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Das Druckkombinat Berlin war einer der größten Druckereibetriebe in Ost-Berlin. Sein Ursprung lag im Berliner Zeitungsviertel in der Friedrichstadt. Hier hatten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche Zeitungsverlage niedergelassen. Darunter befand sich der Zeitungsverlag von Rudolf Mosse, der sich einen eigenen Betrieb in einem Neubau einrichtete. Ebenfalls in diesem Gebäude wurde im Jahr 1918 das Berliner Tageblatt in einer weiteren Druckerei produziert.Jörg Niendorf: Worte wie in Blei gegossen. In: Berliner Zeitung, 23. November 2018, S. 6.

Nach Wechsel der Eigentumsformen und Besitzer war in den 1950er Jahren durch Zusammenschluss mehrerer kleiner Druckereien und Verlage ein Volkseigenes Kombinat gebildet worden. Dieses führte bis zur deutschen Wiedervereinigung fast alle Druckaufträge Berliner Parteien, Massenorganisationen und Großbetriebe aus. Diese reichten von Servietten, Zeitungen und auflagenschwachen Zeitschriften, Plakaten, Urkunden, Vordrucken aller Art, Einladungen, Büchern bis zu Hochglanzbroschüren. Nach 1990 übernahm ein Würzburger Privatinvestor einen großen Teil des Betriebes, wandelte ihn in eine GmbH um und gab ihm den Namen Druckhaus Berlin-Mitte (DBM).

Geschichte

Vorgeschichte 1900–1945 Der Buchhändler Rudolf Mosse hatte 1901–1903 von den Architekten Wilhelm Cremer und Richard Wolffenstein ein Verlagshaus in der Schützenstraße, mitten im Berliner Zeitungsviertel, errichten lassen. Pferdewagen und später Automobile lieferten von hier aus fast rund um die Uhr die Morgen-, Mittags-, Abend- und Nachtausgaben der Tageszeitungen zu den Verkäufern in der ganzen Stadt. Die Blätter waren auf den neuesten Setz- und Druckmaschinen hergestellt worden. Wegen des raschen Wachstums der Branche ließ Mosse vom Architekten Erich Mendelsohn in den 1920er Jahren einen Erweiterungsbau errichten, der dem Haus das markante abgerundete Eck gab. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden in der Berliner Verlagsanstalt neben Tageszeitungen auch Illustrierte, Kurs- und Kochbücher, Plakate für Kinos und Theater sowie verschiedene Fachzeitschriften gedruckt.

Während der NS-Zeit entstanden weiterhin vor allem Tageszeitungen im Mossehaus, das Berliner Tageblatt musste aber aufgegeben werden.

Kurze Nachkriegsentwicklung 1945–1950 Am Ende des Krieges, als die Alliierten vor allem Berlins Zentrum bombardierten, wurde Anfang Februar 1945 auch das Verlagshaus Mosse schwer beschädigt.

Mit der Teilung Berlins fand sich das Zeitungsviertel in zwei verschiedenen Sektoren der Stadt wieder, viele Jahre lang verlief die Berliner Mauer mitten durch das Viertel. Die Schützenstraße befand sich im Sowjetischen Sektor. Großindustrielle und andere Fabrikanten wurden enteignet, so auch Rudolf Mosse. Das Haus selbst wurde notdürftig wiederaufgebaut.

Die verbliebene arbeitsfähige Druckerei Berliner Verlagsanstalt GmbH und die technische Ausrüstung des Tageblatts wurden am 16. Mai 1945 der SMAD unterstellt und am 26. Mai 1945 beim Berliner Magistrat als Vereinigte Druckereien der Täglichen Rundschau registriert. Sie brachte aber bereits am 15. Mai 1945 die erste Nachkriegszeitung für Berlin heraus, die Tägliche Rundschau mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren.Halen, Greve, S. 28.

Aufstieg und stetiges Wachstum 1951–1990 Am 1. Juli 1951 schlossen sich 53 Kleinbetriebe aus dem Druckgewerbe zum VEB Industriedruck zusammen, die in zwei Werkteile (WT) gegliedert wurden: WT I (Mühlenstraße) und WT II (Markusstraße). Zum Zwecke der Nachwuchsausbildung entstand im Jahr 1955 die Zentrale Graphische Werkstatt als Betriebsberufsschule.Jürgen Fötsch: Gedanken. In: DK-Mitteilungen, Nr. 4, Okt. 1989; S. 2. Im Jahr 1958 kam der Werkteil III, das Gebäude des ehemaligen Mosse-Verlags (Schützenstraße) hinzu, in dem 64 Personen beschäftigt waren. Im Lauf der nächsten Jahre wuchs die Belegschaft auch durch neu eingegliederte ehemalige selbstständige Kleinbetriebe.

