Der Internationale Flughafen Vlora (, , ) ist ein seit 2021 im Bau befindlicher Flughafen nördlich der Hafenstadt Vlora im Süden Albaniens.

Der Flughafen Vlora ist als dritter internationaler Flughafen des Landes geplant und wird von einem Konsortium aus türkischen und Schweizer Investoren finanziert. Die Projektplaner und die Albanische Regierung erhoffen sich, dass der Flughafen einen wirtschaftlichen Aufschwung für Südalbanien und die Förderung des Tourismus in der Region bringt. Sie rechnen mit rund 600.000 Passagieren pro Jahr. Die Eröffnung ist für das Jahr 2026 geplant.

Aktuell wird der gesamte Linienverkehr nach Albanien über den Flughafen Tirana (2024: über 10 Millionen Passagiere) abgewickelt. Der Flughafen Kukës im Nordosten, der im Sommer 2021 den Flugbetrieb aufnahm, wurde nur kurzzeitig regelmäßig bedient.

Standort mini|links|Das Gelände des alten Luftwaffenstützpunkts Akërnia in der Bildmitte (2010), auf dem der Flughafen gebaut wird Der geplante Flughafen entsteht auf dem Gelände des Luftwaffenstützpunktes Akërnia 23 Kilometer nördlich der Stadt Vlora. Er war ein stillgelegtes Reserve-Flugfeld der Luftwaffe mit Graspiste. Das Gelände befindet sich in der flachen Küstenebene, wenige Kilometer vom Meer entfernt am Südrand der Myzeqe.

Der Flughafen Vlora ist nicht zu verwechseln mit dem Flugplatz Vlora (). Dieser Flugplatz lag am westlichen Stadtrand von Vlora; seine Piste war bis in die 1990er Jahre die Basis der Luftwaffenakademie Vlora. Sie ist mittlerweile aber zerstört und das Gelände teilweise überbaut.

Naturschutz mini|Satelliten-Bild der Vjosa-Mündung, Altläufen und der Flughafenpiste (Dezember 2024) Der Flughafen wird nahe der Mündung der Vjosa in die Adria gebaut. Das gesamte Gebiet gehört zum national geschützten „Landschaftsschutzgebiet Vjosa-Narta“. Die ökologische Bedeutung ist auch international anerkannt, das Schutzgebiet für das Smaragd-Netzwerk nominiert. Innerhalb des Schutzgebiets befindet sich die Narta-Lagune, ein bedeutendes Feuchtgebiet. Hier rasten Flamingos, Pelikane, Reiher und Lemikolen. 62 Vogelarten wurden registriert.

Das Areal des Flughafens wurde von der albanischen Regierung aus dem Schutzgebiet, das es komplett umgibt, ausgezont.

Wenige Kilometer nördlich fließt die Vjosa, deren Flusslauf seit 2023 als Nationalpark Vjosa geschützt ist.

30 Kilometer nördlich liegt der Nationalpark Divjaka-Karavasta, in dem sich die Lagune von Karavasta befindet, der ein zentraler Brutplatz und wichtig zur Futtersuche der als bedroht eingestuften Krauskopfpelikane ist.

Kritik Journalisten und Politiker haben der Regierung vorgeworfen, der Projektauftrag von 2018 sei ohne Ausschreibung erfolgt.

Auch Naturschützer kritisieren das Projekt scharf. Im Februar 2023 waren zwei Klagen gegen den Bau und die Umzonung von der albanische Umweltorganisation PPNEA und einer weiteren NGO hängig. Unter anderem Euronatur hatte die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Bauprojekt in Frage gestellt. Albanische Wissenschaftler und Naturschützer kamen zu dem Schluss, die Umweltverträglichkeitsprüfung sei tendenziös und wurde „absichtlich“ zugunsten des Baus des Flughafens innerhalb der geschützten Landschaft Vjosa-Narta erstellt.

Naturschützer warnen, dass der Bau des Flughafens Sanktionen der Berner Konvention nach sich ziehen könnte und eine negative Auswirkung auf den Beitrittswunsch Albaniens zur EU hat. Die Europäische Union hielt fest, dass durch den Bau des Flughafens im Landschaftsschutzgebiet Vjosa-Narta nationale Gesetze und internationale Vereinbarungen verletzt würden. Weiter wird befürchtet, dass der Flugverkehr die Vögel in den umliegenden Naturschutzgebieten in ihrem Verhalten beeinträchtigt. Allein im Delta leben an die 200 Vogelarten, von denen rund ein Viertel bedroht sei. Zudem erhöhe sich die Überschwemmungsgefahr für die umliegenden Dörfer, da viel Marschland trockengelegt wurde und jetzt weniger Wasser aufnehmen kann.

