mini|Schauplätze der Fredonian Rebellion und des Texanischen Unabhängigkeitskriegs Die Fredonian Rebellion beziehungsweise die kurzzeitige, daraus resultierende Republic of Fredonia (21. Dezember 1826 bis 23. Januar 1827) war der erste Versuch angloamerikanischer Siedler in Texas, sich von Mexiko zu trennen. Die Siedler, angeführt von dem Landempresario Haden Edwards, erklärten ihre Unabhängigkeit vom mexikanischen Texas und gründeten die Republik Fredonia in der Nähe von Nacogdoches.
Überblick mini|hochkant|Guadalupe Victoria Die Republic of Fredonia war das Ergebnis einer kurzzeitigen Rebellion, welche nach einem Monat niedergeschlagen wurde beziehungsweise in sich zusammenbrach. Ausbruchsort war ein Territorium, welches die mexikanische Regierung 1825 dem US-Amerikaner Haden Edwards gewährt hatte, jedoch bereits in den Jahrzehnten zuvor von spanischstämmigen Einwanderern besiedelt worden war. Edwards Aktionen entfremdeten die etablierten Bewohner schnell und die zunehmenden Feindseligkeiten zwischen ihnen und Siedlern, welche von Edwards rekrutiert wurden, veranlassten Victor Blanco als örtlichen Statthalter der mexikanischen Regierung, den mit Edwards abgeschlossenen Besiedlungsvertrag zu widerrufen.Siehe Überblick-Darstellungen in A Sketch History of Nacogdoches, W. B. Bates, The Southwestern Historical Quarterly, Volume 59, July 1955–April, 1956, S. 494 und Fredonian Rebellion. Archie P. McDonald, Texas State Historical Association, 12. Juni 2010 (Engl.)
Im Gegenzug übernahm eine Gruppe von Edwards’ Unterstützern Ende Dezember 1826 die Kontrolle über die Region. Sie entfernten mehrere Gemeindebeamte, welche mit den etablierten Bewohnern verbunden waren, aus dem Amt, nahmen flankierend einige Verhaftungen vor und erklärten ihre Unabhängigkeit von Mexiko. Obwohl ein in der Nähe siedelnder Cherokee-Stamm unter Führung von Chief Richard Fields zunächst einen Vertrag zur Unterstützung der neu ausgerufenen Republik unterzeichnete, überzeugten die mexikanischen Behörden sowie der angesehene Empresario Stephen F. Austin die Stammesführer, die Rebellion abzulehnen. Am 31. Januar 1827 marschierte eine Truppe von über 100 mexikanischen Soldaten sowie 275 Milizionären aus dem südwestlich gelegenen Landcharter von Stephen Austin in Nacogdoches ein, um die Ordnung wiederherzustellen. Haden Edwards und sein Bruder Benjamin flohen in die Vereinigten Staaten. Chief Richard Fields wurde von Mitgliedern seines eigenen Stammes getötet. Ein lokaler Händler wurde als Rädelsführer verhaftet und zum Tode verurteilt, allerdings kurz danach wieder freigelassen.
Die Rebellion veranlasste den mexikanischen Präsidenten Guadalupe Victoria dazu, die militärische Präsenz in der Region zu erhöhen. Eine Auswirkung dieser Militärpräsenz war, dass mehrere feindliche Stämme in der Region ihre Überfälle auf Siedlungen einstellten und sich zum Abschluss eines Friedensvertrags bereiterklärten – eine Maßnahme, welche speziell das Verhältnis zwischen den die südliche Prärie beherrschenden Comanche und den Mexikanern dauerhaft zum Besseren wendete. Aus Angst, die Vereinigten Staaten könnten durch die Rebellion die Kontrolle über Texas erlangen, schränkte die mexikanische Regierung die Einwanderung aus den USA in die Region stark ein. Im Gegenzug wurde das neue Einwanderungsgesetz von den angelsächsischen Kolonisten erbittert abgelehnt und führte zu zunehmender Unzufriedenheit mit der mexikanischen Herrschaft. Eine Reihe Historiker betrachtet die Fredonian Rebellion so als den eigentlichen Beginn der Texanischen Revolution.
