mini|Camellia 'E.G. Waterhouse' gezüchtet von Waterhouse 1946 in Gordon, New South Wales

Eben Gowrie Waterhouse OBE CMG (* 29. April 1881 in Sydney, Australien; † 17. August 1977 in Killara) war ein australischer Pädagoge und Sprachenlehrer, Germanist und Gartenbauer sowie Pflanzenzüchter, der internationale Bekanntheit durch seine Beschäftigung mit Kamelien erlangte.

Name „Gowrie“ ist ein schottischer Name (ursprünglich wohl die Bezeichnung einer Region im heutigen Perthshire, gälisch: Gobharaidh); Eben eine Kurzform des hebräischen Namens Ebenezer (dt. Stein der Hilfe).

Leben Jugend Eben Gowrie Waterhouse (Gowrie für seine Freunde) wurde am 29. April 1881 in Sydney geboren. Er war der zweite von insgesamt drei Söhnen von Gustavus John Waterhouse und dessen Frau Mary Jane Vickery, die beide in Australien geboren waren. Seine beiden Großväter waren Engländer, eine Großmutter Schottin, die andere Deutsche. Auf seine deutsche Großmutter führte er seine lebenslange Liebe zur deutschen Sprache zurück. Sein älterer Bruder Gustavus Athol („Athol“; 1877–1950) wurde ein bekannter Entomologe und veröffentlichte den ersten umfassenden Katalog australischer Schmetterlinge. Sein jüngerer Bruder Leslie Vickery (Les) Waterhouse (1886–1945) wurde ein einflussreicher Bergbau-Ingenieur. Gowrie entwickelte schon als junger Mann im Verlauf von ausgedehnten Wanderungen (bushwalker) eine große Liebe zu Pflanzen, insbesondere den einheimischen.

Mit seinen Brüdern wurde Waterhouse an der Sydney Grammar School und der University of Sydney ausgebildet. Er erwarb B.A. in Französisch, Deutsch und Italienisch zwischen 1900 und 1903 und schloss „first class honours“ ab; außerdem erhielt er im Jahr 1901 den MacCallum Prize für Englisch und erwarb einen M.A. im Jahr 1919.

Sprachen und Kultur Nach vier Jahren als Lehrer an der King's School Parramatta und zwei Studienjahren im Ausland, an der Universität Leipzig, wo er Sprachen und Phonetik studierte, kehrte Waterhouse als Lehrer für Fremdsprachen an die Sydney Grammar zurück und führte sein System („direct method“) des Fremdsprachenlernens ein. Die Methode besteht darin, dass die Sprache in der Konversation vermittelt wird, wobei zunächst die Aussprache trainiert wird. Die zugehörigen grammatischen Strukturen folgten später. Seine Methode war so erfolgreich, dass er sehr bald als Mitarbeiter in das Sydney Teachers' Training College aufgenommen wurde. Seine Schüler verbreiteten die Methode von dort aus in die Schulen von New South Wales. Dann wurde er 1926 Associate Professor of German an der Universität Sydney und von 1938 bis 1946 Professor für Deutsch und Comparative Literature. Ab 1920 engagierte er sich in der Goethe-Gesellschaft, der Alliance française und der Dante Alighieri Art and Literary Society. Er gab seinen Lehrstuhl 1946 auf, blieb aber Honorary Curator of the University Grounds bis 1949.

Waterhouse lehrte, dass jeder sein individuelles Genie suchen und anwenden sollte und dass die höchste Form dieses Ausdrucks in Literatur und Kunst zu finden sei. Für ihn war das herausragendste Beispiel eines solchen Genies Goethe. Wenn Waterhouse sein eigenes Landschaftsgestalten und Gärtnern als eine Kunst beschreibt, impliziert dies auch, dass der Ausdruck von Waterhouses individuellem Genie in seinen Landschaftsgärten zu finden sei. Der Gipfel seiner Karriere als Germanist bestand in einem Vortrag, den er 1932 in der Great Hall der Universität Sydney zum hundertsten Todestag Goethes hielt.

