Bübingen (im örtlichen Dialekt Biewinge) ist ein Stadtteil der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Bübingen liegt im Stadtbezirk Halberg. Bis zum 31. Dezember 1973 war Bübingen eine eigenständige Gemeinde und gehörte zum Amt Brebach. Am 1. Januar 1974 wurde Bübingen im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform des Saarlandes als Stadtteil in die Landeshauptstadt Saarbrücken eingegliedert. Damit endete die fast 800-jährige Eigenständigkeit der Gemeinde.
Geographie Geographische Lage Bübingen liegt im Süden des Saarlandes und ist ca. 8 km von der Innenstadt von Saarbrücken entfernt. Der Ort erstreckt sich von der Tallage an der Saar hangaufwärts in Richtung Osten. Der höchste Punkt der Gemarkung Bübingen liegt bei , auf einer kleinen Hochfläche im Flur Meerwald. Der tiefste Punkt liegt an der Saar bei . Im Süden schließt sich die Gemeinde Kleinblittersdorf an. Im Westen wird das Gemeindegebiet durch den Fluss Saar begrenzt, der hier auch die Staatsgrenze zu Frankreich bildet. Im Norden schließt sich der Saarbrücken Stadtteil Güdingen an, im Osten der Saarbrücker Stadtteil Brebach-Fechingen. Das Gebiet der Gemarkung Bübingen umfasst ca. 4,42 km2. Die größte Ausdehnung des Ortes beträgt in Ost-West-Richtung ca. 1,5 km und in Nord-Süd-Richtung ca. 2 km. Naturräumlich gehört Bübingen zum südlichen Güdinger Saartal, welches zum südlichen mittleren Saartal gehört. Das Güdinger Saartal erstreckt sich vom französischen Saargemünd bis Güdingen.Eva Römer: Topographische und geographische Lage Bübingens. In: Wolfgang Laufer (Hrsg.): Bübingen. Ein Dorf im alten Reich. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, 1989, ISBN 978-3-925036-35-4, S. 15–19.
Geologie Während in der Tallage des Ortes, an der Saar, Ablagerungen aus dem Quartär vorliegen, wird die Hanglage aus dem oberen Buntsandstein des Trias sowie einer bis zu 40 Meter dicken Zwischenschicht gebildet. Etwa ab dem Bereich der Bergstraße bis zur Grenze des Flur Meerwald findet sich darüber eine Schicht des unteren Muschelkalkes. Der Flur Meerwald mit seinem Hochplateau wiederum besteht aus dem oberen Muschelkalk.Eva Römer: Geologische Verhältnisse. In: Wolfgang Laufer (Hrsg.): Bübingen. Ein Dorf im alten Reich. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, 1989, ISBN 978-3-925036-35-4, S. 20–24.
Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wird Bübingen im Jahr 1310 unter dem Namen Bibingen beziehungsweise Bybinga. In der Urkunde vom 19. Oktober 1310 werden unter anderem ein Conrad und ein Johannes de Bibingen genannt, die gemeinsam mit Personen aus anderen Ortschaften als Bürgen für Dancrato villico de Bybinga (Dankrat Villicus von Bübingen) auftreten. Dieser hatte einen Kredit über 50 Metzer Pfennige bei Johann von Homburg aufgenommen. Es kann allerdings bereits von einer viel früheren Besiedelung des Gebietes ausgegangen werden. Teile der evangelischen Kirche stammen noch aus dem 12. Jahrhundert. Zudem finden sich Hinweise auf eine Besiedlung der Hanglage bereits in der römischen Zeit. Im Jahr 1852 wurde gemeldet, dass man fünf Jahre zuvor im Flur Allmend auf die Fundamente zweier kleiner Gebäude mit Ziegeldach gestoßen sei. 1927 wurden in einer Sandgrube Körpergräber, die den beiden 1847 gefundenen Gebäuden zugeordnet werden können, gefunden. Diese fielen allerdings dem Sandabbau zum Opfer. Geborgen wurden lediglich ein Krug, ein Teller und der Rest eines Bechers aus Terra Sigillata. Die Fundstücke sind heute verschollen. Ebenso lässt eine Wüstungsfläche in der Flur Macherheck eine römische Villa vermuten. Die etymologische Untersuchung des heutigen Namens Bübingen führt zu dem fränkischen Ortsnamen Bobingas zurück. Dieser setzt sich aus dem germanischen Vornamen Bobo und dem Suffix -ingas, das eine Zugehörigkeit ausdrückt, zusammen, was Leute des Bobo oder Siedlung der Leute des Bobo bedeutet. Die Etymologie des Namens und die Siedlungsgeschichte im Umland lassen daher die Annahme zu, dass die Siedlung in der Zeit zwischen der fränkischen Landnahme und dem 8. Jahrhundert gegründet wurde.Martin Klewitz: Die evangelische Pfarrkirche. In: Wolfgang Laufer (Hrsg.): Bübingen. Ein Dorf im alten Reich. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, 1989, ISBN 978-3-925036-35-4, S. 283–295.Alfons Kolling: Bübingen und die Nachbardörfer in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: Wolfgang Laufer (Hrsg.): Bübingen. Ein Dorf im alten Reich. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, 1989, ISBN 978-3-925036-35-4, S. 69–87.Monika Buchmüller-Pfaff: Bübingen – Betrachtungen zum Namen einer Siedlung im Land zwischen mittlerer Saar und Blies. In: Wolfgang Laufer (Hrsg.): Bübingen. Ein Dorf im alten Reich. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, 1989, ISBN 978-3-925036-35-4, S. 89–98.
