Der Flughafen Nürnberg-Marienberg war vom 20. August 1933 bis Herbst 1940 der internationale Flughafen der fränkischen Stadt Nürnberg. Seit der Mobilmachung am 28. August 1939 bis zur Befreiung Nürnbergs durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten am 14. April 1945 diente der Flugplatz nur noch den Zwecken der Luftwaffe und wurde nach der fast vollständigen Zerstörung der Gebäude im Zweiten Weltkrieg nicht wieder in Betrieb genommen.
Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens befindet sich heute unter anderem der Volkspark Marienberg.
Lage und Verkehrsanbindung Der Flughafen Nürnberg-Marienberg befand sich etwa vier Kilometer nördlich vom Stadtzentrum Nürnbergs im gleichnamigen Stadtbezirk Marienberg. Das Flughafengelände wurde tangential durch die heutige Kilian- beziehungsweise Großreuther Straße im Süden und die heutige Marienbergstraße im Norden berührt, zudem führte die Senefelderstraße zum Vorplatz des Flughafens, dem Max-von-Müller-Platz. Etwa 750 Meter östlich des Flughafens befand sich bis 1996 die – heute nur noch von Buslinien bediente – Straßenbahnhaltestelle Bessemerstraße. Des Weiteren ist der Nordostbahnhof, der an die Gräfenbergbahn und die Ringbahn sowie seit 1996 an die U-Bahn angeschlossen ist, in Richtung Südosten etwa einen Kilometer entfernt.
Geschichte Vorgängerflughafen mini|Vorgängerflughafen Nürnberg-Fürth, ehemaliges Flugleitgebäude und Hangar (2004)
Dem Flughafen Fürth-Nürnberg in Atzenhof drohte 1926, trotz steigender Fluggastzahlen, seitens des bayerischen Handelsministeriums auf Grund von sanierungsbedürftigen Gebäuden, nötigen Ausbauten zur militärischen Nutzung und nicht den Anforderungen eines modernen Flugbetriebs entsprechender Infrastruktur eine Sperrung. Die nötigen Maßnahmen zur Beseitigung der Missstände sollten innerhalb von vier Monaten umgesetzt werden. Die Investitionen hätten etwa eine halbe Million Reichsmark betragen, von denen nach Anteilseignerschaft die Stadt Fürth 2/3 und die Stadt Nürnberg 1/3 hätte finanzieren müssen.Bernd Windsheimer (Hg.): 50 Jahre Airport Nürnberg. Geschichte der Luftfahrt in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-40-0, S. 34 Da sich Fürth jedoch finanziell dazu nicht in der Lage sah und seitens der Nürnberger die schlechte öffentliche Verkehrsanbindung und die große Entfernung von zwölf Kilometern zum Stadtzentrum kritisiert wurden, diskutierte man in einer erweiterten Sitzung des Nürnberger Stadtrates am 31. August 1926 die Problematik. Der Nürnberger Oberbürgermeister Hermann Luppe zögerte zuerst aus finanziellen Überlegungen, da Fürth eine Beteiligung von 2/3 am Flughafen innehatte, einem Neubau auf Nürnberger Stadtgebiet zuzustimmen. Da die Stadt Fürth jedoch deutlich machte, es sich als Mittelstadt nicht leisten zu können einen internationalen Flughafen zu finanzieren und breite Teile der Nürnberger Bevölkerung und der bayerischen Behörden einen Flughafen auf Nürnberger Stadtgebiet favorisierten, beschloss der Stadtrat am 16. Februar 1927 einen Neubau. Am 21. April 1927 einigten sich die Städte Nürnberg und Fürth auf eine Neuverteilung der Kosten des Atzenhofer Flughafens, der noch bis zur Eröffnung des Neubaus in Betrieb bleiben sollte. Zukünftig zahlte Nürnberg gemäß den Einwohnerzahlen 4/5 der Sach- und Personalkosten und 3/4 der Streckensubventionen, erklärte sich aber dennoch bereit den Namen Flughafen Fürth-Nürnberg vorläufig beizubehalten. Am 8. Dezember 1927 stimmte die bayerische Landesregierung den Neubauplänen ebenso zu.Bernd Windsheimer (Hg.): 50 Jahre Airport Nürnberg. Geschichte der Luftfahrt in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-40-0, S. 35 Ab 1. Oktober 1928 führte die Stadt Nürnberg, aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Stadt Fürth, den Flughafen in Alleinregie weiter und benannten ihn in Flughafen Nürnberg-Fürth um.Bernd Windsheimer (Hg.): 50 Jahre Airport Nürnberg. Geschichte der Luftfahrt in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-40-0, S. 36
