteren. Im oberen Gebiss gab es je Kieferhälfte vier, im unteren je drei molariforme Zähne, so dass das Gebiss insgesamt aus 18 Zähnen bestand. Der caniniforme Zahn wies einen ovalen bis dreieckigen Querschnitt auf, in der oberen Zahnreihe war er nach hinten gekrümmt, in der unteren dagegen mehr oder weniger gerade verlaufend. Er überragte die hinteren Zähne aber nur geringfügig und war damit vergleichsweise klein. An der Spitze bestand jeweils eine Scherkante, sie wies beim oberen caniniformen Zahn nach hinten, beim unteren nach vorn. Zum hinteren Gebissabschnitt bestand ein Diastema. Im Oberkiefer nahm dieses rund ein Viertel der Schädellänge ein, im Unterkiefer wies es etwa die Länge des Symphysenfortsatzes auf. Die molariformen Zähne waren rechteckig, trapezförmig oder oval im Querschnitt und hatten hohe Zahnkronen. Ihre Kauoberflächen zeigten sich in Übereinstimmung mit anderen Vertretern der Megalonychidae typisch bilophodont (mit zwei quergestellten Leisten auf der Kauoberfläche). Zwischen den einzelnen Leisten war der Zahn tief eingeschnitten. Die gesamte obere Zahnreihe maß bei großen Individuen 16,8 cm in der Länge einschließlich des rund 8 cm langen Diastemas. Der entsprechende Wert für die untere Zahnreihe lautete 13,1 cm (einschließlich eines 4,9 cm langen Diastemas), hier nahmen die hinteren Zähne davon 7,8 cm ein.
Vom postcranialen Skelett sind einzelne Teile belegt. Das Schulterblatt war rundlich gestaltet, geteilt durch die Schultergräte in zwei etwa gleich große Abschnitte. Die Glenoidgrube, die Gelenkkapsel für den Oberarm, hatte eine lang-ovale und flache Gestalt. Der Oberarmknochen war kurz und robust gebaut bei einer Länge von 32 cm. Der Schaft zeichnete sich durch kräftige Muskelmarken und Knochenleisten aus, hierzu gehört etwa die seitlich am Schaft entlanglaufende deltopectorale Leiste, die eine deutlich aufgeraute Fläche bildete. Sie gab der Knochenoberfläche einen rauen Charakter. Das untere Gelenkende war weit ausladend. Die Elle erreichte fast die Länge des Oberarmknochens, ist aber nur stark beschädigt überliefert. Rekonstruiert besaß sie einen leicht gekrümmten Verlauf. Die Gelenkkapsel, die das untere Gelenk des Humerus fasste und so gemeinsam mit diesem das Ellenbogengelenk bildete, öffnete sich weit mit einer Rundung um 120°. Die Speiche wies eine langschmale Gestalt auf. Der Oberschenkelknochen wurde wenigstens 32 cm lang. Wie üblich bei bodenlebenden Faultieren war er breit und flach, die Schaftlänge übertraf die -breite um rund das Doppelte. Die größte Breite wurde am oberen Gelenkende erreicht. Das kugelige Gelenk zeigte nach hinten und saß auf einem kurzen Hals. Der große Rollhügel war kräftig ausgebildet, der kleine und der dritte Rollhügel bestanden dagegen nur als jeweils aufgeraute Fläche. Letzterer befand sich seitlich am Schaft. Charakteristisch für viele bodenlebende Faultiere wurde das Schienbein nur halb so lang wie der Oberschenkelknochen. Sein Schaft, der entlang der Längsachse etwas gebogen verlief, besaß die Form einer Sanduhr, wobei der Querschnitt am oberen Ende größer war als der am unteren. Von den Händen und Füßen konnten bisher nur einzelne Wurzelknochen und Zehenglieder geborgen werden. Die jeweiligen Endphalangen waren symmetrisch gestaltet. Sie liefen spitz zu und erwiesen sich als teils deutlich krallenartig gekrümmt.
Fossilfunde Das bisher bekannte Fossilmaterial von Xibalbaonyx entstammt zwei weiter entfernten Fundregionen in Mexiko. Der erste und zur Beschreibung der Gattung verwendete Fund kam auf der Halbinsel Yucatán zu Tage. Er wurde dort in der Cenote von El Zapote westlich von Puerto Morelos und etwa 36 km südlich von Cancún sowie 90 km nördlich von Tulum im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo entdeckt. El Zapote ist Teil eines über 7000 km langen unterirdischen Karstsystems, von dem bisher nur ein geringer Teil untersucht wurde. Der Zugang zu El Zapote liegt heute unter Wasser und besteht aus einem rund 30 m langen und etwa 10 m breiten Kamin, der zu einer 40 m breiten und 60 m hohen Kammer führt. Diese ist mit kalkreichen Speläothemen bedeckt, die aufgrund ihrer großen, 2 m und mehr messenden sowie charakteristischen Form als „Höllenglocken“ bezeichnet werden. Innerhalb der Kammer fanden sich die Reste von Xibalbaonyx in 50 bis 55 m Tiefe. Sie bestehen aus einem weitgehend vollständigen Skelett, das sich über eine Fläche von 3 m Ausdehnung verteilt, der Schädel lag etwas isoliert von den restlichen Körperpartien. Von dem Skelett wurden neben dem Schädel aber bisher lediglich Teile geborgen. Dazu gehören mehrere Wirbel wie der erste und der zweite Halswirbel sowie Fragmente der Hals-, Brust- und Schwanzwirbel, ebenso wie Abschnitte des Brustkorbes, etwa einzelne Rippen, und der Vorder- und Hintergliedmaßen. Radiocarbondatierungen geben dem Fund ein Alter von 10.647 bis 10.305 Jahren BP. Die Daten zeigen an, dass die Cenote wie ein Großteil des Karstsystems im Übergang vom Pleistozän zum Holozän durch den steigenden Meeresspiegel infolge der Gletscherschmelze der letzten Kaltzeit geflutet wurde.
Ein Unterkiefer, ein Halswirbel und ein Oberarmknochen kamen zusätzlich in der Cenote Tortugas auf Yucatán zum Vorschein, lokal auch als Cementerio de Xenartros (spanisch für „Friedhof der Nebengelenktiere“) bezeichnet. Diese befindet sich nur 2 km südwestlich von El Zapote. Sie hat einen Durchmesser von 25 m und eine Tiefe von 55 m, wobei sich die Faultierreste nur 1 m oberhalb des tiefsten Punktes fanden. Ein Zugang zu anderen Cenoten der Region besteht nicht. Ebenfalls von der Halbinsel ist mit Nohochichak ein weiterer großer Vertreter der Megalonychidae mit nahezu zeitgleichem Auftreten belegt.