Die Geschichte von Bübingen ist seit dem 16. Jahrhundert durch immer wieder zwischen den katholischen und protestantischen Einwohnern auftretende Spannungen, die teilweise bis in die 1970er Jahre andauerten, geprägt. Hauptstreitpunkte waren hierbei immer wieder der über mehrere Jahrhunderte andauernden Streit um die Nutzung der Simultankirche, die Nutzung des Friedhofes und die Bübinger Schule.Charly Lehnert, Dietrich Seeberg: Bübingen. Vom Dorf zum Saarbrücker Stadtteil. Lehnert Verlag, 2020, ISBN 978-3-939286-88-2, S. 61–63.
13. bis 15. Jahrhundert mini|Verpfändung von Bübingen von 1424. Johann von Kerpen und Warsberg verpfändet seinen Anteil an Bübingen an Hans von Rittenhofen (Landesarchiv Saarbrücken, Bestand N-S II, Nr. 1189) Die ersten Besitzer von Bübingen waren im 13. Jahrhundert vermutlich die Herren von Bliesbrücken. Da aus dieser Zeit keine Urkunden vorliegen, kann auch die Frage, wie die nachfolgenden Häuser zu den Anteilen der Herren von Bliesbrücken kamen, nicht genau nachvollzogen werden. Anzunehmen ist allerdings, dass dies durch verschiedene Heiraten und Verkauf geschah. Ab 1310 liegen dann allerdings Urkunden vor, die die weiteren Herrschaftsverhältnisse in Bübingen belegen. Um 1325 war Dietrich von Kerpen durch Heirat mit Johanna von Warsberg-Saarbrücken in den Besitz eines Achtelanteils an Bübingen gelangt. Im Jahr 1328 musste er sich Geld bei Graf Johann I. von Saarbrücken-Commercy leihen. Im Gegenzug übertrug er die Hälfte seines Anteils von Bübingen an den Grafen. Johann wiederum gab ihm diesen Anteil als Lehen zurück. 1418 erwarb Graf Philipp I. von Nassau den ein Achtel umfassenden Anteil der Herren von Mühlenbach. 1424 verpfändete Johann von Kerpen und Warsberg seine Anteile an Bübingen für 146 Gulden an Hans von Rittenhofen. Dies geschah mit Zustimmung von Graf Philipp I. Ab dem 15. Jahrhundert besaßen dann etliche Adelshäuser Anteile an der Gemeinherrschaft Bübingen. Darunter der Kurfürst von Trier, der Freiherr von Kerpen, die Grafen von Nassau-Saarbrücken, von Kriechingen, von Warsberg, von Ettendorf und von Rodborn.Claudia Ulbrich: Adelsherrschaft und Gemeindeleben. Bübingen im Mittelalter. In: Wolfgang Laufer (Hrsg.): Bübingen. Ein Dorf im alten Reich. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, 1989, ISBN 978-3-925036-35-4, S. 101–125.
16. und 17. Jahrhundert Im 16. und 17. Jahrhundert ist die Geschichte Bübingens durch die andauernden Streitigkeiten zwischen den Herren von Nassau-Saarbrücken mit den Herren von Kriechingen und in der Folge mit der Markgrafschaft Baden-Rodemachern, dem Haus Hohenzollern-Hechingen und dem Haus von der Leyen, die erst mit dem Austausch von 1670 endeten, sowie durch den Bauernkrieg von 1525 und dem Dreißigjährigen Krieg geprägt.Wolfgang Laufer: Bübingen in der Frühneuzeit. In: Wolfgang Laufer (Hrsg.): Bübingen. Ein Dorf im alten Reich. SDV Saarländische Druckerei und Verlag, 1989, ISBN 978-3-925036-35-4, S. 135–205.