Hintergrund mini|Politische Aufgliederung Mexikos (1824) Bereits während der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft war der nordöstliche Teil Neuspaniens – die Provinz Texas – in den Blickpunkt angelsächsischer Siedler, Landspekulanten und Abenteurer gerückt. Speziell der östliche Teil der Provinz mit der Bezirkshauptstadt Nacogdoches entwickelte sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts immer mehr zum Schauplatz angelsächsischer Besiedlungs- und Landnahme-Aktivitäten. Zwei frühe Unternehmungen waren die Gutiérrez-Magee Expedition 1812/1813 und die Long Expedition 1819 bis 1821. Bei beiden handelte es sich um typische Filibuster-Operationen, welche von einzelnen Akteuren geplant und durchgeführt wurden. Das Ziel dieser kurzlebigen Einfälle in das dünnbesiedelte Gebiet bestand darin, mittels einer militärischen Aktion sowie der Ausrufung einer unabhängigen Texanischen Republik Fakten zu schaffen. Beide Aktionen scheiterten schnell. Die Expedition von Bernardo Gutiérrez und Leutnant Augustus Magee wurde von den spanisch-mexikanischen Streitkräften ebenso aufgerieben wie die von Dr. James Long sechs Jahre später., Historic Town Center Nacogdoches, aufgerufen am 27. September 2018 (Engl.)
Nach dem Sieg im Mexikanischen Unabhängigkeitskrieg 1821 schlossen sich mehrere Kolonien des ehemaligen Vizekönigreichs Neuspanien zu einem neuen Staatsgebilde zusammen – Mexiko. Das neue Staatsgebiet teilte sich in mehrere Provinzen auf, und das als mexikanisches Texas bekannte Gebiet wurde Teil der Grenzprovinz Coahuila und Tejas. Um das große Gebiet zu regieren, wurde die Provinz weiter untergliedert; im Zug dieser Untergliederung wurde Mexikanisch-Texas dem Distrikt von Béxar (heute: San Antonio) zugeteilt. Auf der lokalen Ebene wurde das Gebiet in kleinere Verwaltungseinheiten unterteilt, die jeweils von einem Alcalde regiert wurden – einer Funktion, die in etwa der eines heutigen Bürgermeisters entspricht. Ein großer Teil von Osttexas – in Ost-West-Richtung reichend in etwa vom Sabine River bis zum Trinity River, in Süd-Nord-Richtung von der Golfküste bis zum Red River – wurde Teil der Gemeinde Nacogdoches.Joe E. Ericson: The Nacogdoches story: an informal history. Heritage Books, Berwyn Heights (Maryland) 2000. ISBN 978-0-7884-1657-6, S. 33 u. 35. (Engl.) Die meisten Einwohner der Gemeinde waren spanischsprachige Familien, die ihr Land bereits seit Generationen innehatten.William C. Davis: Lone Star Rising. Texas A&M University Press / New York Free Press 2004. ISBN 978-1-58544-532-5, S. 70. (Engl.) Eine zunehmende Zahl waren englischsprachige Einwohner, die während des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges illegal eingewandert waren. Viele der Einwanderer waren Abenteurer, die als Teil verschiedener militärischer Filibuster-Gruppen angekommen waren mit der Absicht, innerhalb von Texas während der spanischen Herrschaft unabhängige Republiken zu schaffen.Fredonian Rebellion. Archie P. McDonald, Texas State Historical Association, 12. Juni 2010 (Engl.)
Um die dünn besiedelte Grenzregion besser kontrollieren zu können, verabschiedete die mexikanische Bundesregierung 1824 das General Colonization Law. Das neue Gesetz diente dazu, eine legale Einwanderung nach Texas zu ermöglichen. Dem Gesetz zufolge sollte jede Provinz ihre eigenen Anforderungen für die Einwanderung festlegen. Nach einer Debatte am 24. März 1825 genehmigte die Landesregierung von Coahuila und Tejas ein System, welches den Empresarios Land zur Verfügung stellte – unter der Voraussetzung, dass diese jeweils Siedler für ihre eigene Kolonie rekrutierten. Darüber hinaus erhielten sie für je 100 Familien, die sich in Texas niedergelassen hatten, rund 93 Quadratkilometer Land zum Anbau und zur Ansiedlung.
