mini|483x483px|Albrecht VI.: Glasfenster im Freiburger Münster (Universitätskapelle) Albrecht VI. (* 18. Dezember 1418 in Wien; † 2. Dezember 1463 ebenda) stammte aus dem Geschlecht der Habsburger. Er war zeitweise Fürst in Innerösterreich, den Vorderen Landen, im Land ob der Enns und unter der Enns und kurz vor seinem Tode Herzog des gesamten Herzogtums Österreich. In Erinnerung blieb er als bedeutender Gegenspieler Kaiser Friedrichs III. Als Folge einer damnatio memoriae erhielt Albrecht den Beinamen „der Verschwender“. 1453 wurde er zum Erzherzog von Österreich ernannt. Im Gedächtnis blieb er als Gründer der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Leben Herkunft und Familie Albrecht VI. war der jüngere der beiden Söhne des Herzogs Ernst I. des Eisernen von Österreich aus dessen zweiter Ehe mit Cymburgis von Masowien. Der Herzog war fest im europäischen Hochadel verankert. Über die Großeltern war er mit den Visconti, Scaligern, den Piasten und den Großfürsten von Litauen verwandt. Sein älterer Bruder, Herzog Friedrich V. von Österreich, wurde 1440 zum römisch-deutschen König gewählt und zwölf Jahre später zum Kaiser gekrönt.

Die Österreichischen Lande waren zur Zeit seiner Geburt in drei größere Herrschaftsbereiche aufgeteilt, in denen verschiedene Herzöge aus dem Haus Österreich regierten.Zu den komplizierten Herrschaftsverhältnissen der Länder der Herzöge von Österreich im Spätmittelalter, siehe Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Darmstadt 2005, S. 37ff. und S. 41. Aus der Albertinischen Linie herrschte Herzog Albrecht V. von Österreich (als deutsch-römischer König Albrecht II.) (1397–1439) über Donauösterreich (Österreich ob der Enns und Österreich nieder der Enns), aus der Leopoldinischen Linie herrschte sein Vater Herzog Ernst I. von Österreich (1377–1424) über Innerösterreich (Herzogtümer Steiermark, Kärnten, Krain u. a.) und sein Onkel Herzog Friedrich IV. von Österreich (1382–1439) über Oberösterreich (Tirol und die Vorlande).

Herzog Friedrich IV. übernahm als Oberhaupt der Leopoldinischen Linie nach dem Tod seines Bruders Ernst I. die Vormundschaft über dessen Söhne und Töchter und die Herrschaft über jene Länder, über die sein Bruder zuvor geherrscht hatte. Erst 1435 trat er offiziell von dieser Vormundschaft wieder zurück und überließ seinen Neffen Friedrich und Albrecht jenen Teil der „leopoldinischen“ Länder, über die zuvor ihr Vater die Herrschaft ausgeübt hatte.Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Darmstadt 2005, S. 49. In einem Vertrag wurde festgelegt, dass die Brüder gemeinsam über Innerösterreich herrschen sollten.Nach Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, S. 49f. enthält dieses 1436 darüber ausgestellte Dokument viele unklare Verfügungen und undeutliche Zusagen, was auf eine von Anfang an unklare rechtliche Lage verweist. Dazu aber kam es nicht. Friedrich übernahm als Herzog Friedrich V. die alleinige Herrschaft. Nach dem Tod seines Onkels im Jahr 1439 folgte er diesem als Oberhaupt der Leopoldiner nach und übernahm außerdem die Vormundschaft über dessen Sohn Siegmund (1427–1496), der zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig war, und um die sich sein Bruder Albrecht ebenfalls bemüht hatte.Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. Köln u. a. 2015, S. 34ff.

Oberhaupt der Albertiner war seit 1411 Herzog Albrecht V., der nach dem Tod von Kaiser Siegmund im Jahre 1437 diesem in den Königreichen Ungarn und Böhmen nachfolgte und im Jahre 1438 zum König im Heiligen Römischen Reich gewählt wurde.Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Darmstadt 2005, S. 55. Als er im Jahr 1439 überraschend auf einem Kriegszug gegen die Türken an Dysenterie starb, wurde sein Cousin Friedrich V. am 2. Februar 1440 in Frankfurt zum deutschen König gewählt.

