Ernst Klippel (mit allen Vornamen Ernst August Josef Klippel, auch unter Pseudonym Erich Keller; * 19. April 1872 in Liebau, Schlesien; † 28. August 1953 in Berlin) war ein deutscher Architekt, Ingenieur Orientalist, Ethnologe und wurde als Schriftsteller bekannt.
Leben und Wirken mini|Erlöserkirche um 1900 Klippel nahm nach dem Besuch von Oberreal- u. Baugewerkschule Privatunterricht in den klassischen Sprachen Latein und Altgriechisch und studierte Architektur und Altertumswissenschaft an der Technischen Hochschule in München. Es folgten 1895 Kunst- und archäologische Studien in Griechenland, Kleinasien und Italien.
Anfang 1896 schloss er sich in Jerusalem dem Team des Berliner Architekten und Bauhistorikers Friedrich Adler zum Bau der evangelischen Erlöserkirche an. Klippel hatte dort zeitweise die Bauleitung und bearbeitete auch die Entwürfe für eine deutsche Kolonie und ein Hospiz.
Mitte 1897 trat er in den ägyptischen Staatsdienst ein. In der Abteilung für Denkmalpflege (Comité de Conservation des Monuments de l'Art Arabesiehe gleichnamigen Artikel in der englischsprachigen Wikipedia.) leitete er die umfangreichen Restaurierungen der historischen Befestigungen in Alt-Kairo (u. a. der Moscheen des Emir-al-Mardani, des Sultan Hassan) sowie der altkoptischen Kultgebäude in Kairo und Oberägypten.
Klippel lebte während seiner ägyptischen Schaffensperiode etwa 12 km nordöstlich des Stadtzentrums von Kairo in Mataria, dem antiken Heliopolis und wurde als Regierungs-Bauinspektor und Schriftsteller bezeichnet. Seine wiederholten Studienreisen in den Balkanländern, der Türkei, Syrien, Tunesien und im oberen und unteren Niltal brachten ihm tiefere Erkenntnisse in die orientalische Denkweise und Gefühlswelt und veranlassten ihn zu einem ernsteren Studium des Arabischen und des Islams. Ausgedehnte Urlaubsreisen machten ihn mit den Kunst- und Literaturschätzen Frankreichs, Englands, Belgiens und Hollands näher bekannt. Die 1908 als private Hochschule gegründete Universität Kairo mit anfangs überwiegend europäischen Lehrkräften ermöglichte ihm das Studium der französischen, englischen und arabischen Literatur, der semitischen Philologie und Geschichte. Seine Erkenntnisse hielt er in zahlreichen ethnographischen Aufsätzen und Skizzen fest. Die ersten Artikel erschienen ab 1910.
Das Historische Architektenregister führt Ernst Klippel 1929 als Regierungsbauinspektor, also Staatsbeamter in Berlin.Verantwortung, Tätigkeit und Dauer sind nicht aufgeführt
Begegnung mit Karl May Es ist wahrscheinlich, dass der in Kairo tätige Ernst Klippel dort dem Schriftsteller Karl May begegnete, der sich auf seiner Orientreise befand. Klippel berichtet jedenfalls über mehrfache Treffen im April 1899 in Mays Hotel Bavaria (Bayrischer Hof) und im Gasthaus eines Wilhelm Boehr beim Münchner Bier. Er erwähnte diese Zusammenkünfte 1932 – also erst 33 Jahre danach – in einen kurzen Artikel in der Zeitschrift Die Gartenlaube, den er Karl May und Ernst Keil. Eine Erinnerung von Ernst Klippel betitelte.
Schon Dieter Sudhoff und Hans-Dieter Steinmetz, die Verfasser der Karl-May-Chronik bezeichnen die Erinnerung als ausschmückend. Kritiker werten ein Detail als nicht glaubhaft: laut Klippel erzählte ihm May von einer Indianergeschichte, die er schon mit 16 Jahren (1858) der ersten und größten Illustrierten Die Gartenlaube, angeboten habe. Ernst Keil, der Gründer und Herausgeber, wies sie aber in einer umfangreichen Antwort zurück. May interpretierte diese Ablehnung ironisch als seinen ersten literarischen Erfolg. Die Experten fanden die nicht belegte Auseinandersetzung zwischen May und KeilUlrich Schmid: Das Werk Karl Mays 1895–1905. Erzählstrukturen und editorischer Befund. Materialien zur Karl-May-Forschung, Band 12. Verlag Heimat- und Volkskunde (KMG-Presse), Ubstadt 1989, ISBN 3-921983-17-7. S. 19. (Onlinefassung) in dem 1910 (11 Jahre nach den Kairo-Treffen) veröffentlichten May’schen Werk Mein Leben und Streben wieder.Karl May: Mein Leben und Streben. 1910, S. 99 f. Sie halten es bei den enormen Zeitdifferenzen (1858 – 1899–1910 – 1932) für verständlich, dass Klippel für seine Schilderung Textpassagen von May übernommen hat, statt aus verblasster Erinnerung Fehler einschleichen zu lassen. Zur Indianergeschichte selbst heißt es bislang: „Wenn schon nicht wahr, so doch gut erfunden“.
Veröffentlichungen
Bei arabischen Beduinen. Enßlin & Laiblin, Reutlingen 1942 (illustriert von Alfred Zacharias)
Mitwirkung in Gesellschaften und Werken
Klippel brachte sein Fachwissen in anerkannte Text- und Bildwerke anderer Autoren ein wie z. B.
sowie als Bearbeiter der Orientalia des Herder-Lexikons
Er war Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, der Royal Asiatic Society und der Society of Authors in London, der Association Littéraire et Artistique Internationale in Paris.
Die Societé Khédiviale de Geographie in Kairo, deren Vorstandsmitglied er bereits einige Jahre war, publizierte seine Studien über die Folklore bédouin de l'Égypte.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise GND-Eintrag http://d-nb.info/gnd/117524131 GND-Eintrag http://d-nb.info/gnd/117524123
Ernst Klippel – Kairo. In: Das Magazin für die Literatur des In- und Auslandes. Band 157–158, 1909, S. 78–82. siehe Lit: Historisches Architektenregister zur Bau- und Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts...
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