Sierning ist mit seinem Ortsteil Frauenhofen ein Ort im Unteren Steyrtal im Traunviertel von Oberösterreich, wie auch Hauptort, Ortschaft und Katastralgemeinde der Gemeinde Sierning im Bezirk Steyr-Land.

Geographie Ort Sierning Der Marktort SierningNach Statistik Austria ist der Gemeindehauptort nominell die Ortschaft. befindet sich 9 Kilometer westlich von Steyr. Er liegt am Südrand der Traun-Enns-Platte auf einer Terrasse über der unteren Steyr, auf um die Höhe. Der Ort bildet sich aus den beiden gänzlichen verschmolzenen Ortslagen Sierning um die Kirche und Frauenhofen im Süden,In der gemeindeeigenen Gliederung wird nur Frauenhofen als Gemeindeteil (Ortschaft) geführt. Information von Sierning. sierning.at > Gemeinde & Politik > Wissenswertes, abgerufen am 10. Juli 2018. und ist mit den Orten Paichberg, Neidberg und Obergründberg im Norden auch schon weitgehend zusammengewachsen.

Katastralgemeinde Sierning

Die Katastralgemeinde Sierning mit 684,8 Hektar erstreckt sich von der Terrassenkante oberhalb von Neuzeug bis an die Gemeindegrenze im Hametwald. Der dortige Graben gehört zum Seilerbach (Vallabach), der über Schiedlberg zur Krems geht. Dazu gehören auch die Ortslagen Paichberg und Neidberg.

Der Katastralgemeinde entsprechen die beiden Zählsprengel Sierning-Nord und Sierning-Süd. Bis 2010 entsprach sie der Ortschaft Sierning, eine von seinerzeit neun Ortschaften.

Ortschaft Sierning

Die Ortschaft Sierning hat etwa 4000 Einwohner, circa die Hälfte der Gemeinde.

Seit 2010 werden in der Gemeinde nurmehr zwei Ortschaften geführt, Sierning und Neuzeug. Die alte Ortschaft entsprach der Katastralgemeinde.

Geschichte und Infrastruktur Einige Streufunde im Raum legen nahe, dass das Gebiet bereits von den Römern besiedelt wurde.

Der Ortsname ist slawischer Herkunft und kommt von *Crnica, entweder aus , zu modern slowenisch ‚schwarz‘, oder zu altslawisch ‚Weide[land]‘,Zweiteres etwa in: Viktor Lumtzer, Johann Melich: Deutsche Ortsnamen und Lehnwörter des Ungarischen Sprachschatzes. VI von J. Hirn, J. E. Wackernell (Hrsg.); Leo-Gesellschaft: Quellen und Forschungen zur Geschichte, Litteratur und Sprache Österreichs und seiner Kronländer. Wagner’sche Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck 1900, S. 58 (, utoronto.ca) – dort žirŭ;anlautendes «z» aber wie „ß“zu sprechen; Angabe nach Karolinger-Gräberfeld bei Sierninghofen. In: Tagespost. Linz, 26. Oktober 1953; zitiert in Franz Stroh: Das karolingische Gräberfeld von Sierninghofen. In: Veröffentlichungen des Kulturamtes der Stadt Steyr. Heft 15, Dezember 1955, (Artikel-)S. 4 f (pdf, steyr.dahoam.net); Pohl hingegen verweist darauf, dass frühe Entlehnungen von «š/č» „[t]sch“ ins Deutsche oft nur mit «c» wiedergegeben sind, und deutsch „s“/„sch“ dann schwankend ist: Heinz-Dieter Pohl: Ortsnamen slawischer bzw. slowenischer Herkunft in Kärnten und Osttirol. In: Namenkundliche Informationen. 99/100, 2001, S. 301 f (, qucosa.de; dort S. 3 f; Artikel auch andernorts erschienen). mit als allgemeine Flur- oder Flussnamenbildung mit Verkleinerungsform.Heinz Dieter Pohl: Slawische und slowenische (alpenslawische) Ortsnamen in Österreich. Auf uni-klu.ac.at, o. D. (2002/2003, abgerufen am 10. Juli 2018). Die Übertragung wäre also ‚Wiesen-‘ oder ‚Schwarzbach‘ – wohl für den heutigen Sierninger BachWohl nicht die Steyr, deren Name älter ist; Werner Emmerich hat darauf hingewiesen, dass Zitiert in op.cit. Stroh: 1955, S. 4. – respektive ‚Wiesen-‘ oder ‚Schwarzau‘. Er ist als Sirnicha in der Stiftung für das Kloster Kremsmünster durch Herzog Tassilo 777 urkundlich, in der die Benediktiner dreißig Slawen und das von ihnen gerodete Land übertragen bekamen.Heike Johanna Mierau: Vita communis und Pfarrseelsorge: Studien zu den Diözesen Salzburg und Passau im Hoch- und Spätmittelalter. Verlag Böhlau, 1997, S. 443. Diese Slawen kamen von Dietach, und hatten hier in der Gegend (der späteren Slavendekanie) in Eigeninitiative Land urbar gemacht.Tassilo schreibt: – Angabe und Übersetzung op.cit. Stroh 1955, S. 4.

