mini|Karel Schwarzenberg (2007) rahmenlos|Unterschrift von Karel Schwarzenberg

Karel Schwarzenberg (deutsch Karl Schwarzenberg oder Karl von Schwarzenberg; * 10. Dezember 1937 in Prag, Tschechoslowakei; † 12. November 2023 in Wien, Österreich) war ein tschechisch-schweizerischer Politiker. Er war von 2007 bis 2009 und von 2010 bis 2013 Außenminister der Tschechischen Republik. Von 2009 bis 2015 war er Vorsitzender der 2009 neu gegründeten Partei TOP 09. Bei der Präsidentschaftswahl in Tschechien 2013 unterlag er Miloš Zeman. Ab 1979 war er das Familienoberhaupt des Hauses Schwarzenberg.

Leben Herkunft Schwarzenberg kam 1937 in Prag als zweites von vier Kindern in der römisch-katholischen Familie des Karl Schwarzenberg (1911–1986; bis 1918: VI. Fürst von SchwarzenbergVgl. als Oberhaupt der „Sekundogenitur“-Linie Worlik) und der Antonie Leontine Schwarzenberg, geborene Prinzessin zu Fürstenberg (1905–1988), zur Welt. Seine Mutter entstammte einem deutschen Fürstenhaus, war in Österreich aufgewachsen, sprach Deutsch und Englisch und war auch des Tschechischen mächtig; sein Vater entstammte einer der führenden Familien der ehemaligen Donaumonarchie, lebte auf der Burg Orlík in Südböhmen und war nationaltschechisch orientiert wie das gesamte Haus Schwarzenberg seit dem Zerfall Österreich-Ungarns am Ende des Ersten Weltkriegs und der Tschechoslowakischen Unabhängigkeitserklärung von 1918. Der Vater sprach mit den Kindern nur tschechisch, die Mutter deutsch. Schwarzenberg besuchte als Kind tschechischsprachige Schulen, am Esstisch wurde zwischen Deutsch und Tschechisch wochenweise gewechselt.Barbara Tóth: Karl von Schwarzenberg. Die Biographie. Carl Ueberreuter, Wien 2005. Schwarzenberg sprach Tschechisch in einer altertümlich anmutenden Form.

Im März 1939 wurde die Tschechoslowakei zerschlagen, nachdem sie von Hitlers Truppen besetzt worden war. Das Oberhaupt des Hauses Schwarzenberg, Adolph Schwarzenberg, ein entfernter Verwandter, hatte sich bereits nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 öffentlich gegen das Nazi-Regime gestellt, war 1939 nach Italien emigriert und 1941 in die USA. Sein direkter Cousin, Adoptivsohn und vorgesehener Erbe Heinrich Schwarzenberg (1903–1965) wurde auf Befehl Heinrich Himmlers in das KZ Buchenwald verschleppt.Tagesspiegel, 29. März 2009, Karel Schwarzenberg: Schlossherr ohne Schloss Kein Angehöriger des Hauses Schwarzenberg nahm die angebotene deutsche Staatsbürgerschaft an. Adolphs gesamter im damaligen Reichsgebiet (also in Deutschland, Österreich und dem Protektorat Böhmen-Mähren) gelegener Besitz wurde 1940 auf persönlichen Befehl Himmlers durch die Gestapo enteignet. Dies betraf allerdings nicht den Besitz anderer Schwarzenbergs, wie Karels Vater, doch stand die Familie insgesamt unter Verdacht und Beobachtung. Nach Kriegsende erließ das tschechoslowakische Parlament im Sommer 1947 die Lex Schwarzenberg, ein eigenes Gesetz, durch das ausschließlich der Besitz Adolph Schwarzenbergs, etwa ein Viertel Südböhmens (Jihočeský kraj), ohne Entschädigung in Staatseigentum überführt wurde. Die übrigen tschechoslowakischen Großgrundbesitzer, darunter Karels Vater in Orlík, wurden nach dem kommunistischen Umsturz vom 25. Februar 1948 enteignet. Im Dezember 1948 verließen die Eltern Schwarzenbergs mit ihren vier Kindern die Tschechoslowakei. Die Emigration der Familie wurde durch ihre zweite, die Schweizer Staatsangehörigkeit erleichtert.