Bauernkrieg 1525 Über den Bauernkrieg von 1525 liegt im Bezug auf Bübingen nur eine Quelle vor. Es handelt sich dabei um die Niederschrift von Zeugenverhören von drei Bübinger Bürgern, die diese 1573 vor dem Kommissar des Reichskammergerichts tätigten. Relevant sind hier die Aussagen einer Frau mit dem Namen Vältins Käth, die zur Zeit des Aufstandes eine junge verheiratete Frau war. Die zwei anderen Zeugen konnten nur vom Hörensagen berichten. Anfang 1525 hatten sich Bauern aus der Umgebung dem sogenannten Herbitzheimer Haufen angeschlossen, der bei Saargemünd lag und mehrere tausend Mann stark war. Diese hatten bereits das Kloster Gräfinthal, den Wintringer Hof und das Pfarrhaus von Bliesransbach geplündert und wurden von Herzog Anton II. von Lothringen in der Schlacht von Zabern vernichtend geschlagen. Nach Aussage von Vältins Käth hatte der Herr von Kriechingen die Einwohner aufgefordert, Bübingen nicht zu verlassen und ihnen im Gegenzug Schutz und Ersatz für Vieh versprochen. An diese Anordnung hielten sich die Bübinger allerdings nicht, sondern verließen das Dorf. Dass sich dabei auch einige Bauern den Aufständischen anschlossen, lässt sich der Aussage von Vältins Käth entnehmen. Denn der Herr von Kriechingen habe jedes Haus mit einer Strafe von vier Gulden belegt „darumb, dass sie in den Krieg gegangen und die Hern nit darumb gefragt.“ Zahlen musste jeder, auch „die Weiber, deren Männer im Krieg geblieben“.
Dreißigjähriger Krieg Bübingen erging es im Dreißigjährigen Krieg ähnlich wie vielen Orten in der Region. Wenn auch überwiegend von Brandschatzung verschont, litt die Bevölkerung unter den durchziehenden, teilweise marodierenden Truppen. Besonders der Konflikt zwischen Frankreich und Lothringen, in den der Kaiser und ab 1630 die Schweden involviert waren, führte zu ständigen Truppendurchzügen. Bereits 1626 beschwerte sich Franz Ernst Kraft von Kriechingen bei den Grafen von Nassau-Saarbrücken über die Einquartierung von 35 Soldaten in Bübingen. Eine Aufstellung von 1628 gibt die Schäden an, die den Einwohnern von Bübingen bis zu diesem Zeitpunkt entstanden waren. So hatten sie 25 Pferde, 58 Rinder, 1 Schaf/Geiß, 52 Schweine, 26 Immen, 35 Quart Weizen, 28 Quart Korn, 76 Quart Hafer, 2 Quart Hülsenfrüchte, 1,5 Fuder Heufütterung, 14 Quart Weizenzehnt und 14 Quart Haferzehnt verloren und 148 Äcker waren unbestellt. Zudem hatten sie 295 Gulden an Lösegeld für entführte Einwohner und für entführtes Vieh aufbringen müssen. 1635 war dann das Jahr in dem Bübingen am schlimmsten vom Krieg betroffen wurde. In diesem Jahr wurde das Gebiet mehrfach zum Schauplatz von Kämpfen zwischen den Schweden, mit denen die Herren von Nassau-Saarbrücken verbündet waren, den Truppen des Kaisers, den Franzosen und den lothringischen Truppen. 1635 lebte nach einem Bericht des Leiters des Rentamts Saarbrücken fast niemand mehr in Bübingen. Vom Jahr 1646 bis zum Jahr 1650 lagerten berittene Regimenter der lothringischen Armee, die zuvor durch die Franzosen aus dem Gebiet von Lothringen vertrieben worden waren, im Raum Saarbrücken. 1650 bezogen diese zum Teil in Bübingen Quartier. Laut damaligen Aussagen verbrauchten und verwüsteten sie Sommerfrucht- und Winterfruchtbestände, was schon im darauffolgenden Jahr zu erheblicher Lebensmittelknappheit führte. Am Kriegsende war die Einwohnerzahl von Bübingen auf 40 % der Vorkriegszeit zurückgegangen. Das Gemeindegebiet war verwüstet, viele Höfe nur noch Ruinen.
Gemeinherrschaft bis zum Austausch 1670 Die größten Anteile besaßen Kerpen (25 %), Kriechingen (50 %), Ettendorf (12,5 %) und Nassau-Saarbrücken (12,5 %). Die Herren von Kerpen tauschten im Jahr 1591 ihren Bübinger Anteil gegen den Nassauer Anteil an Nußweiler ein. Bereits im Jahr 1557 war Nassau-Saarbrücken in Besitz der Ettendorfer Anteile gekommen. Bis Bübingen im Jahr 1670 endgültig an Nassau-Saarbrücken fiel, war es ein ständiger Streitpunkt zwischen den Herren von Kriechingen und deren Nachfolgern und den Herren von Nassau-Saarbrücken.