mini|hochkant=2.0|Blick über den Mühlensee auf das Museumsgelände mini|Nachbau der Mühle Sanssouci am Dorfplatz, rechts internationaler Mühlenbaum Das Internationale Mühlenmuseum Gifhorn (kurz Internationales Mühlenmuseum, früher Internationales Wind- und Wassermühlenmuseum) im niedersächsischen Gifhorn präsentiert auf einem rund 15 Hektar großen Freigelände Windmühlen und Wassermühlen aus verschiedenen Ländern und ist damit eine europaweit einzigartige Einrichtung. Die 13 originalen oder originalgetreu nachgebauten Mühlen sind in eine herkunftstypische Umgebung eingebettet. Auf dem gesamten Gelände sind auch historische Gegenstände des Mühlen- und Müllereiwesens ausgestellt. Die Museumsanlage ist verkehrsgünstig in der Nähe des Kreuzungspunktes der Bundesstraßen 4 und 188 gelegen. Das Museum ist Station 65 der Niedersächsischen Mühlenstraße.
Museumsgeschichte Vorgeschichte Horst Wrobel, Gründer und langjähriger Besitzer des Mühlenmuseums, hatte 1965 bei einem Ausflug zum Elm in Abbenrode eine alte Bockwindmühle entdeckt, die noch in Betrieb war. Er baute die Mühle im Maßstab 1:25 nach und sammelte danach sämtliches Material über Wind- und Wassermühlen. 1974 richtete er in Suhlendorf ein privates Museum mit seinen bis dahin nachgebauten Mühlenmodellen ein. Dann entwickelte er die Vision, eine Einrichtung im größeren Maßstab zu schaffen. 1977 kam es zu ersten Kontakten zum Landkreis Gifhorn, der das Projekt aktiv unterstützte. Im selben Jahr schlossen die beiden Parteien einen Erbbaurechtsvertrag über das künftige Museumsgelände.
Bauarbeiten und Eröffnung mini|hochkant=1.5|Plan des Geländes, 2012
Zwei Jahre lang fanden umfangreiche Geländearbeiten durch den Aller-Ohre-Verband statt. Mit Hilfe von Planierraupen und Schwemmbaggern wurde eine Modellierung des Geländes vorgenommen, bei der zahlreiche Gräben und Teiche sowie der fünf Hektar große Mühlensee entstanden. Der See dient gleichzeitig als Rückhaltebecken für den Hochwasserschutz und der Wasserregulierung der Ise.
Als erste Bauten entstanden die Ausstellungshalle sowie drei Mühlen (Kellerholländer, Bockwindmühle und Tiroler Wassermühle). Das Mühlenmuseum öffnete am 8. Mai 1980 seine Pforten.Dirk Kühn: Ein Spaziergang durch 40 Jahre Mühlenmuseum. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 14. Juli 2020.
Verkauf 2020 bot der Eigentümer Horst Wrobel das Museum der Stadt Gifhorn zum Kauf an.Mühlenmuseum Gifhorn: Stadt will eigene Wahrzeichen kaufen welt.de, 13. Dezember 2020. Nach Beratungen und Verhandlungen wurde der Kauf zum Preis von 2,6 Millionen Euro im September 2021 beschlossen, als der Rat der Stadt Gifhorn dem Kauf mehrheitlich zustimmte.Stadt Gifhorn übernimmt das Mühlenmuseum ab 2022 ndr.de, 28. September 2021. Der Kaufvertrag wurde im Dezember 2021 unterzeichnet, das Museum wurde zum 1. Januar 2022 Eigentum der Stadt Gifhorn.Kaufvertrag für Mühlenmuseum unterzeichnet. In: Gifhorner Rundschau, 24. Dezember 2021. Dann wurde das Museum eineinhalb Jahre lang saniert und das Nutzungskonzept überarbeitet. Neuer Betreiber als Pächter ist das Unternehmen Vision & Trust GmbH aus Wolfenbüttel mit seiner Tochterfirma V&T Int. Mühlenmuseum GmbH mit Sitz in Gifhorn.Dirk Kühn: Das Mühlenmuseum ist ab Pfingsten wieder geöffnet. In: Gifhorner Rundschau. Ausgabe vom 5. Mai 2023. Im Mai 2023 wurde das Museum wiedereröffnet.Gifhorn dreht am Rad: Mühlenmuseum neu eröffnet ndr.de, 27. Mai 2023. Ende 2025 meldete das Pachtunternehmen Insolvenz an, wobei als Hauptgrund hohe Personalkosten genannt wurden. 2026 ging der Museumsbetrieb mit verringertem Personal weiter.Mühlenmuseum in Gifhorn: Betreiber kann erst mal weitermachen bei ndr.de vom 9. April 2026
Mühlenmodelle mini|Ausstellungshalle mit Mühlenmodellen Kernstück der Museumsanlage ist die 800 Quadratmeter große Ausstellungshalle. Sie beherbergt Utensilien aus dem Mühlen- und Müllereiwesen. Außerdem befinden sich darin 49 Wind- und Wassermühlen-Miniaturmodelle (naturgetreu und maßstabsgerecht den Originalen in allen Einzelheiten verkleinert nachgebaut) aus 20 Ländern ausgestellt. Sie geben Auskunft, zu welchen Arbeitsvorgängen sich Menschen vor der Erfindung der Dampfmaschine die Wind- und Wasserkraft zunutze machten, um schwere Arbeiten zu verrichten.