Jugend in Österreich Die Familie lebte zunächst in Strobl im Salzburger Land, das in der amerikanisch besetzten Zone von Nachkriegsösterreich lag. Hier besaß die Familie seiner Mutter ein Jagdhaus, der Vater arbeitete als Bibliothekar für das Amerika-Haus in Salzburg. Schwarzenberg besuchte ab 1951 zunächst das Gymnasium in Gmunden. Im April 1954 zog die Familie in ein Zinshaus im dritten Wiener Gemeindebezirk, der im britischen Sektor gelegen war. Dort besuchte er das Gymnasium Kundmanngasse und schloss dort 1957 mit der Matura ab.Karel Schwarzenberg: Der schlechte Schüler besucht seine Schule. In: kurier.at, Jänner 2019, abgerufen am 4. April 2019. Er war ab 1953 Mitglied der Schülerverbindung K.Ö.M.L. Tegetthoff zu Wien im MKV. Der Vater arbeitete als Archivar für das Schwarzenberg’sche Archiv auf Schloss Murau, das seinem Cousin Heinrich Schwarzenberg gehörte. Nach der Matura begann Karl nacheinander Studien der Rechts- und Forstwissenschaften in Wien, Graz und München, schloss diese aber nicht ab.

Im Jahr 1960 wurde Karl von seinem entfernten Onkel Heinrich Schwarzenberg (1903–1965) adoptiert, der seinerseits 1940 von seinem Cousin Adolph Schwarzenberg, dem Oberhaupt der Primogeniturlinie, adoptiert worden war und diesen 1950 beerbt hatte. Damit wurde er zum designierten Erben des außerhalb Böhmens gelegenen Familienbesitzes. Nach dem Tod des Onkels 1965 trat er dessen Erbe in Österreich und Deutschland an und wurde 1979, als Heinrichs älterer Bruder Joseph (1900–1979) kinderlos starb, auch Familienoberhaupt. Er vereinigte damit in seiner Person die beiden Linien (Primogenitur und Sekundogenitur) der Familie.

Erste politische und wirtschaftliche Aktivitäten in Wien In den 1960er Jahren war Schwarzenberg in Österreich politisch tätig. So war er Paul Lendvai zufolge gemeinsam mit Hermann Withalm und Josef Klaus hinter den Kulissen an der Reform der ÖVP in den Jahren vor der Nationalratswahl 1966 beteiligt, bei der die ÖVP die absolute Mehrheit erzielte.Paul Lendvai: Mein Österreich – 50 Jahre hinter den Kulissen der Macht. 4. Auflage, Ecowin, Wien 2007, ISBN 3-902404-46-9, S. 89. Lendvai berichtete auch von letztlich nicht erfolgreichen Bestrebungen in der ÖVP, Schwarzenberg Mitte der 1960er Jahre das österreichische Außenministerium oder ein Staatssekretariat zu übertragen.

Schwarzenberg selbst erinnerte sich 2010 an diese Zeit mit den Worten: Im Gespräch mit Karl Schwarzenberg. In: Helene Maimann (Hrsg.): Über Kreisky. Gespräche aus Distanz und Nähe. Falter Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85439-455-6, S. 98.

In den Jahren 1969/70 war Schwarzenberg als Kreditgeber an Oscar Bronners Gründung des österreichischen Wirtschaftsmagazins trend beteiligt. Es erschien im Jänner 1970 zum ersten Mal. Wenige Monate später ließ Bronner das Nachrichtenmagazin profil folgen.Die 1970 gegründeten Magazine bestehen durchgängig bis heute.

Präsident der Helsinki-Föderation Schwarzenberg unterstützte frühzeitig den Widerstand gegen die kommunistische Regierung in der Tschechoslowakei. Rückblickend sagt er: Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings von 1968 setzte er sich für die Oppositionellen ein und engagierte sich auf internationaler Ebene für die Menschenrechte. Unter anderem war er von 1984 bis 1991 auf Vorschlag Bruno KreiskysIm Gespräch mit Karl Schwarzenberg. In: Helene Maimann (Hrsg.): Über Kreisky. Gespräche aus Distanz und Nähe. Falter Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85439-455-6, S. 101. Präsident der Internationalen Helsinki-Föderation für Menschenrechte. 1989 erhielt er gemeinsam mit Lech Wałęsa den Menschenrechtspreis des Europarates.

Dokumentationszentrum zur Förderung der unabhängigen tschechoslowakischen Literatur Von 1986 bis 2000 beherbergte er auf Schloss Schwarzenberg in Scheinfeld das in Hannover gegründete Dokumentationszentrum zur Förderung der unabhängigen tschechoslowakischen Literatur, wo die von dem Emigranten Vilém Prečan angelegte Sammlung von Samisdat-Literatur, die aus dem Ostblock herausgeschmuggelt worden war, ihr Archiv fand. 2003 wurde es dem Prager Nationalmuseum übergeben.