Aus dem Industriedruck wurde am 1. Januar 1956 der VEB Graphische Werkstätten Berlin, die Produktionsarbeiter hatten im Vorfeld nach neuen Arbeitsmethoden (Luise-Ermisch-Methode) eine Leistungssteigerung von 6,4 Prozent erreicht.Chronik, S. 4. Erster Leiter der Graphischen Werkstätten wurde der Drucker Waldemar Borde.

Die vereinfacht wiederaufgebaute Kriegsruine in der Schützenstraße genügte den Repräsentationsvorstellungen des Ost-Berliner Magistrat zu Anfang der 1960er Jahre nicht mehr, so dass unter anderem der rund 20 Meter hohe Eckturm eine glatte Fassade erhielt, um „dem Bauwerk ein zeitgemäßes Äußeres“ zu geben. Am 29. September 1961 wurde das Richtfest für das umgebaute Mossehaus gefeiert.

Nachdem am 13. August 1961 mit dem Mauerbau aus der politischen Teilung Berlins auch zwei getrennte Stadthälften entstanden, gab es stetig Versuche, die Mauer zu überwinden. So hatte im Sommer 1962 ein Kreuzberger Bürger einen Fluchttunnel zur Zimmerstraße gegraben, um DDR-Flüchtlinge durch diesen Geheimgang nach West-Berlin zu führen. Bei dieser Aktion kam der DDR-Grenzsoldat Reinhold Huhn nach der Aufforderung zur Personenkontrolle durch Schüsse ums Leben. Die Schützenstraße erhielt ihm zu Ehren im Jahr 1967 den neuen Namen Reinhold-Huhn-Straße und ein Gedenkstein wurde in der Nähe des Druckbetriebes aufgestellt.

In den späten 1960er Jahren zeichnete sich eine enorme Nachfrage nach Druckerzeugnissen ab, weswegen eine zentrale Berliner Arbeitsgruppe ein Programm zur schrittweise besseren Bedarfsdeckung erarbeitet hatte. Wichtigste Maßnahmevorschläge waren: Grundlegende Neuprofilierung der polygrafischen Industrie Berlins, Abdeckung des Berliner Antragsaufkommens ist (nunmehr) eine zentrale Aufgabe der polygraphischen Industrie und ihrer Leitungen, Bereitstellung finanzieller Mittel zur besseren Versorgung mit Drucksachen, um (beispielsweise) den Ankauf von neuer Technik und die zusätzliche Belieferung mit Papier für das Druckkombinat zu ermöglichen.Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus … In: DK-Mitteilungen, Dezember 1968, S. 2.

Als Berliner Antragsaufkommen wurden folgende Erzeugnisse definiert: Werbedrucke, Drucksachen für Wirtschaft, Verwaltung und Bevölkerung, Etiketten und Zeitschriften mit speziellem Inhalt.

Für das Druckkombinat ergab sich aus diesem Strategiepapier, dass eine weitere Profilierung nach dem Erzeugnisprinzip zu erfolgen hatte, vor allem war die Zeitschriftenherstellung in der Reinhold-Huhn-Straße zu modernisieren. In der Lichtenberger Bornitzstraße Ecke Ruschestraße war ein Neubau geplant, in dem Werbedrucksachen einschließlich Plakaten und allen oben genannten Drucksachen mit den damals bekannten Druckverfahren gefertigt werden sollten. Eine speziell gebildete Arbeitsgruppe aus Ingenieuren des Ingenieurbüros der VOB Zentrag und Technologen des Druckkombinates (Führungsstab Neubau Bornitzstraße) untersuchte die Realisierungs­möglichkeiten. Wie die weitere Entwicklung zeigte, wurde kein Neubau errichtet.

Zum 1. Januar 1968 entstand aus den Graphischen Werkstätten und weiteren Betrieben das Druckkombinat Berlin, das Aufträge aus der Berliner Verwaltung, aus den Parteien und Massenorganisationen, aus Theatern, Kinos und dem Staatlichen Kunsthandel ausführte. Zu dieser Zeit hatte das Druckkombinat etwa 2000 Mitarbeiter.C Rep. 100-05 – Magistrat von Berlin, Büro des Magistrats, lfd. Nr. 1398. (4.) Magistratssitzungen vom 13. Februar 1953 bis 28. Mai 1990: Veränderung des Unterstellungsverhältnisses des VEB Druckkombinat; Unterlagen im Landesarchiv Berlin.

Im Mai 1971 wurde das damals moderne Rollenoffsetdruck-Verfahren im Druckkombinat eingeführt.

Im Zeitraum 1972–1982 gab es umfangreiche Baumaßnahmen in den Verwaltungs- und Produktionsgebäuden, unter anderem wurde 1980 ein Lastenaufzug eingebaut. Im September 1974 wurde das Jugendobjekt Offsetdruck übergeben.

