Star Raiders Entwickler Douglas Neubauer Herausgeber Atari, Inc. Erstveröffentlichung Atari-Heimcomputer, wohl Ende 1979 Datenträger Steckmodul, später auch auf Kompaktkassette Steuerung Tastatur, Joystick Genre 3D-Weltraum-Kampfsimulation Portierungen (Jahr) Atari 2600 (1982) Atari 5200 (1982) Atari ST (1986)
Star Raiders ist ein Computerspiel von Douglas Neubauer und eines der ersten, die für die Heimcomputer Atari 400 und 800 veröffentlicht wurden. Thematisch und visuell ist es an die Fernsehserie Raumschiff Enterprise und den Kinofilm Krieg der Sterne angelehnt. Bereits 1979 einem breiteren Publikum vorgestellt, entwickelte sich das von Atari, Inc. vertriebene Weltraumkampfspiel mit strategischen Elementen ab 1980 rasch zu einem Verkaufserfolg.
Die in Egoperspektive gezeigte Weltraum-Spielumgebung ist vergleichsweise primitiv – Himmelskörper beispielsweise werden lediglich niedrig aufgelöst, als Bildpunkte, dargestellt – zu ihrer Zeit jedoch war die Verwendung dreidimensionaler Grafik neuartig und wegweisend. Auch wegen seiner damals unerreichten Spieltiefe wird Star Raiders daher rückblickend als Klassiker der Videospielgeschichte gesehen. Beispielsweise zählt die US-amerikanische Stanford University das Spiel in ihrer 2007 veröffentlichten History of Science and Technology Collections zu den zehn wichtigsten Computerspielen der Geschichte.
1982 erschienen Umsetzungen für die Spielkonsolen Atari 2600 und Atari 5200, 1986 für den Heimcomputer Atari ST.
Entwicklung
Während der Entwicklungsarbeiten am Heimcomputer Atari 800 begann der Ingenieur Douglas Neubauer Ende 1978 mit ersten softwarebasierten Tests.Marty Goldberg und Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, ISBN 978-0-9855974-0-5, S. 526. Damit sollte die einwandfreie Funktion der Hardwarearchitektur mit ihren verschiedenen neuartigen elektronischen Spezialbausteinen POKEY, ANTIC und CTIA sichergestellt werden. Da viele der zu prüfenden Funktionalitäten zur Erstellung von Spielen konzipiert worden waren, beschloss Neubauer eigenverantwortlich, zukünftige Tests in einem von ihm zu programmierendem Spiel zusammenzufassen. Dies sollte zudem eine einfache Demonstration der grafischen Möglichkeiten des neuen Computers ermöglichen. Als Grundlage wählte Neubauer das auf damaligen Großrechnern laufende und bei Studenten sehr beliebte, textbasierte Strategiespiel Star Trek, das thematisch wiederum auf der gleichnamigen Fernsehserie basiert.Lee Pappas: An interview with Doug Neubauer. Analog Computing, Oktober 1986, S. 89 f. Die darin enthaltenen, noch stark abstrahierten und zudem rundenbasierten Weltraumkampfszenen plante er mit Hilfe von Ataris neuer, leistungsfähiger Hardware durch solche in einer dreidimensionalen Echtzeitumgebung zu ersetzen. Als visuelle Inspiration dienten der kurz zuvor erschienene Film Star Wars und ein von Neubauer nicht näher spezifizierter Spielhallenautomat.James Hague: Doug Neubauer. Dadgum.com, abgerufen am 3. Oktober 2018.Marty Goldberg und Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 527. Erste Arbeiten am Spiel begannen Anfang 1979 auf einem Atari-800-Entwicklungssystem mit noch handverdrahteten Spezialbausteinen.Jeffrey Flemming: Video Games' First Space Opera: Exploring Atari's Star Raiders. Gamasutra.com, 20. September 2007, abgerufen am 3. Oktober 2018. 