Einige Mühlenmodelle:
Abbenroder Mühle aus Cremlingen Fünfflügelmühle Wendhausen aus Lehre Britische Mühle bei Framlingham in Suffolk Paltrockmühle aus Schönau Niederländische Wippmühle aus Nieuwersluis Ägyptische Mühle bei Moos Finnische Kreisflügelmühle in Uusikaupunki Schnupftabakmühle in Rotterdam Holzsägemühle in Koog aan de Zaan Rembrandts Bockwindmühle in Leiden Bremer Mühle Am Wall Irische Mühle von Wexford Persische Ölmühle in Isfahan Windmühle am Pariser Montmartre Niederländische Viergang-Mühle bei Zevenhuizen Niederländische Keukenhofmühle in Südholland Persische Getreidemühle der Provinz Karasan Don Quichotes Windmühle aus La Mancha Mosterts Mühle bei Kapstadt Pfahlmühle aus Bessarabien
Dorfplatz mini|Dorfplatz mit Bäckertaufe Mittelpunkt des Freilichtmuseums ist der Dorfplatz mit einem Bauensemble von drei Fachwerkhäusern, die als Rundlingsdorf platziert sind:
Das Back- oder auch Müllerhaus wurde 1983 als Vierständer-Hallenhaus (volkstümlich: Niedersachsenhaus) erbaut und bietet Platz für etwa 250 Gäste. Das Brothaus von 1985 ist der Nachbau eines Backhauses auf einem traditionsreichen Bauernhof nahe Gifhorn. Hier wird in zwei holzgefeuerten Steinbacköfen Brot und Kuchen nach alten Rezepten gebacken und an Museumsbesucher verkauft. Das Trachtenhaus entstand 1990 im Stil eines historischen Hallenhauses und bietet mit einer alten Backstube und einem Restaurationsbetrieb rund 500 Gästen Platz.
Auf dem Platz steht der „Internationale Mühlenbaum“. Dies ist ein etwa 30 Meter hoher Pfahl, an dem sich die Länderwappen aller Mühlen des Museumsgeländes sowie Holzschnitzereien mit Müllerei-Motiven befinden.
2023 wurde der Dorfplatz innerhalb des Museumsgeländes zum öffentlichen Bereich, der eintrittsfrei zugänglich ist. Dort gibt es einen Biergarten, einen Dorfladen und eine Kaffeerösterei.
Mühlen Auf dem Freigelände sind 13 Mühlen in Originalgröße zu besichtigen.Das ist geplant zur Wiedereröffnung des Gifhorner Mühlenmuseums In: Gifhorner Rundschau, 25. Mai 2023. Sie werden nachfolgend in der chronologischen Reihenfolge genannt, in der sie im Museum aufgebaut wurden.
mini|hochkant=0.7|Kellerholländer Immanuel Deutsche Bergholländer-Mühle Die Mühle stammt aus Westdorf im Kreis Dithmarschen, die dort mit dem Namen „Immanuel“ 1848 errichtet wurde. Sie gehörte zu den ersten drei Original-Mühlen, die im Museum ihren Platz fanden. Sie wird als „Berg-“ oder auch „Kellerholländer“ bezeichnet. Damit ist einerseits gemeint, dass die Mühle auf einem kleinen Hügel errichtet ist, und andererseits, dass sie einen Keller hat, in den Fuhrwerke einfahren konnten. Im Laufe ihrer Geschichte entwickelte sich die Anlage durch zahlreiche Umbauten zu einer hochtechnischen Mühle, unter anderem mit automatischer Windrose. Die Jalousieflügel konnten der Windstärke angepasst werden. 1969 bot der letzte Müller in einer Zeitungsanzeige an, sie zu verschenken unter der Bedingung, dass sie wiederaufgebaut wird. Der Zeitungsverleger Axel Springer erwarb die Mühle und ließ sie restaurieren. Später schenkte er sie dem Mühlenmuseum, wo sie 1979 wieder aufgebaut wurde.