Bau Standortwahl Das bayerische Handelsministerium genehmigte die Pläne zum Neubau nur unter der Bedingung, dass bis zum 1. Mai 1930 ein Antrag auf eine Betriebseröffnung eingereicht werden müsse. Da der Flughafen stadtnah gelegen sein sollte, der Süden der Stadt auf Grund seiner starken Industrialisierung, der Westen auf Grund des geplanten neuen Hafens und Flusseinschnitten, sowie der Reichswald im Osten ebenfalls nicht in Frage kamen, fand man nur im Norden ein geeignetes Areal. Es erstreckt sich zwischen den Stadtteilen Großreuth hinter der Veste und Marienberg, liegt vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und wurde bereits 1914 neben Großreuth bei Schweinau und Wetzendorf als Standort eines Nürnberger Flughafens diskutiert. Das Gelände sollte dem Verkehrsreferenten Wilhelm Weigel und dem Baureferenten Walter Brugmann zufolge mit Maßen von 1000 auf 1000 Meter den Anforderungen eines modernen Flughafens gerecht werden.
Grunderwerb Der Grunderwerb sollte freihändig und möglichst ohne Zwangsenteignungen durchgeführt werden. 18 der benötigten 100 Hektar befanden sich bereits in städtischem Besitz und weitere 76 Hektar konnten bis 1929 vom Staatsforst und größeren Privatbesitzern im Norden sowie von Bauern im südlichen Bereich freihändig erworben werden. In fünf Fällen musste das bayerische Innenministerium im Februar 1926 eine Gesamtfläche von 2,6 Hektar mittels Zwangsenteignung beschlagnahmen. Ein ungefähr ein Hektar umfassendes Areal im Nordosten des Geländes, das den Ziegelsteiner Friedhof und ein kleines Waldstück beherbergte, konnte zunächst erhalten bleiben. Das südlich an das Flughafengelände angrenzende Gebiet, das ungefähr sieben Hektar umfasste, war ebenso schon in städtischem Besitz und sollte der Errichtung von Verwaltungsgebäuden, Flugzeughallen, sowie Parkplätzen und Erschließungsstraßen dienen.
Geländearbeiten Das erste neue Gebäude des Flughafens war eine Funkstelle, die die Stadt Nürnberg mit Unterstützung des Reichsverkehrsministeriums zwischen Thon und Buch errichten ließ. Zwischenzeitlich wurde diese noch für den Flughafen in Atzenhof genutzt. Nürnberg kümmerte sich um den Grunderwerb, den Bau und den Unterhalt der Funkstelle, während das Deutsche Reich die Technik und das Personal finanzierte. Im September 1928 begann das Stadtgartenamt mit der Einebnung des Areals am Marienberg und der Beseitigung von Hindernissen mittels der Verlegung von Feldbahngleisen. Das Projekt wurde auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme genutzt, so dass bei den Arbeiten neben den Arbeitern des Gartenamtes auch eine größere Anzahl von Arbeitslosen beschäftigt wurde. Die über die letzten fünf Jahre hier abgelagerten Mengen an Hausmüll und Schutt wurden genutzt, um Gräben und Sümpfe aufzufüllen und diese anschließend bis Herbst 1929 mit Humus zu bedecken, zu planieren und zu begrasen. Das Gelände wurde außerdem mit einem Zaun umgeben. Die Vorarbeiten, bei denen rund 1000 Menschen beschäftigt waren, 225.000 Kubikmeter Boden bewegt wurden und 27 Hektar planiert wurden, waren damit abgeschlossen.Bernd Windsheimer (Hg.): 50 Jahre Airport Nürnberg. Geschichte der Luftfahrt in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-40-0, S. 44
Weltwirtschaftskrise Zwar genehmigte der Stadtrat 1929 die Errichtung der Hochbauten und der nötigen Verkehrsinfrastruktur, deren Kosten auf rund 1,2 Millionen Reichsmark geschätzt wurden, jedoch verhinderte die sich im Zuge der Weltwirtschaftskrise weiter verschlechternde finanzielle Lage die Ausführung der Pläne. Ursprünglich geplant war die Realisierung von vier in Eisen- und Stahlbauweise errichteten 40 Meter tiefen Hallen mit 60 × 10 Meter großen Toren. Aus Kostengründen sollte jedoch vorerst nur eine Halle mit Werkstätten und ein angegliederter Beobachtungsturm der Polizei mit Aufenthaltsräumen und Büros sowie ein Verwaltungsgebäude mit 2000 Quadratmetern errichtet werden.