220px|mini|links|Screenshot des Vorläuferspiels Star Trek in Textdarstellung Neubauer entschied sich, die im Spiel geplante 3D-Umgebung in Egoperspektive, d. h. aus Sicht des Spielers darzustellen. Sämtliche grafische Grundlagen und dafür benötigte mathematische Formeln musste sich Neubauer zunächst aufwendig in Eigenregie erarbeiten, da die im Atari 800 verbaute Technik 3D-Darstellung durch beispielsweise spezielle Grafikprozessoren nicht unterstützt. Die Berechnungen zur Änderung der dreidimensionalen Spielwelt und deren Darstellung in Egoperspektive übernimmt vielmehr der Hauptprozessor des Computers, der MOS 6502. Da dessen Rechenkapazität begrenzt ist, vereinfachte Neubauer die grafischen Elemente stark und nutzte spezielle Techniken, um flüssig erscheinende Bewegungen im Spiel realisieren zu können. So werden weit vom Raumschiff entfernte Himmelskörper nur stark schematisiert, als einzelne Pixel, und Explosionen als Punktewolken dargestellt. Für näher gelegene Objekte wie Meteore, Zylonenschiffe, Sternenbasen und Photonentorpedos wird vollständig auf eine eigene dreidimensionale Modellierung verzichtet. Stattdessen wird lediglich ihre Position innerhalb der dreidimensionalen Umgebung berechnet und anschließend ein je nach Entfernung größenangepasstes zweidimensionales Abbild in die dreidimensionale Darstellung kopiert. Dabei wird zudem auf Sprites (im Atari-Jargon als Player/Missiles bezeichnet) zurückgegriffen,Robert LaFerla: Player Missile Graphics: A Step Beyond. Analog Computing, Januar 1982, S. 33. deren Verwendung ebenfalls den Hauptprozessor entlastet.Lorenz Wiest: Reverse Engineering Star Raiders. PoC||GTFO 0x13, Oktober 2016, S. 5–20. Die von Neubauer im Nachhinein als provisorisch bezeichneten eigenen Programmlösungen („Hacks“) führten insbesondere bei den Explosionsanimationen zu Verlangsamungen der Anzeige. Weitere Probleme bereitete die auf 8192 Byte beschränkte maximale Größe des Programms, wodurch erzählerische Zwischensequenzen und umfangreichere Toneffekte entfielen. Bereits im Mai 1979 konnte ein Prototyp des Spiels zusammen mit Vorserienmustern des Atari-800-Computers auf der US-amerikanischen Computermesse West Coast Computer Faire vorgeführt werden.Gregg Williams: Star Raiders. Byte, Mai 1981, S. 106.
Im August 1979 verließ Neubauer aus privaten Gründen Atari. Letzte Arbeiten am weitestgehend fertiggestellten Spiel wurden in den darauffolgenden Monaten von Atari abgeschlossenJoretta Klepfer: Star Raiders Defend The Galaxy. Compute!, März/April 1980, S. 75. und das Spiel im Januar 1980 auf der damals bedeutendsten Unterhaltungselektronikmesse, der Consumer Electronics Show, im US-amerikanischen Las Vegas präsentiert.Terry Costlow: Computers Become A Force at Consumer Electronics Show. Interface Age, Februar 1980, S. 49.Outgoing Mail. SoftSide Magazine, April 1980, S. 6. Im März erhielt die Spielebezeichnung Star Raiders den Status eines Warenzeichens.STAR RAIDERS - Trademark Details. Trademarks.justia.com, abgerufen am 3. Oktober 2018. Vereinzelt wird der offizielle Verkaufsstart des Spiels ebenfalls mit März angegeben,Star Raiders. Giantbomb.com, abgerufen am 3. Oktober 2018.Steve Fulton : Atari: The Golden Years -- A History, 1978–1981. Gamasutra.com, abgerufen am 9. Oktober 2018. der Großteil der Publikationen zum Thema geht jedoch von einem früheren Termin noch im Jahr 1979 aus.Hat Chamberlain: Manual quality is relative. InfoWorld, 21. Juni 1982, S. 21.
