mini|Holzschnitt, Ludwig Richter Hirsedieb ist ein Märchen (AaTh 530). Es steht in Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch an Stelle 13 (1845 Nr. 14).

Inhalt mini|Holzschnitt, Ludwig Richter Ein Kaufmann ärgert sich, dass ihm nachts Hirse vom Acker geklaut wurde. Er lässt seine Söhne wachen. Die ersten zwei bewaffnen sich zwar, aber schlafen dann ein. Der dritte, Johannes hindert den Schlaf mit Dornen und fängt leicht das schöne Pferd, er nennt es „Hirsedieb“. Wer zur verzauberten Prinzessin auf den Glasberg und um ihr Schloss reitet, kann sie erlösen. Der Brüder Pferde stürzen ab. „Hirsedieb“ trägt Johannes empor zu ihr, denn es war ihr Pferd, mit dem sie nachts eine Stunde zur Erde konnte. Johannes lebt froh mit ihr, niemand kommt mehr dorthin.

Herkunft Bechstein merkt an: „Nach mündlicher Überlieferung.“ Laut seinem Vorwort von 1845 erzählte es Wilhelmine Mylius.Hans-Jörg Uther (Hrsg.): Ludwig Bechstein. Märchenbuch. Nach der Ausgabe von 1857, textkritisch revidiert und durch Register erschlossen. Diederichs, München 1997, ISBN 3-424-01372-2, S. 383. Vgl. Grimms KHM 57 Der goldene Vogel, KHM 93 Die Rabe, zum Glasberg auch Bechsteins Der weiße Wolf, Wolfs Das treue Füllchen, Jahns Die Königin von Siebenbürgen, wo der Held auch Johann heißt.

Laut Walter Scherf verdanken wir Wilhelmine Mylius hier eine beliebte, wenn auch verkürzte und kindliche Fassung des im deutschen Sprachraum nicht häufigen Zaubermärchens vom Glasbergritt. Besser erzählt sei Wilhelm Wissers niederdeutsches Simson, tu dich auf! (Plattdeutsche Volksmärchen).Walter Scherf: Das Märchenlexikon. Band 1. C. H. Beck, München 1995, ISBN 978-3-406-51995-6, S. 601–602. Schon die Brüder Grimm nennen in ihrer Anmerkung zu Die sieben Raben Fundstellen des Motivs in Liedern.Wikisource: Grimms Anmerkung zu Die sieben Raben

Dass in Märchen Hirse vorkommt, weist laut Lutz Röhrich noch auf das frühere Essen einfacher Leute hin, wo die Oberschicht schon zum Brot übergegangen war.Lutz Röhrich: Märchen und Wirklichkeit. Steiner, Wiesbaden 1956, S. 103.

Literatur Hans-Jörg Uther (Hrsg.): Ludwig Bechstein. Märchenbuch. Nach der Ausgabe von 1857, textkritisch revidiert und durch Register erschlossen. Diederichs, München 1997, ISBN 3-424-01372-2, S. 91–95, 383. Walter Scherf: Das Märchenlexikon. Band 1. C. H. Beck, München 1995, ISBN 978-3-406-51995-6, S. 601–602.

Weblinks Märchen.com: Hirsedieb, 1847 hekaya.de: Hirsedieb märchentruhe.de: Hirsedieb gelesen von Henning Vieser (mp3; 10:54)

Einzelnachweise

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