Der Ortsname ist ein unechter -ing-Name (diese sind frühe bairische Wohnstättennamen, durchwegs zu einer Person), „Sierning“ ist eine spätere Angleichung (14. Jh. Syerninch).op.cit. Stroh: Das karolingische Gräberfeld 1955, S. 5. Es wird anfangs der Flurname gewesen sein, die beiden Althöfe von um 800 sind Sierninghofen und Frauenhofen, im Laufe des frühen 9. Jahrhunderts kamen Neidberg und Paichberg dazu.Hans Krawarik: Frühmittelalterliche Erschliessung im unteren Traungau. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 147/1, Linz 2002, S. 88 (ganzer Artikel S. 75–125, , dort S. 14);dslb: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese. Reihe LIT Geographie, Band 19, Verlag Lit, Wien/Berlin 2006, ISBN 3-8258-9040-6, S. 136.

Frauenhofen ist noch um 1313 als Vronhoven, also ‚Fron-Hof‘, urkundlich, war also der herrschaftliche Verwaltungssitz (Herrenhof).Diskussion der -hofen-Namen hier im Raum op.cit. Stroh 1955, S. 5 f (zu Sierninghofen). 1459 erscheint Fraunhofen, wohl eine Umdeutung, weil dieser Hof dann dem Benediktinerinnenkloster Traunkirchen gehörte.Franz Hufnagl, Heinrich Marchetti: Der Bezirk Gmunden und seine Gemeinden: von den Anfängen bis zur Gegenwart. Eigenverlag, 1991, S. 473/474. 1347 sind 34 zum Amt Traunkirchen gehörige Häuser genannt. Der Name Fraunhofen gilt bis in das 19. Jahrhundert.Die Josephinische Landesaufnahme (um 1780) gibt Frauenhofen, Franziszäischer Kataster (um 1830) und Franzisco-Josephinische Landesaufnahme (um 1880) geben Fraunhofen (Alle Landesaufnahmen DORIS: Erste Landesaufnahmen oder online auf Arcanum/Österreichisches Staatsarchiv: mapire.eu).

Schon für das 8. Jahrhundert wird hier eine erste Missionskirche angenommen,Geschichte der Pfarre: Pfarrkirche Sierning, St. Stephanus. dioezese-linz.at (abgerufen am 11. Juli 2018). und Grabstätten dieser Zeit sind in Frauenhofen (Frauenhofenweg bei Hausleiten)David Johann Russ: Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Steyr – Gleink, Hausleitnerstrasse. Diplomarbeit Universität Wien, 2013, S. 7 f (pdf, univie.ac.at); Details Juta Leskovar, David Ruß: Frühmittelalterforschung in Oberösterreich 1990–2011, o. n. A.; (academia.edu). ebenso nachgewiesen wie in Paichberg (Hühnerleitenstraße) und Sierninghofen (Schottergrube).Dazu ausführlich op.cit. Stroh: Das karolingische Gräberfeld von Sierninghofen 1955, S. 5.