Vorübergehend diente das Flugfeld erstmals am 10. Mai 1931 einer Zeppelinlandung, der weit über 100.000 Menschen beiwohnten.Bernd Windsheimer (Hg.): 50 Jahre Airport Nürnberg. Geschichte der Luftfahrt in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-40-0, S. 45 Ein zweites Mal diente es einem Großflugtag am 5. Juni 1932, an dem Geschwaderfliegen, Kunstflugvorführungen, Segelflugzeuglandungen, Fallschirmabsprünge und ein Flugzeugrennen geboten waren.Bernd Windsheimer (Hg.): 50 Jahre Airport Nürnberg. Geschichte der Luftfahrt in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-40-0, S. 46 Für einen Eklat sorgte hierbei die Fallschirmpilotin Lisl Schwab, die über dem Veranstaltungsgelände mit einem Werbebanner für die nationalsozialistische Zeitung Der Stürmer flog.Bernd Windsheimer (Hg.): 50 Jahre Airport Nürnberg. Geschichte der Luftfahrt in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-40-0, S. 46f. Auf Grund eines Gewitters nahmen in diesem Jahr mit nur 30.000 Besuchern deutlich weniger teil.
Fertigstellung Die neue nationalsozialistische Stadtverwaltung begann, trotz weiterhin finanziell angespannter Lage, bereits am 28. Mai 1933 mit der Errichtung der noch ausstehenden Hochbauten und setzte die Arbeiten in einem Zeitraum von nicht mal drei Monaten bis Mitte August 1933 um. Die offizielle Eröffnung fand am 20. August statt. Anlass für die schnelle Ausführung der Arbeiten war der anstehende Termin für den Reichsparteitag des Sieges, der in der ersten Septemberwoche stattfinden und bei dem Hitler auf dem neuen Flughafen landen sollte. Bereits vom 20. Mai bis 16. Juni 1933 flog das damals größte Flugzeug im praktischen Luftverkehr, eine Junkers G 38, auf dem regulären Linienflug von Berlin über Leipzig/Halle und Nürnberg/Fürth nach München statt des Atzenhofers, den Marienberger Flughafen auf dem Hin- und Rückflug an. Die Premierenlandung, der lokale NS-Politiker mit dem Bürgermeister Willy Liebel beiwohnten, lockte rund 4000 Zuschauer und wurde zu einem symbolträchtigen und medienwirksamen Event für den Flughafenausbau inszeniert. Den Vormittagslandungen in den folgenden Wochen wohnten auch jeweils Hunderte, zumeist Schulklassen, bei.Bernd Windsheimer (Hg.): 50 Jahre Airport Nürnberg. Geschichte der Luftfahrt in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-40-0, S. 47
Inbetriebnahme mini|Erhaltene Hangar auf dem heutigen SÖR-Betriebshof. Die ursprünglich am 13. August 1933 angesetzte EröffnungBernd Windsheimer (Hg.): 50 Jahre Airport Nürnberg. Geschichte der Luftfahrt in Nürnberg. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-40-0, S. 48 konnte wegen einer zeitgleichen NS-Veranstaltung auf dem Hesselberg nicht stattfinden und musste um eine Woche auf den 20. August verschoben werden. Aufgrund der kurzfristigen Verschiebung des Termins konnten zahlreiche geladene Gäste an der Eröffnungsveranstaltung, an der der gesamte Flugverkehr von Atzenhof verlegt wurde und Kunstflugvorstellungen stattfanden, nicht teilnehmen. Bereits einige Tage später wurde der Flugverkehr jedoch wegen der am 31. August bis 3. September stattfindenden Reichsparteitage zwischenzeitlich erneut nach Fürth verlegt, ehe der Betrieb wieder aufgenommen wurde.