Tiroler Wassermühle Die etwa 300 Jahre alte Wassermühle aus Iselsberg-Stronach bei Lienz in Tirol wurde ebenfalls schon 1979 hier aufgebaut. Sie stand zuvor an einem Wildbach im Lesachtal in Osttirol und wird auf dem Museumsgelände von einem Teich angetrieben. Die Mühle aus massiven Lärchenstämmen verfügt über zwei oberschlächtige Wasserräder, die zwei Mahlgänge antreiben.
mini|hochkant=0.7|Windmühle Viktoria Deutsche Bockwindmühle Die Bockwindmühle „Viktoria“ stammt aus dem nahe gelegenen Ort Osloß und ist somit als Einheimische zu bezeichnen. 1882 stellte sie dort ein Müller auf, der die Mühle im Kreis Neuhaldensleben erworben hatte. Als Baujahr ist die Jahreszahl 1816 an der Mühle vermerkt. 1940 stellte sie ihren Betrieb ein. Der Landkreis Gifhorn kaufte die verfallene Mühle 1977 und gab sie dem Museumsbetreiber Wrobel in Obhut. Mit Spendengeldern wurde sie von einer Zimmerei restauriert und 1980 in einem funktionsfähigen Zustand auf dem Gelände des Mühlenmuseums aufgebaut.
Der Name Bockwindmühle bezeichnet das ganze Mühlenhaus, das auf einem Gerüst, einem Bock, steht, beziehungsweise, technisch korrekt ausgedrückt, hängt. Das Mühlenhaus wird samt Einrichtung jeweils vor Arbeitsbeginn gegen den Wind gedreht. Die Bockwindmühle galt nach dem Allgemeinen Landrecht für Preußen von 1794 nicht als Bauwerk im engeren Sinne, sondern als Maschine. Deshalb entfiel für seine Besitzer damals die Pflicht, für seine Arbeitsstätte Hauszinssteuer zu zahlen.
Deutsche Rossmühle Die wahrscheinlich größte Rossmühle (Pferdemühle) Deutschlands aus Hüllhorst-Oberbauerschaft im Kreis Minden-Lübbecke aus dem Jahre 1797 wurde 1982 als Nachbau eines Göpels errichtet. Sie ist ein achteckiger Fachwerkbau, in dessen Innerem Zugpferde im Kreis laufen und mit je einer Pferdestärke (PS) ein hölzernes Zahnrad in Bewegung setzen. Das Zahnrad mit 320 Zähnen und einem Durchmesser von 32 Meter ist das größte seiner Art. Damit wurden ein Stampfwerk zur Bearbeitung von Flachs und eine Getreidemühle angetrieben.
mini|hochkant=0.7|Nachbau der Mühle von Sanssouci Deutsche Galerieholländer-Mühle „Sanssouci“ Seit 1984 steht auf dem Dorfplatz des Museumsgeländes eine Mühle, die ein Abbild der historischen Mühle neben dem Schloss Sanssouci in Potsdam darstellt. Das 40 Meter hohe Original entstand 1788, brannte 1945 bei letzten Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg ab und wurde 1993 in Potsdam wieder aufgebaut. Berühmt geworden ist die Mühle nahe der Königsresidenz durch die Legende, dass ihr Klappern Friedrich den Großen störte. Als der König mit Enteignung drohte, habe der Müller auf das Kammergericht in Berlin hingewiesen. Der Name Galerieholländer weist auf die umlaufende Galerie hin, die sich über dem vierten Gebäudestockwerk befindet. Die Mühle hat damit enorme Ausmaße. In der Gifhorner Mühle wird die Museumsgeschichte präsentiert.
mini|hochkant=0.7|Mühle Irini Griechische Windmühle Bei einer Museumserweiterung 1987 entstand auf einer künstlichen Insel auf dem Gelände die Mühle „Irini“, der Nachbau einer Windmühle von der griechischen Kykladeninsel Mykonos. Die Mühle stellt eine weiße Turmmühle mit Spitzdach und zwölf Segelflügeln dar.
mini|hochkant=0.7|Ukrainische Windmühle Natascha Ukrainische Windmühle Der Mühlennachbau „Natascha“ wurde 1988 im Beisein des Generalkonsuls der UdSSR eingeweiht und sorgte für positive Kontakte zur damaligen UdSSR. Das Vorbild der Mühle steht in der Partnerstadt Gifhorns in Korsun-Schewtschenkowski in der Ukraine nahe Kiew, wo es heute als Restaurant unter dem Namen „Vitrjak“ (Windmühle) dient. Die Mühle hat einen Unterbau aus massiven Kiefern- und Fichtenstämmen im Blockhausstil. Im langen, schlanken Turm ist nur eine Antriebswelle untergebracht. Wie viele ukrainische Bauwerke ist das Gebäude an Fenstern, Türen und Vorsprüngen reich verziert. Die Mühle wurde von einer Zimmerei erbaut. Die Blockhaus-Konstruktion des Unterbaus stammt aus Finnland.
Ungarische Donau-Schiffsmühle mini|hochkant|Donau-Schiffsmühle