Herrschaft in Innerösterreich mini|425x425px|Burg Forchtenstein, Residenz Albrechts VI. Nach dem Testament von König Albrecht V. hatte dieser Regelungen für die Nachfolge getroffen, nach denen seine Witwe Elisabeth zusammen mit seinem Cousin Friedrich und einigen Räten die Vormundschaft für einen postum geborenen Sohn übernehmen sollte. Zunächst aber übertrug Elisabeth die Vormundschaft für ihren Sohn Ladislaus Albrecht VI., der sie in ihrem Kampf um die Nachfolge von Ladislaus in Ungarn aktiv unterstützte.Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, S. 60, vgl. dazu Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. Köln u. a. 2015, S. 43–49. Nach komplizierten Familienauseinandersetzungen erlangte Albrecht für einige Jahre ein eigenständiges Fürstentum im innerösterreichischen Gebiet. Es umfasste den Raum Leoben, Judenburg, Forchtenstein und Eisenstadt und reichte damit bis ins damalige Ungarn. Auf Burg Forchtenstein verbündete sich Albrecht mit Graf Ulrich II. von Cilli und dessen Vater am 13. Mai 1442 gegen seinen Bruder. Da der Kampf erfolglos blieb, stimmte Albrecht in einem Hausvertrag mit Friedrich III. einem Tausch dieser Gebiete gegen die Vorlande im Südwesten des Reiches zu.Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. Köln u. a. 2015, S. 34ff. und 68f., zur Vorgeschichte, S. 29f. und 31f. mini|Stiftungsurkunde der Universität von Erzherzog Albrecht VI von Österreich

Herrschaft in den Vorlanden mini|362x362px|Codex Ingeram: Das Wappen Albrechts VI., darunter sein Wahlspruch: "baur - pein - desir": "Angst - Schmerz - Verlangen" Im Jahre 1446 erzwangen die Tiroler Stände von Friedrich III. die Entlassung Siegmunds aus der Vormundschaft. Siegmund erhielt die Herrschaft über Tirol, musste aber im Gegenzug auf die Vorlande verzichten. Diese bekam Albrecht VI. zur alleinigen Herrschaft, wo er bereits 1444 im Rahmen des Alten Zürichkriegs tätig wurde. mini|337x337px|Codex Ingeram: Albrecht VI. 1452 heiratete er die zwei Jahre zuvor zur Witwe gewordene Mechthild von der Pfalz, die ältere Schwester des Kurfürsten Friedrich I. von der Pfalz, der später zu den bekanntesten Gegenspielern von Kaiser Friedrich gehörte.

Ins internationale Rampenlicht geriet der Fürst, als er Friedrich III. 1451/52 zur Kaiserkrönung begleitete, auf dem er als Marschall für die Organisation des Romzugs zuständig war.Achim Thomas Hack: Ein anonymer Romzugsbericht von 1452 (Ps-Enenkel) mit den zugehörigen Personenlisten (Teilnehmerlisten, Ritterschlagslisten, Römische Einzugsordnung). Stuttgart 2007, Vorwort und S. 64ff.

Am 6. Jänner 1453 wurde Albrecht VI. von seinem Bruder Friedrich III. zum Erzherzog von Österreich erhoben.Heinrich Koller: Kaiser Friedrich III. Darmstadt 2005, S. 135 und 136f., Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. Köln u. a. 2015, S. 339ff.