In den 1930er Jahren unterstützte er die League of Nations an der Universität und darüber hinaus.Hitler and Mussolini. In: The Sun, iss. 7882, Sydney, 6. April 1935: 4. Er schlug vor, in Sydney einen Club of International Culture zu gründen, um Missverständnisse zwischen Kulturen abzubauen und eine reichere kulturelle Entwicklung in Australien selbst zu fördern.International Culture. In: The Sydney Morning Herald, iss. 30,332, 22. März 1935: 10. Diese Ziele teilte er mit seinem englischen Freund Sir Henry Price, dem Mitbegründer des Royal Institute of International Affairs, der ebenfalls Kamelien-Enthusiast war. Waterhouse bereiste erneut Europa und erhielt kurz nach dem Röhm-Putsch (Nacht der langen Messer) durch sein Ansehen und seinen Einfluss die Gelegenheit, Interviews mit Hitler und Mussolini zu führen. Seine Einsichten wurden weit verbreitet: Er erlebte Hitler im persönlichen Gespräch als idealistisch, fanatisch und dramatisch, aber unsolide; Mussolini im Gegensatz dazu eher staatsmännisch.Two Dictators. In: The Sydney Morning Herald, iss. 30,347, 9. April 1935: 11 Joseph Goebbels hielt er für gefährlich und gerissen.Sees Fatal End Soon For Adolph Hitler. In: The Sun (Sydney), iss. 1643, New South Wales, Australia, 23. September 1934: 9.

Mit über 80 Jahren brachte sich Waterhouse selbst noch Japanisch bei, um mit Japanern „Kamelien zu diskutieren“ („talk camellias“).

Ehe Am 1. Oktober 1912 heiratete Waterhouse Janet Frew Kellie, eine Schottin, die er beim Sprachstudium in Paris 1907 kennengelernt hatte. Das Paar hatte vier Kinder: Gordon Gowrie Waterhouse (1913–1986) wurde ein Gartenspezialist, der 1939 zusammen mit seinem Vater die Camellia Grove Nursery in St Ives gründete.Der Name spielt an auf die ursprüngliche Camellia Grove Nursery am Parramatta River in den 1850ern: Geoff Barker: Parramatta Heritage Centre 14. Mai 2014. Douglas Frew Waterhouse (1916–2000) wurde ein bekannter Entomologe an der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO).Malcolm Robertson: Waterhouse, Douglas Frew (Doug) (1916–2000). In: The Age. 11. Dezember 2000. Evan Wilson Waterhouse (1919–1970) gründete den Verlag Bellbird Books. Ian Kellie Waterhouse (1921–2013) wurde Gründungs-Professor für Psychologie an der Macquarie University.