Politiker in der Tschechoslowakei beziehungsweise in Tschechien mini|Karel Schwarzenberg in seiner Funktion als tschechischer Außenminister überreicht der US-Außenministerin Hillary Clinton in Prag eine eingerahmte Fotografie eines Treffens von US-Präsident Bill Clinton, seiner Frau Hillary und dem tschechischen Präsidenten Václav Havel (Dezember 2012) mini|Karel Schwarzenberg als Laudator für Hanna Suchocka, Preisträgerin des Internationalen Adalbert-Preises 2015 (Mai 2015) Nach der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei und der Wahl Václav Havels zum Staatspräsidenten fungierte Schwarzenberg vom 10. Juli 1990 bis 1992 als dessen Büroleiter mit dem Titel Kanzler. Sein Amtssitz befand sich auf der Prager Burg.Neben der Prager Burg befindet sich das Renaissance-Palais Schwarzenberg, das sich seit 1948 nicht mehr im Familienbesitz befindet.

1996 erwarb er die seit 1990 in Prag erscheinende liberale Wochenzeitschrift Respekt. Im November 2004 wurde er im Stadtbezirk Prag 6 für sechs Jahre in den tschechischen Senat gewählt, nominiert von der Partei Freiheitsunion – Demokratische Union (US-DEU).Election to the Senate of the Parliament of the Czech Republic held on 5.11. – 6.11.2004. In: Results of Elections and Referendums (volby.cz; englisch). Czech Statistical Office (Hrsg.), abgerufen am 2. Mai 2019: Karel Schwarzenberg im Wahlergebnis der Senatorenwahl 2004. Bis zu ihrer Auflösung im Jahre 2007 war er Mitglied der Partei Demokratische Bürgerallianz (ODA).

Am 9. Jänner 2007 wurde Schwarzenberg von Staatspräsident Václav Klaus zum Außenminister vereidigt und war damit Mitglied des Kabinetts Mirek Topolánek II.Václav Klaus hatte im Vorfeld aufgrund der „Verbundenheit“ Schwarzenbergs zu Österreich Bedenken gegen dessen Ernennung geäußert. Er war von den tschechischen Grünen nominiert worden. Dann gehörte der Adelige zu den populärsten tschechischen Politikern. Während seiner ersten Amtszeit war Schwarzenberg aufgrund der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft in der ersten Jahreshälfte 2009 außerdem Vorsitzender des Rats für Allgemeine Angelegenheiten (Außenminister). Mit der Amtseinführung der Übergangsregierung unter Jan Fischer am 8. Mai 2009 wurde er als Außenminister von Jan Kohout abgelöst. Schwarzenberg schloss sich daraufhin der vom Finanzminister der Regierung Topolánek, Miroslav Kalousek, initiierten neuen Partei TOP 09 an und wurde am 11. Juni 2009 zum Vorsitzenden dieser Partei gewählt. In: Tschechien-online, 11. Juni 2009, abgerufen am 26. Juni 2009. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2010 wurde er ins Abgeordnetenhaus gewählt – daraufhin gab er seinen Sitz im Senat vorzeitig auf.

Am 13. Juli 2010 zog Schwarzenberg in der Mitte-rechts-Regierung von Premierminister Petr Nečas erneut als Außenminister in das Palais Czernin ein. Nečas trat am 17. Juni 2013 zurück. Im Übergangskabinett von Nečas Nachfolger Jiří Rusnok, das bis zu den vorgezogenen Neuwahlen am 25./26. Oktober 2013 im Amt war, wurde wiederum Jan Kohout Schwarzenbergs Nachfolger als Außenminister. Die TOP 09 erhielt 12,0 Prozent der Stimmen und somit 26 der 200 Sitze. Schwarzenberg wirkte seitdem als Oppositionspolitiker im Abgeordnetenhaus. Im November 2015 übergab er den Parteivorsitz der TOP 09 altersbedingt an Miroslav Kalousek. Am 4. Parteitag von TOP 09 wurde er am 28. November 2015 zum Ehrenvorsitzenden gewählt.Miroslav Kalousek se stal šéfem TOP 09, strana má v nově zvoleném vedení padesát procent žen. In: Hospodářské Noviny (tschechisch), 29. November 2015, abgerufen am 2. Mai 2019. Bei der Parlamentswahl 2017 konnte er erneut einen Sitz im Abgeordnetenhaus gewinnen. Zur Wahl 2021 verzichtete er auf eine weitere Kandidatur.Stephan Löwenstein: Der Mann hinter Václav Havel tritt ab. In: FAZ.net, 21. August 2021, abgerufen am 21. August 2021 (Artikel hinter Bezahlschranke).