mini|Lea Schneider bei einer Podiumsdiskussion für Fokus Lyrik in Frankfurt 2019
Lea Schneider (* 9. Juli 1989 in Köln) ist eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie ist vor allem für ihre Gedichte, Essays und Übersetzungen von chinesischer Gegenwartslyrik bekannt.
Leben
Schneider studierte Komparatistik, Sinologie, Soziologie und Linguistik an der Freien Universität Berlin und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Sie verbrachte Auslandssemester an der Fudan-Universität in Shanghai und der Zhongguo-Wenhua-Universität in Taipei, wo sie erstmals intensiv mit chinesischer Gegenwartsliteratur in Berührung kam. Sie schloss ihr Studium 2015 mit einer Arbeit über Biopolitik und Gouvernementalität in China am Beispiel des „Leftover-Women“-Phänomens (chin. 剩女 Pīnyīn: shèngnǚ) ab und arbeitet seitdem als freischaffende Autorin, Übersetzerin, Herausgeberin und Kuratorin in Berlin. 2019 begann sie eine Promotion am Exzellenzcluster Temporal Communities. Literatur als Praxis in globaler Perspektive der FU Berlin zum Thema Verletzbarkeit als Waffe. Poetiken des Sich-Selbst-Aussetzens zwischen Internetkultur, emanzipatorischer Strategie und Literaturbetrieb.
2009 gründete Lea Schneider – gemeinsam mit anderen Lyrikerinnen – das Lyrikkollektiv G13, eine Gruppe von jungen Autorinnen, die in monatlichen Feedback-Treffen, vergleichbar einer Textwerkstatt, ihre Gedichte gemeinsam diskutieren und bearbeiten. Seit 2010 arbeitet Schneider als Teil von G13 an Formaten des kollektiven Schreibens (z. B. das gemeinsam verfasste Langgedicht „das war absicht“). Sie ist ebenfalls an den unterschiedlichen Bühnenprogrammen des Kollektivs beteiligt, in denen Möglichkeiten erkundet werden, Gedichte als Performance zu inszenieren.
Werk
2010 begann Schneider, Gedichte, Essays und Übersetzungen in verschiedenen Literaturmagazinen und Anthologien zu veröffentlichen (u. a. Belletristik, Poet, Edit, akzente, Lyrik von Jetzt 3, Jahrbuch der Lyrik 2012 und 2017). Sie arbeitet eng mit dem Verlagshaus Berlin zusammen, wo 2014 ihr Lyrikdebüt „Invasion rückwärts“ erschien. Im selben Jahr wurde Schneider mit dem Dresdner Lyrikpreis ausgezeichnet.
2015 kuratierte Schneider einen Programmschwerpunkt zu chinesischer Gegenwartslyrik für das Poesiefestival Berlin; seitdem tritt sie verstärkt als Übersetzerin und Vermittlerin chinesischer Lyrik auf. Die von ihr herausgegebene Anthologie „CHINABOX. Neue Lyrik aus der Volksrepublik“ stieß 2016 auf ein Medienecho und wurde von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung als „Lyrikempfehlung 2017“ ausgezeichnet. Ebenfalls im Jahr 2016 wurde Schneider als Writer-in-Residence an das Goethe-Institut China in Nanjing eingeladen und erhielt ein Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds für ihre Arbeit an „CHINABOX“.
Auch jenseits ihrer Arbeit mit G13 interessiert Schneider sich für kooperative Projekte und das Arbeiten an den Grenzen unterschiedlicher Kunstformen und Genres, z. B. mit dem E-Book „O0“, das sie 2016 gemeinsam mit dem Schriftsteller Tillmann Severin und dem Bildhauer Sebastian Severin publiziert hat.
2018 wurde Schneider mit dem Postpoetry.NRW-Preis sowie mit dem Poetry East West Translation Award ausgezeichnet. Ihre Gedichte wurden ins Englische, Chinesische, Russische, Französische, Slowenische und Tschechische übersetzt.
Zitat
Auszeichnungen
2013: Finalistin des Open Mike 2014: Dresdner Lyrikpreis 2016: Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds 2016: Writer-in-Residence des Goethe-Institut China in Nanjing 2017: Lyrikempfehlung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 2018: NRW-Preis Postpoetry 2018: Poetry East West Translation Award 2020: Horst Bingel-Preis für Literatur 2021: Berliner Kunstpreis (Literatur)
Publikationen
Gedichtbände 40% Paradies. Gedichte des Lyrikkollektiv G13. Anthologie. Herausgegeben von Annette Kühn, Christian Lux. Luxbooks, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-939557-70-8. das war absicht. (= Schöner Lesen 128). In Kooperation mit dem Lyrikkollektiv G13. Illustriert von Claudia Schramke und David Lyle. Sukultur, Berlin 2013, ISBN 978-3-95566-018-5. Invasion rückwärts. Gedichte. Illustriert von Andreas Chwatal. Verlagshaus Berlin, Berlin 2014, ISBN 978-3-940249-63-0. O0. (= Edition Binaer). Zusammen mit Tillmann Severin. Gedichte zur Ausstellung von Sebastian Severin. Herausgegeben von Marcel Diel. Verlagshaus Berlin, Berlin 2016, e-book ISBN 978-3-945832-17-2.Rezension im Buchreport: Lyrik im E-Book. Abgerufen am 3. Februar 2022. made in china. Gedichte. Illustriert von Yimeng Wu. Verlagshaus Berlin, Berlin 2020, ISBN 978-3-945832-38-7.
Essay Scham. Essay. (= Edition Poeticon). Verlagshaus Berlin, Berlin 2021, ISBN 978-3-945832-48-6.
Übersetzungen CHINABOX. Neue Lyrik aus der Volksrepublik. Verlagshaus Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-945832-20-2. Yan Jun. internationaler tag der reparatur. Gedichte in Chinesisch u. Deutsch. Illustriert von Yimeng Wu. Hochroth, Berlin 2016, ISBN 978-3-902871-90-9. Zang Di: Gesellschaft für Flugversuche. Aus dem Chinesischen gemeinsam mit Dong Li. Hanser, München 2019, ISBN 978-3-446-26393-2.
Gespräch Lea Schneider, Anja Utler: Die Ränder des Sprachlichen. Ein Gespräch über die Politik des Trauerns und die Rolle von Gedichten in einer endenden Welt. In: Karen Leeder, Lisa Memmeler, Jutta Müller-Tamm, Lea Schneider (Hgg.): Enter the Ghosts. Formen des Nachlebens in der Lyrik der Gegenwart. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2026, ISBN 978-3-8498-2154-8.
Weblinks
Website von Lea Schneider Website des Lyrikkollektivs G13 Lea Schneider auf lyrikline.org
Interview mit Lea Schneider auf sinonerds.com
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Lyrik Kategorie:Essay Kategorie:Übersetzer aus dem Chinesischen Kategorie:Übersetzer ins Deutsche Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1989 Kategorie:Frau