Charlotte „Lotti“ von Gwinner (Ehename: Charlotte von Wedel; * 13. Oktober 1891 in Berlin; † 20. Mai 1972 in Possenhofen) war eine deutsche Schriftstellerin, Fotografin und Privatière

Leben Charlotte von Gwinner war die jüngste Tochter des Bankdirektors Arthur Gwinner und der Anna Speyer, einer Tochter des Bankiers Philipp Speyer, und eine Enkelin von Wilhelm Gwinner, des Freundes und Testamentsvollstreckers von Arthur Schopenhauer. Ihr Großvater und damit die Familie wurden 1908 in den erblichen Adelsstand erhoben. 1913/14 besuchte sie die landwirtschaftliche Hochschule, Berlin.

Am 31. Mai 1917 heiratete sie in Krumke, dem altmärkischen Gut ihres Vaters, der damals Sprecher des Vorstandes der Deutschen Bank war, den Bergrat und späteren Rittmeister d. R. Berndt Janusch Bogislav von Wedel (* 1. Mai 1882 Belgard in Pommern; † 25. Juli 1935 Berlin), einen Sohn des Landwirts Bogislav von Wedel(-Komptendorf) und der Anna von Berndt. Es war eine Doppelhochzeit mit ihrer Schwester Margarethe, die den Geigenprofessor Karl Klingler heiratete. Die Ehe der von Wedels blieb kinderlos und wurde 1921 geschieden.

1919 lernte sie Rainer Maria Rilke kennen. 1920/21 besuchte sie das philosophische Seminar in Heidelberg. 1922-27 Studium der Kunstgeschichte in Heidelberg und München. 1927-1932 pendelte sie zwischen München und Berlin (Mutter). 1930 eigene Wohnung in der Sophienstr. 5, Berlin. 1937/38 Kauf der Villa in Possenhofen. ab 1938 Verfolgung als Mischling 1. Grades und Ausschluss aus den meisten Vereinen und der Reichsschrifttumkammer. Verbot zu Publizieren.

Charlotte von Gwinner lebte ab 1939 in Possenhofen und hatte ihre Wohnung in Berlin vermietet, die dann zerbombt und im März 1940 aufgelöst wurde. 1942 schwere Unterleibsoperation bei Prof. Albrecht in München. Juni 1943 Vorladung von der Gestapo. 23.11.1944 Luftmine zerstört das Elternhaus in der Sophienstr. 25 in Berlin. 1944 Ausschluss aus dem ADAC. Im September 1944 durchsucht die Gestapo Possenhofen. Androhung schwerster Zwangsarbeit, Einberufung zum Kohleschippen. 17.4.1945 Geplante Deportation. Ab 1947 Herzkrankheit und Schwerhörigkeit. 1948 fand ihre 1. Auslandsreise nach dem Krieg statt. Sie bereiste u.a. 5x Ägypten, Japan, Mittelmeerraum, Frankreich, Schweiz und Nordafrika und die USA.

Sie arbeitete zeitweise als Photographin. Ihre Veröffentlichungen erschienen bis 1943 unter ihrem Mädchennamen, seither unter dem Namen „Charlotte (Lotti) von Wedel“, unter dem sie 1966 Ehrenmitglied der Schopenhauer-Gesellschaft wurde.

Schriften

Herausgeberin: Wilhelm von Gwinner: Arthur Schopenhauer aus persönlichem Umgang dargestellt. Kritisch durchgesehen und mit einem Anhang neu herausgegeben von Charlotte von Gwinner. F. A. Brockhaus, Leipzig 1922. Herausgeberin: Wilhelm Gwinner: Arthur Schopenhauer, aus persönlichem Umgang dargestellt: Ein Blick auf sein Leben, seinen Charakter u. seine Lehre. Kramer, Frankfurt am Main, 1963. 2. Aufl. Kramer, Frankfurt am Main, 1987. ISBN 978-3-7829-0349-3. Herausgeberin: Arthur Schopenhauer: Reisetagebücher aus den Jahren 1803–1804. F. A. Brockhaus, Leipzig 1923. Franz Kuypers, Charlotte von Gwinner Griechenland. Mit 96 Bildtafeln nach Originalaufnahmen von Charlotte von Gwinner und einer Übersichtskarte. F.Bruckmann AG, München 1935. Charlotte von Gwinner: Sieben Briefe von Caroline Medon an Arthur Schopenhauer. 30. Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft, 1943, S. 207–213. Kurt Lange, Charlotte von Wedel Ägypten. Landschaft und Kunst. Deutscher Kunstverlag Berlin, 1943. Charlotte von Wedel: Arthur von Gwinner. 43. Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft, 1962, S. 83–85. Herausgeberin: Wilhelm von Gwinner, Arthur Schopenhauer aus persönlichem Umgang dargestellt. Ein Blick auf sein Leben, seinen Charakter und seine Lehre. Frankfurt a. M. 1963

Literatur

von Wedel, Charlotte. Deutsches Literatur-Lexikon. 34. Band. Berlin-München-Boston 2015.

Einzelnachweise

⚭Charlotte #Gwinner Kategorie:Schopenhauer-Forscher Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1891 Kategorie:Gestorben 1972 Kategorie:Frau