Während der Beratungen über das Gesetz reisten eine Reihe potenzieller Charter-Anwärter nach Mexiko, um eine Zuteilung zu erhalten. Unter ihnen befand sich auch Haden Edwards, ein amerikanischer Landspekulant, der sowohl für seine Schnelligkeit als auch für seine aggressiven Methoden bekannt war.Ericson, The Nacogdoches story, S. 37. (Engl.) Obwohl sich Edwards in Mexiko eher undiplomatisch verhielt und eine Reihe Mitglieder der mexikanischen Administration vor den Kopf stieß, erhielt er am 14. April einen Landnahme-Vertrag, welcher es ihm erlaubte, 800 Familien in Ost-Texas anzusiedeln. Bestandteil des Vertrags war unter anderem eine Standardklausel, welche Edwards verpflichtete, alle bereits bestehenden spanischen und mexikanischen Landtitel in seinem Zuschussgebiet anzuerkennen, eine Miliz zum Schutz der Siedler in der Region aufzubauen und dem staatlichen Landkommissar zu gestatten, alle erteilten Urkunden zu beglaubigen.
In West-Ost-Richtung umfasste Edwards Kolonie das Land vom Navasota River bis 32 Kilometer westlich des Sabine River, von Süden nach Norden ein Gebiet beginnend 32 Kilometer nördlich des Golfs von Mexiko bis 25 Kilometer nördlich der Stadt Nacogdoches. Im Westen und Norden der Kolonie befanden sich Länder, die von mehreren indianischen Stämmen kontrolliert wurden, die kürzlich aus den Vereinigten Staaten vertrieben worden waren. Die südliche Grenze bildete die Kolonie von Stephen F. Austin, dem Sohn des ersten angloamerikanischen Charter-Nehmers auf texanischem Boden. Östlich von Edwards Kolonie lag der ehemalige Sabine Free State, eine neutrale Zone, welche 1806 als Puffer zwischen den Staatsgebieten der USA und Neuspanien-Mexiko etabliert worden war und sich in der Folge zum El Dorado für Gesetzlose, Landnehmer und Schmuggler entwickelt hatte.Ericson, The Nacogdoches story, S. 36. (Engl.) Die Grenzen der neuen Kolonie und der Gemeinde Nacogdoches überschnitten sich teilweise, was in der Folge unter anderem zu Unsicherheit darüber führte, welche Instanz genau für welche Funktion zuständig war.
Vorgeschichte der Rebellion mini|Haden Edwards (ca. 1820) Edwards kam im August 1825 in Nacogdoches an. In der Annahme, dass er die Berechtigung hatte, die Gültigkeit bestehender Landansprüche zu bestimmen, forderte Edwards im September schriftliche Eigentumsnachweise seitens der Altsiedler. Andernfalls, so Edwards, würden ihre Ansprüche verfallen und das Land auf einer Auktion verkauft werden.Julian Samora, Patricia Vandel Simon, Cordelia Candelaria, Alberto L. Pulido: A History of the Mexican-American People. University of Notre Dame Press, Indiana 1993. ISBN 978-0-585-33332-8, S. 79. Seine harsches Auftreten in der Kolonie war – so die Einschätzung aktueller Historiker – zumindest teilweise von Vorurteilen getrieben: Edwards verachtete diejenigen, die ärmer waren oder einer anderen Rasse angehörten. Darüber hinaus jedoch verfolgte seine Deklaration auch eine unmittelbare, handfeste Absicht: Indem er weniger wohlhabende Siedler enteignete, konnte er sein Land wohlhabenden Pflanzern zuweisen, die – wie er selbst – aus den südlichen Staaten der USA kamen.Ericson, The Nacogdoches story, S. 38. (Engl.)
Sehr wenige der englischsprachigen Einwohner hatten gültige Titel. Diejenigen, die nicht als Landerschließer angekommen waren, wurden von betrügerischen Landspekulanten getäuscht. Die meisten spanischsprachigen Grundbesitzer lebten auf Landbesitz, der seit 70 oder mehr Jahren im Besitz der jeweiligen Familie war; Papiere, die dieses belegten, gab es in der Regel nicht. Im Vorgriff auf den Konflikt zwischen dem neuen Empresario und den langjährigen Bewohnern des Gebiets begannen der amtierende Alcalde der Gemeinde, Luis Procela, und der Gemeindeangestellte Jose Antonio Sepulveda, alte spanische und mexikanische Landtitel zu validieren. Als Reaktion beschuldigte Edwards die regionale Administration, vollendete Tatsachen schaffen zu wollen – ein Vorwurf, welcher die Bewohner zusätzlich verärgerte.Ericson, The Nacogdoches story, S. 38–39. (Engl.)