Vermarktung und Portierungen
mini|300px|Atari-Spiel Star Raiders als Steckmodul. Das rechte Bild zeigt die im Inneren verbaute Platine mit zwei ROM-Bausteinen, die das Programm und die Daten enthalten. Für den Vertrieb von Star Raiders wählte Atari zunächst das einfach zu handhabende, dafür aber teure Steckmodul als Datenträger. Im Gegensatz zu damals ebenfalls üblichen, aber wesentlich günstigeren Kompaktkassetten und Disketten zeichnete sich ein Steckmodul vor allem durch die höhere Zuverlässigkeit aus. Zudem stand der Programminhalt unmittelbar nach Einschalten des Computers zur Verfügung, minutenlange Ladezeiten wie etwa bei Benutzung von Kompaktkassetten entfielen damit. Das von Atari gelieferte Steckmodul enthält zwei je 4096 Byte umfassende, nur lesbare Speicherbausteine (ROM),Cartridge Design. Antic, Februar 1984, S. 83. in denen die Daten und der Programmcode von Star Raiders hinterlegt sind. Der modular aufgebaute Programmcode enthält die gesamte Spielsteuerung, darunter die Algorithmen zur künstlichen IntelligenzDoug Neubauer: Star Raiders. Dougneubauer.com, 29. Juli 2009, abgerufen am 24. Oktober 2018. für die Bewegung der Zyloneneinheiten, die Routinen zur Erzeugung der Grafik und zur Verarbeitung beispielsweise von Benutzereingaben. Zusammen mit einer zwölfseitigen Anleitung und einer durch den Künstler McCormackTim Lapetino: Art of Atari. Dynamite Entertainment, 2016, ISBN 978-1-5241-0103-9, S. 194. gestalteten Verpackung kostete das Steckmodul 59,95 US-Dollar.George Blank: Outpost: Atari. Creative Computing, Juni 1980, S. 162. Ab 1981 war Star Raiders auch als Bündelangebot mit dem Arcadespiel Missile Command und zwei Joysticks erhältlich, ab 1983 stattdessen mit dem Arcadespiel Pac-Man.New Software Kits From Atari. Atari Connection, Frühjahr 1983, S. 11. 1986 legte Atari Star Raiders als Kassettenversion neu auf.Arthur Leyenberger: Winter CES 1986. Analog Computing, April 1986, S. 96.TXP7100 - Compilation Tape. Gamebytes.co.uk, abgerufen am 3. Oktober 2018. Im selben Jahr erschien der offizielle Nachfolger Star Raiders II.
Auf der Consumer Electronics Show im Juni 1982 präsentierte Atari erstmals die hauseigene Umsetzung des Spiels für die populäre Spielkonsole Atari 2600.Danny Goodman: Video Games Update. Creative Computing Video & Arcade Games, Frühjahr 1983, S. 33. Durch die geringe Leistungsfähigkeit des bereits 1977 erschienenen Geräts war diese von Carla Meninsky durchgeführte Portierung mit Einschränkungen sowohl audiovisueller als auch spieltechnischer Natur verbunden.Jim Gorzelany: Star Raiders Training Manual. Joystick Magazine, April 1983, S. 27. Da die Konsole im Gegensatz zu den Heimcomputern über keine eigene Tastatur zur Steuerung verfügt, lieferte Atari das Spiel im Spätherbst 1982 zusammen mit einem speziellen Bedienpult, dem Video Touch Pad CX-21,Die Geschichte von Atari. Atari-computermuseum.de, 7. August 2018, abgerufen am 4. November 2018. aus.Jim Gorzelany: Star Raiders Training Manual. Joystick Magazine, April 1983, S. 28. Weihnachten desselben Jahres erschien eine Umsetzung für die kurz zuvor in den USA eingeführte Spielekonsole Atari 5200. Bis auf kleinere grafische Verbesserungen war diese von Joe Copson erstellte Version mit der für die Heimcomputer weitestgehend identisch. 1986 veröffentlichte Atari unter gleichem Spielnamen eine weitere, audiovisuell aufgewertete Version für den Atari ST. Verantwortlich für die programmtechnische Umsetzung zeichnete Robert Zdybel, Bilder und Animationen wurden von Jerome Domurat beigesteuert.Star Raiders. Steemit.com, März 2018, abgerufen am 4. November 2018.
Handlung und Spielprinzip
Der Spieler schlüpft in die Rolle des Piloten von Cruiser 7, einem Raumschiff der galaxiebeherrschenden Atari-Federation. Es gilt, die Invasion der feindlich gesinnten Zylonen abzuwehren und die eigenen Sternenbasen zu verteidigen. Dabei navigiert der Spieler durch verschiedene Bereiche der Heimatgalaxie mit dem Ziel, gegnerische Geschwader zu stellen und zu vernichten. Die Auswahl der zu verteidigenden Gebiete erfordert strategische Überlegungen, beispielsweise um das Umstellen von Sternenbasen durch den Feind zu verhindern und sich somit Nachschubwege und Reparaturmöglichkeiten offenzuhalten. Die innerhalb eines ausgewählten Gebietes in dreidimensionaler Umgebung stattfindenden Gefechte erfordern dagegen Geschicklichkeit und eine gute Hand-Auge-Koordination. So muss der Spieler beispielsweise Meteoren und feindlichem Beschuss ausweichen, gleichzeitig aber auch mittels Photonentorpedos gegnerische Raumschiffe ausschalten. Sind sämtliche Zylonengeschwader vernichtet, ist das Spielziel erreicht. Haben die feindlichen Zylonen alle Sternenbasen vernichtet oder eingenommen, ist das Spiel ebenfalls beendet.