Im Jahre 1454 ließ der Fürst die Herdstellen der Vorlande in Matrikeln erfassen, um sie steuerlich erfassen zu können.Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. Köln u. a. 2015, S. 361ff. mini|379x379px|Codex Ingeram: Mechthild von der Pfalz Albrecht gründete die Universität von Freiburg (Urkunden vom 21. September 1457Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. Köln u. a. 2015, S. 430.), um den Zuzug in die hochverschuldete Stadt Freiburg zu fördern und damit deren fiskalische Möglichkeiten zu verbessern.Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. Köln u. a. 2015, S. 424ff. Er ließ außerdem den Ingeram-Codex für sich anfertigen, der eine reiche Quelle für Heraldiker darstellt.

Herrschaft im Land ob der Enns und in Wien Nach dem Tod des Ladislaus Postumus (gest. am 23. November 1457 in Prag) und dem „Erlöschen“ der albertinischen Linie der Habsburger kam es in der leopoldinischen Linie der Dynastie zum Konflikt um die Nachfolge im Herzogtum Österreich (ob und nieder der Enns). Nachdem Herzog Sigmund gegenüber Albrecht im Austausch gegen die Vorderen Lande auf seine Ansprüche verzichtet hatte, forderte dieser die alleinige Herrschaft und nannte sich nun Albrecht VI. von Österreich ob und unter der Enns. Friedrich, als Kaiser, verweigerte die Anerkennung. 1458 übernahm Albrecht die Herrschaft in Österreich ob der Enns (Teile des heutigen Bundeslandes Oberösterreich), während Österreich unter der Enns an (mit der Stadt Wien) an Friedrich gingGeorg Wacha: Linz unter Albrecht VI. und Friedrich III. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1986. Linz 1987, S. 11–21 (). (Vertrag vom 21. August 1458) In: Sonja Dünnebeil, Paul Herold, Kornelia Holzner-Tobisch (Bearb.): Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440–1493). Nach Archiven und Bibliotheken geordnet. H. 18: Die Urkunden und Briefe des Österreichischen Staatsarchivs in Wien, Abt. Haus-, Hof- und Staatsarchiv: Allgemeine Urkundenreihe, Familienurkunden und Abschriftensammlungen (1458–1463). Wien [u. a.], 2004 (regesten.regesta-imperii.de) Nach der Belagerung seines Bruders Friedrich und dessen Familie in der Wiener Burg wurde Albrecht am 26. Dezember 1462 auch Herrscher von Österreich unter der Enns (Teile des heutigen Bundeslandes Niederösterreich) mit Wien.

Die Gegnerschaft zu seinem Bruder zeigte sich auch im Badisch-Pfälzischen Krieg und im Bayerischen Krieg. Albrecht befand sich auf der Seite der Gegner des Kaisers. Mit den Schlachten von Seckenheim und Giengen (an der Brenz) ging dieser Krieg für die Kaisertreuen verloren.

Tod Albrecht VI. starb am 2. Dezember 1463. Über seinen Tod ist ein ausführlicher, von dem Tiroler Adligen Leonhard von Felseneck in Auftrag gegebener und in Bezug auf seine medizinischen Angaben anscheinend nicht der Wahrheit entsprechender Zeugenbericht des Türhüters und Vertrauten des Herzogs, Hanns HierszmannWolfgang Wegner: Hierszmann, Hans. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 594. erhalten, der, obwohl Hierszmann medizinischer LaieGundolf Keil: Der Hausvater als Arzt. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit (Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn). Mit einem Register von Ralf Nelles, Jan Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 379954156X, S. 219–243, hier: S. 231. war, zu den bedeutendsten seiner Art zählt.Vgl. H. Herkommer: Das allzumenschliche Ende Herzog Albrechts. Ein Sterbeprotokoll aus dem 15. Jahrhundert. Unipress. Forschung und Wissenschaft an der Universität Bern, 118, 2003. Die tatsächliche Todesursache ist bis heute nicht geklärt, die Begleitumstände des Todes und der Tage danach wirken recht undurchsichtig.Konstantin Moritz A. Langmaier: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418–1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich. Köln u. a. 2015, S. 634 und S. 637–369. mini|Funeralschild des Herzogtums Krain, dem Stefansdom gestiftet anlässlich der Beisetzung von Herzog Albrecht VI (1463)