Hermann Worthoff (* 23. März 1910 in Bergisch Gladbach; † 28. März 1982 in Eupen, Belgien) war ein deutscher Kaufmann, der als Judenreferent maßgeblich an der Deportation von Juden aus den Ghettos Lublin und Warschau beteiligt war.

Tätigkeit Worthoff war gelernter Kaufmann, zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP (Mitgliedsnummer 3.509.787) und zum 1. Juni 1933 der SS (SS-Nummer 162.819) bei.Bundesarchiv R 9361-III/564743 1937 war er bei der Gestapo zunächst in Köln, danach 1938 in Klagenfurt tätig. Während des Zweiten Weltkrieges war er vom Mai 1941 bis August 1944 Judenreferent beim Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD Lublin. In dieser Funktion führte er die Räumung des Ghettos Lublin durch,„Befehlshaber vor Ort“ – Wolfgang Curilla: Der Judenmord in Polen und die deutsche Ordnungspolizei 1939–1945, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77043-1, S. 767 mit Anm. 14. bei der im März und April 1942 etwa 8000 Juden in das Vernichtungslager Belzec verschleppt wurden. Ein weiterer Teil wurde an Ort und Stelle oder in der näheren Umgebung erschossen, namentlich die Insassen der jüdischen Krankenhäuser und des Waisenhauses. Als das Ghetto Maidan-Tatarski am Rande von Lublin Ende 1942 aufgelöst wurde, war er bei der Aussonderung von Opfern tätig; in einem Fall leitete er selbst das Erschießungskommando.C.F. Rüter, D.W. de Mildt (Hrsg.:) Justiz und NS-Verbrechen, Bd. XL, Lfd.Nr.826 LG Wiesbaden 15.12.1975; S. 609–722

Im Juli 1942 war er unter Kommando von Hermann Höfle bei der Räumung des Warschauer Ghettos tätig.Alle Daten s. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, aktual. Ausgabe Frankfurt/M. 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 687 / Abgleich mit: Klaus-Peter Friedrich (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung), Band 9: Polen: Generalgouvernement August 1941–1945, München 2013, ISBN 978-3-486-71530-9, S. 239 mit Anm. 27.

Nachkriegszeit Worthoff lebte nach dem Krieg bis 1953 unter dem Namen Hermann Josef Schmitz als Handelsvertreter. Seine Ehefrau hatte ihn als vermisst gemeldet und bezog Hinterbliebenenrente. Am 16. Dezember 1975 wurde er in einem abgetrennten Verfahren vom Landgericht Wiesbaden unter anderem wegen Beihilfe zum Mord von 8000 Bewohnern des Ghettos Lublin zu einer Gesamtstrafe von acht Jahren Haft verurteilt.C.F. Rüter, D.W. de Mildt (Hrsg.:) Justiz und NS-Verbrechen, Bd. XL, Lfd.Nr.826 LG Wiesbaden 15.12.1975; S. 609–722

Literatur Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage, Fischer-Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 687.

Einzelnachweise

Kategorie:Person (Aktion Reinhardt) Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Polizist im Nationalsozialismus Kategorie:Person (deutsche Besetzung Polens 1939–1945) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1910 Kategorie:Gestorben 1982 Kategorie:Mann