Eryldene mini|Garden Studio von Eryldene (Kamelien auf der rechten Seite). Zwischen 1913 und 1936 hatte Waterhouse an der Adresse 17 McIntosh Street, Gordon ein Haus mit Garten auf einer Fläche von 0,2 ha (1/2 acre) gebaut. Er nannte es Eryldene, nach dem Geburtsort seiner Frau in Schottland. Die Waterhouses zogen mit ihrem Sohn Gordon 1914 ein. Der Garten wurde letztendlich verdoppelt; 1921 wurde das Grundstück erworben, das zur Straße auf der Rückseite gehörte. Das Haus, die „Open-air-Räume“ des Gartens und ein großer Teil der Gartengebäude wurden entworfen und gebaut von William Hardy Wilson in einem Stil des Georgian Colonial Revival nach Vorbildern aus Sydney und Hobart, sowie von Indian Bungalows derselben Epoche.Hardy Wilson: Domestic Architecture in Australia. In: The Home. 1926 vol. 7, 1. Februar 1926: 16–17, 46. Haus und Garten wurden als Einheit in der Tradition des Arts and Crafts Movement gesehen, auch wenn das Haus in einem anderen Stil ausgeführt wurde. Der Garten ist stärker symmetrisch und formal als die entsprechenden Arts-and-Crafts-Gärten.„sinuous gravel paths, squiggly beds, standard roses and general fussiness.“ Norman Cowper: Vorwort in: Mary Armati: E.G. Waterhouse of Eryldene. Fine Arts Press, Sydney 1982: 10. ISBN 0-86917-003-1. Indem sie die Achsen des Hauses verlängerten, waren die formalen Gartenräume angelegt vor einem Hintergrund von wilden Eukalypten.Open Air Room. In: The Sun (Sydney), iss. 1321, New South Wales, Australien 22. Juli 1928: 44. Diese formalen Räume wurden ausgestattet mit Waterhouses halb-formalen Pflanzungen. Waterhouse erläuterte dies in einem Artikel in The Home 1923.Eben Gowrie Waterhouse: Erylydene, Gordon, New South Wales, the Residence of Mr & Mrs E.G. Waterhouse; House and Garden Designed by Wilson, Neave and Berry. In: The Home 1923 vol. 4, 1. Juni 1923: 27–30.Das wird an dem Foto von Cazneaux oben deutlich. Summer Blaze. In: The Home, 1. November 1930: 22. Eryldene wurde zum Maßstab für Gartengestaltung in Sydney in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (a touchstone for the Sydney gardens of the first half of the twentieth century).

In der Zwischenkriegszeit wurde Waterhouse ein führender Schiedsrichter in Sydney in Bezug auf Geschmack und im Bezug auf house-and-garden living, seine Gartenkonzeption ist noch immer bestimmend für die Gestaltung der Gärten im Gebiet von Sydney North Shore und Teilen von Melbourne.

Waterhouse glaubte, dass Büsche, speziell Kamelien „Große Persönlichkeit“ (great personality) in einem Garten vermittelten, ein Element, welches bis dahin in Australien vernachlässigt worden war.Hazel de Berg: E.G. Waterhouse interviewed in the Hazel de Berg Collection (sound recording). Trove 1967. Letztendlich pflanzte er in seinem Garten mehr als 700 Kamelien-Varietäten – die größte private Sammlung in Sydney – wodurch auch der ursprüngliche Charakter des Gartens sich komplett änderte. Zur selben Zeit entstanden enorme Wohngebiete mit Haus- und Gartenanlagen im Gebiet von North Shore und Eryldene mit seinen Pflanzungen wurden überall in Sydney kopiert und in zahlreichen Ausgaben von The Home abgebildet, bis das Magazin seinen Schwerpunkt verlagerte und in den dreißiger Jahren eher Spanische „Cloisters“ (Klöster) und „Modernist Sundecks“ abbildete. Beinahe ein Jahrhundert später sind in den Vorstädten von Gordon, Killara, Pymble und Turramurra zwischen Mai und August außerordentliche Blütenschauen von Kamelien in jeder Form zu bewundern, genau wie in den Vorstädten von Melbourne Ivanhoe und Heidelberg.

Eryldene wurde zwischen den beiden Kriegen zu einem beliebten Treffpunkt für Führer in Meinung und Geschmack, besonders für diejenigen, die in Verbindung standen mit dem Magazin The Home von Sydney Ure Smith: William Hardy Wilson, Alfred und Jocelyn Brown, Adrian Feint, Paul Jones, Harold Cazneaux,Domestic architecture in Australia. original photographs (inc. Eryldene) by H. Cazneaux, [J.] Paton, J. Kauffmann and J. [i.e. A.] Wilkinson, State Library of New South Wales. John Moore und Leslie Wilkinson. Woodhouse war ein Freund der Künstler Lionel Lindsay, George Washington Lambert und Thea Proctor. Zu seinem Freundeskreis gehörte auch der State Governor Alexander Hore-Ruthven, 1. Earl of Gowrie und Lady Gowrie. Außerdem gehörten auch Linguisten der Universität, namentlich Christopher Brennan, zum Besucherkreis, den Waterhouse als großen Dichter schätzte.

Landscape and Garden (Gartenarchitektur)