Das albanische Verwaltungsberufungsgericht erklärte eine Klage von Naturschutzorganisationen Ende 2025 als zulässig. Die Bauarbeiten gingen aber während des Gerichtsverfahrens weiter, und ein baldiger Gerichtsentscheid ist auch nicht zu erwarten.

Planungs- und Baugeschichte Am 17. Januar 2018 bot das türkische Konsortium, das für den Bau des neuen Flughafens von Istanbul verantwortlich war, seine Hilfe dabei an, im Rahmen eines regionalen Entwicklungsprojektes den Flughafen von Vlora zu errichten. Der Bau eines internationalen Flughafens in Südalbanien wurde anfangs vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan persönlich gefördert, nachdem er den albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama empfangen hatte. Gleichzeitig engagierte sich Erdoğan auch bei der Gründung der nationalen Fluggesellschaft Albaniens, der Air Albania. Die türkische Regierung unterstützte über die staatseigene Fluggesellschaft Turkish Airlines den Aufbau von Air Albania.

Der Bau sollte laut Regierung 2020 fertiggestellt werden, hieß es im Juni 2018. Im Juli 2018 sagte der türkische Botschafter in der albanischen Hauptstadt Tirana, die erste Phase für den Bau des Flughafens Vlora habe bereits angefangen. Der Botschafter hob hervor, dass in der ersten Phase der Projektumsetzung 1.000 Arbeitsplätze in Albanien geschaffen würden und dass die offiziellen Verhandlungen bereits eine technische Ebene des Projektes erreicht hätten.

Im April 2019 wurde bekannt, dass die albanische Regierung und der türkische Investor sich bei der Frage des Mindestumsatzes des fertigen Flughafens uneins wären. Die türkischen Investoren zogen sich zurück. Daraufhin wurde eine internationale Ausschreibung angekündigt. Das Ausschreibungsverfahren wurde im Frühjahr 2020 – während der COVID-19-Pandemie – abgebrochen. Die Infrastrukturministerin Belinda Balluku sagte, man wolle einen besseren Zeitpunkt abwarten.

Im März 2021 erhielt ein Konsortium unter Führung von Behgjet Pacollis Schweizer Mabetex Group (50 %), der eng mit Erdoğan verbundenen türkischen Yda Group (48 %) und der kosovarischen 2A Group (2 %) für 103,9 Millionen Euro den Zuschlag für Bau und Betrieb des Flughafens mit einer Konzession für 35 Jahre. Das Projekt ist neben der TAP-Pipeline das größte Infrastrukturprojekt in der Region Vlora. Yda Group verkaufte 2023 ihre Beteiligung an Mabetex, nachdem sie gewisse Investitionszahlungen nicht geleistet hatte.

Mit einer 3.200 Meter langen Piste und einem 34.000 Quadratmeter großen Terminal sollen bis zu drei Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden können. Der Flughafen soll Raum für 24 Flugzeugparkplätze bieten. Nachdem anfangs noch von einer Inbetriebnahme innerhalb von zwei Jahren die Rede gewesen war, wurde bald darauf von April 2025 gesprochen. Am 28. November 2021, dem albanischen Nationalfeiertag, wurden mit einer offiziellen Zeremonie in Anwesenheit von Ministerpräsident Edi Rama die Bauarbeiten eröffnet.

Im November 2022 war mit der Hauptpiste die erste Bauphase abgeschlossen. Jene ist mit 3.200 Metern die längste Albaniens (bei 60 Meter Breite); damit soll der Flughafen dereinst als einziger im Land interkontinentale Langstreckenflüge bedienen können.

Im März 2023 wurde bekannt, dass die Munich Airport International GmbH (MAI), eine Tochter der in öffentlicher Hand befindlichen Flughafen München GmbH, aktiv an der Planung des Flughafens beteiligt ist. Dies sei dem Aufsichtsrat jedoch nicht mitgeteilt worden. Umweltschützer und die Münchner Grünen kritisierten dies. Die MAI führe ergebnisoffene Gespräche über weitere Management-Leistungen für den Betreiber und zog sich im April 2025 ganz aus dem Projekt zurück.

Im Sommer 2023 sprachen sich das Europäische Parlament und die Europäische Kommission gegen den Bau des Flughafens aus; dieser verstoße gegen nationale Gesetze und internationale Abkommen. Mehrere Klagen waren anhängig.

Weblinks Projektbeschrieb auf der offiziellen Website der Mabetex Group Projektbeschrieb auf der offiziellen Website der Yda Group

Einzelnachweise

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