Zwischen 1976 und 1985 investierte das Druckkombinat in eine Aufstockung des Hauptgebäudes (ein fünftes und ein sechstes Geschoss) in der Reinhard-Huhn-Straße zwecks Konzentration der Betriebsteile und Verwaltung,C Rep. 131-05 – Rat des Stadtbezirks Berlin-Mitte, Abteilung Planung, Material und Arbeit/Kreisplankommison. Dokumente im Landesarchiv Berlin. außerdem wurden einige Freiflächen in der Köpenicker Straße, in der Inselstraße und in der Seydelstraße neu gestaltet.C Rep. 110-01 - Magistrat von Berlin, Chefarchitekt – Büro für Städtebau, 1979–1980; lfd. Nr. 4008. Dokumente im Landesarchiv Berlin.

Letzter Betriebsdirektor des VEB Druckkombinat wurde nach altersbedingtem Ausscheiden von Heinz Worm im Jahr 1982 der Diplomwirtschaftler Jürgen Fötsch, der diese Funktion bis 1992 innehatte, danach Geschäftsführer der GmbH Druckhaus Berlin-Mitte wurde.

Schrittweise hielt in den verschiedenen Betriebsteilen des Druckkombinats modernste Technik Einzug, beispielsweise ein Programmiergerät (LP 307) für das Layout, ein Scanner (399 ER), ein Fotosatzsystem (Serie 2000), eine komplette Serviettendruck- und Verpackungsanlage (HobemaHomepage der Maschinenfabrik Hobema, abgerufen am 25. Juli 2018. /Senning),Servietten- und Verpackungsmaschine Hobema/Senning bei www.bohemia-grafia.de, abgerufen am 25. Juli 2918.) Offsetdruckmaschinen (P 44 SW 2), Laserbelichter, Laserprinter und viele andere.DK-Mitteilungen Nr. 4, Okt. 1989; S. 4, 5, 7.

Überlebenskampf 1992–2012 in Mitte Im Jahr 1992 erhielt die Straße ihren früheren Namen Schützenstraße zurück. Der Unternehmer Hans Röder aus Würzburg erwarb das Druckkombinat im Jahr 1992 von der Treuhandanstalt und führte es ab 1. Juli 1992 als DBM Druckhaus Berlin-Mitte GmbH weiter. 150 Mitarbeiter wurden übernommen, die Standorte Hauptwerk in der damaligen Reinhold-Huhn-Straße (Geschäftsleitung, Buch- und Offsetdruck, Fotosatz, Plakat- und Stempelherstellung, Express- und Geschäftsdrucksachen) sowie Seydelstraße (Chemigrafie/Offsetproduktion, Fotodokumentation [Patentschriften], Serviettenproduktion/Tortenpapiere, Prägedruck/Kranzschleifen und Wimpel) blieben zunächst bestehen.Werbeanzeige aus dem Jahr 1992 in einer (nicht näher bezeichneten) Berliner Tageszeitung: Druckhaus Mitte GmbH.

Einige der früheren Filialbetriebe wurden dagegen privatisiert, darunter beispielsweise die Druckwerkstatt von Klaus Regel in der Friedrichshainer SamariterstraßeMontagsinterview mit einem Drucker: Führerscheine als Einladungen. In: taz, 16. Juli 2012. oder gingen an ihren früheren Besitzer zurück.

Hans Röder ließ den gesamten Gebäudekomplex des Mosse-Hauses im Stadtzentrum (Schützenstraße, Jerusalemer Straße, Zimmerstraße und Markgrafenstraße) komplett entkernen und denkmalgerecht sanieren. Es sollte zum Mosse-Zentrum ausgebaut werden. Die Umgestaltung geht auf Pläne der Architekturbüros Fissler & Partner (Berlin), Bernd H. Kemper (Hannover) sowie Dieter W. Schneider (Berlin) und Hans G. Strauch (Boston) zurück, die sich stark auf die Arbeiten von Mendelssohn aus den 1920er Jahren stützten. Die Bauleitung lag in der Verantwortung des Bauingenieurs Peter Kolb (Stuttgart). Nach Fertigstellung der Umbauarbeiten erhielt die DBM modernste digitale Druckmaschinen, eine inhaltliche Umorientierung auf Veröffentlichungen über deutsche und europäische Geschichte, Verkehrsgeschichte und Regionalliteratur wurde begonnen.Halen, Greve: S. 30.

Bereits im Jahr 2007 gab es einen neuen Eigentümer, der die DBM im Jahr 2009 in eine gemeinnützige Stiftung überführt hat. Ende 2012 fanden sich Familie Lind, die Produktions-Agentur Lieblingsdrucker, der Internet-Unternehmer Gi-Yong Choi und die Unternehmensberatung perPuls als neue Gesellschafter. Die Druckarbeiten wurden bei allen organisatorischen Änderungen aber stetig fortgeführt, um Kunden musste nun geworben werden.