Vor 985/991 (Erwähnung in der Synode von Mistelbach) erfolgte durch das Bistum Passau auch die Gründung einer eigenen Pfarre, – insb. S. 420 zur Pfarre. einer bedeutenden Mutterpfarre etlicher weiterer Kirchen im östlichen Traunviertel. Im Mittelalter verlief hier ein wichtiger Salzhandelsweg, die „Salzstraße“, von Gmunden im Salzkammergut her ostwärts.Werner Lugs: Die römerzeitliche Verbindung zwischen Steyr und Enns. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 149a, Linz 2004, S. 218 und Karte S. 215 (ganzer Artikel S. 213–221, , dort S. 6, Karte S. 3). Bedeutendere Bauphasen der Pfarrkirche datieren um 1000 und in das 14. Jahrhundert. 1588 wurde der Pfarrhof in ein Renaissance-Schlössel, das heutige Schloss Sierning, umgebaut.

1588 (Zweiter Bauernaufstand), 1611 (Einfall des Passauer Kriegsvolks) und 1626 (Bauernkrieg des Fadinger) war der Ort in Kriegshandlungen involviert.

In den 1830ern wurde die Steuergemeinde Sierning geschaffen. Mit Schaffung der Ortsgemeinden 1848/49 wurde der Ort Sierning 1851 Hauptort der neuen politischen Gemeinde.

Noch Ende des 19. Jahrhunderts waren Sierning und Frauenhofen zwei wenig entfernte aber getrennte kleine Orte, Sierning als Kirchweiler um die Stephanskirche und an der Steyrer und Schiedlberger Straße, und Frauenhofen mit dem Ortskern um den Forsthof an der Bad Haller Straße. 1891 wurde hier die Flügelstrecke Pergern–Bad Hall der Steyrtalbahn erbaut, eine Schmalspurstrecke, die die Rudolfsbahn im Ennstal und die Kremstalbahn verband. Sierning erhielt einen Bahnhof (Bereich Bahnhofstraße/Wallernstraße).Steyrtalbahn: Der Bahnhof Sierning im Jahr 1930. Bild 4 von Fotostrecke zum Beitrag: Die Steyrtalbahn dampft seit 125 Jahren. Sabine Thöne auf meinbezirk.at, 13. Mai 2014. Mit der Entwicklung der Industrie in Steyr ab dieser Zeit setzte auch in Sierning eine intensivere Ortsentwicklung ein. Um 1900 hatte die Ortschaft noch 250 Gebäude mit um die 2000 Einwohnern gehabt, um 1960 über 400 Gebäude, um 2000 über 800 Gebäude.

1933 wurde die Teilstrecke Sierning–Bad Hall stillgelegt und Anfang der 1940er Jahre zwecks Materialgewinnung abgetragen.

1967 wurde dann auch das Reststück der Flügelstrecke (Pergern–Sierning) eingestellt, an die Bahnlinie erinnert heute die Bahnhofsstraße.

1973–1983 entstand die Umfahrung Sierning, mit der die B122 Voralpen Straße in einem großen Rechtsbogen südlich von Sierning-Frauenhofen vorbeiführt. Mit ihr wurde auch die B140 Steyrtal Straße angebunden, sie setzt sich in der zeitgleich entstandenen Umfahrung Sierninghofen Richtung Steyr fort.Verordnung des Bundesministers für Bauten und Technik vom 26. November 1973 betreffend die Bestimmung des Straßenverlaufes der B 122 Voralpen Straße und der B 140 Steyrtal Straße im Bereich der Gemeinde Sierning. BGBl. Nr. 611/1973; Rückstufung der Alttrasse BGBl. Nr. 378/1983 (beide als hinfällig aufgehoben mit dem Zweiten Bundesrechtsbereinigungsgesetz BGBl. I Nr. 61/2018).

2010 wurde die Gemeinde neu gegliedert und die Ortschaft Sierning ausgeweitet.Ortsverzeichnis 2001; Änderung per Ortsliste Statistik Austria, 4. November 2010.

2010 entstand auch die Westumfahrung Sierning, mit der Anbindung der Schiedlberger Straße (L 1372) bis Paicherg, womit der Ortskern heute frei von Durchzugsverkehr ist.Westumfahrung Sierning soll Bewohner entlasten.In: Oberösterreichische Nachrichten online (nachrichten.at), 4. Januar 2010.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Theresia Helm, verehel. Bruckner (* 1801; † 1860), Mutter des Komponisten Anton Bruckner.

Einzelnachweise

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