Das Pumpspeicherkraftwerk Koralm war ein geplantes Pumpspeicherkraftwerk im weststeirischen Koralmgebiet. Mit einer projektierten Maximalleistung von etwa 960 Megawatt wäre es das leistungsstärkste Kraftwerk in der Steiermark gewesen.
Projektbeschreibung Der Standort des geplanten Kraftwerksprojekts im Bezirk Deutschlandsberg liegt auf der Ostabdachung der Koralm. Ein Oberspeicher sollte mit Stauziel auf Seehöhe auf der Glitzalm zwischen Frauenkogel und Ochsenofen errichtet werden. Er sollte 4,9 Millionen m³ Wasser speichern können, als Abschlussdamm sollte ein etwa 640 m langer bepflanzter Erdschüttdamm dienen. Der Unterspeicher war im Talraum des Seebaches (Flurbezeichnung Waldsteinbauer) auf einer Höhe von (Stauziel) geplant und sollte einen Speichernutzinhalt von 4,5 Mio. m³ haben. Er sollte einen 800 m langen, 90 m breiten Steinschüttdamm als Abschlussdamm erhalten. Die beiden Becken sollten via Kraftstation durch Pump- und Druckleitungen verbunden werden.
Die Kraftstation war als Kavernenkraftwerk am tiefsten Punkt der Leitungen geplant mit einer Maximalleistung von rund 970 MW im Pumpbetrieb und rund 960 MW im Turbinenbetrieb. Als Maschinen waren vier ternäre Maschinensätze vorgesehen. Die Kaverne sollte über einen 2343 m langen Zufahrtsstollen erschlossen werden.
Der Projektstandort liegt im Geltungsbereich der Alpenkonvention, der Standort des Oberspeichers auch im Europaschutzgebiet Koralpe. Für das Projekt hätten etwa 15 Hektar Wald gerodet werden müssen.
Funktionsweise mini|Das Speicherkraftwerk unweit der Grenze Kärnten/Steiermark sollte an die nahegelegene 380-kV-Hochspannungsleitung anbinden.
Die geplante Anlage hätte quasi zur Speicherung elektrischer Energie durch Hochpumpen von Wasser dienen sollen. Bei Energiebedarf im Stromnetz wäre mittels Pumpen und Generatoren Strom gewonnen worden, wobei dann das Wasser in den Unterspeicher geflossen wäre. In Zeiten von Energieüberschuss im Netz sollte das Wasser wieder in den Oberspeicher gepumpt werden.
Nach einer einmaligen Wasserentnahme aus dem Seebach (Dauer etwa zwei Jahre) sollte der Wasserkreislauf ein fast geschlossenes System darstellen. Verdunstungsverluste sollten durch anfallende Niederschlags- und Bergwässer ausgeglichen werden.
Geschichte Die Betreiberfirma Pumpspeicherkraftwerk Koralm GmbH wurde im August 2012 gegründet. Das Projekt wurde im Jänner 2013 erstmals den betroffenen Gemeinden vorgestellt.
Im Mai 2016 bestimmte das Land Steiermark in einem Feststellungsbescheid, dass für das Projekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig sei, da das zu bebauende Land nicht in einem Landschaftsschutzgebiet liege, außerdem sahen sie den Bau mangels Ausleitung nicht als Wasserkraftanlage. Umweltschützer legten gegen den Bescheid Beschwerde ein. Am 10. August 2016 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass für das Projekt durchaus eine UVP durchgeführt werden muss. Ein Einwand dagegen durch die Betreiber wurde vom Verwaltungsgerichtshof als unbegründet abgewiesen.
Kritik Kritik am geplanten Bauvorhaben kam von Anrainern sowie von Natur- und Umweltschutzorganisationen.
Die Marktgemeinde Schwanberg fürchtete, durch den Baustellenverkehr nicht die angestrebte Auszeichnung als Kurort „Bad Schwanberg“ erlangen zu können.
Im Zuge der Einleitung der UVP gründete sich die Bürgerinitiative „Nein zum Industriepark Koralm“, die das Projekt ablehnt. Sie kritisiert, dass der geplante Standort Glitzkar als Natura-2000-Gebiet nominiert ist, und befürchtet zahlreiche negative Auswirkungen auf Natur und Gewässer (Schwarze Sulm, Seebach, …) in der Region. Der Aussage der Projektbetreiber, mit dem Pumpspeicherkraftwerk solle Windenergie eingespeichert werden, entgegnet die Bürgerinitiative, dass Pumpspeicherkraftwerke wirtschaftlich rentabel nur mit billigem Strom aus Atomkraft- oder Kohlekraftwerken betrieben werden können, da Ökostrom am Strommarkt die höchsten Preise erziele. Diese Bedenken teilt der Österreichische Alpenverein, der bei einer Pressekonferenz im Juli 2019 auch auf die Bedrohung von fünf Wanderwegen durch das Projekt hinwies.„Angriff auf grünes Herz Österreichs“. ÖAV in: APA-OTS. 17. Juli 2019, abgerufen am 23. Juli 2019.
Betreiber und Kosten Projektbetreiber war die Pumpspeicherkraftwerk Koralm GmbH, die zu 50 Prozent der Mohik-Wertholz GmbH von Alfred Liechtenstein, zu 48 Prozent der Sonnhof Entwicklungs GmbH von Peter Masser und zu je einem Prozent der Andritz Hydro GmbH und der Porr Bau GmbH gehört.Firmenbuch Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz Nr. FN 384545h. (Abgerufen am 23. August 2026).
Als Investitionskosten für das Projekt wurden 800–1000 Millionen Euro (Stand 2016) kolportiert.
Bescheid und Bekämpfung Nach über 5 Jahren Dauer der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erging am 9. September 2021 der positive Bescheid der Behörde des Landes Steiermark. Demnach muss binnen 10 Jahren der Bau begonnen und binnen 20 Jahren abgeschlossen sein. Eine steirische Umweltanwältin und NGOS kündigten an, diese erstinstanzliche Einschreibung beim Verwaltungsgerichtshof in Wien zu bekämpfen.Grünes Licht für Koralm-Kraftwerk orf.at, 9. September 2021, abgerufen am 9. September 2021. Das Bundesverwaltungsgericht gab nach Überprüfung der UVP 2023 der entsprechenden Beschwerde statt.Pumpspeicherkraftwerk Koralm vom Tisch. In: orf.at. 4. Juli 2023, abgerufen am 13. August 2026. Eine Beschwerde der Projektbetreiber gegen diese Entscheidung vor dem Verfassungsgerichtshof wurde abgewiesen und der Verwaltungsgerichtshof bestätigte im August 2026 in einer von den Projektbetreibern angestrengten außerordentlichen Revision das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts.Pumpspeicherkraftwerk endgültig Geschichte. In: orf.at. 13. August 2026, abgerufen am 13. August 2026.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Geplantes Wasserkraftwerk Kategorie:Geplantes Bauwerk in Österreich Kategorie:Koralpe Kategorie:Nicht realisiertes Bauprojekt